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Schon nach einer Stunde wurde jedoch unter Zuziehung der aus St. Germain berbeigeeilten Vardelandwehr der Feind zurückgedrängt.
— Einem Privatbriese aus Paris vom 21. Dez. entnimmt der londoner Correspondent der „Köln. Zig“ folgende Angaben: Wir slad, so beißt es dahin, schlechterdings nicht im Stande, Berläßlicheß über den noch vorhandenen Vorrath von Lebensmitteln zu erfahren. Die Regierung verslchert, daß für noch 2 Monate Pferdefleisch, Mehl und Wein vorhanden sei. Diese Angabe kann ich nun allerdings nicht bestimmk als falsch bezeichnen, das jedoch weiß ich, daß ich gestern von meinem Bäcker kein Brod bekommen konnte, da stin gesammter Vorrath schon am frühen Morgen durch die Menge fsortgeschleppt worden war. Die arbeitenden Klassen steben namlich die ganze Nacht hindurch vor den Bäckerladen und demächtigen sich des neugebackenen Brodes in den frühen Morgenstunden. Schon sind werthvolle Reit- und Wagenpferde geschlachtet worden, um zu ¼ Pfund per Kopf als Ration für drei Tage vertheilt zu werden. Von den Droschkenpferden mögen ebenfalls schon zwei Drittel den Weg der Schlachtbank gegangen sein, so daß die Zahl der Droschken bereits merklich zusammengeschrumpft, ist. Penpchst mülssen bi teln bal Wenn es wahr ist, daß die Regierung bereits ein Embargo auf sie 4 bat, wird es mit dem Omnibusfahren demnächst wohl auch zu Ende, und Paris über kurz oder lang zumrist auf Pflanzenkost angewiesen sein. Elnstweilen läßt sich ein Huhn noch immer um 25 Fr. erstehen, eine Gans um 80, ein Truthahn um 100 und ein Kaninchen um 30 Fr. Daß die Ratte be— liebte Normalkost geworden, sei, isty eine Ueber⸗ teibung, aber im lleberfluß schwelgen wir wahr hastig nicht, und hat die erwachsene Bevölkerung bisher noch keinen dringenden Mangel empfunden, leiden Kranke, Greise und nun gar Kinder doch gewaltig. Die Sterblichkeit ist doppell so groß, als sonst um diese Jahreszeit, und die Kinder verkommen zu Hunderten aus Mangel geeigneter Pflege. Trotz allem dem hält die Bevölkerung sich wacker, und wehe dem, der von Capitulation spräche. Lieber verhungern, ist die Losung. Und dem- gemäß bebilft sich Jeder mit dem Wenigen, was er erschwingen kaun. Als Ersatz für die knappe Fleischkost werden kräftige Extrakte aus Knochen, Hörnern und Hufen, nabrhafte Brühen und Gelee's aus den sonst unbenutzten Thiereingeweiden sabriziit, ja selbst die Buttrr versucht man letzt in sehr nothdürftiger Weise durch ein aus Fett und Cocosnußöl bereitetes Präparat zu ersetzen, welches zur Seise allerdings in näherer Ver- wandtschaft als zur echten Butter steht.
— Nach Berichten des„Daily News“ Corre- spondenten in Paris sah man sich genöthigt, in den Armetcommando's Aenderungen eintreten zu lassen: Die großen Verluste in den letzten Ge⸗ fechten(man schätzt sie auf 8000 Mann, darunter 1000 Gefangene), find zwar theilweise durch Einstellung von Natlonalgarden ergänzt worden, trotzdem mußte die erste Diviston(Malroy) der zweiten Armee aufgelöst und mit der dritten Diviston verschmolzen werden, während das Corps des Generals Blanchard ganz aufgelöst wurdr. Ferner ist das 147. Bataillon der Nationalgarde wegen Insubordinatton aufgelöst; der zweite Fall dieser Art.
Aus Paris liegen Ballon- Nachrichten vom 21. Dez. vor, welche folgende Angaben über die Lebensmittelpreise machen: Eiue Selletiwurzel zwischen 75 Cent. und 1 Fr. 20 Cent., Cham⸗ pignogs 2 Fr. 60 Cent., Kohl der Kepf 1 Fr. 25 Cent. bis 2 Fr., ein wenig Blumenkohl 1 Fr. 50 Cent. bis 4 Fr., kleiner Kohl 1 Fr. das Stück, greßer Kohl 6 Fr.; ein Huhn kostet 25 Fr., Kaninchen 30 Fr drei Tauben warden um 24 Fr. verkauft.— Am Sonntag den 18. Dez. starb in einer Kammer eines„Hotel garni“ den Hunger tod Frau Hamelin, die Wittwe des Botschafters Frankreichs in Konstantinepel unter Louis Philippe, die Schwägerin des Admirals Hamelin. Sie
war 06 Jahre alt. Die Todesfälle mehren sich erschredlich. Blatteru blelden siationär. Außer-
dem ist diese Vermehrung durch typhöses Fieber, Hals- und a hün pngen Graef 1 — 90 hegten ige We weile Armee hal gegenwärtig Stellungen einge nommen, welche darauf berechnet sind, der Cer⸗ nirungsarmee, sowie dem Feinde gegenüber die Lolrelinie und die ae e zu halten, Die letzten Tage seit der Rückkehr des General Feld- marschalls Prinzen Friedrich Karl nach Orleans sind ruhig vergangen, und wenn die deutschen Truppen auch in Bewegung waren, so hat doch kein Zusammentreffen mit dem Feinde stattgesunden. —— Orleans, 26. Dez. Es wird Sie gewiß interessiren, einiges über die bei Orleans in unsere Hände gefallenen Flußkanonenboote zu erfahren, die jetzt in unserem Interesse benutzt werden sollen. Aber machen Sie sich keine zu große Vorstellungen von diesen Kanonen booten, deun es sind in der That nur Boote, die sich noch nicht einmal unt den kleinen Dampfbooten auf dem Rheine, den sog. Nußschalen, vergleichen lassen. Jedes dieser 4 Boote, von denen eins ganz, das andere halb untergesunken ist, ist nicht länger als etwa 50 Fuß, bei einer Breite von 12—16 Fuß. Auf 71 Vordertheil des ganz offenen Schiff cbt eine messingene Kanone dle scdoc e eco zum Mate 1415 ist. Die kleine Dampsmaschine treibt eine Schraube, die wie gewöhnlich unter dem Steuer angebracht ist. Außzen sind die Boote über dem Wasser schwarz grthrert— Auf dem Hintertheite steten die Namen A e Ve c.. Auf dent ganzen Ding en; im höchsten Falle 8 Mani Platz; 4 am Geschütze, 1 am Dampskessel, 1 am Steukt, der commanditende Offizier and 1 Hater⸗ ofßzier, Bei Eisgang, wie win ahn eben gauf der Loire haben, sind diese Schiffchen gar nicht zu gebrauchen, da sie von den Eisschollen umgeworfen würden, weßhalb sie auch von den Franzosen stehen gelassen wurden, da in jener Nacht als sie abzogen die Loire ebenfalls stark mit Eis ging. Wozu sie eigentlich! gat und nützlich sind, kann ich mir nicht recht erklären, glaube auch laum, deß sie von besonderem Rutzen für uns sein werden. Da die Boote zu leicht sind, wird jeder Schuß aus der Kanone, der bekanntlich immer einen ziemlich heftigen Rückstoß zur Folge hal sie in Gefahr bringen umzuschlagen. Wie ich von Augenzeugen höre, sollen die Kanonenboote auf der Seine vitk größer sein. Doch abgesehen von dem Allem hat mall den Entschluß gefaßt, diese Bovte mik dkutschen Stelcuten zu bemangen, und sind brute deßhal) 120 Malrosen mit. 8 Offizieren und 2 Aerzten hier eingetroffen, pie heute Nachmittag um 2 Utzt an der Lolxe auf⸗ gestellt waren und vom Prinzen Friedrich Karl inspicitt wurden. Dit krästigen, meist untersetzten Gestalten dieser Sekleutr“ mit ihren runden, schwarzen Wachsleinwandhüten, in ihren dunklen Röcken machten auf uns Landsoldgten einen ganz eigenthümlichen Eindruck. Wozu überhaupt diese Masse von Malrosen hierher commandirt ist, ist deuselben selbst nicht klar. Sie hatten sich eine ganz andere Vorstellung von diesen„französischen Spielereien“, wie es einer derselben nannte, ge⸗ macht und waren von dem Anblicke sehr enttäuscht. Von den Vorkommnissen in der letzten Zeit kann ich Ihnen leider nichts berichten, pa ich seit etwa 14 Tagen hier im Laßgreth liege. Gehe jedoch in 2—3 Tagen wieder zu meinem Truppensheile ab. — Die Festungen in Deutschlaud sind schon alle mit franzoͤsischen Gefangenen überfüllt. Der Trausport der letzteren in offenen unbe⸗ deckten Kohleuwagen Tag und Nacht bei einer Kälte von 8 bis 12 Grad, wie dies leider schon mitunter geschehen ist, erzeugt saber Krank⸗ heiten und ist eine Härte, welche die deutsche Humanität selbst gefangenen Gegnern nicht zumuthet. Gedeckte Wagen sind indessen nicht zur Genüge vorhanden, und es sollen deßhalb jetzt auch die großen Forts bei Metz zur Auf— nahme der Gefangenen mit verwandt werden. An 12— 14,000 franzoͤsische Gefangene wird man immerhin in diesen Forts und in den
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Allgemeinen daselbst auch 1 1 größeren Schwie⸗ rigkeiten, als in einer deulschen Festung — Die Räumung Dijon's durch das Werder'sche Corps und desen Zurückgehen auf die Linie Vesoul⸗Belfort iss eine Vorsichtsmaß⸗ regel, Werder ist mit def 4, Reservehlviston und dem noch verfügbaren Glogauer Reserve⸗ corps(in Straßburg) stark genug, dort erfolg⸗ reichen Widerstand zu leistfn. Der Abzug von Dijon erfolgte am 27. d.; leider blieben etwa 700 Verwundete und Klanke zurück. Das Hauptquartier des General v. Werder befindet sich seit dem 28. d. in Vesoul. f
pruntrut, 31. Dez. Deutsche Truppen sind in Eilmärschen vor Belfort eingetroffen. General Treskow ist am 29, auf Recognostirung in Delle angekommen. Be Grandvillars sind deutscher Seits Befestigungel errichtet worden.
Dem„Sch. M.“ wird von einem würtem⸗ bergischen Kanonler bel der Velagerungsartee von Belfort geschrieben: Dit hiesige Belagerung läßt sich nicht mit der von Straßburg vergleichen. Dort hatte man ganz ebeses Terrain, in dem man nothwendig Parallele unlegen mußte“, auch ging dies dort verhältnißmäßig rasch und leicht. In, dem weichen Boden, koßnte man sich durch das Einschneiden von Laffgräben vortreffliche Deckung verschaffen und sich so der Festung all ⸗ mälig im Zickzack nähern; hier ist dies Alles ganz ole Höhen, welche ven verschüsdenen Fesfüngswerken gegenüberliegen oder diese behsrrschen, zu gewinnen, dort Batterien anzulegen und durch ein wohl- gezieltes Schnellfeuer die feindlichen Werke, sowit die Gebäude, welche einen Zufluchtsort für die Feinde bilden, als Kasernm it, zu vernichten. Alle Grabarbeiten, welche und so weit sie bis jetzt ausgeführt werden konten, beschränken sich, abgesehen von den Batteriet und deren Commu- nikationen, lediglich auf eiifache Schützen- oder Laufgräben. — Der Berner„Bund“ theilt ein Schreiben eines schweizerischen Militärarztes mit, worin Beschwerde geführt wird über unerhörte Ver⸗ letzungen der Genfer Convention, deren sich die Franzosen neuerlich schuldig gmacht, Er schreibt: Die Genfer Conventson ist in den Gefechten in den Wäldern von Orleans vicffach verletzt worden. Ich sah am 30. Novembet einen französischen Militärarzt, von dem nicht nur französische Ge⸗ fangene es behaupteten, sondern der selbst offen es eingestanden, daß er mit sfinem Revolver vele preußische Verwundete eischossen hat. Er wurde vor ein Kriegsgericht gestellt und füsilirt. Viele Franktireurs— so erzählen uns zahlreiche Ver⸗ wundete— zogen bei rückgängigen Bewegungen Genfer Binden aus der Tasche und glaubten so iht Leben zu versichern. Daß Zielen auf Ver⸗ wundete kam öfters vor und Verschiedene wissen von Solchen, die drei bis fünf Schüsse im Leibe haben, und erzählen beredt von dem Vergnügen(J) feindlicher Patrouillen, auf noch lebende Ver— wundete Feuer zu geben. Franzosen aller Truppen⸗ gattungen mit einer Genfer Binde drängten sich in die von den Preußzen besetzten Dörfer, recog- noscirten und informirten sich nach allen Leuten, bis sie endlich verhaftet wurden. Verschiedene von Verwundungs⸗Fällen rühren von Explostons⸗ Flintenkugeln her, deren eine unabgeschossen ich dem Generalaczt übergeben konnte. Patienten fühlen erst einen Schuß und bald darauf einen zweiten stärkern. Sie haben nur eine Schuß⸗ oͤffnurg dabei, aber riesige Zerstörungen. Ich babe z. B. einen Fall: Eintritt der Kugel in der Mitte der Wade und der Schußkanal läuft durch die Kniekehle in die Mitte des Oberschenkels.
Bern, 29. Dez. Laut Privatnachrichten aus Besangon, die in Pruntrut eingetroffen, bestaͤtigt sich der Vormarsch eines 25,000 Maun starken französischen Truppencorps über St. Hyppolite, Audincourt und Bourgogne der schweizer Gränze entlang auf Belfort zu, um diese Festung zu entsetzen. In Folge dessen hält man eine Schlacht, in welcher, da auch die Generale v. Werder und v. Tresckow Ver—
andern offentlichen Gebäuden von Metz unter⸗ bringen können. Ihre Bewachung macht im
stärkungen au sich gezogen haben, 50 bis 60,000
anders, hier handelt es sich vorzugsweise darum,
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