zweite bayerische Division bei der Occupations⸗ Armee.
— Die Lücken, welche bisher in den nord— deutschen Küsteneisenbahnen noch bestehen, sollen nunmehr so schleunig und so vollständig wie mög⸗ lich ausgefüllt werden. Die Bahn von Tisit nach Memel wird noch in diesem Jahre in An- griff genommen werden, und es bleibt dann nur noch der Ausbau der directen Bahn von Bremen nach Hamburg übrig, um eine unterbrochene Schienenkette von Memel bis Emden den stra— tegischen und commerciellen Interessen dienstbar zu machen. Außerdem sollen die nunmehr con— eissionirten Bahnen von Bremerhaven nach Cux- haven anderseits im Laufe der beiden nächsten Jahre fertig gestellt werden. Die Herstellung die— ser Eisenbahnen steht in Verbindung mit dem allgemeinen Küstenbefestigungssystem, das gleich⸗ falls bis Ende des Jahres 1873 vollendet sein wird.
— Gegenüber der Mittheilung, daß trotz der deutschen Reichsverfassung ein Regiments-Com- mandeur die Zulassung eines im Kriege gegen Frankreich als sehr brav erprobten Juden zur Offiziercharge abgelehnt, berichtet die„K. H. Z.“ aus Königsberg i. Pr., daß von den dort im vorigen Jahre zu den Fahnen einberufenen Israe— liten drei, und zwar einer bei der Infanterie und die beiden andern bei der Cavallerie, zu Offi- zieren befördert wurden; es sind dies die Herren L. Bloch, R. Wedel und J. Eichelbaum. Er- sterer wurde außerdem mit dem eisernen Kreuze decorirt.
Frankfurt. Indem in der Kriegsführung jetzt schon die Eisenbahnen von großem Einflusse sind, stellt sich mehr und mehr das Bedürfniß heraus, dieselben für die Zukunft in den Bereich der Laadesvertheidigung zu ziehen, und wie wir vernehmen, wird von dem Kriegsministerium in Berlin nochmals die seit einer langen Reihe von Jahren vorgeschlagene Erfindung des Civil-In— genieurs Parje dahier in Erwägung gezogen, insbesondere die Brücken zu panzern. Da sich auch die Anlagekosten, bei größerer Solidität, einer vollständig gepanzerten Brücke mit doppelten Eisenbahngeleisen, Fuß- und Fahrwegen, selbst in der Größe wie bei Köln über den Rhein, nicht wesentlich höher stellen, als für gewöhnliche Brücken, so ist in Folge dessen eine baldige Ausführung zu erwarten. Die Pfeiler bestehen aus hohlen Hartguß-Eisenmauern und der Oberbau ist ein schmiedeeiserner Cylinder mit ebenfalls aus Schmiede- eisen oder Stahl angebrachter spitzwinkeliger Ge— schoßabweisung. Pfeiler und Oberbau sind mit Kanonenschießscharten versehen, so daß die Brücke mit den kleinsten bis zu den stärksten Geschützen armirt, jedem Angriffe, sei er zu Lande oder zu Wasser, mit Erfolg widerstehen kann.
— Das„Fr. J.“ schreibt: Der hier tagen den internationalen Commission wurde auch die Regelung det andelspolitischen Verhä'tnisse zwi⸗ schen Elaß und Lothringen und dem früheten Mutterlande zugewiesen. Watzrscheinlich handelt es sich vorerst um Herstellung eines Provisoriums. Zu diesem Behufe haben die Herren Diplomaten sehr oft Conferenzen mit Großindustriellen und Kaufleuten aus den genannten Provinzen und den zunächst liegenden französischen Grenzdepartements. — Bekanntlich war seit einiger Zeit auch General— Oberpostdirector Stephan in unserer Stadt an- wesend, um die postalischen Verhältnisse zwischen Elsaß⸗Lothringen und Frankreich zu regeln. Wahr⸗ scheinlich wird Frankfurt die Centralstelle für den Postverkehr zwischen den neuen Provinzen und dem deutschen Reiche werden.
— Eine Correspondenz desselben Blattes sagt: In der Rede, welche Thiecs neulich in der National- versammlung zu Versailles über die römische Frage gehallen, lesen wir u. A. auch die bemerkenswerthe Notiz daß der Papst trotz der großen Noth, in der er sich befinde, doch einen Theil des Peters- pfennigs zu Gunsten der französischen Verwun— deten verwendet habe. Also gewiß eine angt— messene Verwendung der Gelder, von denen ein großer vielleicht der größte Theil aus Deutschland eingegangen, zumal wir uns nicht erinnern,
irgendwo gelesen zu haben, daß der Papst eine gleiche Berücksichtigung auch den deutschen Ver⸗ wundeten habe zu Theil werden lassen.
München. Die Universität München hat den Stiftsprobst! Dr. v. Döllinger zum Rector für nächstes Studienjahr gewählt.— Die Wahl erfolgte mit 54 gegen 6 Stimmen. Anwesend waren 63 von 78 stim unberechtigten Professoren. — Zu Universitätssenatoren wurden heute ge— wählt: Prof. Friedrich, Plank, Riehl, Petten- kofer, Zittel und Cornelius. Dieselben sind sämmtlich Gegner der„Unfehlbarkeit“.
— Das Ministerium des Auswärtigen wurde dem früheren Kammerpräsidenten Grafen Hegnen- berg ⸗Dux angeboten, derselbe hat jedoch abgelehnt.
— Der„N. K.“ meldet: Die Gesandtschafts⸗ posten Bayerns in Karlsruhe, Stuttgart, Darm- stadt, Petersburg und Florenz werden in den nächsten Finanzetat nicht mehr aufgenommen wer— den. Es treten hiernach Ersparungen von un— gefähr 70,000 fl. jährlich ein.
Stuttgart. Wie man von hier der„B. B.⸗3tg.“ berichtet, wird nach Eingang der auf Württemberg entfallenden Quote der französischen Contributionsgelder eine außerordentliche Amorti⸗ sations-Verloosung der württembergischen Staats- anleihen stattfinden.
Heidelberg. Dieser Tage hat eine Com— mission von großh. hessischen und badischen De— legirten in unserer Stadt getagt, um die näheren Bedingungen für den Bau einer directen Eisen— bahn zwischen Worms und Mannheim(auf dem rechten Rheinufer und mit einer festen Brücke über— den Rhein bei Worms) festzustellen. Der nun— mehr definitiv vereinbarte Staatsvertrag dürfte demnächst ratificirt werden. Den Bau der neuen Bahn unternimmt bekanntlich die hessische Ludwigs⸗ bahn-⸗Gesellschaft.
„Straßburg. Endlich ist bier mit dem Wiederaufbau der zerstörten Stadttheile begonnen worden. In der Steinstraße sieht man allent— halben Neubauten in die Höhe steigen, noch mehr in der Weißthurmstraße und wenn man so fort— fährt zu bauen und Entschädigung auszuzahlen, dürften in zwei Jahren die Spuren des Krieges fast verschwunden sein—
„ die in der letzten Zeit straff gehaltenen Zügel werden(wie der„N. Bad. Edsztg.“ mit- getheilt wird) abermals ein wenig gelockert; von jetzt an bleiben die Thore wiedet bis 11 Uhr Abends geöffnet.— Der„Magdeburgischen Zei— tung“ schreibt man aus Leipzig vom 24 Juli: Als ein einzelnes günstiges Zeichen, daß die Ver— söhnung der Gemüther im Elsaß doch schon recht erfreuliche Foͤrtschritte gemacht hat, darf das Be— glückwünschungstelegramm betrachtet werden, welches die freiwillige Feuerwehr in Straßburg an die hiesige freiwillige Rettungscompagnie, welche vor- gestern ihr sechzigjähriges Bestehen fe erte, gerichtet hat. Es ist in diesem Glückwunsche gleichzeitig die Hoffnung ausgesprochen, daß man Straßburg als Festort für das nächste deutsche Feuerwehrfest erwählen wird.
Aus dem Elsaß. Die Auswanderung der elsäßer Knaben hat noch immer nicht aufgehört. In Buchs weiler hatten erst dieser Tage wieder eine Anzahl Knaben— darunter sogar welche im Alter von 8 Jahren— nachdem ein großer Theil derselben die Kassen ihrer Eltern, natürlich ohne deren Vorwissen, in Anspruch genommen hatte, eine Auswanderung beschlossen und aus— geführt, so daß ca. 37 Knaben aus dortiger Stadt vermißt wurden. Am Abend waren jedoch die meisten von ihren Eltern eingeholt und zurück— gebracht. Am nächstfolgenden Morgen wurden noch weitere sechs der Ausreißer, zu mehrecen an einander gefesselt, unter Gendarmeriebegleitung dort eingeliefert, was hoffentlich für weitere jugend⸗ liche Auswanderungslustige eine Warnung sein wird. Es werden noch sieben Knaben vermißt.
Ausland. Oesterreich Pest.„Pesti Naplo“ er—
fährt als fast zweifellos, daß Fürst Bismarck und Graf Beust gleichzeitig mit ihren Monarchen in
Gastein zusammenkommen und auch die Graf Andrassy und Hohenwart dort erscheinen werden
Frankreich. Paris. Die letzten Nachrich⸗ ten aus Algerien, die von Mitte des laufenden Monats datirt sind, lauten wieder sehr beun⸗ ruhigend. Thatsache ist, daß sich gegenwärtig 70,000 Mann in Algerien befinden, und daß dieselben nicht genügen, um den Aufstand zu unterdrücken. Der Kriegsminister hat daher die
abermalige Absendung von Truppen angeordnet.
Die Insurrection wüthet gegenwärtig in den Pro⸗ vinzen von Algier und Constantine und ins-
besondere in den Distrieten vom Fort National,
Cherchell und Milas, sowie in den Sub⸗Divi⸗ sionen von Bona, Batna und Setif.
— Aus zahlreichen Städten der vom Kriege am meisten heimgesuchten Departements sind Pe—
titionen eingelaufen, worin das Ansuchen gestellt
wird, daß die ihnen auferlegten Contributionen von ganz Frankreich mitzutragen seien. Das Journal des Debats hebt namentlich die Petition des Municipalrathes von Ham hervor, worin folgender Passus vorkommt: Es ist das nicht bloße Gefühlssache, es ist eine durch die französische Einheit auferlegte Pflicht, welcher man sich nicht entziehen könnte, ohne diese Einheit tief zu er— schüttern.
— Wie verlautet, beabsichtigt das linke Cen⸗ trum demnächst den Antrag einzubringen, die Vollmachten Thiers zu verlängern.
— Die Regierung bat allen Mairieen ver boten, in Zukunft deutschen Landesangehörigen Unterstützungen zukommen zu lassen.— General Manteuffel, Commandant der Occupations-Armee in Frankreich, ist auf Urlaub nach Deutschland abgereist; er will dort die Bäder gebrauchen. An seiner Stelle führt General Stosch den Ober— befebl.— Der Liberte wird aus Frankfurt a. M. geschrieben: Die Preußen setzen hier ihre tra⸗ ditionelle Spionage fort. Es ist notorisch, daß die nach Frankfurt geschickten Beamten der fran— zösischen Bank, in ihrem Hotel bei Tische von einem preußischen als Kellner verkleideten Ge— sandtschafts- Attache bedient worden sind.(22) Derselbe war beauftragt, auf die geringste ihnen entschlüpfende Indiscretion zu achten, welche zur Erpressung irgend eines Vortheils hätte dienen können.(11)
— Wie verlautet, hat die Commission zur Berathung der Armeereorganisation die Bestim- mung angenommen, daß außer der aktiven Armee und der Reserve kein bewaffnetes Corps organi— sirt werden darf. Hierdurch wäre also das Institut der Nationalgarde beseitigt und die Bildung von Franctireurs für die Zukunft untersagt.
— Nach der Opinion nationale ist die Nach⸗ richt, Marschall Bazaine habe auf die Einladung der militärischen Commission, vor ihr zu erscheinen, nicht einmal geantwortet, gänzlich unrichtig. Der Marschall hat sich schon vor längerer Zeit zur Disposition des Kriegsministers und jeder be⸗ liebigen Commission gestellt, welche ihn vernehmen will. Er bat die Erlaubniß erhalten, nach Aix zu gehen und wurde benachrichtigt einer Einla⸗ dung nach Versailles gewärtig zu sein.
— Der neue Gemeinderath wird sich in einer seiner ersten Sitzungen mit der Aufnahme einer Anleihe von 600 Millionen zu beschäftigen haben, davon werden 300 Millionen der Bank von Frankreich und dem Credit foncier zurückerstattet, die 300 anderen zum Wiederaufbau der zerstörten städtischen Gebäude verwendet.
Großbritannien. London. Die Ge⸗ sandschaftsposten in Stuttgart, Baden und Darm⸗ stadt sind aufgehoben worden. Morier ist zum Geschäftsträger für Württemberg, Baillie zum Geschäftsträger für Baden und Hessen er nannt.
Friedberg. Nachdem die biestge Turnhalle be⸗ kanntlich schon im Verlaufe vorjährigen Sommers für Aufnahme eines Neserve-Lazareihs eingerichtet worden
war und bis zur Auflösung desselben Verwundete und
Kranke dort Verpflegung fanden, ist das Local nunmehr
durch eine am gestrigen Sonntage stattgehable Feier seiner
eigentlichen Bestimmung wieder zurückgegeben worden. Frankfurt. Die hiesigen Blätter vernehmen von
compeienter Seite, daß das Frankfurter Metzgerhandwerk nicht beabsichtigt, obschon die Einkaufspreise für Ochsen,
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