Ausgabe 
1.7.1871
 
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Seilage.

Skizzen über Leben und Sitten in Frankreich.

Nachstehende Mittheilungen eines hess. Sol daten, der die Kämpfe der hess. Division um Metz und an der Loire bis zu Ende mitgemacht und sich, wie es scheint, überall aufmerksam umgeschaut hat, dürften bei dem großen Interesse, das auch die kleinsten Züge von dem Thun und Treiben in dem Lande für uns haben, das unsere Söhne und Brüder siegreich durchzogen zur Abwehr eines ungerechten Angriffs auf das Vaterland, um so mehr der Veröffentlichung werth erscheinen, als den Berichterstattern in den größeren Zeitschriften in der Regel weniger Gelegenheit sich darbot, Land und Leute durch längeren unmittelbaren Verkehr auch in den einfachsten dörflichen Ver- hältnissen kennen zu lernen.

Im Allgemeinen bat das, was unser Gewährs⸗ mann von dem Leben in Frankreich beobachtet hat, auf ihn den Eindruck größerer Wohlhabenheit ge macht, als sie durchschnittlich in Stadt und Land in Deutschland anzutreffen ist.

Die Städte und Städtchen zeichnen sich nach ihm meist durch Schönheit der freien Plätze, Eleganz der Straßen und öffentlichen Gebäude, sowie großen Comfort in der inneren Einrichtung auch der gewöhnlichsten Bürgershäuser aus. An⸗ genehm überrasche namentlich die große Anzahl schöner, theilweise prachtvoller Kirchen. Jedes Dorf, auch das ärmlichste, habe eine freundliche, hübsche Kirche. Auch die Lebensweise der Leute lesse überall auf Wohlstand schließen. Der Fran⸗ zose sei z. B. auch unter ärmlicheren Umständen in abgelegenen Dorfschaften gewöhnt, zweimal des Tags Fleisch zu essen. Bei der Zubereitung der etwa um 4 Uhr Nachmittags stattfindenden Haupt- nahlzeit werde zugleich für Fleisch auf den kom⸗ nenden Tag zum Frühstück gesorgt, das um 9 Uhr eingenommen werde. Von Kaffee wisse man da- gegen auf dem Lande nichts; Thee werde häufig Abends genommen. In Bezug auf die Fleisch⸗ gattung sei man freilich nicht immer wählerisch. Es soll damit nicht an die Pariser Küchenzettel während der Belagerung erinnert werden. Die Hariser Ragouts sollen ja unter gewöhnlichen Verhältnissen zuweilen bedenklichen Ursprungs sein, ind Hunger hat schon zu ärgeren Abscheulichkeiten getrieben. Ueberdies wird mit Recht betont, daß das Leben in Paris nicht immer als Maßstab dienen aun zur Beurtheilung der Provinzen. Aber unser Gewährsmann hat z. B. in Blois eine Frau, von der nicht anzunehmen war, daß sie der punger dazu trieb, eine Katze mit einer Gemüths muhe und Gewandtheit abthun und zubereiten sehen, die deutlich verrieth, daß dies nicht zum ersten Mal von ihr geschah. Sonst ist die Kochkunst auf dem Lande einfach genug. Alles, Fleisch wie Gemüse, kommt in Einen Topf. Ist der Mischmasch gar, so werden die festeren Bestandtheile mit dem Löffel herausgefsischt, die zurückbleibende Brühe gilt als Suppe.

Wohnung und Kleidung der Dorfbewohner ist noch sehr primitiver Art. In der Champagne sieht man nur Strohdächer. Sonst sind die häuser auch mit Ziegeln gedeckt, dafür ist aber die innere Einrichtung desto einfacher. Ein Vor Hatz erscheint als überflüssiger Luxus; die Haus- blüre führt unmittelbar in den Wohnraum. Der koden desselben ist geplättet oder gestampft, die Pände sind kahl, das Kamin dient zugleich als beerd. Einen Hauptbestandtheil der Kleidung elden überall die Blouse, die Zipfelmütze und die bolzschuhe. Im Norden schon selten, verschwinden die Lederschuhe im Süden absolut. Selbst Psarrer und Schullehrer gehen mit Holzschuhen in die kirche; auf dem Tanzboden ziehen die Mädchen ie Holzschuhe aus und walzen in Gummischuhen.

Die schwarzäugigen französischen Dorfschönen beben unsern Erzähler nicht sonderlich bezaubert. Es finde sich, meint er, bei ihnen vielfach Ueberfluß h Mangel an Reinlichkeit und jener im Haus-

a Syerhessischer Amzeiger.

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wesen waltenden emsigen Thätigkeit, welche die deutsche Jungfrau so schön kleidet. Selbst die verheiratheten Frauen(bei einigermaßen vorge

rückten Jahren meist häßlich) verhielten sich auf.

fallend unthätig innerhalb der vier Wände. Das Kochen besorgten vorberrschend die Männer. Desto mehr beschäftigten sich die Frauen mit Rauchen und Schnupfen. Sogar 15jährige Mädchen bieten oder verlangen eine Prise, und die deutschen Sol daten haben im Quartier ihre Tabaksvorräthe gewöhnlich sorgfältig versteckt gehalten, damit sie ihnen nicht von weiblichen Fingern wegstibitzt wurden.

Die landwirthschaftlichen Geräthe und Mani pulationen fanden unsere Landsleute einer ratio nellen Wirthschaft vielfach wenig entsprechend. So sahen sie nur(oft schwer beladene) zweiräderige Karren, vor denen dann 34 Pferde gespannt waren, immer eins vor dem andern. Die Pflüge sind hoch und ungeschlacht', und die mit ihnen umgerissenen Furchen werden über zwei Fuß breit genommen. Natürlich, daß zu ihrer Bewältigung gleichfalls mehrere Thiere gehören, die auch hier dor einander herlaufen. Aehnlich ist's beim Eggen, wobei die Egge hinten unregiert über den vorge⸗ nommenen Strich geht, vornen hingegen zwei und mehr Leute die Thiere führen. In grellem Abstich zu solchem Verfahren sind überall Dreschmaschinen im Gebrauch, während hinwiederum die bei uns nur noch aus dem Mährchen vomDornröschen bekannte Spindel beim Spinnen wie vor Olim's Zeiten auf dem Boden tanzt. Nach unsern deutschen Anschauungen möchte Manches von dem Mitge- theilten der oben erwähnten Ansicht bezüglich franz. Wohlhabenheit widersprechen. Dem gegenüber hält unser Gewährsmann an seiner Meinung fest. Das Aussehen der Leute, ihr behäbiges Auftreten zeige überall etwas von der Wahrheit des Sprüch⸗ worts:Er lebt wie Gott in Frankreich. Daß

solche Zustände, wle sie übrigens nur dem frucht⸗

baren Boden und dem milden Himmelsstrich zu verdanken sind, den Anforderungen an wirkliche Kulturzustände nicht entsprechen, und die zerrütten⸗ den Folgen des von Frankreich frevelhaft herauf beschworenen und durch fortgesetztes Wüthen in den eigenen Eingeweiden wabnsinnig vermehrten Unglücks auch da Vieles ungünstiger gestalten werden, sei nur beiläufig bemerkt.

Merkwürdig fiel den geschulten deutschen Sol- daten der Mangel an Schulbildung beim Volke auf. Wollte man ein Quartierbillet auf der Straße gelesen haben, so hatte es oft große Noth, bis man Jemanden auftrieb, der lesen konnte. Ja vitle Maire's in den Dörfern befaßten sich nicht mit dieser langweiligen Kunst. Schulhäuser fanden sich zwar meist, wie je bekanntlich in den letzten Jahrzehnten Manches in dieser Hinsicht geschehen ist; so lange aber in Frankreich der Schulzwang, dieser segensreichste unter allem Zwang, nicht ein- geführt sein wird, ist damit doch nur den Mäusen gepfiffen. Was helfen Schulen, wenn sie nicht besucht werden? Möglich übrigens, daß ihr jetziges Schicksal den Franzosen auch über diesen Punkt die Augen öffnet.

Im Uebrigen erschienen auch unserm Be obachter die Franzosen als ein sanguinisches, leicht zum Guten, wie zum Schlimmen fortzureißendes Völkchen. Rubige Erwägung und leidenschafts⸗ lose Beurtheilung der Verhältnisse sind nicht ihre Sache: der Augenblick beherrscht sie und reißt sie fort über die Grenzen hinaus, die ein besonnenes Urtheil sonst sich steckt. Von kindischer, wahn witziger Wuth gegen die Deutschen könnte unser Mann viel erzählen, wenn wir nicht bereits über genug wüßten. Ist doch der Krankenzug, der ihn, ebenfalle krank, nach der Heimath brachte, von der wuthheulenden Menge in den Haltestellen wiederholt mit Steinwürfen empfangen worden! Dagegen darf nicht verschwiegen werden, daß auch er manch' menschenfreundliches Herz gefunden. So war z. B. die Frau auf einer Meierei, wo er im

Quartier lag, um ihn, den an Rheumatismus und Brustkatarrh Erkrankten, in rührender Weise besorgt. Seinen Wein machte sie immer selbst heiß, und nie durfte er ihn ohne Zucker trinken. Mann und Frau wetteiferten bei seinem Abschied mit einander, ihn für die Reise noch zu versorgen. Wein, Eier, Schinken, ja selbst Geld steckten sie ihm zu. Förmlich beladen und dankbaren Herzens schied er von den guten Seelen.

Den Mangel an sittlichem Ernst bei dem fran⸗ zösischen Volk fühlte selbst unser einfacher Soldat heraus. Mit Entrüstung spricht er davon, daß in der Stadt Orleans auf Neujahr Bälle und Tanzmusiken abgehalten wurden. In dem sieg⸗ reichen, dem Gemetzel fernen Deutschland schwieg die Fiedel, man beschästigte sich mit der Pflege der Verwundeten und Kranken, und dort Angesichts der brennenden Städte und Dörfer, der zersprengten oder kriegsgefangenen französischen Heere, inmitten des hoffnungslosen Kampfes und nicht fern von dem in den letzten Zügen ringenden Paris, dort tanzte man!

Die Gartenlaube.

Nr. 26.

Inbalt: Ein Held der Feder. Erzählung von E. Werner.(ortsetzurg.) Die Krankheiten des Hauptbaares und ihre ärztliche Bebandlung Von Stabs⸗ arzt Dr. J. Pincus, Docent an der Untversttät zu Berlin. II. Dret Tage in einem Kartbäuserkloster. Von Dr. Maga in Constanz. Im Fort Montrouge. Von H. Mii Abbuldung: Fort Montrouge am 14. Febr. 1871. Nach der Natur aufgenommen von unserem Feldmaler F. W. Heine. Erinnerungen aus dem heiligen Kriege. Nr. 7. In franzöfisccen Quartieren. IV. Von G. Dorn. Mit Illuflrason: Deulsche Einquartterung im französischen Pfarthause, Nach seinem Oelge⸗ mälde für die Gartenlaube auf Holz gezeichnet von F. Ortlieb in München. Die Wiege eines Königs. Von d. P. Mit Abbildung; Das Geburtshaus Fried⸗ rich Wilbelm's des Drltten in Potsdam. Nach der Nalur aufgenommen. Blätter und Blühen: Zabnoperation unter Schwierigketten. Von F. W. Reuß in London. Die Rüge des Illußrations⸗Diebfsahls. Germania-Gruß den detmkebrenden Siegern. Wit Abbildung: Germania im Stegeskranze. Für die Leipziger Friedensfeste modellirt von L. Albrecht.

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5. 5 35 S 8 r 88 Die soeben erschtenene Rummer 89 2 E 2 314 2 2 2 8 enthält: 8 S8. 188

Der Münzthurm. Ein vaterländischer Roman von Georg Hutl.(Fortsetzung.) Wit Ilustratton von F. Weiß Andress Schlüter in seiner Weikstatt. Jag- geles Jäckle. Mit dem Bude von A. Luben: Die ver⸗ paßte Jacke. Aus der Welt der Börse. III. Hausse und Baisse. Aus unsern neuen Provinzen. 1. Aus Metz. Mit Illustration von P. Lüdere; dallsplelende Mädchen in Metz. 2. Ein Idpll aus dem Elsaß. Von Karl Stieler. Mit Illustration von Th. Pixis: in's Heu im Elsaß. Am Familtentische: Ein Feind in der Luft. Die Göibe-Inschrifst auf dem Straß⸗ burger Münster.

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