Ausgabe 
31.12.1870
 
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Krieg mit seinen harten, grausamen Consequenzen beginnt. Anstatt daß die deutschen Heere sich der langentbehrten Heimath zuwenden könnten, rücken Verstärkungen, die man auf 400,000 Mann schaͤtzt, nach Frankreich hinein; mit aller Wucht soll Stoß auf Stoß geführt werden gegen, den Feind, dessen Tapferkeit und Or⸗ ganisationsfähigkeit man volle Gerechtigkeit widerfahren läßt. Es ist ein Beispiel von seltener Zähigkeit, daß die Franzosen, trotzdem sie in allen großen Feldschlachten unterlagen, dennoch hoffen, eine solche gewinnen zu konnen; sie lassen sich nicht davon überzeugen, daß sie den Deutschen nicht gewachsen sind und daß die unwesentlicheren Vortheile, die sie davon⸗ tragen, die Ereignisse im Ganzen nicht zu ihren Gunsten ändern. Sie posaunen uner⸗ müdlich kleine Affairen als schwerwiegende Actionen aus und erwarten von dem Guerilla⸗ krieg, der wohl lästig und aufreibend für gata deutsche Abtheilungen, nicht aber maßgebend für den Feldzug im Allgemeinen ist, daß er einschneidende Resultate zeitige. Von heute an kann nur noch Folgendes in Frage kommen: Ist Paris zu entsetzen oder kann Trochu den so oft verheißenen Durchbruch bewerkstelligen? Dem Entsatz müßte eine Schlacht vorausgehen, in welcher die Deutschen geworfen würden; daß ist jedoch nach den bisherigen. Exeignissen kaum zu besorgen. Was den Durchbruch anbetrifft, so hat er bis jetzt immer nur als Gerücht existirt; aber derartige vage Gerüchte hatten immer nur ein sehr kurzes Leben und es zeigte sich, daß der eiserne Cernirungsgürtel nach wie vor unerschüttert war. Wird indessen die Zwei-Millionenstadt nicht bald durch eine Schlacht oder einen Ausfall befreit, dann ist sie unrettbar verloren; ihre Vorräthe, mögen sie auch noch bis in den Januar dauern, sind nicht unerschöpflich, und in wenigen Wochen kann das letzte Brod gebacken sein. So lange werden die Deutschen ihre Beute festhalten, weil sie sicher sind, daß mit dem Falle von Paris der Krieg deffnitiv entschieden ist. Ge⸗ kämpft kann zwar immer noch werden, doch ohne die mindeste Aussicht für die Franzosen. Paris heißt ihre letzte Illusion; ist diese dahin, dann kann von keinem neuen Kriegsabschnitt mehr die Rede sein, sondern das Feuer des ohnmächtig gewordenen Widerstandes wird rasch bis- auf den letzten Funken erstickt sein. (H. V.)

Kriegs nachrichten. Officielle militärische Nachrichtet.

Versailles, 28. Dez. Die Beschießung des Mont Avron hatte im Laufe des 27. un- unterbrochen stattgefunden und wird heute fort- gesetzt werden. Diesseitiger Verlust unbedeutend.

v. Podbielsky.

Versailles, 28. Dez. Vom Mont Avron wurde das Feuer unserer Belagerungs Artillerie beute nicht erwiedert, es feuerten nur die Forts. Am 26. Dez. erreichte die erste Armee in Ver⸗ solgung des Feindes die Gegend von Bapaume. Die Zahl der Gefangenen har sich noch vermebrt. 1 v. Podbselskh.

Dresden. Der König von Sachsen hat von dem Höchstcommandirenden des 12.(königl. sächsischen) Armeecorps, Prinzen Georg, die nach stehende telegraphische Meldung erhalten:Le Vert⸗galant, 28. Dez., 9 Uhr 40 Min. Vorm. Die Beschießung des Avron wird heute fortgesetzt. Gestern andauerndes Schneegestöber, Verlust 23 Mann, worunter 6 Sachsen, Verwundete. Der commandirende General. Georg, H. z. S.

Ueber die Beschießung des Mont Avron sagt dieKreuzzeitunge Die Vertreibung des Feindes vom Mont Avpron ist der nächste Zweck dieses Vorgehens. Gelingt sie, so haben wir unserer Einschließungslinie im Osten eine größere Sicherheit gewonnen. Setzen wir uas selbst, trotz des dann in volle Wirksamkeit tretenden

wichligen Höhenpunkte et, se all Win t

Befestigungsfront gewonnen, welche mit dem Ge⸗ sammtnamen des Plateaus von Romainville be⸗ zeichnet wird. Die Gewinnung der Höhe von Avron ist also die unumgängliche Vorbedingung zu einem Angriffe auf die eigentlichen Festungswerke. Aus Versailles wird gemeldet: Da die Eisenbahnen nicht mehr genügen, um den ungeheuren Bedarf an Munition, Kleidungsstücken und beson⸗ ders Lebenemiftel für Menschen und Pferde für die 650,000 Mann deukscher Truppen, die sich gegenwärtig auf französischem Boden befinden, herbeizuschaffen, so sind jetzt auch wieder große Wagencolonnen auf den Landstraßen dabei zu Hülfe genommen.So kommen jetzt e Wagenzüge von 150 bis 200 zweispänniger Wagen in Nanzig durch, welche direkt Hafer von resden und Leipzig zu den vor Paris stehenden Truppen bringen. Von fährt ein solcher Wage man bis Versailles 14 Tafch ben ca. 7 Wochen vergehen, bevor der Transport an Ort und Be⸗ stimmung angelangt ist. Welche ungeheuren Kosten ein solcher Transport verursacht, kann man berechnen. Der Plan, den General Trochu bei dem Aussfalle verfolgte, läßt erkennen, daß er in erster Linie die Straße von Senlis- Arras, also den

Durchbruch direkt nach Narden zu erreichen strebte.

oder 20. nach Paris gelangt.

Wie sich fesssellen ließ, ist nämlich die Nachricht von einer früheren Ansammlung französischer Truppenkräfte bei La Fere und Ham erst am 19.

Aus Versailles wird vom 24. d. berichtet: Der mit temporärem Auftrag im Hauptquartier des Prinzen Friedrich Karl betraut gewesene Flügeladjutant Graf Waldersee ist hierher zurück⸗ gekehrt. General Bourbaki soll, wie es in französischen Kreisen heißt, sich mehr nach Osten wenden; derselbe scheint demnach gegen Werder vorzugehen.

. General Fabrice, sächsischer Kriegs minister, ist zum General- Gouverneur von Versallles ernannt.

Die französische Nordarmer nimmt bei Arras eine concentrirte Stellung ein und hat Conlie und Albert gerdumt; mit dieser Wendung gesteht General Faidherbe seine Niederlage am 24, d. zu. Ob er aber dem weiteren Vordringen Manteuffel's, dessen bei Amiens engagirte Ab⸗ theilung größtentheils aus den Rheinlänpern be⸗ stand, erfolgreichen Widerstand noch entgegen⸗ zusetzen vermag, muß in Zweifel gezogen werden, da der Rickzug selbst nach belgischen Blättern ein sehr übereilter und ungeordneter gewesen sein soll. Obgleich der Abmarsch des größten Theils der Armee Manteuffel's aus der Normandie nach der Somme in Havre bekannt war, scheint sich die in Havre gesammelte Armee mit kleinen Retog⸗ noscirungen zu begnügen, welche dieselbe jedoch noch nicht einmal bis nach Nvetot auszudehnen wagte. In Rouen sollen nur 1600 Mann Preußen geblieben sein, welche Vertheidigungsanstalten träfen; die die Stadt beherrschende Anhöhe St. Catharine ist mit zahlreichen Kanonen besetzt, auch sind Torpedos in die Seine gelegt, um das Ein⸗ laufen von Kanonenbogten zu verhindern.

Die 15 bis 16,000 Mann, deren An⸗ kunft in Sedan vor einigen Tagen gemeldet wurde, scheinen für die Belagerung von Mezieres bestimm! zu sein. Ditselben sollen 80 Kanonen mit sich führen, und das Bombardement der Stadt schon begonnen haben. Am 24. d. fanden in der Um gegend von Mezieres mehrere Gefechte Statt.

DieKarlsr. Ztg. theilt als Beweis französischer Barbarei den Brief des gefangenen Feldwebels Steinmetz mit, datittContreneville, 2. Dez., an Herrn Capitän Holl, Mirecourt: Ich bin zum Gefangenen gemacht worden, ich und die beiden Unterossiziere und 11 Mann von meinen Leuten, nach einem Kampfe in Vittel, wo wir nur einen Verwundeten hatten, Dörn von der 3. Compagnie, welcher hier unter der Sorge eines Arztes zurückgeblieben ist. Ich benachrichtige Sie, daß, wenn von Seiten der Preußen Re⸗ pressalien gegen Vittel, Contreneville oder irgend

Feuers der dahinter gelegenen Forts, auf dem

eine vortheilhafte Angriffsposttion gegen die starke

Syesden bis Nanzig

Wochen, von da

einen anderen Ort dieser Gegend vorgenommen

192. werden sollten, man uns Allen die- Ohren 1 schneiden wird. Es geschieht auf ausdrücklichen Befehl des Herrn Osstziers, daß ich Sie hiervon Jah le benachrichtige und Sie bitte, diese Drohung auch Der Gen anderen preußischen Befehls hab ern mitzutheilen, ie Wu Wir sollen weiter weggeführt werden. Eine große gigi Menge Garibaldianer waren es, welche uns nach 1 lebhaftem Widerstande gefangen nahmen. Ich fei bitte ferner, meiner Frau davon Nachricht a zu geben. Lebt wohl, liebe Kameraden! Pon b an Bayern München. Die Reichsratbs⸗ gabe kammer hat dem Gesetzentwurf, betreffend die en 15 provisorische Steuerhebung, zugestimmt, und wird 117 nächsten Freitag über die Bundes verträge berathen, Ill Männ Würtemberg, Stuttgart. In der dust Abgeordnetenkammer wurde ein königliches Rescripl Jufsben, perlesen, zurch welches Tribunalrat) Weber(Mit, 16 1 glied der deutschen Partei) zum Präsidenten er, 1315 6 nannt wurde. 8 Darm L die erste Kammer hat den Verfassungs, iner gar verträgen mit 26 gegen 3 Stimmen, ihre Zu⸗ a uam ein. eee ne 115 de Seit einigen Tagen spricht man hier von ficglge h dem Durchgehen zweier kriegsgefangenen franzö⸗ uc sischen Offiziere aus Ludwigsburg mit Bruch ihres 72 Ehrenwortes. Man habe, wird hinzugefügt, unter 115 ihren zurückgelassenen Effekten Waffen gefunden sie Offcie und es. seien. in Folge dessen noch einige Ver⸗ u ben 8e haftungen vorgenommen worden. Oesterreich. Wien. Die Antwort des Grafen Beust auf die Depesche des Grafen Bis⸗ in maick aus Versailles vom 14. Dezember ist ab⸗ dungen gegangen. Der Ton und Inhalt derselben sind vallung de sehr entgegenkommend. en kak. Frankreich. Lill. Die Hauptarmee 2 Faidherbe's wich zurück bis Vitry. In Arras de Abe blieben nur 2500 Mann zurück, weil der Ort fuß beer, unhaltbar ist. In Douay herrscht Panik. r herd Die Eisenbahn geht bis Roeux. Arras bleibt seinen eigenen Vertheidigungskräften über⸗ Ja lassen. Das 22. Corps stützt sich bei seinem Rückzuge auf die Festungen im Norden. Preußische Ut di Plänkler sind in Mas nieres bei Cambrei erschienen. 0 Ein kleines Gefecht hat bei Abbeville stattgefurden. n die g. Aus Havre, 26. Dec. wird der Times tele⸗ ufgesode graphirt:Die Preußen haben sechs englische n den l. Schiffe bei Dunclair versenkt, um die Seine⸗ Nahrung schifffahrt zu hemmen. Sie schossen auf die Mann- dial schaften, ließen dieselben auf der nackten Erde schlafen und nahmen ihnen Alles. Die Schiffe hatten preußische Erlaubniß, Kohlen auszuladen. bie 0 die nachricht wird wobl sehr der Bestatigung 5 bedürfen. ssse des Nach officieller Mittheilung aus Havre o berlat ist das linke Seineufer von den Franzosen geräumt. kun U Die Preußen stehen in ziemlich bedeutender Stärke 920 bei Apetot. en den Cherbourg. Zbwischen hier und Calais ist örien eine regelmäßige Dampfschifffahrtverbindung einge⸗ richtet worden, um eine Verbindung zwischen der l Nord- und West⸗Armee zu ermöglichen. f 0 Belgien. Brüssel. DieLiberte be- 1 richtet, daß der Papst den neutralen Mächten eine 1 in d Vermittlung zwischen den Kriegführenden vor⸗ Rand geschlagen hat zu dem Zwecke, einem Kriege, welcher 5 die Welt in Schrecken setzt, Einhalt zu thun. 1910 DerStandard meldet aus Paris vom 1 22. d:8000 blessirte Franzosen befinden sich 54 hierorts. Die Kälte ist groß. 4 General Faidherbe hat Arras verlassen. und sich auf Douai zurückgezogen. Man nimmtJen an, daß er Lille zur Operationsbasis machen dem will an Stelle von Vitry, welches zerstört worden drte ist. In Masnieres(Dorf im Dep. Nord, ö Arrond. Cambria) sind preußische Eclaireurs[( erschienen. ö 020 s Großbritannien. London, 27. Dec. Singe (Telegraphisch.) Die Conferenz wird Dienstag unh eröffnet. Jules Favre hat das Freigeleit, das e: England für ihn in Versailles erbat, noch nicht 90 erhalten. Da er nicht mehr rechtzeitg eintreffen f dürfte, wird ihn der englische Geschäftsträger, 10 Herr Tissot, vertreten. N due Spanien. Madrid, 28. Dec. Heute duß Abend Uhr haben einige Maͤuner in der