Ausgabe 
29.11.1870
 
Einzelbild herunterladen

dort aufbewahrten französischen Patronen- und Pulvervorräthe beschäftigt war. Plötzlich gerieth ein Theil dieses Pulvers in Brand, die Soldaten wollten zur Thür der Casematte heraussteigen, konnten diese aber nicht so schnell öffnen, die Explosion erfolgte, ein Theil der Casemakte flog in die Luft und an 70 Artilleristen wurden theils getödtet, oder größtentheils sehr schwer verwundet. Ob die Bosheit eines Franzosen, wie das vor eilige Gerücht behauptet, oder was wahr · scheinlicher ist, irgend ein unglücklicher Zufall diese Explosion veranlaßt hat, muß die Untersuchung eigen.

l etz Es ist von Versailles der Befehl er theilt, die etwaigen Lücken in der Befestigung der Außenwerke von Metz sofort auszufüllen und die Festung binsichtlich ihres Vertheidigungs⸗ und Armirungssystems ganz als eine preußische Festung ersten Ranges zu behandeln. Höhere Ingenieure und Artillerie-Offiziere sind zu ditsem Zweck jetzt schon aus verschiedenen preußischen Festungen hier eingetroffen. Man betrachtet dieß als sicheres Zeichen, daß man preußischerseits fest entschlossen ist, diesen ungemein wichtigen Waffenplatz niemals wieder an Frankreich abzutreten, sondern, ebenso wie Mainz, zu einer deutschen Bundesfestung ersten Ranges zu machen. Zwei jetzt in Preußen neu- formirte Jägerbataillone haben die bezeichnende Benennung1. und 2. lothringisches Jägerbataillon erhalten ebenfalls ein sicheres Zeichen, daß Deutschlothringen nicht wieder zurückgegeben wer⸗ den soll. Aus Sanitätsrücksichten ist die An- ordnung getroffen, daß die verwundeten und er⸗ krankten französischen Kriegsgefangenen, welche sich hier befinden, nach ihrer Genesung erst dann in deutschen Befangenen-Depots Aufnahme erhalten, wenn sie eine Quarantaine durchgemacht haben. Durch genaue Ermittelungen ist übrigens festgestellt, daß in den hiesigen Lazarethen Fälle von Flecken⸗ typhus nicht vorgekommen sind. Der hiesige Typhus hat eine mildere Form. Dagegen wurden in diesen Lazarethen 220 Pockenkranke vorgefunden.

Mit der Capitulation von Thionville ist eine der wenigen französischen Festungen, welche noch die Straßen von Deutschland zu den ope rirenden Armeen sperrten, in unsere Hände ge fallen. Thionville, eine Stadt von 9000 Ein- wohnern, ist nach Vauben'schem System befestigt, hat aber keine Außenforts und konnte daher den von den naheliegenden Höhen von Grisberg und Vermerang aus feuernden weittragenden preußischen Belagerungsgeschützen nicht lönger als kaum 4 Tage widerstehen. Es wird jetzt möglich sein, die Straße von Trier nach Metz und die Eisen bahn von Thionville nach Puttlingen zu benützen und so die überbürdete Eisenbahn Saarbrücken⸗ Metz einigermaßen zu entlasten.

Von der luxemburgischen Gränze schreibt man demFr. J.: Die französischen Deserteure, die in der ersten Zeit nach der Uebergabe von Metz schaarenweise in Luxemburg zusammenströmten, werden noch immerwährend von dort über Belgien nach dem nördlichen Frankreich und insbesondere nach der Festung Lille dirigirt. Dicht am Bahnhofe ist in einer von einem Fran⸗ zosen betriebenen Restauration ein Bureau in optima forma eröffnet, wo die Durchbrenner mit Geld und mit Pässen ausgerüstet und nach Frank- reich zurückgeschickt werden, um neuerdings gegen Deutschland zu kämpfen. Noch fortwährend kom⸗ men Nachzügler an und die Zahl der auf diese Weise beförderten Gemeinen, Unteroffiziere und Offiziere aller Art kann man ohne Uebertreibung auf 2000 angeben. Und dies Alles geschieht unter den Augen der luxemburgischen Regierung, man könnte sagen, mit ihrer offenen Zustimmung. Es fragt sich, ob die deutschen Regierungen diese Ansicht über die Rechte und Pflichten der Neutra: lität theilen und wie lange sie einer solchen Ver⸗ letzung des Völkerrechts noch müßig zuschauen werden.

Straßburg. Die Commandantur hat an die Mairie folgendes Schreiben erlassen:Herr Maire! In der Stadt darf kein Placat ohne meine Erlaubniß angeschlagen werden. Gleich⸗ wohl ist dies geschehen, und zwar Lügen über

angebliche Erfolge französischer Waffen. Das Verbot ist bekannt. Wenn daher der Thäter nicht ermittelt und mir vorgeführt wird, so mache ich den Eigenthümer oder Verwalter des Hauses, an dessen Mauern sich dergleichen Anschläge vorfinden, dafür verantwortlich. Es haben bereits in diesem Sinne Verhaftungen stattgefunden, und behalte ich mir das Maß der Bestrafung, deßgleichen die Ausweisung aus der Festung oder das Stellen vor ein Kriegsgericht vor. Ich stelle anheim, der Bürgerschaft von Straßburg diesen Beschluß be⸗ kannt zu machen. Der Gouverneur: von Ollech, Generallieutenant.

Dieser Tage ist eine Anzahl von auf gegriffenen Franctireurs in schwarzer Blouse unter militärischer Bewachung von hier nach Deutsch⸗ land abgeführt worden.

Vom Oberrhein. Die Einführung der deutschen Verwaltung in Mühlhausen schreitet rasch vorwärts. Der Civilcommissär hat sein Büregu im Stadthause aufgeschlagen. Der Unterpräfekt wird nächstens in Function treten. Der Präfekt des Oberrheins war am Montag in Mühlhausen und wurde der Handelskammer vorgestellt. Die Landwehrleute haben bis auf ein kleines Deta chement die Stadt verlassen und das 67. preußische Linienregiment ist schon Samstag abmarschirt. Mittheilungen, welche sich auf unsere badische Felddivision beziehen, constatiren den schon vorher signalisirten Vormarsch des Werder'schen Corps von Dijon und Vesoul aus. Man wird bei diesem Corps stets den Charakter desselben als eines Streifcorps zue Säuberung der von ihm berührten Gegenden im Auge behalten müssen, wonach die Richtung seiner Operationen wesentlich von den Umständen abhängt.

Pruntrut, 25. Nov. Vor Belfort hat gestern eine anhaltende Kanonade von den Forts Justice, Miatte und Percher behufs der Verhin derung der Besetzung des Berges Salbert statt gefunden.

Aus Olten in der Schweiz wird gemeldet, daß sich dort das Material der französischen Ost bahn immer mehr häuft. Bis jetzt sind 100 Locomotiven dort angekommen. Ueber welch ge waltiges Material die Ostbahn verfügt, geht aus der Nummernzahl der Locomotiven und Waggons hervor; so finden sich Locomotiven mit der Nummer 600 und mehr und Waggons mit der Ziffer 90,000. a

Hessen Darmstadt. Den am 5. Dec. zusammentretenden Landständen wird der neue Bundesvertrag vorgelegt werden.

Preußen. Berlin, 25. Nov., Abends 9 Uhr. Soeben ist der Vertrag über den Beitritt Würtembergs zum Deutschen Bunde unterzeichnet worden.

26. Nov. Reichstag. Nachdem der Präsi⸗ dent der verstorbenen Mitglieder des Reichstages, besonders Twesten's, gedacht, wurde die Berathung über die Creditvorlage aufgenommen. Minister Camphausen erklärte, die Rechenschaftsablegung über die Verwendung der Geldmittel werde um- fassend dem nächsten Reichstag abgelegt werden. Im Laufe der Debatte sprach Bebel unter ener⸗ gischem Widerspruch des Hauses und wiederholtem Einschreiten des Präsidenten gegen die Creditbe⸗ willigung und überhaupt gegen die Fortsetzung des Krieges. Nachdem Lasker, Reichensperger, Braun und Löwe für die Anleihe, Liebknecht gegen dieselbe gesprochen, wurde die allgemeine Debatte geschlossen und der Antrag Bebel, Liebkaecht auf Ablehnung der Anleihe abgelehnt; dafür stimmten nur Bebel Liebknecht, Schweizer und Hasenelever. Die Vor⸗ lage wurde in erster und zweiter Lesung an⸗ genommen.

Die Fortschrittspartei beschloß folgende Interpellation im Reichstage einzubringen: 1) War der Kriegszustand proclamirt und wo? Waren gleichzeitig die einschlägigen Verfassungsbestim⸗ mungen suspendirt oder nicht? 2) Ist der Bundeskanzler bereit, darüber dem Reichstag sofort Bericht zu erstatten? 3) Wie hat der Bundes⸗ kanzler die den Militärbefehlshabern nach dem

Gesetz obliegende persönliche Verantwortlichkeit zur Geltung gebracht, wo dieselben ohne Suspendirung der Verfassungsbestimmungen die persönliche Frei⸗ heit, das Versammlungsrecht und die Preßfreiheit verletzt haben?

Der Staatsanzeiger enthält die Ernennung des bisherigen Zollvereins bevollmächtigten in Hanno⸗ ver, Großh. Hess. Obersteuer⸗Rath Fabricius zum Köngl. Geh. Finanzrath und vortragenden Rath im Finanzministerium.

DieSpen. Ztg. meldet, daß dem Ver⸗ nehmen nach das preußische Cabinet schon in dem gegenwärtigen Stadium des von Rußland hervor gerufenen Conflicts vertrauliche Schritte gethan hat, um nach beiden Seiten hin zum friedlichen Ausgang desselben seine guten Dienste anzubieten. Ueber die Grundlagen der Ausgleichsbemühungen liegen indeß noch keine Andeutungen vor.

Hamburg. DerHamburgische Correspon dent meldet aus Deal vom 24. d.: Das Ham- burger SchiffLord Brougham ist durch einen französischen Kreuzer genommen und hier zu Anker gebracht.

Würtemberg Stuttgart. DerStaats⸗ anzeiger schreibt aus Berlin, d. d. 25. Nov., Folgendes: Am 24. d. fand im Bundeskanzleramt der Zusammentritt zwischen den würtembergischen Bevollmächtigten und den, Bevollmächligten des norddeutschen Bundes, Badens und Hessens statt, bei welchem die den Eintritt Würtembergs in den deutschen Bund betreffenden Actenstücke festgestellt wurden. Die auf die vorläufig in Versailles vereinbarte Militärconvention bezughabenden Acten⸗ stücke waren am 24. d. Abends in Berlin noch nicht vollständig unterzeichnet. Die würtembergi⸗ schen Bevollmächtigten glauben, daß die Unter⸗ zeichnung des Ganzen am 26. d. stattfinden wird.

DerStaatsanzeiger meldet amtlich vom 26. November. Nach der Seiner Majestät dem Könige von höchstihrem Bevollmächtigten gemach⸗ ten telegraphischen Anzeige wurden in Berlin gestern Abend 8 Uhr die Dokumente über den Eintritt Würtembergs in den deutschen Bund unterzeichnet.

Die Hauptstraßen der Stadt sind wegen der Unterzeichnung der Verträge geflaggt.

Baden. Karlsruhe. DieKarlstr. Ztg. meldet aus Versailles vom 26. d. Mts.: Heute wurde eine Militärconvention zwischen dem Nord⸗ deutschen Bunde und Baden unterzeichnet. Durch dieselbe wird im Sinne der allmählichen Herbei⸗ führung einer vollen Gemeinsamkeit der nationalen Wehrkräfte das badische Contingent unmittelbarer Bestandtheil der deutschen Bundes-, bzw. preußi⸗ schen Armee, unter dem Befehl Sr. Maj. des Königs von Preußen und unter der einheitlichen Leitung und Verwaltung durch das Bundes⸗, bzw. k. preußische Kriegsministerium.

Oesterreich. Wien. Das dieser Tage erschienene Rothbuch enthält 44 Aktenstücke über die Stellung der Monarchie zu dem gegenwärtigen Kriege, 76 Aktenstücke über orientalische Angelegen⸗ heiten, 36 über Verhandlungen mit dem päpst⸗ lichen Stuhle und die rbmische Frage, sowie nach⸗ träglich drei über die russische Frage. In dem Resume des Rothbuches wird bezüglich des fran⸗ zösisch⸗preußischen Krieges hervorgehoben, daß die tiefer liegenden Ursachen dieses Confliktes sich diesmal stärker erwiesen, als alle vermittelnden Bemühungen. Die Regierung konnte in dem Entschlusse der Neutralität nicht schwanken, nach ihren nach allen Seiten erfolgreich gemachten Be mühungen zur Herstellung der freundschaftlichen Beziehungen. Die Regierung ließ es bei dem französischen Gouvernement an Warnungen nicht fehlen und ließ letzteres nicht in Zweifel über die Neutralität der austro-ungarischen Regierung, wo⸗ durch diese mit den eingegangenen Verpflichtungen sich nicht in Widerspruch setzte. Das Rothbuch erwähnt sodann die Vereinbarung der neutralen Mächte wegen Nichtheraustretens aus der Neutra⸗ lität und Wahrnehmung der rechten Zeit, um durch wohlwollende und rücksichtsvolle Dazwischen⸗ kunft dem Sieger Mäßigung, dem Besiegten Er gebung in sein Schicksal anzurathen. Bezüglich des letzten russischen Circulars fühlte sich die Re⸗

serun Bothe 93 iner portal a Zpeise f Icheilpe bperden en e raf scwalof

10

1189. I usch unterw Abisttt n der gegeben wogene 1 wer Alen iich au nals f Ant d wustimn auf ih

waclior isches vie gel ens R. paldi

hobene inte

subver

L676