Kriegs nachrichten. Offieielle militärische Nachrichten. Ferrieres, N. Sept. 11 Uhr Abends. Straßburg capitulirte heute Abend um 9 Uhr. Wilhelm.
Ferrieres, 22. Sept. Außer unbedeuten⸗ den Patrouillengefechten vor Paris nichts Neues. v. Podbielsky.
Ferrieres, 27. Sept. Ein Telegramm von hier meldet: Der Bericht Jules Favre's über seine Besprechungen mit dem Bundeskanzler be⸗ kundet zwar das Bestreben, wahr zu sein, ist aber doch ungenau. Die Waffenstillstandsfrage stand in erster Linie; bezüglich der Abtretungen wollte Graf Bismarck sich erst erklären, nachdem dieselben im Prinzip angenommen seien.
Ein Telegramm aus Versailles vom 25. Sept. gibt die Aufstellung der dritten Armee vor Paris und fügt hinzu:„Der Feind unternimmt nichts Ernstliches. Es zeigten sich drei Kanonen- boote auf der Seine. Ueberall sind Verschanzungen und Barrikaden bemerkbar.“ Karnatz.
Toul. Der Großberzog von Mecklenburg- Schwerin ist am 24. d. M., Vormittags 11 Uhr, mit wehenden Fahnen und klingendem Spiel in Toul eingezogen.
— Der in Paris zurückgebliebene Corre- spondent der„Daily News“ hat noch einen Brief vom 20. aus der Stadt hinaus befördern können: Derselbe berichtet u. A.: Das gestrige Gefecht bei Chatillon war keineswegs befriedigend. Es kommt zu Tage, daß Trochu zuerst den Plan gefaßt hatte, Paris ohne Hülfe einer äußeren Armee zu vertheidigen. Da kam Ducrot von Sedan in Bauernkleidung entronnen. Man hatte Zutrauen zu ihm und gab ihm 50,000 Mann, um gewisse Höhen zu vertheidigen. Gestern kam die Probe— und die Zuaven, die gerühmten Zuaven, flohen, ohne einen Schuß zu thun. Sie liefen in die Stadt unter Verwünschungen und Geschrei des Volkes. Man hat ihrer eine große Anzahl arretirt und vorgeschlagen, sie auf dem Marsfelde zu erschießen, zum wenigsten ein Exempel an ihnen zu statuiren. Die jungen Mobilgarden machten sich besser und namentlich die verweich⸗ lichten Bummler der Boulevards haben sich vor- trefflich gehalten; aber des Resultat ist, daß Ducrot's Armee sich hinter die Forts zurück gezogen hat und General Trochu bei seinem alten Plane, Paris durch sich selbst zu vertheidigen, wieder angelangt ist.
— Aus Metz wird der„Köln. Ztg.“ mit- getheilt, daß vor einigen Tagen einer unserer Offiziere als Parlamentär zu Bazaine gegangen sei, um das Aufhören des mörderischen, und völlig nutzlosen Vorpostengeplänkels anheimzugeben. Dies wurde sofort verabredet; dann verhandelte man weiter über die Lage, und Bazaine gab die runde Erklärung, daß er die Armee und die Festung dem Kaiser zu erhalten strebe und von der Re⸗ publik nichts wisse. Man hört auch sonst von Regungen des Bonapartismus und ganz unmög— lich ist es also nicht, daß die napoleonische Dynastie aus den bevorstehenden Wirren in Frankreich noch einmal als Sieger hervorgehe. Auch Graf Palikao soll sich dermalen in Wilhelmshöhe befinden.
Vor Metz, 23. Sept. Am 22. und 23. Sept. hat Bazaine wieder ungestüme Ausfälle gemacht und so hat nach dreiwöchentlicher Ruhe die Be⸗ satzung von Metz wieder einmal ein Lebenszeichen von sich gegeben. Am Vormittag des 22. d. ist von ihr in östlicher Richtung ein Ausfall versucht worden, dessen Ziel nur die Bahnhöfe Courcelles sur Nied und Remilly mit ihren Vorräthen ge⸗ wesen sein können. Selbstverständlich ist der Aus- fall zurückgewiesen worden. Der Kampf hat in— dessen, vom ersten bis zum letzten Kanonenschuß gerechnet, fünf Stunden gedauert.— 24. Sept. Zu derselben Stunde und an denselben Stellen, an welchen vorgestern Nachmittag die Kanonade aufhörte, wurde dieselbe gestern wieder begonnen. Um 4 Uhr fielen vom Fort St. Julien und bald darauf vom Fort Queuleu die ersten Schüsse.
Darauf entwickelte sich auf der ganzen Linie zwischen diesen beiden Forts ein lebhaftes Feuer. Nach 5 Uhr dehnte sich dasselbe in nördlicher Richtung weiter aus. Vom Fort St. Julien wurde in nordöstlicher Richtung ein Ausfall versucht, welcher, nach der Lebhaftigkeit des Geschützfeuers zu ur⸗ theilen, sehr ernster Natur war. Unsere Batterien wirkten von denselben Stellen, von welchen sie am 31. Aug. und 1. Sept. die Angriffe so sieg⸗ reich zurückgewiesen hatten, mit einer Heftigkeit, die derjenigen von den zuletzt erwähnten beiden Tagen nicht nachstand. Der Kampf dauerte bis zur Dunkelheit und endete wie vorgestern.
Metz. Der Spezialcorrespondent der„Times“ schreibt: Die Preußen haben nun um ganz Metz herum eine telegraphische Verbindung hergestellt, welche sie in den Stand setzt, in 15 Minuten an einer Stelle über 8000 Mann kampfbercit auf- zustellen. Gelegentlich einer Alarmirung sah ich, wie innerhalb einer halben Stunde ungefähr 22,000 Mann, aus allen Waffengattungen bestehend, in voller Marschordnung standen, fertig, um zur Fronte vorzurücken.
Toul, 24. Sept. Nachdem gestern den ganzen Tag eine ziemlich lebhafte Beschießung von To ul stattgefunden hatte, in Folge deren die Stadt an zwei verschiedenen Stellen brannte, sandte am Abend um 5 Uhr der Commandant einen Parlamentär an den Großherzog von Meck⸗ lenburg⸗Schwerin, der die Division hier befehligt, mit dem Wunsche, zu capituliren. So hat sich denn unter denselben Bedingungen wie bei Sedan die 3000 Mann starke Besatzung von Toul jetzt kriegsgefangen gegeben und heute Morgen werden die beiden Regimenter Nr. 89 und 90 vorläufig als Besatzung in die Festung einrücken.
Hessen. Torn. Aus Ars sur Moselle, 22. Sept. wird der„W. Z.“ geschrieben: Gestern erhielt auch der seitherige Bataillonsarzt im 1. Inf.⸗Reg., nunmehr Chef⸗Arzt des Hessischen Reserve⸗Lazareths, Herr Dr. Rabenau, für seine hervorragenden Dienstleistungen in der Schlacht bei Rezonville am 18. v. M. das eiserne Kreuz.
Bayern. München. Die„Würzb. Z.“ erfährt„zuverlässig“, daß der Ministerrath Ver- handlungen über den Beitritt Bayerns zum deut⸗ schen Bundesstaate auf Grundlage der norddeutschen Verfassung beschlossen und der König diesem Vor- schlage seine Genehmigung ertheilt habe.
Oesterreich. Wien. Das Wiener Jour- nal„Patriot“ veröffentlicht folgende Depesche aus Konstantinopel vom 26. d.:„Alexandriner Jour- nale berichten über ein Seetreffen zwischen der preußischen Fregatte„Hertha“ und drei fran- zösischen Schiffen im rothen Meere. Nach zwei⸗ stündiger Kanonade verweigerte die„Hertha“ auf Aufforderung der französischen Fregatte„Belli- queuse“, sich zu ergeben, und setzte den Kampf fort, bis sie untersank. Ein Theil der preußischen Bemannung ist gerettet. Die„Hertha“ hatte vor ihrem Untergange einem 20 Millionen füh- renden Postdampfer der französischen Messagerie aufgelauert.“
— Im Abgeordnetenhaus wird Hopfen zum Präsidenten, Vidulich und Künberg zu Vitcepräsi⸗ denten gewählt. Der Antrag Pascontini's auf Erlassung einer Adresse wird mit einer Stimme Majorität angenommen.
Frankreich. Paris. In Paris wurde der Versuch gemacht, ähnlich wie in Lyon, revo⸗ lutionäre Communen herzustellen, um die Regie- rung zu unterdrücken. Der Anschlag mißglückte jedoch, da Trochu und Rochefort der Regierung treu blieben.— Bischof Dupanloup sagt in einem Schreiben:„Die Franzosen verdanken ihre Nieder lagen allein ihrem Mangel an Wahrheitsliebe, ihrer Vergnügungssucht und ihrer unkatholischen Gesinnung.“— Nachrichten aus Lyon vom 22. zufolge verdrängt ein communistisches Attentat das andere. Amtsentsetzungen, Hausdurchsuchungen, Ausschreibung neuer Steuern, Zwangsanleihen und Verhaftungen durch Private sind an der Tagesordnung.
— Aus Tours, 22. Sept., wird der„Ind. Belge“ telegraphirt:„Ulanen sind auf dem Marsche
nach Blois durch Orleans gekommen. Man Seh. fürchtet, den Feind in Tours eintreffen zu sehen. ciung Die Postverwaltung wird nach Pau, die Regierung sch lo nach Toulouse verlegt werden.— Die Deutschen(Goutb haben die unterirdischen Tera Non! welche man zwischen Paris und Tours gelegg und 8 hatte, entdeckt und sofort abgeschnitten. Eint 1 unterirdische Telegraphen Verbindung soll auch Pole zwischen Paris und Brüssel bestehen. verwüs
Aus Tours, 23. September, Morgens shdres „Mehrere preußische Gefangene wurden gelten schrift in Paris inmitten des Schreiens des Volkes Hand eingeführt. Die Beförderung von Privattele, Herzog grammen wurde im ganzen Departement der“— 5 Loire verboten. Pithiviers ist noch von 3000 situal Preußen besetzt. Von Beauvais wird untern] Der f 24. d. gemeldet, daß zwischen Pontoise und! augeker bIsle Adam ein großer Kampf stattfand. foch E Flüchtige sind im Departement angekommen.“ welcher
— Die„Havas-Correspondenz“ meldet aus berspre Tours: Der Municipalrath von Bossay hat Be einstimmig verlangt, daß der Exkaiser in An,] gemeldt klagezustand versetzt werde. Der Republik hal] der Li er seine Zustimmung gegeben. Eine officibse] und de Note erklärt: Die Regierung habe Alles gethan, Mont um ferneres Blutvergießen zu vermeiden, alle inter! Verantwortlichkeit falle jetzt auf Preußen.(J)] feiner?
— Was die Befestigungen von Paris an- der mit belangt, so erklärt ein Engländer, der im Jahre kampfee 1842 bei dem Bau derselben beschäftigt war, Tale 9. die französische Regierung habe wenig Ursache] subrech auf das Mauerwerk Vertrauen zu setzen. Die Verbin sämmtlichen Mauern bestehen nach diesem Ge-] nach de währsmann nur aus zusammengeschüttetem 11 und mit Mörtel gebundenem Geröll, das nur wwischer eine steinerne Fagade von 8 bis 10 Zoll Dicke] den in besitzt. Die Erdwerke seien bedeutend staͤrker“ wunde! als diese elenden Mauern, die von preußischen oder Sprenggeschossen nach allen Richtungen aus⸗ zum 2 einanderspringen müßten. proteft
Tours, 25. Sept. Die hiesige Regierung auf R macht bekannt, daß sie mittelst Luftballons ein. saaates Schreiben des Ministers des Innern, Gambetta. Mahr, empfangen habe, worin es heißt:„Paris ist zur päpflc heroischen Vertheidigung bereit. Möge Frankreich habe. heldenmüthige Anstrengungen machen!“ Ferner er- kutcle theilt Gambetta die Instruktion, etwa von feind⸗ doch se licher Seite verbreitete Nachrichten über den eule Aus bruch von Unruhen in Paris stets energisch Wöder zu dementiren. Belgie
— Per Luftballon aus Paris, d. d. 22. Sept, 5 eingegangene Nachrichten dementiren bereits die] azallt Nachricht von Unruhen in Paris. Die Nachricht Bellevl über den Straßenkampf am 21. d. war erst durch Hauser
das Telegramm aus Ferrieres vom 23. am 24. hier eingegangen. Die Dementirung ist also der Meldung vorausgeeilt.— Die Regierung empfing ferner mittelst Luftballons Nachrichten aus Paris vom 22. Sept., es wird über die Schlacht vom 19. Sept. darin berichtet. General Ducrot, welcher mit vier Divisionen die Höhen von Villejuif bis Meudon besetzt hielt, recognoscirte am 19, Sept. das Vorterrain und stieß auf eine bedeutende feindliche Macht, darunter viel Artillerie, in ge deckter Stellung. Nach lebhaftem Gefechte mußt der Rückzug angetreten werden, was von dem rechten Flügel in bedauerlicher Ueberstürzung ge⸗ schah, während die anderen Truppen sich in Or nung auf dem Plateau von Chatillon concentrirten, Gegen 4 Uhr entwickelte sich die preußische Artilleris, so daß General Ducrot seine Truppen unter dem Schutz der Forts zurücknahm und sich nach Ver⸗ nagelung von acht Geschützen in der Redoute von Chatillon, nach dem Fort Vanvres zurückzog. Die Truppen müssen nun sich definitiv in Paris concentriren. Die Verluste sind leichte. Der
Feind unternahm keine Demonstrationen gegen die 1
Forts. Ein Tagesbefehl des Generals Trochu belobt die Artillerie und tadelt das erste Zuaven⸗ Regiment, das in Folge einer unglaubliche N
Panique in Unordnung zurückgegangen ist. Det“
General hat energische Maßregeln gegen diese undisciplinirten demoralisirten Truppen angeordnet. Im Fort von Vincennes fand eine Feuersbrunst statt, welche bald gelöscht wurde. Das Schloß Meudon ist von den Preußen besetzt. Am 21.


