wollen die kampflustigen Pariser jedoch aus ihrer Stadt heraus kommen und uns im freien Felde selbst aussuchen, dann freilich haben auch unsere Infanteristen, Cavalleristen und Feldbatterien ein so kräftiges Wörtlein mitzusprechen, daß ihnen die Lust eines zweiten Besuches wahrlich sehr bald vergehen soll. Die Boulevards in Paris sollen jetzt mit Viehheerden und den Sachen der dorthin geflüchteten Landbewohner der Umgegend förmlich bedeckt sein, so daß der Verkehr oft stockt. Wer jetzt eigentlich die Regierung in der Stadt führt, weiß Niemand. Jeder befiehlt und Keiner gehorcht mehr, als er Lust hat. Dieser Nordamerikaner, ein sehr ruhiger und besonnener Mann, kann die anarchischen Zustände und die Furcht und den Schrecken fast aller besitzenden Einwohner in Paris gar nicht lebhaft genug schildern und be⸗ hauptet, daß weit über die Hälfte der Bevölkerung, die überhaupt noch etwas zu verlieren hat, nichts sehnlicher als den baldigen Einmarsch der Preußen nunmehr wünsche.
Von Rouen wird telegraphirt, die Preußen hätten Vernon am 22. vom anderen Seineufer aus bombardirt, da sie den Strom wegen der zerstörten Brücke nicht passiren konnten. Bei Vernon(Dep. Eure, Arr. Evreux) geht eine Brücke von 22 Bogen über die Seine; die Stadt liegt am linken Ufer zwischen dem Strome und der von Mantes nach Rouen führenden Eisenbahn.
Nauzig. Was strenge Maßregeln vermögen, haben die in Folge der Attentate auf Gendarmen in Flavigny und Vezelise ergangenen Drohungen bewiesen. Nachdem die Ermordung des einen Gendarmen mit hoher Geldbuße gesühnt war, hat die Ankündigung der Einäscherung der beiden Gemeinden für den Fall der Nichtauslieferung der 6 gefangenen Gendarmen das Resultat gehabt, daß diese letzteren, welche beinahe schon bis Lyon transportirt waren, am 16. d. hierher wohl- behalten zurückgekehrt sind.
Aus Lille wird gemeldet, daß die Kriegs- Anleihe von 15 Millionen, welche für die vier Nord⸗Departements ausgeschrieben worden ist, fast Niemand unterzeichnet. Der General-Commissär hat einen dringenden Aufruf erlassen, jedoch ohne Erfolg.
— Ueber den Ueberfall in Ablis gibt der Brief eines Husaren der Rathenauer Garnison, welchen das am letzteren Orte erscheinende„Kreis- blatt für das Westhavelland“ mittheilt, folgendes Nähere: Rambouillet den 9. October. Hier auf dem Kasernenhofe liegend, ergreife ich den Bleistift, um einige Worte an Euch zu richten. Das Ereigniß des gestrigen Tages ist zu schreck⸗ lich, als daß ich Euch es nicht beschreiben sollte. Wie Ihr bereits erfahren haben werdet, wurde in der Nacht vom 7. zum 8. October die vierte Escadron des schleswig⸗holsteinischen Husaren⸗ Regiments Nr. 16 im Cantonnement auf Vor⸗ posten von Mobilgarden überfallen und bis auf 48 Mann und 12 Pferde vollständig niedergemacht. Der Ueberfall geschah Morgens halb 4 Uhr, die vor der Escadron liegende bayerische Feldwache in der Stärke von 60 Mann wurde zurück⸗ gedrängt. Die Stadt Namens Ablis wurde von drei Seiten mit einem Male angegriffen, die drei Ställe, welche die Husaren inne hatten, sofort umzingelt und schon beim Satteln der Pferde wurden Mannschaften und Pferde zusammengehauen, da sämmtliche Schüsse blindlings durch Luken und stark besetzte Stallthüren gegeben wurden. Die Husaren vertheidigten sich durch Schießen mit dem Carabiner so gut es ging und sie nur konnten; doch endlich die Nutzlosigkeit aller Gegenwehr ein⸗ sehend, flüchteten sie einzeln, auch mehrere zu⸗ sammen über Mauern kletternd nach dem nahen Gehölz und entkamen auf diese Weise diese 48 Mann. Die Officiere, welche ihre Pferde in. einem etwas abseits liegenden Stalle hatten, haben sich gerettet, nur ist der Rittmeister verwundet. — Wir wurden, als diese Nachricht bei uns ein⸗ traf, allarmirt, und sofort rückte die Brigade nebst Artillerie und einer Compagnie bayerischer Jäger nach dem 2½ Meilen entfernten Städtchen. Dort
wurde der Befehl zum Plündern und Demoliren gegeben, alle Lebensmittel und Fourage heraus⸗
geschafft, ebenso Vieh, und dann von unseren Husaren jedes einzelne Haus, auch die in der Umgebung befindlichen Geböfte, Holzgamben und Heu- und Strohschober in Brand gesteckt, und ist also die ziemlich hübsche Stadt von 6000 Ein⸗ wohnern in einen Aschenhaufen verwandelt.— Den Weibern, Kindern und Greisen wurde eine halbe Stunde vor dem Inbrandstecken dies er⸗ öffnet, damit sie noch Zeit hatten abzuziehen. Männer wurden nicht verschont, sondern erbarmungs⸗ los erschossen oder niedergehauen. Bis spät in die Nacht hinein schlug die hohe Lohe gen Himmel. Es war dies ein Tag, wie er nur selten in der Weltgeschichte verzeichnet steht, und wird gewiß die Welt darüber schreien. Doch gerechte Strafe war es, denn wisset, die noch lebendigen Husaren mußten sich gegen Mauern stellen, wurden erschossen und dann auf Wagen geladen, damit diese Bande sich die auf jede preußische Leiche ausgesetzten 50 Thaler Prämie konnte auszahlen lassen. Nur zwei versteckte todte Husaren wurden aufgefunden, sonst waren sämmtliche Husaren, Pferde und Gepäck auf Wagen fortgeschafft. Ja, es ist schrecklich und vermag die Feder diese That nicht zu be⸗ schreiben.
Vor Metz, 18. Okt. Der„Kreuz Ztg.“ schreibt man: Die letzten Tage der Blokade von Metz nahen hoffentlich heran. In Metz soll län- gere Zeit schon Mangel herrschen, Hungersnoth bei der ärmeren Bevölkerung. Eine berittene Cavalerie gibt es in der Festung nicht mehr, von den Geschützen auf jede Batterie nur noch zwei bespannt. Seit Wochen ißt die Besatzung Pferde⸗ fleisch und Reis, und statt des Salzes Salpeter. So sagen wenigstens alle jetzt zahlreich einlaufen⸗ den Deserteure aus. Gestern hatten sich bei unseren Vorposten 24 der verschiedensten Waffen eingefunden; die Armen stürzten mit wahrem Heiß⸗ hunger über das ihnen von unseren Branden- burgern dargebotene Essen her. Aber trotz der ausgebrochenen Noth erwartet man noch einen letzten Versuch des Durchbruchs. Wir sind heute schon seit 6 Uhr früh in Bereitschaft zum Empfang; doch umsonst.
— Der„Weser⸗Zeitung“ schreibt man aus dem Lager vor Metz, 20. d.:„An Erscheinungen, welche einer Krisis vorangehen, hat es auch gestern nicht gefehlt. Aus Metz sind Glockentöne und laute Rufe zu unseren Vorposten gedrungen. Unsere Observatorien haben eigenthümliche Vor⸗ gänge und Bewegungen im feindlichen Lager vor Metz wahrgenommen, welche als unzweideutige Vorzeschen einer beginnenden Auflösung betrachtet werden können. Die Mannschaften sind mehrfach zu Hunderten in unregelmäßigen Gruppen und anscheinend ohne Waffen zusammengetreten. Daß die Krisis bevorstehend ist, wird immer mehr un⸗ zweifelhaft, wie viel Zeit aber bis zum wirklichen Eintritt derselben noch vergehen wird, läßt sich noch nicht genau vorhersagen; denn so lange als irgend thunlich, wird Marschall Bazaine die Ent⸗ scheidung hinauszurücken suchen. Alle Capitulations⸗ vorschläge von seiner Seite, welche etwas Anderes als unbedingte Unterwerfung anstreben, werden aber unzweifelhaft zurückgewiesen werden.“
— Was die Entfernung des Generals von Steinmetz vom Commando der ersten Armee an⸗ betrifft, so gibt ein vor Metz campirender Corre⸗ spondent der„Daily News“ darüber einiges Nähere„aus unbezweifelbar guter Quelle.“ Nach Angabe dieses Gewährsmannes hatte bei Aus⸗ bruch des Krieges der König in seiner hohen Achtung vor der großen militärischen Begabung des Generals gegen die Ansicht des Kriegsrathes ihn zu seinem Commando befördert, weil er ein⸗ mal den oft gehörten Einwurf, daß der hohe Adel stets bevorzugt werde, in Norddeutschland entwaffnen, und in Süddeutschland der Beschwerde zuvorkommen wollte, daß man den Prinzen des Königl. Hauses allen Kriegsruhm aufspare. Die Sache ging gut bis zu den Schlachten vor Metz im August, wo General v. Steinmetz auf eigene Verantwortung und ohne Grund gegen die be⸗ stimmten Befehle des Oberbefehlshabers auf der Südseite statt nördlich von Metz über die Mosel ging. Hätte er dem Befehle gemäß den Ueber⸗
gang nördlich veranstaltet, so wären die wieder⸗
holten von schweren Verlusten begleiteten Angriffe des 7. und 8. Armeecorps gegen die französischen Positionen bei Moscou und St. Hubert unnöthig gewesen, und man hätte statt derselben wahrschein⸗ lich nur einen leichten und wahrscheinlich erfolg⸗ reichen Angriff unter jedenfalls viel geringeren Verlusten von den Höhen des Bois ⸗de⸗Saulntz herab gemacht. Auf alle Fälle hätten im letzteren Falle die Deutschen den Vortheil eines höheren Terrains gegen die tiefer liegenden Positionen der Franzosen gehabt, und Bazaine's Rückzug nach Metz am Morgen des 19. wäre unmöglich gewor⸗ den. In Folge dieser Angelegenheit sprach der König persönlich dem General v. Steinmetz sein Mißfallen aus, und befahl ihm, in Zukunft seine Meldungen nicht an das große Hauptquartier der gesammten Armee, sondern an den Prinzen Friedrich Karl gelangen zu lassen. Darauf wurde der General, der ohnehin schon gewöhnlich nicht von der sanftesten Gemüthsverfassung war, merkbar zornmüthig und ungemüthlich, und er gab sich dabei solche Mühe, diese Eigenschaften in seinem persönlichen und dienstlichen Verkehr mit dem Prinzen hervorzukehren, daß zuletzt die Beziehungen der beiden Führer zum offenbaren Scandal wurden, ernstlich die Ruhe der dienstlichen Atmosphäre trübten und drohten der Disciplin der betreffenden Heere zum Schaden zu gereichen. Das führte denn schließlich die Entfernung des Generals herbei, aber nicht auf Veranlassung des Prinzen, sondern auf Moltke's Verwendung. 5
— Nach Berichten badischer Zeitungen ist das 4. badische Infanterie⸗Regiment bereits am 21. d. in Vesoul einmarschirt. Seitdem ist eine regel⸗ mäßige Feldpostverbindung über Epinal nach Vesoul eingeleitet, die aber bei der Unsicherheit in den Vogesenwäldern stets einer starken Bedeckung bedarf.
— General Uhrich hat, nachdem ihm von gewissen Seiten der Vorwurf des Verraths gemacht war, in einem südfranzösischen Blatte stolz und bündig wie ein Ehrenmann dagegen Verwahrung eingelegt. Vom Kriegsrath ist die Capitulation einstimmig beschlossen worden, nachdem Theile der Festungswerke und die Citadelle selbst durch die vom General anerkannten ganz unerhörten Leistungen der deutschen Artillerie in Trümmer geschossen waren. Unersetzlich war auch der Verlust von 35,000 Granatzündern, die im Arsenal ver⸗ brannten. Zugleich deutet der General an, daß die Ausrüstung der Festung bei Beginn des Kriegs in seltsamster Weise vernachlässigt war.
Hessen. Darmstadt. Am 24. d. sind Minister v. Dalwigk und der hessische Gesandte Hofmann aus Berlin, welcher zu diesem Zwecke gestern in Darmstadt eingetroffen ist, in das königl. Hauptquartier nach Versailles abgereist, um den dortigen Ministerconferenzen beizuwohnen.
— Wie man hört, steht aus Anlaß der gegen ⸗ wärtig zu Versailles stattfindenden Ministereon⸗ ferenzen eine baldige Berufung der Kammern, welche auch aus finanziellen Gründen, insbesondere behufs Verwilligung der zur Fortsetzung des Krieges erforderlichen Mittel, nothwendig werden dürfte, bevor. Dieselbe dürfte nach der Rücklehr Hrn. v. Dalwigk's aus Versailles erfolgen.
— Am 11. d. M. befanden sich in den Laza⸗ rethen des Großherzogthums 2389 Kranke und Verwundete. Am 1. Okt. waren es 2717 und sind bis zum 10. Okt. 1113 Mann theils evacuirt, theils als geheilt entlasen worden. Der Zugang in diesen 10 Tagen betrug 785 Mann.
Mecklenburg. Schwerin. Aus Reims vom 21. Okt. wird hierher gemeldet: Der Kaiser von Rußland sandte an den Großherzog von Mecklenburg folgendes Telegramm:„Ich bitte Dich, das Kreuz des St. Georgenordens dritter Klasse anzunehmen, das Du so wohl verdient hast. Gott gebe, daß der Krieg durch einen dauernden Frieden bald beendigt werde.“
Hamburg, 24. Okt. Vor den Beobach⸗ tungsstationen an der Elbmündung sind seit vier Tagen keine feindlichen oder verdächtigen Schiffe in Sicht gewesen.
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