Ausgabe 
27.8.1870
 
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sieht. Von Franzosen weit und breit nichts mehr zu sehen. Am 16. hatte dasselbe Regiment ein sehr hitziges Gefecht im Bois St. Arnould bei Gorce. Das Regiment griff den linken Flügel der im Treffen bei Gorce gestandenen französischen Armee in der Flanke an, unterstützt durch das 2. Regiment. Der Erfolg war, daß die fran⸗ zösische Armee ihre sebr hartnäckige Position ver⸗ ließ. General Goeben sagte für die erfolgreiche Unterstützung seinen Dank. Das Regiment ver- lor dabei etwa 100 Mann.

Aus Saarbrücken theilt ein glaubwürdiger Mann, welcher als Mitglied des Sanitätscorps der großen Schlacht bei Metz vom 18. d. bei⸗ gewohnt hat, mit, daß diese Schlacht eine wahrhaft mörderische war, mit der die bisherigen gar nicht zu vergleichen seien. Von dem gegenseitigen Kugel regen könne man sich keinen Begriff machen. Die Leichen der Franzosen lagen wie gemäht in gleich sam reihenweisen Schichten auf dem Schlachtfeld. Am heftigsten wüthete der Kampf an der Chaussee von Metz nach Verdun, wo die Franzosen auch den hartnäckigsten Widerstand leisteten, da es sich an jener Stelle für sie darum handelte, das Centrum der deutschen Truppen zu durchbrechen, um die Verbindung mit Paris zu gewinnen. Um 9 Uhr Abends war die Schlacht, wie bekannt, zu unseren Gunsten entschieden, während der nach trägliche durch die Verfolgung des Feindes be dingte Kampf bis gegen 11 oder 12 Uhr sich hinzog. In Gravelotte, in dessen Nähe bekanntlich die Schlacht stattfand und in allen umliegenden Dörfern und Gehöften waren Barrikaden errichtet und die Häuser in allen Stockwerken mit Schieß- löchern versehen.

In Metz war die Garnison bereits am 15. auf halbe Rationen gesetzt, man sagte, sie sei für 10,000 Mann auf 30 Tage verproviantirt. In Metz befinden sich jetzt 54,000 bürgerliche Ein- wohner, eine Armee von etwa 100,000 Mann, vielleicht 20. bis 30,000 Verwundete, zwischen 20 bis 30,000 Armeepferde, dazu noch die länd liche Bevölkerung, die sich in großen Schaaren in die Stadt geflüchtet hat. Diese Menge kann sich kaum einige Tage aus den aufgespeicherten Vorräthen ernähren und da jede Zufuhr von Außen abgeschnitten, ein Entsatz aber nicht zu hoffen ist, so bleibt dem Marschall Bazaine nichts übrig, als mit soviel Truppen, als er durchbringen kann, sich durchzuschlagen oder, wenn dies nicht gelingt, in wenigen Tagen sich zu ergeben. Wir können daher stündlich den wichtigsten Nachrichten entgegen sehen.

Wie berichtet wird, hat sich auch das 4. Armee-Corps der Armee des Kronprinzen an geschlossen. Dieser hat also jetzt 4 preußische Corps bei sich, somit 100 Bataillone; dazu 58 bayerische und 15 würtembergische Bataillone gerechnet, muß er jetzt mit reichlich 200,000 Mann an der Maas stehen, ist also stark genug, um sowohl jedem Angriff Mae Mahons begegnen, als auch diesen selbst aufsuchen zu können.

Daß die Verluste der Franzosen in der Schlacht von Rezonville am 18. August ganz enorm gewesen sein müssen, geht schon aus der Aussage eines neutralen Arztes hervor, der Metz an dem genannten Tage Abends 6 Uhr, also wenige Stunden vor der vollständigen Cernirung der Festung, verlassen hat. Derselbe versicheit, daß bis zu gedachter Stunde schon mehr als 12,000 verwundete Franzosen in Metz eingebracht gewesen und wegen Mangel an Räumlichkeit auf der Esplanade und auf andern Plätzen niedergelegt worden seien; auch herrsche in Metz vollständiger Mangel an Verbandzeug, Charpie ꝛc., um eine Masse Verwundeter auch nur einigermaßen pflegen zu können.

Karlsruhe. Die Franzosen haben bekannt lich die völlerrechtswidrige Art der Kriegsführung, deren sie sich zuerst bei Saarbrücken schuldig machten, bei Kehl wiederholt, indem sie auch diese unbe festigte und offene Stadt in Brand schossen, ob gleich die deutschen Batterien auf dem diesseitigen Ufer so angelegt sind, daß die Stadt Kehl ganz außerhalb der Schußzlinie liegt. Wenngleich die glorreichen Erfolge der deutschen Waffen die Mög

lichkeit bieten, den unglücklichen Opfern der von dem Feinde beliebten barbarischen Kriegführung gerechten Ersatz zu verschaffen, so hat sich dennoch der Commandirende des Belagerungscorps, General- lieutenant v. Werder, veranlaßt gesehen, einen Brief an den Commandanten von Straßburg zu schreiben, in welchem es heißt:Euer Hochwohl⸗ geboren haben gegen all und jedes Völkerrecht die unbefestigte und offene Stadt Kehl ohne vor⸗ hergegangene Benachrichtigung in Brand geschossen. Eine solche Kriegführung, die unter ceivilistrten Nationen unerhört ist, muß mich veranlassen, Sie für die Folgen dieses Actes persönlich verantwort lich zu machen. Außerdem lasse ich den verursachten Schaden abschätzen und durch Contribution im Elsaß Ersatz suchen. Auf General v. Werder's Schreiben antwortete General Uhrich sehr höflich, es thue ihm leid, einen Vorwand zu Beschwerden gegeben zu haben. Er habe auf Kehl aber feuern lassen, weil er diesen Ort als Festung ansehe, da dort eine Batterie stehe. Dies ist bekanntlich durchaus unrichtig, wie General v. Werder's Depesche ausdrücklich feststellt. General Uhrich schreibt seine Depeschen französisch, General v. Werder aber in deutscher Sprache. Man schreibt dem französischen General die Absicht zu, nach dem Rückzug der Franzosen den Münster zu- sammenzuschießen, um den Deutschen diese Barbarei in die Schuhe schieben zu können.

Kehl, 24. August. Gestern Abend um 11 Uhr hat eine furchtbare Kanonade auf Straßburg begonnen. In der dunkeln Regennacht blitzte mehrere Stunden lang das Feuer von den Geschützen auf und Schlag auf Schlag folgte der Kanonendonner. Gegen 5 Uhr Morgens hörte man nur noch selten Schüsse fallen.

Von der Süd armee, 21. Aug. Die Belagerung von Metz wird in diesen Tagen ihren Anfang nehmen. Die Vorbereitungen dazu werden in großartigem Maßstabe getroffen. Ein Deserteur von den Zuaven, ursprünglich ein Deutscher, der aber schon seit 15 Jahren in französischen Diensten steht, meinte, in Metz herrsche ein solch surchtbares Elend, und es lägen an 20,000 Verwundete aus allen Schlachten daselbst zusammengedrängt, daß sehr bald Epldemieen da⸗ selbst ausbrechen müßten; dazu sind über 80,000 Mann französischer Truppen jetzt auf engen Raum daselbst zusammengedrängt, und wenn die Festung auch für 20,000 Mann auf 3 Monate vollständig verproviantirt sein soll, so reichen die Nahrungs- mittel doch für alle diese vielen Soldaten, Blessirten und auch für die Civil⸗Bevölkerung nicht aus und der Hunger wird schon bald seine Wirkung dort thun. Es sollen ganz entsetzliche Zustände in Metz herrschen. Wenn nun erst unsere schweren Geschütze mit dazwischen feuern, so soll und muß sich die Stadt bald ergeben.

Hessen. Darmstadt. Nach derMain⸗ Zeitung passirte hier ein Extrazug der Main⸗ Neckar-Bahn vorüber, auf welchem sich unter anderm ein Militärwagen mit der Aufschrift befandGeneralgouverneur von Lothringen. In den Coupes saßen eine Anzahl höherer preußischer Offiziere und unter ihnen dem Vernehmen nach der neuernannte General⸗ gouverneur von Lothringen v. Bonin.

Erfreulicherweise bestätigt es sich nicht, daß, wie gemeldet, Oberst Zwenger seiner Wunde erlegen sei. Nach einem hier einge⸗ troffenen Schreiben von dessen Brigade-Com mandeur befindet sich der betreffende Offizier, der nicht schwer verwundet ist, auf dem Wege der Besserung.

Büdingen. Von hier wird als verbürgte erfreuliche Thatsache gemeldet, daß eine unter den ca. 200 Tunnelarbeitern zu Effolderbach und Büdingen(Südtyroler, Venetianer und Piemon- tesen) dieser Tage veranstaltete Sammlung zu Gunsten unserer Verwundeten ꝛc. die ansehnliche Summe von fl. 1000(tausend Gulden) einbrachte.

Mainz. Am Abend des 23. und 24. kamen abermals zwei bedeutende Transporte

Verwundeter aus den Kämpfen bei Metz hier durch, um über Frankfurt weiter geführt zu

werden. Bei dem ersten Transporte befanden sich gegen 400 französische Gefangene mit 53 Offizieren, darunter der General Plompin und mehrere Stabsoffiziere. Man brachte diese in einen Gasthof, jene auf die Citadelle. Die Verwundeten waren der Mehrzahl nach Preußen, die Uebrigen Franzosen, Sachsen und Hessen.

kommt nochmals in einem Artikel auf die ab solute Mißachtung der Genfer Convention Seitens der Franzosen zurück, sowie auf deren völkerrechtswidriges Verhalten gegen Parla mentäre. Der Artikel schließt mit den Worten: Um der Ehre der deutschen Heere, um des deutschen Volkes Willen, rufen wir Europa zum Zeugen dieser barbarischen Kriegsführung auf! Unseren Feinden ist in Algerien, China und Mexico die Kenntniß und Beachtung der Forde rungen gesitteter Völker abhanden gekommen.

Der bei Wörth erbeutete französische Adler ist hier eingetroffen und durch einen Offizier und einen Unteroffizier vom hessichen Füsilier⸗Regiment Nr. 80 nach dem königlichen Schlosse gebracht worden. Ein zahlreiches Publikum hatte den Wagen, in welchem sich beide, der Unteroffizier die Stange mit dem Adler haltend, befanden, und welchem 2 Schutz leute voraufritten, umringt und geleitete den selben unter stürmischen Hurrahrufen durch das Brandenburger Thor die Linden entlang. Der Offizier sowohl, wie der Unteroffizier waren reich bekränzt.

Elberfeld. DieElberf. Ztg. meldet: Ein Unterbeamter der bergisch-märkischen Eisenbahn, der sich mit seiner Familie mit knapper Noth ernährt, hat am vergangenen Sonntag drei Verwundete aufgenommen. Er hat denselben seine Betten zur Verfügung ge stellt und selbst mit Frau und Kindern auf Stroh seine Lagerstätte aufgeschlagen. Er wurde zu dieser edlen That bewogen, weil bei der späten Ankunft der Verwundeten am Sonn tag Abend sich keine Lagerstätte für die drei armen Verwundeten fand, welche er für an gemessen hielt.

Würtemberg. Stuttgart. Die Nach⸗ richt von der Capitulation Pfalzburgs ist un⸗ bestätigt geblieben. Dieselbe ging dem Kriegs ministerium durch eine in Saarburg aufgegebene Depesche eines Postdirektors zu, und der Würtemb. Staatsanz. sagt, es sei ihmbis zur Stunde eine officielle Bestätigung der Capitulation noch nicht zugekommen.

Oesterreich. Wien. DieAbendpost dementirt die Nachricht, der österreichische Gesandte am russischen Hofe begebe sich in diplomatischer Sendung nach Berlin und werde auch in das deutsche Hauptquartier gehen. Eine Reise des Grafen Chotek sei weder beschlossen, noch in Aus- sicht genommen. Dasselbe Blatt dementirt wieder⸗ holt die Gerüchte von Rüstungen.

22. Aug. DieN. fr. Pr. bringt die Trauerkunde von dem gestern nach kurzem Leiden erfolgten Hingange des aus den vierziger Jahren bekannten deutschen Patrioten und Führers der republikanischen Partei in Baden Gustab Struve. Derselbe war am 11. October 1805 zu Lievland geboren, studirte in Deutschland die Rechte, schlug anfangs die diplomatische Laufbahn ein, ging jedoch bald wieder davon ab, und ließ sich in Mannheim als Advokat nieder, wo er sich weniger mit Prozessen als mit Politik, Naturphilosophie und namentlich auch mit Phrenologie beschäftigte. Seine hervorragende Betheiligung bei den poli⸗ tischen Ereignisse der Jahre 18461849 darf als bekannt angenommen werden.

Frankreich. Paris, 24. August. Gesetz⸗ gebender Körper. Die Regierung bringt einen Gesetzentwurs ein, wonach alle ehemaligen Soldaten zwischen dem 25. und 35. Jahre, verheirathet oder nicht, ferner alle ehemaligen Offiziere bis zum 60., alle tauglichen Generale bis zum 70. Jahre einberufen werden. Die Dringlichkeit wird angenommen. Die Jnitiativ⸗ Commisston schlägt die Verwerfung des Antrags Ferry, betreffs Aufhebung des Waffengesetzes vor.

Preußen. Berlin. DerStaatsanz.

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