Ausgabe 
27.8.1870
 
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Palikao kündigt an, daß die Regierung gestern 40,000 Gewehre in England angekauft habe.(11!) Ablieferungstermin in 3 und 8 Tagen. Pelletan schlägt vor, aus allen mit Jagdscheinen versehenen Jägern Freicorps zu bilden. Der Minister des Innern erklärt, die Bildung von Freicorps sei gestattet. Die mit Erlaubnißscheinen des Kriegs- ministers versehenen Freicorps seien als Soldaten zu behandeln. Thiers schlägt Namens der Com- mission vor, den Antrag Keratry's zu verwerfen, da ein Einverständniß mit der Regierung nicht zu erzielen sei. Der Kriegsminister erklärt, um seine Versöhnlichktit zu beweisen und der Kammer hierdurch einen Beweis seines Vertrauens zu geben, wolle er mit der Ernennung von drei Deputirten zu Mitgliedern des Verthtidigungs- Comites ein- verstanden sein. Keratry vertheidigt seinen Antrag. Duvernois antwortet. Jules Favre sagt darauf: Die Unglücksfälle des Landes rühren von der verhängnißvollen Leitung her, welcher es unter⸗ worfen war. Die Kammer muß sich darüber aus- sprechen, ob das Land für die Aufrechterhaltung der Dynastie kämpfen soll.(Widerspruch, Tumult.) Buffet sagt, es gebe jetzt nur eine Frage, um die es sich handle, nämlich die, den Fremden zu ver jagen.(Beifall.) Der Schluß der Discussion wird hierauf mit 210 gegen 55 Stimmen be schlossen. Der Antrag Keratry wird mit 206 gegen 41 Stimmen verworfen. Gambetta ver- langt Nachrichten über den Kampf am 18. d., sowie über die Position und die Streitkräfte der Preußen. Der Minister des Innern, Chevreau, erwiedert, Bazaine sei zu sehr beschäftigt, er habe noch keinen Bericht geschickt. Der Minister fügt hinzu, daß kein Telegramm vorliege, welches heute irgend ein Engagement signalisire. Der Minister erklätt weiter: Preußische Plänkler sind wirklich in den Departements Marne und Aube signalisirt, doch kann er in dieser Hinsicht keine nähere Mit- theilung machen. Der Minister bemerkt schließlich, daß, wenn die französischen Truppen Chalons ver lassen sollten, dies zu dem Zwecke geschehen würde, die allgemeine Vertheidigung des Landes zu sichern.

Großbritannien. London. DieTimes erklärt, daß ein Briefwechsel zwischen der Kaise win Eugenie und der Königin Victoria bezüg⸗ lich der Friedens vermittlung nicht stattgefunden shat. Die angeblichen Meinungsäußerungen des englischen Cabinets bezüglich der Friedens⸗ chedingungen seien unwahr; die angebliche Aeußerung Gladstones, England müsse Sorge tragen, daß der Exoberer nicht allzu mächtig werde, sei ebenfalls unwahr.

Frankfurt. Hiesige Blätter bringen nachstehend Mittheilungen: Von einem Augenzeugen wird uns mit⸗ getheilt, daß bei einem der letzten Gesangenen-Transporte in Turcos⸗Offizier von seinen braunen Collegen mit der größten Aufmerksamkeit behandelt worden sei, es habe Hiese aber weniger dem militärischen Rang, als vielmehr zer hohen Geburt des braunen Herrn gegolten, welcher er Abkömmling(Sohn oder Enkel) eines großen Wüsten⸗ chelks sein soll. Der braune Prinz hatte eine sehr feine Uniform und einen mächtigen Brillantring am Finger, ber bisher noch nicht die Bekanntschaft eines Hemdes emacht; er soll direct von Afrika in das franzbsische Deer eingereiht und gefangen worden sein. Am 23. Abends ging ein Extrazug von hier nach dem Kriegs Tauplatz. Derselbe beförderte eine große Anzahl Mitglieder ses hiesigen Sanitätscorps, noch eine große Masse Ver andzeug, Instrumente und 150 Betten. Eine weitere gestimmung des Zuges ist, auf dem Schlachtfelde selbst

ie Verwundeten aufzunehmen und sie nach Anlegung

es Verbandes direct nach Frankfurt zu führen, woselbst e in Pflege genommen werden. Es ging auf dem geckar-⸗Bahnhof bunt zu. Ein vollständiges Sprach- und Dialectengewirr herrschte dort allenthalben: hier hörte man ranzösisch, dort Hochdeutsch, nebenan gutes Frankfurter Deutsch, dann wieder Englisch, auch etwas Otientalisch. zug auf Zug dampfte theils mit verwundeten Deuischen Sachsen 31 Waggons, Bayern 4 Waggons, Preußen 20 Waggons), theils mit Franzosen(16 Waggons) in den

wäre und mindestens die vorhandenen Laternen

Bahnbof. Der größte Theil fubr die Nacht wieder fort. Die Franzosen und etwa 120 Preußen blieben jedoch hier in der Güterhalle über Nacht. Gegen Morgen kamen 400 unverwundet gefangene Franzosen mit 53 Osstzieren auf dem Weg nach Magdeburg vorbei. Alle Verwundete, welche die Strapatzen der Weiterreise nicht vertragen konnten, kamen in das biesige Lazareth.

Düsseldorf. Zur Charakteristik französischer leicht verwundeter Gefangenen wird derKöln. Z. Folgendes mitgetheilt:Nachdem am Donnerstag ein Transport von ca. 40 gefangenen, leicht verwundeten Soldaten aller Waffengattungen mit größter Sorgfalt in der Caserne des niederrheinischen Füsillerregiments Nr. 39 zu Düssel⸗ dorf verbunden war, wurde sämmtlichen Gefangenen eine kräftige Suppe verabfolgt. Vor der Weiterbeförderung nach Magdeburg meldete mir der betreffende Revier-Inspector, daß im Speisesaale 17 Löffel verschwunden seien. Sofort forderte ich von den eben in Reih und Glied angettetenen Franzosen nachdrücklich die gestohlenen Löffel zurück, erhielt dieselden aber erst ausgeliefert, als ich drohte, sämmtliche Mannschasten visittren und die Diebe erschießen zu lassen. Die neu verzinnten Löffel waren möglichers Weise für silberne gehalten worden. Marcard, Major a. D.

Friedberg. Seit zwei Tagen ist der Bahnverkehr wieder ein sehr belebter geworden, indem einerseits wiederholt starke Transporte Ver- wundeter, die vom Kriegsschauplatze kommen, und andererseits große Massen dorthin gehender Ersatz mannschaften hier durchpassiren Auch diesen sind nach Möglichkeit Erfrischungen verabreicht, bier⸗ durch aber die hierzu noch vorhanden gewesenen Vorräthe fast ganz aufgebraucht worden, so daß unseren Landgemeinden in Nähe und Ferne wieder Gelegenheit geboten ist, ihre bewährte Opferwillig- keit aufs Neue zu bethätigen, und die zur Er quickung der vorbeiziehenden Vaterlandsvertheidiger im hiesigen Bahnhose errichteten Anstalten mit frischen Vorräthen zu versehen. Aber auch unsere Bahnverwaltung dürfte diesen Anstalten etwas förderlicher entgegen kommen, als geschieht; nament lich wäre höchst nöthig, daß bei diesem übeln Wetter die Beleuchtung im Bahnhof eine bessere

auch angezündet und deren Zahl noch vermehrt würde, indem bei Nacht der Weg bis an den Viadukt ein wahrhaft halsbrechender ist. Hier wird am unrechten Ort gespart!

9 9331 Erfrischung

der durchpassirenden Truppen und zurückkommenden Verwundeten und Gefangenen im hiesigen Bahnhofe.

Seit gestern kommen wieder Militärzüge von Norden, hauptsächlich aber Verwundete vom Kriegsschauplatze retour. Züge oft mit 700 bis 1000 Mann. Die Leute müssen hier verbunden, gespeist und getränkt werden. Un sere Vorräthe sind dadurch rascher alle gewor den, als wir dachten und wir müssen deßhalb bitten uns schleunigst wieder mit Vorräthen zu versehen. Brod, Eier, Fleisch, Wein, das sind die Sachen, die wir für Verwundete nöthig haben; Brod, Kaffee, Branntwein, Apfelwein brauchen wir fuͤr die nach Frankreich gehenden Truppen. Kartoffeln bitten wir vorerst nicht zu schicken, da sich dieselben noch nicht gut aufheben lassen. (Wir werden uns später erlauben einen Aufruf wegen Zusendung von Kartoffeln an die darbenden Gemeinden auf dem Kriegsschau platze zu erlassen.)

Gewiß gibt Jeder gerne, wenn er bedenkt, daß auch er einen Sohn, Bruder, Berwandten oder Freund bei den Verwundeten baben kann. Die Spenden werden wie seither im Bahnhöfe von Mitgliedern des Comités gerne in Empfang ge nommen. Friedberg den 26. August 1870.

Das Comité fuͤr die Erfrischung der durchpassirenden Krieger.

Aufruf.

Es ist bereits Mangel an Binden, Com⸗ pressen und Charpie eingetreten, bitten des halb dringend um schleunigste Hülfe von Allen, denen es möglich ist.

Friedberg den 26. August 1870. Das Comite für verwundete und erkrankte

Soldaten.

Bescheinigung.

Bei dem Rechner des Comités für die Unterstützung der verwundeten und erkrankten Soldaten im Felde und der nothleidenden Familien von Soldaten sind weiter ein

gegangen und werden dankbar quittirt: kr. durch Herrn Pfarrer Fuchs aus der Gemeinde Langenhaln und Ziegenberg als 2. Sendung 38 15 von Herrn Oeconom Buff in Nieder-⸗Wöllstabt 1 10 von Herrn E. Schneider gesammelt in einer Gesellschaft in Sodel 8 von Herrn J. H. in F. 15 aus der Turnhalle: von C. 25 von Herrn Pachter Alles in Florstadt 1 10 von Herrn Dr. H. 3 30 Ungenannt 10 Ungenannt gefunden von E. Rühl 26 von Herrn Fst. H. 3 30 von Herten Decan Blumhof in Melbach vom zweiten Sonntag Kirchengpfer 10 44 ¼

durch Herrn Regierungsrith Trapp von einigen Missionsfreunden in Gambach 5 von Elisabetha Döringer aus dem Pfarrhause in Södel 1 von Elise Br. in Frankfurt 6 von St. zur Anschaffung von Wein 5 durch Herrn Pfarrer Urich in Beienheim aus dem zweiten Abendsgottesdienste 6 durch Herrn Pfarrer Müller aus den Wochen⸗ beiträgen in Nieder-Rosbach monatliche Beiträge von Friedberg 7

aus der Collecte Friedbergs 2 82 f 185 50% bereits bescheinigte Beträge 2907 39

zusammen 3093 29½

An Materialien gingen ein: aus dem Institut Werner 8 Paar neue Unterhosen, Charpie, 1 Flasche Wein, durch Herrn Bürgermeister Keil in Melbach 9 Säcke Kartoffeln, 2 Körbe Gelberüben, 1 Korb Zwiebeln, 1 Korb Würsing und Kohlraben, 1 Korb Bohnen, Dörrobst, 1 Topf Birn⸗ saft, durch Frau Decan Blumhof in Melbach weitere Sen⸗ dung 36 Hemden, 9 Betttücher, 15 Paar Strümpfe, 3 Ueberzüge, 5 Armschlingen, 4 Taschentücher, 1 Unterjäckchen, von Herrn Pachter Hill in Fauerbach 2 Betttücher, 4 Hem⸗ den, 2 Säcke Kartoffeln und Döoͤrrobst, durch Herrn Bür⸗ germeister Schultheiß in Steinfurth circa 700 Eier, 15 Pfund Butter, von Herrn Korndörfer in Ossenheimer Wäldchen 20 Maaß Wein, durch Herrn Pfarrer Müller in Nieder-Rosbach dritte Sendung 17 Hemden, 4 Hand⸗ tücher, 3 Spreusäckchen Betttuch, 27 Compressen, 11 Binden, 2 ũ Pfund Charpie, 5 Pfund getrocknete Mira⸗ bellen. Viele und manigfaltige Gaben von den Bewohnern Friedbergs.

Indem wir hierfür unsern Dank aussprechen, bitten wir zugleich um fernere Liebesgaben, namentlich um Wein, Seife, Siearinlichter, Cigarren, Zucker, ungebrannten Kaffee und sonstige haltbare Lebensmittel. Abgabe täglich von 2 bis 4 Uhr im Frohsinnslocale im Hertlein'schen Hause. Außer dieser Zeit können von auswärligen Gebern Gaben an den Rechner des Vereins abgegeben werden.

Friedberg den 25. August 1870.

Für das Comits: J. Huber, Rechner.

Ueber alle Gegenstände, die gegen Zahlung in das Lazareth Turnhalle geliefert werden, müssen die Rechnungen woͤchentlich längstens jeden Samstag Mittag 2 bis 4 Uhr in unserem Magazin, Frohsinn's Lokal, Härtlein'schen Hause, eine Stiege hoch, abgegeben werden.

Für die Verwaltung Er mu s.

050 Der Unterzeichnete bat sich selt dem 14. d. M. ahter als practischer Arzt niedergelassen. Relchelsbeim i d. W., 17. August 1870

Dr. med. Ludwig Schäfer.

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