Ausgabe 
26.11.1870
 
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ihnen Krankheiten, namentlich Blattern. Der Preis der Lebensmittel ist in stetem Steigen be⸗ griffen. An dem Tage, wo der Brief geschrieben wurde(6. Nov.) zahlte man 1 Pfd. Butter mit 25 Frs., Pferdefleisch 3 bis 4 Frs., Eselfleisch mit 5 Frs. Die ausgetheilte Fleischration(nach derKöln. Ztg. ist die Fleischvertheilung am 12. ganz eingestellt worden) betrug 50 Grammes, Kohle wurde selten, Kartoffeln sind nicht mehr vorhanden, dagegen ist Brod noch in genügender Quantität da.

Die englischen Correspondenten im deutschen Hauptquartier vor Paris wissen nicht genug zu berichten von den vortrefflichen Vor⸗ bereitungen, welche man deutscherseits trifft, um die Franzosen bei einem etwaigen Aus falle recht warm zu empfangen, und sind des Lobes voll über die Wachsamkeit und gute Haltung der Vorposten. Aus dem Quartier des Kron prinzen von Sachsen berichtet ein anscheinend militärischer Correspondent Folgendes: Was seit der Beendigung der Waffenstillstandsver handlungen geschehen ist, muß als geradezu erstaunlich bezeichnet werden. Wenn Paris in seinen Forts eine Anzahl von Festungen zwischen sich und der deutschen Armee hat, so hat die letztere dafür eine fast ununter⸗ brochene Linie von Feldbefestigungen zwischen den Forts und dem Rücken der Einschließungs linien angelegt. Während die Truppen den angekündigten Ausfall erwarteten, konnte man so recht deutlich beobachten, was von ihnen im Falle der Vertheidigung sowohl als beim Angriffe erwartet werden kann. Von Severn bis Pont Iblau standen die Leute in Schlacht ordnung. Hinter Werken, welche sie dem an⸗ rückenden Feinde vollkommen unsichtbar machen mußten, standen Compagnien von Schützen, bereit, ein mörderisches Feuer abzugeben. In den in wenigen Tagen verdoppelten Batterien standen Feldgeschütze und die Artilleristen da hinter, sie zu bedienen. Züge von Munitions- wagen waren in kurzer Entfernung aufgefahren. Die Cavalerie stand an der Landstraße von Gonesse in Position. Allenthalben sah man die Stabsoffiziere in gespannter Erwartung des Feindes. Es kamen indessen unter Bedeckung von Truppenabtheilungen nur lange Züge von Eivilpersonen, am 15. zwischen 30 40,000 Mann, aus der Stadt, die auf den Feldern Kartoffeln ausgruben Viele waren gut, manche sogar elegant gekleidet und man bemerkte sogar Gruppen von Damen unter denselben.

Die Fabrikation von Sieges-Vepeschen wird in Frankreich noch immer en gros betrieben. So wurden in Lyon am 17. d. folgende Sieges⸗ nachrichten verbreitet: Zerstörung der preußischen Flotte im Jadebusen, siegreicher Ausfall der Be satzung von Paris, Eroberung von Dreux und Etampes durch die Loire und West⸗ Armee nach lebhaften Kämpfen, eine von Bourbaki vor Amiens gewonnene Schlacht.

DemMannh. J. wird aus Saar- brücken, 21. Nov., geschrieben: Gestern kam auch ein Train mit 20 Stück 24Pfündern durch. Sie sind für Thionville bestimmt, dessen Wider- stand, trotzdem es seit 48 Stunden brennt, noch nicht gebrochen zu sein scheint. Es wurde zur Beschießung dieser kleinen Feste schweres franzö⸗ sisches Geschütz bisher verwandt, dessen Wirkung aber dem der preußischen schweren Gußstahl kanonen bei Weitem nachstehen soll. Die 24. Pfünder indessen dürften die Belagerung von Thionville erheblich abkürzen. Das Belagerungs corps soll sich nach erfolgter Capitulation von Thionville theilen und die Belagerung der beiden zunächst gelegenen Festungen Montmedy und Longwy beginnen, welche bereits vorige Woche cernirt wurden.

Achille Bizzoni schildert in einem Briefe aus Bourg vom 10. seine ersten Eindrücke vom garibaldinischen Lager wie folgt:Wir sind

mit einer leichten blauen Blouse, wie sie unsere Kärrner tragen; die Bretonen und die französischen Garibaldianer haben niedrige, breitränderige Hüte, wie wir sie in der OperDinorah sahen; die Franctireurs sind ein Jeder anders gekleidet; die Mobilen, die sich mit den letzten Ueberresten der Linie vermischen, einige Husaren zwischen den Dragonern und Chasseurs d' Afrique, die bei Sedan und Metz den Preußen entflohen sind; Krankenwärter mit dem rothen Kreuze im weißen Felde, und inmitten dieser Masse Soldaten, die nicht ernst, aber sorglos sind, eine Masse von Frauen und Kinder, welche die Felder durchstreifen, um dem grausamen Feinde zu entfliehen das ist der Anblick, der sich mir darbietet.

Hessen. Darmstadt. DerM. Ztg. entnehmen wir folgende Mittheilung: Ueber die hess. Division erfährt man aus Briefen vom 17. daß dieselbe damals 4 Meilen von Orleans ent⸗ fernt stand. Das erste Jägerbataillon war bei Fontainebleau aus abgezweigt und mit einem preußischen Dragonerregiment in der Richtung nach Paris dirigirt worden, wahrscheinlich um dit dortige Gegend von Franctireurs zu säubern. Die Division soll gegenwärtig zum linken Flügel der Armee des Großherzogs von Mecklenburg ge⸗ hören, doch bedarf diese Nachricht der Bestätigung, da das neunte Corps, welchem die hessischen Truppen bis jitzt zugetheilt waren, einen Theil der Armee des Prinzen Friedrich Karl bildet, ver⸗ muthlich den rechten Flügel, der sich an die Auf stellung des Mecklenburger Großherzogs anlehnt. Im Rücken der Division wurde, wie aus Briefen vom 20. sich ergibt, ein stehendes Lazareth errichtet, in welchem eine Anzahl Typhus- und Ruhrkranker Aufnahme fanden. Der Gesundheitszustand ist im Allgemeinen ein sehr guter.

* Friedberg. Seit Eintreffen der fran⸗ zösischen Gefangenen in unserer Stadt herrscht in den Straßen derselben ein wirklich buntes Treiben. Ueberall bemerkt man in größerer oder kleinerer Anzahl dieRothhosen promeniren, um Stadt und nächste Umgebung sich zu besehen. Fast alle Corps der französischen Armee sind bei den Ge⸗ fangenen vertreten, es befinden sich darunter Leute von der Garde, der Infanterie, der Artillerie und Cavalerie; auch Zuaven und Turkos fehlen nicht und diese berüchtigten braunen Gesellen besonders ziehen durch ihre auffällige und ungewohnte Kleidung die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Ein großer Theil der Gesangenen findet bereits bei dem Baue der Baracken im Hofe der Klosterkaserne Beschäftigung.

Preußen. Berlin. DieProvinzial Correspondenz schreibt: Nachdem die Verträge mit Hessen und Baden über den Beitritt zum norddeutschen Bunde abgeschlossen waren, fanden die Schlußverhandlungen mit Würtemberg letzter Tage in Berlin statt. Der unmittelbare Beitritt Würtembergs ist zu erwarten. Die Verhandlungen mit Bayern sind noch nicht abgeschlossen; dieselben lassen ein nahes erfreuliches Ergebniß in Aussicht nehmen. Die Regierung wird die Bewilligung eines Credits bis zu 100 Millionen beantragen. Die beabsichtigte Berufung des Landtages für das laufende Jahr behufs der Berathung über den Staatshaushalt hängt von der Dauer der Reichs⸗ tagssession ab. Falls die Berufung des Land⸗ tages sich weiter in den Dezember erstreckte, wäre die Erfüllung der Forderung der Verfassung in Betreff des Staatshaushaltes wegen der Kürze der Zeit nicht möglich. Bezüglich der Pariser Zustände schreibt dieProv.⸗Corr.: Von einem bloßen Waffenstillstande kann unsererseits nicht die Rede sein. Die Dinge stehen so, daß wir schon in nächster Zeit der endlichen Erfüllung unserer militärischen Aufgaben vor Paris und an der

Loire und im Norden mit Zuversicht entgegensehen

können. Bezüglich der russischen Angelegenheiten meint dieProv.⸗Corr., daß Preußen durch seine

ö

Stellung zu den betheiligten Parteien Gelegenheit

hier wie mitten in einem Maskenballe; man sieht; habe, allseitig einen versöhnlichen, ausgleichenden

tausend und aber tausend verschiedene Costüme.

Kinder von höchstens siebzehn Jahren campiren im Schmutz der Felder und sind kaum bedeckt

Einfluß geltend zu machen. e die Hoffnung, es werde gelingen, einen

Um so berechtigter

Austrag des Streites auf dem Wege friedlichen

Meinungsaustausches und Einverständnisses herbei⸗ zuführen.

Berlin, 24. Nov., Mittags 1 Uhr. Der Reichstag wurde soeben im weißen Saale von dem Staatsminister v. Delbrück unter Anwesen⸗ heit von etwa 130 Mitgliedern des Reichstages mit einer Rede eröffnet, in welcher zunächst der Erfolge gedacht wird, mit welchen in dem gegenwärtigen Kriege mit Frankreich die Waffen der deutschen Heere gesegnet worden sind. Es wird sodann erwähnt, welchen Antheil die nationale Haltung und die Einmüthigkeit des Reichstages bei Bereitstellung der zur Führung des Krieges erforderlichen Mittel an diesen Erfolgen gehabt haben. Durch die in der Kriegsgeschichte beispiellosen Siege, welche nach Gottes Willen die heldenmüthige Tapferkeit und die einsichtige Führung der deutschen Heere erfochten haben, sei der Angriff, den Frankreich im Juli auf Deutschland unternahm, zurück geworfen worden. Unter Hinweis auf die Schwierigkeiten, welche dem Abschlusse eines dauernden, Deutschland genügende Garantieen bietenden Friedens für die deutschen Verbün⸗ deten, der jetzigen Regierung in Frankreich gegenüber, entgegentreten, hebt die Rede hervor, daß die Bedingungen, unter welchen die ver⸗ bündeten Regierungen zum Frieden bereit sein würden, zu der Größe der Opfer, welche dieser ohne jeglichen Grund, aber mit der Zustimmung der gesammten französischen Nation, unter⸗ nommene Krieg unserem Vaterlande auferlegt hat, im Verhältniß stehen müßten; sie müssen vor allen Dingen gegen die Fortsetzung der von allen Machthabern Frankreichs seit Jahrhunderten geübten Eroberungspolitik eine vertheidigungs fähige Gränze Deutschlands dadurch herstellen, daß sie die Ergebnisse der unglücklichen Kriege, welche Deutschland in der Zeit seiner Zerrissen⸗ heit nach Frankreichs Willen führen mußte, wenigstens theilweise rückgaͤngig machen und unsere süddeutschen Brüder von dem Drucke der drohenden Stellung befreien, welche Frank reich seinen früheren Eroberungen verdankt. Die verbündeten Regierungen haben das Ver trauen zu dem norddeutschen Reichstag, daß derselbe ihnen die Mittel, welche zur Erreichung dieses Zieles noch erforderlich, nicht versagen werde. Mit Beifall wird die nun folgende, die süddeutschen Staaten betreffende Stelle auf⸗ genommen. Dieselbe lautet:Die Fortdauer des Krieges hat eine friedliche Arbeit nicht verhindert. Das Gefühl der Zusammengehörig⸗ keit, welche durch gemeinsame Gefahr und durch gemeinsam erkämpfte Siege belebt ist das Bewußtsein der Stellung, welche Deutschland zum ersten Male seit Jahrhunderten durch seine Einigkeit errungen hat die Erkenntniß, daß nur durch die Schöpfung dauernder Institutionen

der Zukunft Deutschlands das Vermächtniß

dieser Zeit der Opfer und der Thaten gesichert werden könne, haben schneller und allgemeiner, als noch vor Kurzem denkbar erschien, das deutsche Volk und seine Fürsten mit der Ueber⸗ zeugung erfüllt, daß es zwischen dem Süden und Norden eines festeren Bandes bedürfe, als der völkerrechtlichen Verträge. Diese unter den Regierungen einhellige Ueberzeugung hat zu Unterhandlungen gefuhrt, als deren erste auf dem Felde des Krieges erwachsene Frucht Ihnen eine, zwischen dem norddeutschen Bunde, Baden und Hessen vereinbarte, vom Bundes rathe einstimmig angenommene Verfassung eines deutschen Bundes zur Genehmigung vorgelegt werden wird. Die auf gleichen Grundlagen mit Baiern getroffene Verständigung wird eben falls Gegenstand Ihrer Berathungen werden, und die Uebereinstimmung der Ansichten, welche mit Würtemberg über das zu erstrebende Ziel besteht, läßt hoffen, daß eine gleiche Ueberein stimmung über den Weg zum Ziele nicht aus bleiben werde. Sie werden, geehrte Herren, mit diesem Werke eine Thätigkeit würdig ab schließen, wie solche wenigen gesetzgebenden Versammlungen vergönnt gewesen ist. In wenig mehr als drei Jahren haben Sie durch eine

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