Ausgabe 
26.2.1870
 
Einzelbild herunterladen

freundschastlichen Beziehungen zwischen der Union und* Frankreich möchten keine Aenderung erleiden.

Frankreich. Paris. Im weiteren Ver⸗ laufe der Debatte des gesetzgebenden Körpers über die Interpellation Jules Fapre's protestirte zu⸗ nächst Minisser Daru gegen die Beschuldigung, das Ministerium habe die Unruhen hervorgerufen. Frankreich, sagte er,steht nicht mehr unter dem Regime eines Dictators, sondern ist ein freies Land. Es will die Ordnung, verbunden mit der Freiheit, und weist Ausschreitungen zurück. Daru behauptet, das Ministerium sei vollständig einig. Der Souverän habe sich freiwillig den Wünschen der Bevölkerung angeschlossen und sei mehr als je gewillt, Frankreich die Freiheit zu geben. Zwischen dem Cabinet und der Kammer derrsche volles Einverständniß.Wir wollen im Innern wie nach Außen den Frieden und die wahre Freiheit. Sollten das Ministerium und die Kammer sich in ihren Ansichten scheiden, so würden wir den Souverän auffordern, von seinem Vorrechte, die Entscheidung zu fällen, Gebrauch zu machen; aber es ist unwahrscheinlich, daß die Eventualität eines Zwiespalts einträte. Die Rede des Ministers Daru machte großen Eindruck. Die Sitzung wurde für kurze Zeit aufgehoben. Die Mitglieder des rechten und linken Centrums beschlossen mittlerweile, folgende Tagesordnung

zu beantragen:Gegenüber den so unumwundenen

und loyalen Erklärungen des Ministeriums, welche Frankreich die Ordnung verbunden mit der Frei heit sichern, geht die Kammer mit Vertrauen zur Tagesordnung über. Nach Wiederaufnahme der Sitzung spricht Jules Favre seine große Be friedigung über die Rede des Ministers Daru aus und über die neue Erscheinung, ein Ministerium zu erblicken, welches, den Traditionen der Ver gangenheit entsagend, die Freiheit zurückverlange. Dennoch, behauptet er im Verlauf seiner Rede, bestehe die persönliche Gewalt noch fort. Die von dem linken und rechten Centrum beantragte Tagesordnung wurde schließlich mit 236 gegen 18 Stimmen angenommen.

Don Carlos wurde auf dem Wege nach Spanien am 22. d. in Lyon angehalten und aufgefordert, sich nach dem Departement du Nord zu begeben; er zog es jedoch vor, nach der Schweiz abzureisen. Seine Ankunft in Genf wird bereits gemeldet.

Die Voruntersuchung gegen die in Folge der letzten Straßen⸗Krawalle verhafteten Personen ist beendet. Von den 444 Personen, welche noch im Gefängniß der Sante verhaftet waren, wurden 108 in Freiheit gesetzt und 125 werden diese Woche vor die Zuchtpolizeigerichte kommen, welche über ihr Schicksal zu urtheilen haben. Die Uebrigen, welche eines Attentats gegen den Staat angeklagt sind, werden im Gefängniß zurückgehalten.

Man versichert, der Kriegsminister Leboeuf habe dem Staatsrath vorgeschlagen, das Armee Contingent für 1871 auf 90,000 Mann statt 100,000 festzustellen.

Ziemliches Aufsehen erregte kürzlich der Umstand, daß ein Ball in den Tuilerien noch in letzter Stunde abbestellt wurde. Ein englisches Blatt berichtet nun, es sei am Morgen des Tages, wo der Ball stattfinden sollte, der Polizei zu Ohren gekommen, daß ein Complott gegen das Leben des Kaisers Abends zum Ausbruch kommen solle. Eine Anzahl von Verschworenen sollte in Livrten sich unter die Bedienten auf dem Ca roussellplatze mischen und auf ein gegebenes Zeichen die leicht entzündbaren Wagen mit brennenden Scheiten in Flammen setzen, sowie gleichzeitig Bomben unter die Pferde werfen und dadurch eine entsetzliche Verwirrung hervorrufen. Dadurch würde man die Massen der Bedienten aus dem Palaste gelockt haben, um Ordnung wiederherzustellen und mittlerweile auch einem Dutzend anderer Ver schworenen ermöglicht haben, sich als Ballgäste einzuschleichen und den Kaiser zu ermorden.

Italien. Rom. Nachrichten von hier melden, daß in den letzten Tagen nun auch ein spanischer Bischof gestorben und der vom Schlag getroffene Bischof von Trient in den letzten Zügen

liege. Die Zahl der während des Coneils Ge storbenen hat jetzt schon fünfzehn erreicht, und auch die Gesundesten sangen an, das Clima Roms zu verabscheuen. Im Palast Cordoni, wo viele Prälaten zusammengedrängt wohnten, und wo die Luft am schlechtesten ist, haben zwölf ihre Koffer gepackt und sind abgereist, wahrscheinlich zur Nimmerwiederkehr. 0

Gießen. Ju jüngster Zeit sind ohngefähr 10 hiesigen Geschäftsleuten mit großer Frechheit zur Abendszett die Ladenkassen ausgelcert und theilweise die Geldkasten mit⸗ entwendet worden, ohne daß man den Dieb gekannt hätte. Den unausgesetzten Nachforschungen der hiesigen Polizei ist es gelungen, den Dieb zu ermitteln, nachdem er vor einigen Abenden einen gleichen Diebstahl bei einem hiesigen Kausmann ausgeführt hatte, welch' Letzterer ebenfalls keine Spuren zur Entdeckung des Thälers angeben konnte. Der Dieb ist ein Schreinerlehrling aus dem Kreise Mar burg, dessen Eltern in Gießen wohnen.

Frankfurt. An dem im Maistattfindenden Maschinen⸗ markt wird rüstig gearbeitet. Sämmtliche Eisenbahnen, Staats- wie Privatbahnen, haben nicht allein Fracht⸗ ermäßigung, sondern auch für etwa unverkaust gebliebene Maschinen freien Rücktransport gewährt. Die Anmel⸗ dungen sind schon ziemlich beträchtlich. Neben der land wirthschaftlichen Halle werden für Marktzwecke noch mehrere große Schuppen errichtet werden. Standgeld soll keines erhoben werden.

Frankfurt. Nächsten Samstag den 26. Febr. findet in der landwirthschastl. Halle dahier der 3. große Masken ball statt. Für 12 Uhr Nachts ist ein großer Maskenzug, so wie Preisvertheilung an die schönste Damen und Herrenmaske angekündigt. Ferner soll Fastnacht-Dienstag in der Halle ein närrischer Jahrmarkt abgehalten werden, der sehr amüsant zu werden verspricht und jedenfalls ein zahl⸗ reiches Publikum vereinigen wird.

Darmstadt. Nachdem vergangenen Montag von einem Fuhrmann zwischen hier und Eberstadt ein schweres Vergehen gegen die Sittlichkeit verübt, der Verbrecher aber alsbald in Haft gebracht wurde, sind am 23. d. fünf hier in Arbeit stehende Mechaniker, worunter ein erst kürzlich verheiratheter Mann, unter der Anklage auf der Frank furter Straße ein gleiches Attentat gegen ein Kellnermädchen begangen zu baben, gefänglich eingezogen worden.

Darmstadt. Man erzählt sich hier eine empörende Handlung, welche sich ein Offizier bei den Reitübungen gegen einen Soldaten erlaubt haben soll. Es heißt, der Offizier habe seinem Untergebenen mit der Klinge einen Hieb von solcher Wucht über den Rücken versetzi, daß die selbe das Bandelier der Patrontasche und die Kleidungs⸗ stücke durchdrang und in dem Rücken des Mannes eine große Wunde zurückließ. Der Soldat soll sich in ärzt⸗ licher Behandlung befinden.

Darmstadt. In Großgerau wurde am 22. d Vor⸗ mittags 11 Uhr wiederum eine Erderschütterung verspürt. Auch hier hat man am 14. d. Abends 8 Uhr einen Erd⸗ stoß wahrgenommen.

Mainz. Die bei der anhaltenden Kälte schon län⸗ gere Zeit bestehende Unsicherheit des Verkehrs zwischen den beiden Ufern des Rheines gibt so recht überzeugend den Beweis, wie dringend geboten eine feste Ueberbrückung des Rheines für unseren Verkehr erscheint. Während nämlich die Schiffbrücke vollständig abgelegt im Sicherheitshafen liegt, in der Ueberfahrtsdienst der Taunusboote von den raschen Wechseln des Eisganges abhängig. Seit zehn Tagen war der Strom ober- und unterhalb der Stadt mit festen, aber nicht passirbaren Eisdecken überzogen und hing der Verkehr von seren zufälliger Bewegung ab. Es kam vor, daß Leule das andere Ufer des Rheins wohl erreichen konnten, aber zur Rückkehr nach Hause bot sich kein günstiger Moment. So sah sich eine Gesellschaft Meinzer, welche sich am Sonntag in Castel bei einem Glase Bier erholen wollte, genöthigt, den Rückweg über Franksurt per Eisenbahn einzuschlagen, was in umgekehrter Richtung von Bewohnern Castels und des Rheingaues gethan werden mußte. Solche und massenhast in anderer Weise auftretende Störungen des Verkehrs sprechen deut⸗ lich genug.

Graz. Ueber den plötzlichen, unter so sehr auffälligen Umständen erfolgten Tod des berühmten Naturforschers Prosessor Unger, ein beklagenswerther Fall, der allgemein ebenso viel Theilnahme als Aufsehen erregt, kommen nun folgende nähere Mittheilungen in die Oeffentlichkeit: Samstag Abend besuchte ihn Karl Vogt und die beiden Freunde plauderten lange mit einander. Als die Schlaf⸗ stunde kam, nahm Unger von seiner Familie Abschied und sagte scherzend:Nun heule Nacht könnt Ihr wenigstens gut schlafen, ich werde Euch nicht brauchen! Dann ver⸗ fügte er sich in sein Schlafzimmer und zog selbst die Tyüre desselben zu. Zur Erklärung möge hier angeführt werden, daß im Zimmer neben Unger die Magd schlief, damit der Kranke dieselbe bei der Hand habe, wenn er ihrer bedürf!; die Familie, Frau, Tochter und Sohn waren von der Ruhestätte des Vaters durch drei Zimmer gelrennt. Am nächsten Morgen kam Unger nicht, wie es seine Gewohnheit war, zur beslimmten Stunde zum Frühstück; seine Gattin, welche befürchtete, er könne vielleicht slärker unwohl sein, fragte das Dienstmädchen, ob der Herr in der Nacht gerufen habe, und als dieses es ver⸗ neinte, ging sie auf den Zehen zum Ruhebette ihres Mannes. Dieser lag da, in seine Decke gehüllt, ruhig, als schliese er. Hofräthin Unger glaubte anfangs auch wirklich, ihr Gemahl schlase; als sie aber längere Zeit vergebens versucht hatte, ihn zu wecken, als sie keine Be⸗

wegung in seinei Antlitze bemerkte ds tauchte eine gräßliche Ahnung in ihr auf, sie warf sich auf den still Daliegenden, legte ihr Ohr an seine Lippen und mußte

sich bald überzeugen, daß er wirklich todt sei. Kein Vec⸗ dacht stieg den Familienangehörigen. wee e sie waren zu sehr von dem plötzlichen Tode ihres Theuren erschüttert. Zu ihrer eigenen Beruhigung verlangte die Wittwe die Vornahme der Section. Die Leiche wurde ins allgemeine Krankenhaus überbracht. Der Professor der pathologischen Anatomie Dr. Heschl sollte die Section vornehmen, allein im letzten Augenblick verließ ihn der Muth dazu, er brachte es nicht über sich, das Messer au seinen langjährigen Freund zu legen. Der Professor der desersptiven Anatomie, Dr. Planer, machte sich nun daran, die Section vorzunehmen; man beabsichligte, nur den Schädel zu untersuchen, da man vorne an der Stirne zwei blaue Flecken bemerkt hatte. In dem Augenblicke, als Professor Planer den Kopf emporhob, bemerkte er drei Verletzungen am Hinterhaupte, die die Continuität des Knochens fast trennten. Sofort legte er den Leichnam wieder zurück und erklärte, nicht Hand anlegen zu wollen, bevor nicht eine gerichtliche Commission zur Stelle geschafft worden sei. Bald war diese, unter Führung des Landes- gerichtsrathes Andriollt, herbeigeeilt und es wurde nun von Professor Schauenstein die Section ausgeführt. Wahr⸗ scheinlich ist es, daß hier ein Mord vorliegt. Leute aus

der Nachbarwohnung, welche gerichtlich vernommen wurden,

gaben an, den Hofrath in der Nacht gehört zu haben, ja Personen aus dem nächst höher gelegenen Stockwerke wollen einen Lärm im Zimmer gehört haben! Und das Dienstmädchen Unger's sollte gar nichts bemerkt haben? Dieser Umstand allein schon genügte, um den Verdacht auf dasselbe zu lenken, und war die Veranlassung zu deren, wie dieTagespr. berichtet, am Freitag erfolgten Verhaftung. Jedoch ist Lieses. Mädchen nicht die einzige Person, welche die öffentliche Meinung als die Thäterin bezeichnet.

Paris. Vor kurzem starb in Paris ein fast achtzig⸗ jähriger Greis, der seit dem Anfang dieses Jahrhunderts Portier im Tuilerieenschlosse war und dieses Amt bis kurz vor seinem Tode versah. unter seinem Nachlaß ein kleines in Leder gebundenes altes Buch, das nur 3 bis 4 Blätter Schreibpapier ent⸗ hielt. Auf der ersten Seite stand der Titel des Buches: Verzeichniß der Bewohner des Tuilerieenschlosses während meiner Dienstzeit, auf der zweiten Seile folgendes Ver⸗ zeichniß: 1) Napoleon Bonaparte, erster Consul der Re⸗ publik, sodaun Kaiser der Franzosen, eingezogen den 29. Februar 1800 aus dem Luxembourg-Palais, ausgezogen den 30. März 1814 nach der Insel Elba. 2) Lud⸗ wig XVIII., König von Frankreich und Navarra, eingezogen den 3. Mai 1814 aus England, ausgezogen deu 19. März 1815 nach Gent. 3) Napoleon, Kaiser der Fran⸗ zosen, eingezogen ben 20. März 1815 aus Elba, ausge⸗ zogen den 3. Juli 1815 nach der Insel St. Helena. 4) Ludwig XVIII., eingezogen den 18. Juli 1815 aus Gent, gestorben im Schloß den 16. Sepiember 1824. 5) Karl X., König von Frankreich und Navarra, einge⸗ zogen den 17. September 1824 aus dem Pavillon Marsan, ausgezogen den 29. Juli 1830 nach Schottland. 6) Das Pariser Volk, Insurrections-Gesellschaft, eingezogen den 29. Juli 1830 von der Straße, ausgezogen den 29. August d. J. zu seinen Geschäften. 7) Ludwig Philipp I., König d Franzosen, eingezogen den 29. August 1830 aus dem Palald Royal, ausgezogen den 24. Februar 1848 nach England. 8) Das Volk von Paris, Barrikadenkämpfer, eingezogen den 24. Februar 1848, ausgezogen den 20. März 1848 zu seinem Berufe. 9) Napoleon III., Kaiser der Franzosen durch die Gnade Gottes und den Willen des französischen Volkes, eingezogen am 2. December 1852 aus dem Palais Elysée, ausgezogen... 2

*

Mittheilungen aus dem Verein der Gustav-Adolf-Stistung. 5

Während sich die Zahl der unterstützungsbedürftigen Gemeinden auch in diesem Jahre wieder bedeutend ver⸗ mehrt hat, ist unserem Verein noch eine ganz neue Auf⸗ gabe erwachsen, die er nothwendig lösen muß, ohne daß er bis jetzt weiß, wie das bei den großen Ansprüchen, die an ihn gestellt werden, möglich sein soll. Am 14. Mai 1869 ist nämlich iu Oesterreich ein neues Schulgesetz sank⸗ tionirt worden, durch welches das Bestehen besonderer evangelischen Schulen in einzelnen Gemeinden sehr erschwert worden ist. Dieses Gesetz gestattet nur noch zweierlei Schulen, öffentliche und Privatschulen. Die öffentlichen Schulen werden aus den Mitteln des Staats und der politischen Gemeinde erhallen. Sie sollen zwar coufessions⸗ los sein, thatsächlich sind sie aber, weil die Consession des Lehrers durch die Confession der Majorität der Kinder bestimmt wird, fast ausnahmslos katholische Schulen. Auf diese Weise sind die Kinder der Evangelischen fortwährend den Einflüssen der katholischen Kirche ausgesetzt, und wenn man auch diesem Uebelstande dadurch abhelsen wollte, daß man die Kinder an dem einen wöchentlichen schulfreien Tage an dem evangelischen Kirchenorte zur Ertheilung des Religionsunterrichts versammelte, so würde doch unmöglich eine so beschränkte confessionelle Pflege jenen Einflüssen das Gleichgewicht halten können. Es ist darum ganz außer Zweifel, daß die evaugelische Kirche auf diesem Weg in Oesserreich in ganz legaler Weise dem Untergang ent⸗ gegengeführt werden kann, wenn ihre Glieder durch die Noth gezwungen oder aus Rücksicht auf materiellen Vor⸗ tbeil sich herbeilassen, den öffentlichen Schulen sich anzu⸗ schließen. Obwohl nun viele Gemeinden sich dahin gus⸗

gesprochen haben, daß sie entschlossen seien, koste es, was

Seine Hinterlassenen fanden

für welch in der 5 Vechtchal dien l Mulhellal Spanien gendes eil ichen Vert zer Evan aufgebett anbern trangelis sestt zum es haben Prebigt Regiecun und konn der Verba Tode vert rast wo gebracht,

360 Do anfangen age Gr Debiimaf in Fran! Gegenfse Meer Album papier. 1 Pat 1 5 einig Gtsenf nunmeh bersteigert Frlel

1 . 90 15

1

g irt

Kraft. 6

der e dem S. Hold

1. J. n Berlin g danch used Meble reußssc Steife trait d, Idehgung Arcus