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vermögen wir jetzt nicht zu sagen; in einer De: pesche der„Patrie“ aus Longuvon 15 Aug. ist allerdings von einer Bewegung gegen Thionville die Rede: was indessen auch von den Franzosen nach Norden geflüchtet sein mag, kann als wesent⸗ licher Faktor der französischen Kriegsmacht gewiß nicht mehr in Betracht gezogen werden.
Courcelles bei Metz, 18. Aug. Bis hierher ist die Eisenbahnverbindung von Saar- brücken wieder hergestellt und ein großer Theil des Militärs und Proviants ist somit bis fast unter die Mauern von Metz mit der französischen Bahn transportirt worden. Es erweist sich von bedeutender Wichtigkeit, daß im preußischen Militär auch auf den Eisenbahn- und Telegraphendienst Gewicht gelegt worden ist. In mancher schwie⸗ rigen Situation hat das Militär mit vielem Geschick auszuhelfen verstanden.
Pange, 15. Aug. Die„Elb. Ztg.“ schreibt: „Eine tiesergreifende Trauermusik durchzog soeben die Straße zum stillen Friedhof hin, um einige an den gestern erhaltenen Wunden verstorbene Offiziere ins Grab zu betten. Der Mond schaute traulich auf das offene Grab hinab, als ein evangelischer Prediger den Todten die letzte Weihe gab. Viele der Unsrigen haben in dem gestrigen Gefechte vor Metz den Tod gefunden, viele sind verwundet. Das 55. Regiment verlor ca. 500, das 73. ca. 600 Mann, von anderen sind die Zahlen noch nicht genannt. Ganz Pange liegt voll Verwundeter, in einem kleinen armseligen Stübchen finden sich oft sechs nebeneinander gebettet, und dieß sind alle Schwerverwundete, während die leicht Blessirten weiter zurückgefahren sind.“
Hagenau, 21. Aug. Ueber ein am ver- gangenen Mittwoch auf der Strecke von Hagenau nach Niederbronn stattgefundenes Eisenbahnunglück wird dem„Fr. J.“ geschrieben: Auf einer Curve stieß ein Militär- mit einem Proviantzuge in voller Kraft zusammen. Die Züge kamen sich auf 20 Meter Entfernung erst zu Gesicht und da war es unmöglich das Unglück aufzuhalten. Viele Wagen wurden zertrümmert und ihre Insassen theils getödtet, theils mehr oder weniger schwer verletzt.
Lampertheim(Elsaß). Die„Karlsr. Ztg.“ bringt jetzt nähere Nachrichten über die Ereignisse vor Straßburg vom 18. August. Gegen den südlich von Straßburg stehenden Theil des Cernirungscorps wurde am 16. d. M. Nach mittags Seitens der Besatzung ein Ausfall aus- geführt, welcher zu einem Gefechte mit einigen Abtheilungen der badischen Division führte.
Oberschöffolsheim, 18. Aug., Mittage 1½ Uhr. Heftiges Feuer gegen Straßburg hin. An die angeblich von Süden heranrückenden Ersatztruppen denkt Niemand mehr. Gestern war allerdings, um denselben eventuell zu begegnen, weiter südlich und westlich Stellung genommen worden, um sowohl das Thal der Brüche(über Molsheim hinaus), als die nach Barr führende Eisenbahn zu decken; seit gestern Abend aber ist man nicht mehr im Zweifel, daß es mit dieser Gefahr entweder gar Nichts oder doch nur äußerst wenig auf sich hat. In Folge dessen haben die Truppen ihre früheren Standpunkte wieder ein⸗ genommen.
Vom Oberrhein, 20. August. Bei dem gestern erfolgten heftigen Angriff auf Straßburg ist ein Thor der Citadelle vollständig eingeschossen worden. Der Angriff geschah von Schiitigheim und Höhnheim her wo die Belagerer einige dominirende Anhöhen innehaben. In Folge des Zusammenbrechens einer Schleuse ist das gestaute Wasser in Straßburg gefallen und der Zugang erleichtert. Man glaubt, daß sich die Festung nur noch wenige Tage halten werde. Welchen Gewinn dies uns bringt, beweist einfach der Umstand, daß dort ungeheure Kanonen, Munition, 200 Pontons und 200,000 neue Chassepotgewehre liegen.
Vom Schlachtfeld von Saarbrücken schreibt ein Stettiner Offizier an die„Neue Stettiner
Ztg.“ u. A.:„... Nicht weit von unserem Bivouak war ein schlichter Hügel, geziert mit
eben im Begriff, hinzugehen, um zu sehen, wessen Körper dort begraben, als ein General mit einigen Leuten sich dem Grabe näherte, die sich anschickten, das Grab zu öffnen. Ich fragte einen Mann vom 74. Regiment, was das zu bedeuten habe, er erzählte mir Folgendes: Soeben traf mich der General(v. Manstein) auf der Chaussee und sagte zu mir:„Na, mein Sohn, habt ihr viele Verluste gehabt?“„Jawohl, Excellenz, es sind sehr, sehr viele geblieben!“„Bei welcher Com⸗ pagnie stehst Du, mein Sohn?“ Der Soldat nannte deren Nummer.„Lebt euer Compagnie chef noch?“„Nein, er und der größte Theil unserer Leute ist gefallen.“ Das Gesicht des Generals zuckte schmerzhaft, eine Thräne quoll aus seinem Auge, der Vater hatte seinen Sohn verloren! Der General eilte darauf mit mir zu dem Grabe hierher. So der Erzähler. Inzwischen war das Grab geöffnet. Unsere Leute nahmen den Todten heraus und wuschen das entstellte Gesicht ein wenig ab. Lange schaute der Vater auf das bleiche Antlitz des tapferen Sohnes, endlich drückte er einen Kuß auf die erkaltete Stirn, dann wandte er sich ab und gab die nöthigen Anordnungen, einen Sarg aus der Stadt zu holen, um seinen Sohn in denselben legen zu lassen.“
Hessen. Darmstadt. Die„Hess. B.“ bringen folgende Mittbeilungen vom 22. d.: Heute Mittag trafen zwei Mitglieder des fliegenden Turnersanitätscorps, welche hessische Verwundete, darunter auch mehrere Darmstädter, hierher be⸗ gleitet, hier ein. Dieses wackere Corps, welches in der letzten Zeit stets im Freien campiren mußte und gleich unseren braven Soldaten oft bitteren Mangel gelitten, gerieth am Donnerstag Abend derart in die Nähe der tobenden Schlacht, daß sie nur die schleunigste Flucht unter theilweiser Zurücklassung ihrer Effekten vor den dicht vor und neben ihnen einschlagenden feindlichen Kugeln be⸗ wahrte. Nach ihren Mittheilungen unterliegt es keinem Zweifel mehr, daß die Franzosen ganz dem Petersburger Vertrag entgegen theilweise mit ihren Mitrailleusen explodirende Kugeln schießen, sich überhaupt vielfacher Verletzungen der Genfer Convention schuldig gemacht, indem sie z. B. ein als Aufnahmespital dienendes, durch die neutrale Flagge weithin deutlich gekennzeichnetes Haus in Brand geschossen, wobei viele Schwerverwundete umkamen. Als die Turner am Freitag frühe das Schlachtfeld absuchten, war dasselbe mit Waffen und anderen Gegenständen, welche der fliehende Feind von sich geworfen, übersäet.— Bei Gravelotte wurden dem Artilleriehauptmann Ronstadt(5. Batterie) 2 Pferde unter dem Leib getödtet. Als er eben im Begriffe war ein drittes Pferd zu besteigen, traf ihn das todtbringende Granatstück.— Oberstlieutenant Zwenger, Com- mandeur des 4. Inf. Regts, soll seiner Wunde, Schuß durch den Leib, erlegen sein.— Ver⸗ schiedene Angehörige der auf dem Feld der Ehre gebliebenen Offiziere sind von hier auf das Schlacht seld abgereist, um die Verbringung der Leichen ihrer Angehörigen hierher zu bewirken.
* Friedberg. Des Großherzogs K. H. begab sich am 23. Morgens nach Darmstadt zum Besuche der dortigen Lazarethe und kehrte am Nachmittage hierher zurück.
* Friedberg, 24. Aug. Gestern Morgen zwischen 4 und 5 Uhr passirte ein Zug mit etwa 600 Verwundeten, darunter viele hessische Lands ⸗ leute, unsere Stadt. Auf einen mit dem„Vaterunser⸗ Glöckchen“ gegebenen Ruf hin eilten viele Ein- wohner zum Bahnhöfe, um, wenn nöthig, den Verwundeten hülfreiche Hand zu leisten. Mehrere Leichtverwundete verließen hier die Bahn und be⸗ gaben sich in ihre nahen Heimathsorte. Auch in unserer Stadt selbst ist schon eine ziemliche Anzahl ver- wundeter Friedberger eingetroffen, um im Kreise der Ihrigen sorgsamste Pflege zu finden. Weitere werden noch erwartet, täglich treffen einzelne ein.
Preußen. Berlin. Ueber die famose Mittheilung des französischen Ministers Palikao, daß das Kürassier-Regiment Bismarck vernichtet
einem roh zusammengeschlagenen Kreuz. Ich war
nicht auffallen, daß Graf Palikao dem gesetz⸗
gebenden Körper gegenüber alle Mittel der Er- muthigung aufbietet. Graf Bismarck ist Chef des 1. Magdeburger Landwehr⸗Regiments Nr. 26 und à la Suite des Magdeburger Kürassier⸗Regiments Nr. 7, dessen Chef Herzog Ernst von Sachsen⸗ Coburg-Gotha ist. Keines dieser beiden Regimenter hat an den Kämpfen bei Metz und Mars la Tour Theil genommen. Die Angabe ist also eine völlig absurde, hat aber dem gesetzgebenden Körper boch große Freude gemacht und wird auch das Pariser Publikum sehr angenehm unterhalten.“
— Dem Vernehmen nach werden in der kgl. Staatsdruckerei gegenwärtig Francomarken für die auf französischem Gebiete eingerichteten norddeut— schen Postanstalten angefertigt, welche wie die gewöhnlichen Bundes-Freimarken beschaffen sind, jedoch den Werthbetrag in französischer Münz. währung ersichtlich machen.— Unter den gefan⸗ genen Zuaven befinden sich auch einige Deserteure aus der preußischen Armee, gegen die bereits das kriegsgerichtliche Verfahren eingeleitet ist. Es ist jedoch festgestellt worden, daß dieselben nicht einen Schuß gegen deutsche Truppen abgefeuert, sondern die erste Gelegenheit benutzt haben, um in Kriegs- gefangenschaft zu kommen.
— Bei dem weiteren Vorrücken der Truppen in Frankreich wird die Errichtung eines größeren Depots zu Nancy von Seiten des Deutschen Central⸗Comite's zur Pflege verwundeter Krieger vorbereitet. Zu Weißenburg wird ein Eis⸗ depot errichtet, aus welchem die Lazarethe auf französischem Gebiet mit Eis versehen werden sollen.
— Als einen Beweis, wie heiß es in der Schlacht bei Weißenburg herging, constatirt ein französisches Journal, daß die Standarte eines französischen Regiments 27 Male ihren Träger wechselte.
— Die Nachricht der„Börsenztg.“, daß auf dem Kriegsschauplatze bereits epidemische Krank⸗ heiten ausgebrochen seien, wird als durchaus un⸗ begründet bezeichnet. Der Gesundheitszustand der Truppen ist bis jetzt ausgezeichnet; was natürlich Vorsichtsmaßregen(wie die Vertheilung von wollenen Leibbinden), welche die„B. B.⸗Ztg.“ zu den falschen Angaben gebracht haben, nicht ausschließt, einmal mit Rücksicht auf die kühlere Witterung, dann weil die Truppen sich dem französischen Weinlande nähern, wo bis jetzt nur unreife, wenn gleich scheinbar reife Trauben zu finden sind.
— Der commandirende General des fünften (niederschlesisch-posen'schen) Armeecorps, General- lteutenant v. Kirchbach, ist wegen seiner bei Weißenburg bewiesenen Tapferkeit zum General der Infanterie befördert und das darüber sprechende k. Patent vom 4. Aug, dem Tage von Weißen⸗ burg, datirt worden. Auch der Generallieutenant v. Bose hat das Generalcommando des 11.(hessen. nasfauischen) Armeecorps definitiv erhalten.
— Die Berliner„Kriegszeitung“ sagt:„Der Rückzug nach Norden ist den vier Corps des Marschall Bazaine auch abgeschnitten. Vollständig von unseren Armeen in Metz eingeschlossen, bleibt ihnen nichts übrig, als die in nächster Aussicht stehende Belagerung dieser Festung auszuhalten. Metz soll nach französischen Nachrichten auf 120 Tage verproviantirt sein; jedoch wohl kaum für eine Armee von 150,000 Mann. Jedenfalls, wenn nicht politische Ereignisse die Situation ändern, sehen wir einer in der Kriegsgeschicht einzig dastehenden Belagerung entgegen. Sebastopol verschwindet gegen diese hier in Action tretenden Massen und gegen die Stärke dieser Festung vollständig.“
— Nach der„Allg. Ztg.“ wäre die Stimmung des russischen Hofes und des Cabinets durchaus deutsch- freundlich, und was das wichtigste: del Thronfolger habe sich von der altrussischen Parten losgesagt und sich der„Civilisationspartei“ ge nähert, nachdem angeblich der Zar vom König von Preußen die Zusicherung erhalten, daß di schleswig'sche Angelegenheit demnächst in zufrieden stellender Weise ausgeglichen werden soll.— Für die Vermittelung des Privat⸗Depeschen⸗Verkehrs nach
sei, schreibt die„Nat.⸗Ztg.“:„Es kann weiter
und von dem Kriegsschauplatze ist, neben der in dei


