— Gesundheitszustand in Paris. Dem Fach- blatte„British Medical Journal“ schreibt ein Correspondent aus Paris unterm 11. d., daß er unter den Armen der Stadt bereits Patienten hat, welche dem Namen nach krank, in Wirklich⸗ keit ober am Verhungern sind.„Sie wissen“— so fährt er fort—„was der Mangel an frischem Fleisch und frischem Gemüse, an Milch, Butter und Eiern bedeutet; er bedeutet Scharbock, Typhus und Verhungern bei Kindern, Wöchnerinnen und Kranken. Ich hatte heute traurige Besuche zu machen und kam fast mit gebrochenem Herzen nach Hause zurück. Aber dies ist erst der Anfang der uns bevorstehenden Leiden.... Die Lust zum Schwadroniren stirbt aus und das traurige Kneifen des Mangels macht sich fühlbar....“
— Die Pariser Zeitungen erzählen allerlei interessante Kriegslisten, deren sich die Deutschen bei ihren Belagerungsarbeiten bedienen sollen. Z. B. wenn sie eine neue Batterie errichten wollen, so werfen sie in unmittelbarer Nähe derselben einen Erdwall auf, spicken denselben mit Kanonen und schießen von Zeit zu Zeit aus einer derselben, um
das Feuer des Feindes auf die Scheinbatterie zu
ziehen, deren übrige Geschütze nur aus mit Bronze- papier überklebter Pappe bestünden. Nachts jagten ste Hunde, denen man Militärmäntel übergehängt, zu den französischen Vorposten hinüber, welche
Feind verschwendeten. Auch befestigten sie oft, wenn sie Schanzen aufwürfen, eine Laterne mehrere Ellen hoch an einem Pfahle, damit die feindlichen
Geschosse in unschädlicher Entfernung über ihnen lung des Hrn. Rabus während seiner Gefangen⸗ hinwegflögen.— Das General-Postamt macht schaft war eine unmenschliche.
bekannt: Der am 14. November von Villeneuve
l'Archeveque nach Sens abgelassene Feldposttrans- nur eine wollene Decke zum Zudecken. Dabei war
port für das 9. Armeecorps ist unterwegs vom Feinde überfallen und genommen worden. Zur Aufklärung der Ursachen des Ausbleibens der betreffenden Correspondenz wird Vorstehendes hier⸗ mit bekannt gemacht.(Da die hessische Division zum 9. Armeecorps gehört, so werden bei dem weggenommenen Feldposttransporte höchst wahr⸗ scheinlich auch Briefe an hessische Soldaten befind- lich gewesen sein.)
— Ueber den Verbleib der Infanterie der französischen regulären Feldarmee entnehmen wir dem„Milit. Wochenblatt“ folgende Angaben: 1) Die franzbsische Infanterie bestand bei Aus- bruch des Krieges aus: 8 Garde ⸗Infanterie- Regimentern, 1 Garde⸗Jägerbataillon, 100 Linien- Infanterieregimentern, 3 Zuavenregimentern, 20 Jägerbataillonen, 3 Bataillonen leichter französi⸗ scher Infanterie, 1 Fremdenregiment, 3 Turkos⸗ Regimentern. 2) Davon streckten bis zum 29 Okt. die Waffen: 8 Garde- Infanterieregimenter, 1 Garde- Jägerbataillon, 94 Linien-Infanterie- Regimenter, 3 Zuavenregimenter, 20 Jägerbataillone, 3 Turkosregimenter. 3) Es verbleiben in Frank: reich(ausschließlich der mit Hülfe der Depots gebildeten Neuformationen): 6 Linien ⸗Infanterie- Regimenter(davon waren 4 in Algier, 2 im Kirchenstaat), 3 Bataillone leichter französischer Infanterie, 1 Fremdenregiment, beide in Algier. Die oben erwähnten 4 Regimenter, welche bei Beginn des Krieges in Algier waren, befinden sich jetzt bei der Loirearmee, die beiden Regimenter, ehemals im Kirchenstaat, sind in Paris. Die Streitkräfte, über welche außer den erwähnten Regimentern die provisorische Regierung an Linien- truppen jetzt verfügt, sind gebildet aus den in Marschregimentern ꝛc. zusammengezogenen Depo!- truppen, in welche zahlreiche junge Mannschaften aufgenommen wurden, sowie die alten Leute, welche nach den früheren Gesetzen ihrer Militärpflicht bertits genügt, nunmehr aber durch ein neues Gesetz wieder zum Kriegsdienst gezwungen werden.
— General v. d. Tann hat über den Verlust bel Orleans folgende telegraphische Nachricht nach München ergehen lassen:„Unser Verlust am 9. todt und verwundet 42 Ossiziere, 667 Mann. Am 10. gefangen Munitions-Colonne mit 1 Beamten, 1 kranken Offizier, 83 Mann. In Orleans mußten 1000 intransportable Kranke und Verwundete zurückbleiben. Bewohner haben sich beim Verlassen der Stadt sehr gut benommen.
beziffert. ihr Pulver an den vermeintlich beranschleichenden Verfahren und selbst die Thränen der Fuhrleute
und mußten die armen Leute ohne Pferde und
sist. Das Ganze ist schwer zu beschießen und noch
Truppen ermüdet, doch guten Muthes.“— Die bayerischen Aufnahms⸗Feldspitäler Nr. 9 und 10, welche bei Orleans von den Franzosen gegen die Bestimmungen der Genfer Convention aufgehoben und beraubt wurden, sind nach Abnahme von Wagen, Pferden und der ganzen Ausrüstung über Genf und die Schweiz in ihre Heimath zurück⸗ gesendet worden und befinden sich dermalen in Lindau. Bei denselben sind 150 Krankenwärter, darunter 12 Frauenzimmer befindlich.
— Ueber die Gefangennahme einer von Würz⸗ burg ausgegangenen Sanitätskolonne durch die Franzosen bei Longwy berichtet der Anführer dieses Zuges, Rabus aus Würzburg, der nach 54tägiger Gefangenschaft nach Hause zurückkehrte, Folgendes: Die Verhaftung der Colonne geschah durch den fanatischen Pöbel des Marktfleckens Longeon, und obgleich der dortige Maire Alles aufbot, um denselben von seinem Vorhaben abzubringen, konnte er den wüthenden Hausen nicht beschwichtigen. In Longwy angekommen, wurden die Wagen und Pferde mit Allem was darauf war, selbst die Kleider der Sanitätsmannschaft auf dem öffent⸗ lichen Marktplatze versteigert, Hrn. Rabus außer— dem sein Baarvorrath von einigen 100 Gulden und die werthvollen Instrumente abgenommen, so daß sich der Gesammtverlust auf 11,000 Fres. Alle Bitten gegen ein solches unerhörtes
— lauter elsässische Bauern— blieben erfolglos,
Geschirr nach Hause zurückkehren. Die Behand- Auf steinernen Platten gelagert, hatte er sammt 12 Mitgefangenen
die Kost schlecht, indem sie nur aus Wassersuppe und einem Stückchen Lunge bestand. Einer der Mitgefangenen des Hrn. Rabus war ein junger Schweizer Namens Meier aus Bafel, der der Spionage verdächtig verhaftet und vor ein Kriegs- gericht gestellt wurde. Dasselbe verurtheilte ihn zu fünf Jahren Galeere.
— Nanteuil. Die Eisenbahnarbeiten an der Umgehungsbahn, etwa 4 Stunden umfassend, sind mit so außerordentlichem Eifer in Angriff genommen worden, daß die Vollendung kaum 8 bis 14 Tage auf sich warten lassen wird. Damit ist hinsichtlich der Verproviavtirung der Armee unendlich gewonnen, da beim Wagen— transport und der ausgedehnten Aufstellung unserer Truppen bisher nicht einmal die dringendsten Bedürfnisse befriedigt werden.
Dannemarie bei Belfort, 18. Nov. Der vorgestrige Ausfall war, wie man der„E. Z.“ schreibt, nicht sehr bedeutend und galt nur einer Proviant⸗Colonne. Der Ausfall war mißlungen und die Franzosen mit einigen Verlusten zurück · geschlagen. Belfort ist vollständig cernirt und stehen unsere Vorposten etwa eine Stunde im Umkreis. Das Gros unserer Cernirungsarmee stützt sich aaf Montbeliard, und das dortige feste Schloß ist von uns ebenfalls in Vertheidigungs⸗ zustand gesetzt. Belfort ist eine Feßtung erster Klasse und liegt an der Savoureuse, welche von zwei Seiten ihre Mauern bespült.(8500 Einw.) Das Hauptwerk der Befestigungen ist die Citadelle, welche, auf einem fast senkrecht aufsteigenden Felsen gelegen, mit einer bastionirten Enceinte umgeben
schwerer einzunehmen; trotzdem haben wir von schweren Positions⸗Geschützen auf günstig gelegenen Hügeln Batterien errichtet, welche die Stadt mit einigem Erfolge beschießen; an andern Batterien wird noch emsig gearbeitet. Belfort ist erst nach dem westfälischen Frieden an Frankreich gekommen; es ist nun einer der wichtigsten Punkte des süd⸗ lichen Frankreichs und hat dadurch erhöhten Werth, daß es Knotenpunkt dreier Eisenbahnen ist. Durch den Besitz dieses Platzes wird erst der südliche Theil des Elsaß für Deutschland völlig gesichert sein.
Von der Schweizergrenze. Die fran⸗ zösisch⸗schweizerische Gränze zwischen Blamont und Delle wird beständig durch preußische Truppen oder Franctireurs allarmirt, ohne daß es bis
dor Montbeliard, das wieder von den Deutschen besetzt ist, zu ernstlichen Zusammenstößen gekommen wäre.
zerischen Vorposten verlangt, daß ihnen schweizerischt Offiziere die genauen Gränzmarlen bezeichnen möchten, um ja eine Ueberschreitung der Gränzen zu verhüten.— Es bestätigt sich, daß die preußi⸗ schen Truppen, welche Delle am 15. Mittag; 1500 Mann stark mit Artillerie passirten, den Pfarrer, den Maire und den Bierbrauer und Gastwirth Berlet daselbst als Geiseln mitgenommen haben.— Belfort's Einschließung ist vollständig und die Belagerung in allem Ernst begonnen. Die deutschen Truppen haben bei Hericourt Ver— schanzungen aufgeworfen, werden aber in ihren Arbeiten vielfach durch die weittragenden Geschütz: der Festung gestört.
Bern. Der„Allg. Ztg.“ wird vom 19. d. und der Bezeichnung„officiell“ von hier tele. graphirt:„Da die Cernirung von Belfort voll— ständig ist und die Schanzen errichtet sind, so hat die Belagerung begonnen.— Bei Montbeliard hat ein Gefecht stattgesunden, in Folge dessen die Stadt von den deutschen Truppen besetzt wurde.“
Genf. Nach hierher gelangten Berichten haben die Lyoner Journale aus Tours die Ordre erhalten und ist denselben ferner ausdrücklich noch von den Präfekten eingeschärft worden, keine De⸗ pesche, welche irgend welchen Bezug auf die fran⸗ zösischen Truppenbewegungen hat, zu veröffentlichen. Die Journale sehen darin ein Anzeichen, daß ernste Ereignisse für Lyon bevorstehen.
Neufahrwasser. schiff„der Turner“, wurde am 2. Nov. d. J., an der schottischen Küste bei Duncansbyhead von dem französischen Kriegs Dampfer d'Estrees in folgender Weise aufgebracht. Das französische Schiff zeigte die britische Flagge und veranlaßte dadurch das deutsche Schiff, dies Signal durch Hissen der deutschen Flagge zu erwidern. Sofort ging die britische Flagge an Bord des„D'Estrees“ herunter und wurde durch die französische Flagge ersetzt. Der„Turner“ erhielt gleichzeitig Ordre, die Segel fortzunehmen und wurde demnächst durch 1 Offizier und 8 Mann besetzt, um nach Dünkirchen geführt zu werden. Die deutsche Be⸗ satzung, bestehend aus dem Capitän und 12 Mann, ist kriegsgefangen.
— Die Nachricht, daß in brasilianischen Ge⸗ wässern ein Seegefecht stattgefunden habe, wird von der„Brasilian Times“ folgendermaßen ge⸗ meldet:„Der norddeutsche Consul in Rio Grande do Sul meldet dem norddeutschen Consul in Rio de Janeiro: Wir erfahren aus einem Privat⸗ briefe vom Commandeur des Chuy, daß ein See⸗ gefecht zwischen einer norddeutschen Fregatte und zwei französischen Kanonenbooten stattgefunden hat, in welchem die Deutschen siegreich gewesen sind.“
Hessen. Darmstadt. Am 20. d. ist der hessische Gesandte Herr Hofmann, aus Versailles zurückkehrend, mit dem Abenoschnellzug hier passirt, um wieder in Berlin seine Funktionen zu über nehmen.
— Der„Frkftr. Ztg.“ wird von hier unterm 20. d. geschrieben: Nachdem der Ministerpräsident v. Dalwigk und Geh. Legationsrath Hofmann gestern aus Versailles zurückgekehrt, fand heute Vormittag ein Zusammentritt der Civilministerien statt, bei welchem gutem Vernehmen nach die Constituirung eines deutschen Bundes und der bevorstehende Eintritt des ganzen Großherzogthums in denselben verkündet wurde. Zur Berathung und Beschlußfassung über die in Versailles ge⸗ troffenen Vereinbarungen werden die Stände des Landes noch im Laufe dieses oder spätestens zu Anfang des nächsten Monats zusammentreten.
1 Friedberg, 23. Nov. Heute Vormittag trafen dahier die erwarteten französischen Gefangenen, 150 Mann, ein und wurden in der Klosterkaserne internirt. Die Leute waren meistens gut gekleidet und schienen mit ihrem Loose ganz zufrieden. Wie man vernimmt, sollen noch mehr Gefangene
jetzt, mit Ausnahme eines Scharmützels am 18. *
hierher verbracht werden, sobald die im Kasernen⸗ hofe zu erbauenden Baracken fertig sind.— In
Das norddeutsche Bark.
Preußische Oberofsiziere haben sich zu verschiedenen Malen gezeigt und von den schwei⸗“
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