Abwehr erneuter französischer Gewaltthat. Es ist keine Ueberhebung, welche mir diese Worte in den Mund legt; die verbündeten Regierungen, wie ich selbst, wir handeln in dem vollen Be⸗ wußtsein, daß Sieg und Niederlage in den Hän⸗ den des Lenkers der Schlachten ruhen. Wir haben mit klarem Blicke die Verantworilichkeit ermessen, welche vor den Gerichten Gottes und der Menschen Den trifft, der zwei große und friedliche Völker im Herzen Europas zu verheerendem Kriege treibt. Das deutsche wie das französische Volk, beide die Sesnungen christlicher Gesittung und steigen⸗ den Wohlstandes gleichmäßig genießend und be⸗ gehrend, sind zu einem beilsameren Wettkampfe berufen, als zu dem blutigen der Waffen. Doch die Machthaber Frankreichs haben es verstanden, das wohlberechtigte aber reizbare Selbstgefühl unseres großen Nachbarvolkes durch berechntte Mißleitung für persönliche Jutcessen und Leiden⸗ schaften auszubeuten. Je mehr die verbündeten Regierungen sich bewußt sind, alles, was Ehre und Würde gestattet, gethan zu haben, um Europa die Segnungen des Friedens zu bewabren, und je unzweideutiger es vor Aller Augen liegt, daß man uns das Schwert in die Hand gezwungen hat, mit um so größerer Zuversicht wenden wir uns, gestützt auf den einmüthigen Willen der deutschen Regierungen, des Südens wie des Nor: dens, an die Vaterlandsliebe und Opferfreudig⸗ keit des deutschen Volkes mit dem Aufrufe zur Veriheidigung seiner Ehre und Unabhängigkeit. Wir werden nach dem Beispiele unserer Väter für unsere Freiheit und für unser Recht gegen die Gewaltthat fremder Erobeter kämpfen und in diesem Kampfe, in dem wir kein anderes Ziel verfolgen als den Frieden Europas dauernd zu sichern, wird Gott mit uns sein, wie er mit unsern Vätern war.“
— Das vorläufig als durchaus haltlos auf- zufassende Gerücht von der Kriegserklärung Ruß⸗ lands an Frankreich soll, nach der„N. Z.“, in hiesigen militärischen Kreisen verbreitet gewesen fein. Königsberger Blätter melden, daß der französische Gesandte am russischen Hofe, General Fleury, am 14. durch Königsberg nach Paris gereist sei.— Die von der hiesigen Stadtverord⸗ netenversammlung einstimmig beschlossene Adresse an den König ist durch eine Deputation, bestehend aus den Herren s. Meibom, Seidel I., Gneist, Virchow und Delbrück in der Sonnabendsitzung entworfen worden. Dieselbe ist nicht blos in national⸗patriotischem, sondern auch sehr loyalem Tone abgefaßt und soll in corpore überreicht werden. Zum Ankaufe von Pferden bewilligte die Versammlung 120,000 Thlr.
— Die„Kreuzzeitung“ schreibt:„Der Kron- prinz ist vom Könige zum Obercommandanten der gesammten süddeutschen Armee ernannt, ein Beweis nicht minder dafür, wie hochwichtig der König diese Stellung erachtet, als auch für die so sehr erfreuliche, von uns nie bezweifelte Thatsacht, daß die Schutz- und Trutzbündnisse allerseits in Treue aufrecht erhalten werden.“
— Die Magdeburger Zeitung schreibt: Aus bester Quelle erhalten wir nachfolgende Notiz: General v. Moltke hat am 13. Abends in Ueber- einstimmung mit dem Minister v. Roon erklärt, daß Preußen hinsichtlich seiner Heeresverfassung, Ausrüstung, Hülfsmittel 1c. noch nie in der Lage gewesen sei, mit solchen Aussichten auf Erfolg einen Krieg anzunehmen, wie gegenwärtig. Er sei sehr genau über den Fortschritt der französischen Rüstungen informirt und darnach wäre eine mili⸗ tärische Ueberrumpelung Seitens Frankreichs nicht zu fürchten.
— Berlin, 19. Juli. Die erste Sitzung des Reichstags, in welcher sich am Tische des Bundesrathes Graf Bismarck und fast alle Bundesrathsmitglieder befanden, wurde vom Präsidenten Simson um 2½¼ Uhr eröffnet. An⸗ wesend waren 230 Mitglieder. Graf Bismarck
theilte mit, der französische Geschäftsträger habe die Kriegserklärung überreicht. Bei dieser Mit theilung erhob sich das ganze Haus.(Stürmischer
Worten, welche wir vom Könige gehört haben, habe ich nichts weiter zu sagen.“ Präsident Simson zeigt an, daß eine Creditvorlage nebst dem Protokoll der 26. Sitzung des Bundes⸗
rathes eingegangen sei. Die Freiconservativen beantragten die Gründung von Darlehens kassenscheinen im Betrage von 30 Millionen Thalern sür das Bundesgebiet. Auf den An⸗ trag des Grafen Schwerin wird das bisherige Praͤsidium ohne Zettelwahl wieder gewählt. Präsident Simson theilt mit, daß das Haus eine Adresse an den König in Erwiederung der Thronrede erlassen will. Der Entwurf sollte ihm heute Abend zugehen und morgen um 10 Uhr debattirt werden, worauf die Sitzung geschlossen wurde. N
Schleswig. Ein Extrablatt der„Schles⸗ wiger Nachrichten“ bringt eine Nachricht, die, falls sie sich bestätigen sollte, von großer Bedeutung wäre. Sie lautet:„Die Großmächte Rußland, England und die Vereinigten Staaten Nord- amerikas haben in Folge der französischen Kriegs. erklärung die Ostsee und Nordsee für neutral erklärt.“
Kiel. Wie die„Kiel. Ztg.“ meldet, liegen über eine Kriegserklärung Dänemarks, von der Gerüchte sprechen sollen, irgendwie glaubwürdige Mittheilungen nicht vor.— Prtivatnachrichten zufolge— so versichert die„H. B. H.“— soll Preußen an Dänemark in einer Note die Auf⸗ forderung gerichtet haben, sich über seine beabsich⸗ tigte Haltung ungesäumt zu erklären.
Kassel. Am Samstag fand nach der Parade eine Demonstration des anwesenden Publikums statt. Als die Musik die preußische Nationalhymne und das bekannte Lied„Die Wacht am Rhein“ intonirte, fiel das Publikum mit lauter Stimme ein, zog alsdann, das Musikcorps an der Spitze, vor die Wohnung des Herrn General v. Plonsky, begab sich so⸗ dann vor das Haus des Oberpräsidenten v. Möller und ließ an beiden Plätzen den König hochleben.— Dem Vernehmen nach haben sich aus Kaffel gegen 400 junge Leute als Freiwillige gemeldet.
Frankfurt. Das bhiesige Postamt macht bekannt, daß bei eintretenden Störungen der direkten Verbindungen dafür gesorgt wird, die aufgegebenen Briefe ꝛc. möglichst auf anderen Wegen ihrem Bestimmungsorte zuzuführen. Ferner wird angezeigt, daß Einzahlungen nach Württemberg, Baden, die bayerische Pfalz, die hessischen Provinzen Rheinhessen und Starken⸗ burg(mit Ausnahme von Mainz) nach dem Postdirektionsbezirk Trier nicht mehr angenom⸗ men werden.
Wiesbaden. Der Herzog Adolph von Nassau hat, wie man nach dem„Rh. Kur.“ allgemein erzählt, sich für den bevorstehenden Krieg dem obersten Bundesfeldherrn zur Ver⸗ fügung gestellt. Auch Prinz Nicolaus von Nassau soll seine Dienste angeboten haben. Der Erbprinz von Nassau steht bekanntlich als Portepéefähnrich im 12. norddeutschen (k. sächsischen) Armeecorps.
Hamburg. Die Bürgerschaft hat dem Könige eine Million Mark anstatt der vom Vor⸗ stande verlangten 500,000 Mark bewilligt.
Sachsen. Eine Anzahl Lehrer am berühmten Leipziger Thomas ⸗Gymnasium hat den Betrag von 70 Thlrn. für den sächsischen Krieger zu⸗ sammengeschossen, der die erste französische Kanone erobern sollte.
Bayern. München. Eine unzählige Menschenmenge zog am Sonntag Nachmittag gegen 4½ Uhr vor die königliche Residenz, trotz des starken Regens. Es wurden dem König als Dank für die deutschnationale und bundestreue Enischließung nicht endenwollende Hochs ausgebracht. Die Menge sang entblößten Hauptes die Volks- hymne und das deutsche Vaterlandslied. Der König verneigte sich am geöffneten Fenster vielmals und dankte sichtlich bewegt. Eine ungeheure Be— wegung herrscht in allen Straßen.
Beifall im Hause. Hurrahruf auf den Tribünen.) Der Bundeskanzler erklärte hierauf:„Nach den
— Die Volksstimmung ist hier eine eben so kriegerische, als im Norden Deutschlands, und die
Aeußerungen der Blätter, welche, mehr oder f 1 weniger verschämt, zu einem Zusammengehen vilige 1 Bayerns mit Frankreich rathen und hetzen, werden Pari“ 6 vom Publikum mit dem größten Unwillen ent⸗ fe 1 gegengenommen. Die Polizei ließ das„Bater⸗ f land“, den„Volksboten“ und den„Bayerischen f. an Kurier“ consisciren. I Ksabf un — In der Sitzung der Abgeordnetenkammer vom 18. d. brachte der Kriegsminister einen Ge- 7 1 setzentwurf ein, betreffend einen außerordentlichen einigen 3 Crevit für militärische Zwecke im Bertage von pode se 26,700,000 fl. Der Ministerpräsident empfiehlt* olizei mi die Genehmigung und bemerkt hierzu, es handle aus 3— sich nicht mehr um die spanische Thronfrage, son⸗ zog din 0 dern um die deutsche Frage.(Allgemeiner Bei⸗ fetale 90 fall.) Nach der Vorberathung im Ausschuß fand nit der d. Abends die Schlußberathung im Plenum statt. Oiese Colo Baden. Karlsruhe. Die Mobilmachung dau 5 der badischen Division ist unterm 15. d. befohlen Patt schr worden. Der 17. d. ist als der erste Mobil⸗ Baboftung machungstag anzunehmen. Die Festung Rastatt Der ist in vollem Umfange zu armiren. Ion Studef Heidelberg. Nach einer soeben erscheinen- de Beha den Veröffentlichung wird hier ein Kriegslazareth slicgerischen errichtet. Ein Comite zur Hülfeleistung für ver⸗ men aus wundete und kranke Krieger hat sich hier gebildet— Du und fordert zu sofortigen Beiträgen auf. Des- mn Vim gleichen hat der Kriegsminister einen Aufruf an cee
Gesandie b
praktische Aerzte erlassen, als Militärärzte ihre hen übe
Dienste dem bedrohten Vaterland zu widmen.
Oesterreich. Wien. Wie ein Gerücht— D. wissen will, soll der Kaiser in einem Handschreiben[ Schluß dee Napoleon die Neutralität Oesterreichs angezeigt n erwarte haben. 1 di
Pest.„Bethlen's Wochenschrift“ geißelt in] Kueges, einem scharfen Artikel die Ausführung des Blattes] gischt wur „Reform“, daß jeder Sieg Frankreichs auch ein setzgebende Sieg Ungarns sei. Die Wochenschrift versichert, J halte, nef daß ganz Ungarn diesen Ausspruch der„Reform“ sessationen desavouiren wird; ebenso halten alle politisch⸗ Rusen„0 nationalen Parteiführer Ungarns an ihren Sym⸗ und Rufe pathien für Preußen fest; der Standpunkt der ist also n. „Reform“ wird nahezu als Vaterlandsverrath wie die R betrachtet. 0 das Versal
Schweiz. Dem„Fr. J.“ wird aus Basel geren hal gemeldet: Es scheint, als wenn die französische wie sie be Armee ihren rechten Flügel bis nach dem Ober⸗— D rhein vorschieben wolle. Ein sehr bedeutender Sigung Theil der Armee von Chalons ist in Straßburg die Nachs stationirt. In Hüningen, St. Louis 1c. wimmelt Rolle auf es von Soldaten. Man schätzt die in der Nähe derselben der Schweizergränze vorhandenen Truppen auf würde m circa 100,000 Mann. Jedenfalls werden noch Cabintlach mehr folgen, da die Bewohner der genannten polliisches Orte Befehl erhalten haben, die sämmtlichen Felder J shrüche un binnen 12 Stunden abzumähen, um so den Raum oige für zu einem Feldlager zu gewinnen. 15,000 Mann reichs. sind angesagt. bewahrt
Basel. Das Centralcomite der„internationalen J schen in d Friedens- und Freiheitsliga“ hat zu einem außer: daß ande ordentlichen Congreß auf Sonntag den 24. Juli sich noch d. J. durch ein Manifest hierher eingeladen. in welche Dasselbe ist unterzeichnet: Für das Centraleomite:] wickelt Jules Barni(Franzose), Präsident umand eine Dip Goegg(Deutscher), Vicepräsident. John Rollan⸗ zu üb day(Schweizer), Generalsekretär.“ wäre eg
Frankreich. Paris. Die„Augs b. Allg.] zulegen, Zig.“ bringt unterm 18. d. folgendes Telegramm] dann er, aus Paris: Gestern Abends ist ein französischer] Fankfeig General mit der offiziellen Kriegserklärung nach ein, wen nach Berlin abgereist. In einer an die süddeut⸗ Bel schen Staaten gerichteten Sommation wird die ble“ i Frage direkt gestellt, ob sie die Neutralität beachten[ wire 1 oder sich gegen Frankreich erklären wollen. Im shlosn. ersteren Falle wird volle Berücksichtigung verspro⸗] die den“ chen, andererseits rücksichtslose Behandlung an⸗ land 100 gedroht. Eine Proklamation an die deutsche] Aue a Nation steht unmittelbar bevor. Es wird darin 180 die Beschränkung der Kriegsaction auf Preußen burg 0 ausgesprochen, sowie daß Frankreich keinen Zoll dum Je breit deutscher Erde nehmen wolle. pegde
— Die kriegerischen Kundgebungen auf den 2 Boulevards werden verdientermaßen von den ernsten Depes 8 Blättern abgefertigt; sogar die„Patrie“ kann Gesch sich nicht enthalten, den Schreiern zu bemerken:] zum Wa sie hätten ein vortreffliches Miltel, ihrer Kriegs sche N


