Ausgabe 
20.10.1870
 
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fortgeführt. Da die Mitschuld der Bewohner dieser Gemeinden nicht zweifelhaft ist, so hat der General- Gouverneur(v. Bonin) die nachdrück⸗ lichsten Maßregeln ergreifen müssen, um die Ge⸗ meinden für die Sicherheit der deutschen Beamten zu interessiren. Demgemäß wurden diesen Ge⸗ meinden Strafen von 30,000 bis 100,000 Fr. auferlegt und die Maires sowie die Mitglieder des Gemeinderathes als Geißeln festgenommen. Die Häuser, in welchen das Attentat vollführt wurde, sind in Brand gesteckt und der Erde gleich gemacht worden und die ganzen Gemeinden sind mit demselben Loose bedroht, wenn die gefangen abgeführten Gendarmen nicht unverzüglich in Frei- heit gesetzt werden.

Straßburg. Flüchtige von Bitsch er⸗ zählen, daß am 9. Oct. nur noch drei Häuser auf der einen Seite der Stadt bestanden hätten; außerdem noch etwa 10 Häuser auf der Kinder- promenade. Letzten Sonntag sei ein verabredet gewesener zehntägiger Waffenstillstand zu Ende gegangen und Tags darauf habe das Bombar⸗ dement von Neuem begonnen. In der Festung befänden sich meist Mobilgarden, welche aus dem Bezirk Saarburg und Saacgemünd auf beide Festungen, Bitsch und Pfalzburg, vertheilt worden seien. Die ausgewanderte Bitscher Bevölkerung habe sich ins Bärenthal und nach Moderhausen, die Pfalzburger nach dem Dorfe Quatrevents(die vier Winde) geflüchtet. Alle deutschen Trup⸗ pen haben den Oberrhein verlassen und sind mit einem Theil des Belagerungscorps von Straß burg nach den Vogesen gezogen. Auf die eernirten Plätze Breisach und Schlettstadt hat dieser Vor marsch keine Einwirkung. In Breisach ist das Feuer einstweilen eingestellt. Straßburg hat seine Thore nach der niederrheinischen Seite abgesperrt und der Verkehr mit der Landbevölkerung ist unter brochen, da man Ueberfälle von Franctireurs be- fürchtet, welche sich die nunmehrige Verminderung der Besatzung von Straßburg zu Nutze machen könnten(2).

Straßburg. Die in den Lazarethen und Kasernen aufgefundenen Vorräthe sind ungeheuer und repräsentiren einen enormen Werth. Ver gangenen Freitag wurden 160 Wagen, schwer⸗ beladen mit Ballen rothen Tuches, weggeführt. Die Lazarethe waren bis in die Giebel mit Reis, Gerste und sonstigen Vorräthen angefüllt. Ein beträchtlicher Theil hiervon wurde an die Armen und an die Nothleidenden der Stadt vertheilt. Das neue Tabaksmagazin ist vollständig wohl⸗ erhalten geblieben und hat der eingestellt gewesene Verkauf von Rauch-, Schnupf- und Kautabaken und Cigarren in demselben wieder begonnen. Die Menge des in die Gewalt der deutschen Armeen bei Uebergabe des Platzes gefallenen Tabaks wurde auf 300,000 Centner von einem durchschnittlichen Werthe von 20 fl. pro Centner, somit auf 6 Mill. Gulden geschätzt. Die angekündigten Haussuchungen durch Militär haben zu manchen interessanten Re- sultaten geführt. Ein Waffenmagazin, zu dessen Aufnahme Tage erforderlich sind, wurde auf gefunden. Waffen aller Art wurden abgeliefert und mit Nummern und Namen versehen. Ver- gangene Woche wurden über 1800 Pferde und Maulesel öffentlich versteigert und hohe Preise erzielt.

Mühlheim, 16. Okt. Neubreisach und Schlettstadt sind seit dem 9. d. cernirt. Heute früh 5 Uhr fand ein Ausfall aus Neubreisach mit etwa 2000 Mann statt. Derselbe war durch einen starken Nebel begünstigt, gleichwohl wurde der Feind zurückgeschlagen. In den Bogesen kommen unbedeutende Gefechte mit kleinen Ab⸗ theilungen Franktireurs vor.

Der»Schwäbische Merkur- erhält aus dem deutschen Feldlager vor Paris die Nach richt vom 10. d. M., daß die gesammte deutsche Armee eine Tageslöhnung der deutschen Inva lidenstiftung darbringen will. Das beträgt etwa 500,000 Thaler.

Vom Oberrhein. Wieder ist die Bahn verbindung mit Mühlhausen unterbrochen, der Postverkehr geht per Postomnibus. Mühlhausen ist noch von 1500 Franctireurs besetzt, eine

sich den Hardtwald als Operationsgebiet aus⸗ erwählt. Gestern soll ein Gefecht bei Witten⸗ heim(in der Nähe von Mühlhausen) statt⸗ gefunden haben; indessen hat man hier noch keine Details darüber. Garibaldi soll, von Oberst Louis Foagolli begleitet, in Belfort an gekommen sein.

Rastatt, 17. October. Gestern wurden 48 elsässer Gefangene, meist Bauern, hier ein gebracht, welche bei Ammersweiler auf deutsche Truppen geschossen hatten und mit den Waffen in der Hand ergriffen wurden.

Victor Hugo ist mit einem neuen Mani⸗ fest gegen die deutschen Truppen in's Feld ge⸗ rückt und läßt folgende Phrasen los:Wir sind noch ein einziger Franzose, ein einziger Pariser, ein einziges Herz, es gibt nur noch einen einzigen Bürger, der seid Ihr, der bin ich, der sind wir Alle. Wo die Bresche sein wird, da werden unsere sämmtlichen Brüste sein. Widerstand heute; Befreiung morgen. Darin liegt Alles. Wir sind nicht mehr von Fleisch, sondern von Stein. Ich kenne meinen Namen nicht mehr, ich heiße Vaterland! Front gegen den Feind! Wir Alle heißen Frank reich, Paris, Mauer!)(Warum nicht auch: Heppenheim?)

Hessen. Darmstadt. Von der Groß- herzoglich Hessischen Division haben, wie man derWormser Zeitung aus Gorze mittheilt, abermals folgende Offiziere, Mannschaften und Aerzte das eiserne Kreuz zweiter Klasse erhalten: 1. Inf⸗Regt.: Hauptmann und Compagnie⸗Chef Karl Friedrich Müller; Lieutenant der Reserve Karl Best; Lieutenant der Landwehr Karl Soldan J.; Feldwebel Joh. Schäfer, Sergeant Gg. Schmidt, Gardist Fr. Seibold, Adam Werkmann, Heinrich Ohmeis, Peter Spahn, Heinr. Schreitz, Gustav Biall, Heinr. Stößen, Thomas Schmitt, Joh. Heß, Joh. Völlner. 2. Inf. Regt.: Haupt- mann und Compagnie⸗Chef Christ. Riedel; Lieu⸗ tenant Karl Kullmann; Lieutenant der Reserve Georg Gail; Sergeant Heinr. Becker; Vieefeld webel Ludwig Haußmann; Gefr. Ludw. Neun- dörfer; Musketier Friedr. Forster; Regts.⸗Tambour Ludwig Hanstein; Feldwebel Adam Dörr; Feld webel Karl Mitze; Sergeant Ph. Ihm; Sergeant Joh. Jacobi; Bat.-Tambour Joh. Frank; Mus- ketier Karl Türk und Joh. Jöckel. 1. Jäger- Bataillon: Lieutenant Joh. Mock; Gefr. Heinrich Greim; Gardejäger Aug. Feldhofen; Sergeant Peter Eifort; Gefr. Schwab; Gardejäger J. Kern; Gefr. Herm. Philippi; Gardejäger Georg Wetz⸗ stein; Unterlazarethgehülfe Adam Röder. 1. Reiter-Regt.: Stabsordonnanz Karl Schick. 3. Inf.⸗Regt.: Oberlieutenant Frhr. v. Rau; Lieu⸗ tenant und Batalllons-Adjutant Heinr. Laukardz Sergeant Karl Mönrad; Corporal Ph. Hermann; Sergeant Ph. Gärtner; Sergeant Leonh. Breunig; Gefr. Ambrosius Weil; Gefr. Georg Trench; Sergeant Franz Dietrich; Corporal Gg. Leuthner; Zugsfeldwebel Joh. Weniger; Gefr. Adam Adler; Zugsfeldwebel Mayer; Gefr. Franz Bender. J. Inf.⸗Regt.: Hauptmann und Compagnie-Chef Otto Seriba; Sergeant Ad. König. 2. Jäger- Bataillon; Oberlieutenant Lud. Stieler; Jäger Georg Gessert; Jäger Peter Stahl; Corporal F. Lautermann; Jäger Jacob Bienefeld; Gefr. Kaspar Heinrich; Jäger Philipp Stoffel; Jäger Valentin Kirch; Jäger Friedr. Walther. 1. Reiter⸗Regt.: Lieutenant Lud. Frhr. v. Buchen- röder; Viee-Wachtmeister Johann Wasenmüller; Sergeant Johann Strohauer; Trompeter Georg Gimberlein; Gefr. Georg Lulei; Garde⸗Chevaux leger Peter Zentgraf; Garde-Chevauxleger Phil. Landzettel. 2. Reiter-Regt.: Oberlieutenant Karl Otto; Sergeant Ad. Weidmann; Wacht⸗ meister Bernh. Netzer; Wachtmeister Joh. Hainz; Chevauxleger Jacob Winter. Feld ⸗Artillerie: Hauptmann und Batterie-Chef Heinrich Frieß; Lieutenant Joh. Korwan; Lieutenant Heinr. Greß; Lieutenant Joh. Locher; Sergeant Ludw. Katzen- maler; 0 Joh. Fuhr; Trompeter Mai; Trompeter Rausch; Obergefreiter Hartmann Eber

zweite weniger starke Truppe Mobilgarden hat hard; Geft. Nik. Lang; Gefr. Mathäus Stiefel.

Sanitäts-⸗Detachement: Sergeant Ph. abst

weißen, schwarz geränderten Bande: Stabs⸗ arzt Dr. Friedr. Fehr vom Sanitätsdetachement; Feldstabsarzt Dr. Jean Gilbert von der 1 Artillerie; Oberstabsarzt Dr. Emil Weichel vom 2. Infanterie-Regiment. g

Unter dem 23. v. M. wurde dem Ober

lieutenant Euler vom 1. Jäger-Bataillon der Charakter als Hauptmann ertheilt und demselben

provisorisch die Ersatz⸗Compagnie dieses Bataillons übertragen. Durch Entschließung S. K. Hoheit des Großherzogs vom 15. d. M. wurden zu Lieute⸗ nants in der Reserve ernannt: Im 1. Inf.-Regt.: Die Vicefeldwebel Goldmann, Körner, Oeser und Becker vom 2. Inf.⸗Regt. Im 2. Inf.⸗Regt.: Die Virefeldwebel Schäffer, Balk, Wolf, Strack, Lahr, Hangen und Buchheim. Im 2. Jag. Bat.: Den Vicefeldwebel Berk. Im 3. Juf. Regt.: Die Vicefeldwebel Gillich, Thonns, Heß, Schlitz und Klein. Im 4. Inf.⸗Regt.: Die Vicefeldwebel Heumann, Weber, Nodnagel und Reich vom 2. Inf.⸗Regt.

* Friedberg, 19. October. Nachdem gestern Nachmittag Se. K. H. der Großherzog dahier angekommen war, traf heute Vormittag J. K. H. die Kronprinzessin Victoria von Preußen ein und stieg im großherzoglichen Schlosse ab. Die Stadt war festlich geschmückt mit deutschen, norddeutschen und hessischen Fahnen. Die hohen Herrschaften haben die Verwundeten in den Lazarethen dahier und zu Nauheim mit einem Besuche beehrt; spoͤter fand Tafel im großherzoglichen Schlosse statt. Nach 3 Uhr kehrte J. K. H. die Kronprinzessin nach Homburg zurück. Des Großherzogs K. H. wird dem Vernehmen nach mehrere Tage dahier verweilen.

Gießen. Am 8. Oct. wurde der außer⸗ ordentliche Professor bei der philosophischen Facultät der Landes-Universität, insbesondere für das Lehr fach der Geschichte Dr. Sigurd Abel bis zu Wiederherstellung seiner geschwächten Gesundheit und der außerordentliche Professor bei der medi⸗ cinischen Facultät der Landes ⸗Universität Dr, Johannes Baptist Wetter in den Ruhestand versetzt.

Preußen. Berlin. DieZtg. f. Nordd. schreibt:Nach hier eingelaufenen authentischen Nachrichten wird die Beschießung von Paris nicht vor dem 18. October beginnen. Elfhundert Eisenbahnwagen hat allein dasjenige Belagerungs⸗ geschütz sammt Zubehör erfordert, welches jetzt erst aus deutschen Festungen, Spandau, Magdeburg u. s. f. die Reise nach Paris angetreten hat.

DerStaatsanzeiger veröffentlicht eine Bekanntmachung des Bundeskanzleramtes über die Ausgabe von Schatzanweisungen im Betrage von Millionen zu pCt. Die Dauer der Umlaufzeit ist 6 Monate. Dasselbe Blatt bringt eine Verordnung, betreffend die Aufhebung des Verbotes der Aus- und Durchfuhr von Rind⸗ vieh, Schweinen, Schafvieh, Steinkohlen und Coaks für die Gränze südlich von Malmedy bis Saarbrücken einschließlich. 5

18. Oct. DieKreuzztg. bestatigt, daß der französische General Boyer aus Metz am 14. Oct. Morgens in Versailles eingetroffen ist. Derselbe hatte eine Besprechung mit dem Grafen Bismarck.

Königsberg. Das Feuer auf dem Pillauer Leuchtthurm ist wieder ausgelöscht, das Gleiche wird bei dem Leuchtfeuer auf Brüsterort veranlaßt werden. f

Köln. In den letzten Tagen wurden hier mehrere Kisten mit Waffen, von Solingen als Passagiergut nach Brüssel declarirt, in Folge einer telegraphischen Weisung mit Beschlag be legt. Die Strafe, welche den Eigenthümer trifft, schätzt man auf 2000 Thlr., und das mit Recht, weil es sich im gegenwärtigen Fall wahrscheinlich um einen Ankauf für französische Rechnung handelt. a

Koblenz. Der dieser Tage als Gefangener hier eingetroffene französische Beamte ist der Präfekt des Departements des Vosges aus Epinal, so daß

wir jetzt drei französische Präfekte in Gewahrsam

haben.

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