mit dem Opernglase eine große Heerde Vieh auf den Wiesen an der Mosel zwischen den weit vor- geschobenen Außenwerken vor Metz und der inneren Festung weiden und viele französische Soldaten Waffenübungen halten sehen. Auch die Klänge der französischen Militärmusik, welche spielte, drangen bisweilen zu uns herüber. Daß Metz sich so bald übergeben werde, ist nicht zu hoffen, im Gegen- theil ich habe bei meiner beutigen Wanderung die Ueberzeugung gewonnen, es werde noch eine ziemliche Weile währen, bevor unsere Fahne dort wehen dürfte.
Reims, 10. Sept. Der Generalpostdirektor Stepban ist hier und verdanken wir ihm die
Einrichtung eines Schnellpostdienstes, durch welchen
Briefe zwischen dem großen Hauptquartier und Berlin in 48 Stunden gehen sollen.
Der„Köln. Zig.“ wird aus Reims vom 11. Sept. geschrieben:„Gestern Morgen be gab sich der König nach Chalons und kehrte um 4 Uhr Nachmittags von dort zurück. Die ab; ziehende französische Besatzung des Lagers hat wie Vandalen dort gehaust, namentlich das Haus des Kaisers im Innern vollständig zerstört. Ebenso die Appartements der Kaiserin, in denen man indeß noch die Totlettegegenstände unversehrt findet.“
In Reims sind jetzt die ersten Dolmet⸗ scher der Armee eingetroffen; eine Einrichtung, welche in Mainz in's Leben gerufen worden ist.
Es sind stattliche Männer in Cavalleristen-Uniform,
welche auf dem linken Arm ein Blechschild mit der Inschrift:„Dolmetscher, Interprète“, tragen und von denen Einige die Avantgarde, Andere verschiedene Truppentheile begleiten.
Toul, 11. Sept. Die vorgestrige Beschießung von Toul mit eroberten glatten französischen Ge- schützen aus Marsal, wobei ungefähr 1000 Schüsse abgefeuert wurden, hat die Ueberzeugung gewährt, daß diese Art von Kanonen nicht geeignet, um das Bombardement so kräftig und nachhaltig zu machen, als dies gewünscht wird. Man wird diesen Vetsuch daher nicht ereuern, sondern ein Dutzend schwerer gezogener preußischer 24-Pfünder von dem Artillerieparke vor Straßburg kommen lassen, deren Tragweite und Wirkungskraft eine ungleich andere als die eines glatten französischen Geschützes alter Construktion ist. Vor Sedan haben die deutschen Truppen 400 französische Feld⸗ geschütze, 50 Mitrailleusen, 90,000 Chassepot⸗ gewehre und 12,000 Pferde erbeutet. Es ist nur unmöglich, das ungeheure Material schnell nach Deutschland zu schaffen, wo denn schon der rasche Transport der 84,000 französischen Gefangenen viele Schwierigkeiten macht. Im Ganzen würden sich jetzt an 140,000 französische Soldaten, 62 Generale und über 4800 Offiziere schon in deut⸗ scher Gefangenschaft befinden, und wohl die gleiche Zahl todt, verwundet oder krank daheim, so daß man den Veclust, den die reguläre französische Armee bisher erlitten hat, auf 280,000 Mann veranschlagt.
Ueber die That von Laon berichtet ein Brüsseler Telegramm jetzt der„N. Fr. Pr.“, es verlaute als authentisch, daß dieselbe absolut nicht dem hierbei schwer verwundeten General Theremin, noch irgend einem anderen französischen Offizier zur Last falle. Nach abgeschlossener Capitulation begab sich ein Sergeant der französischen Artillerie, welcher die Schlüssel des Pulverdepots verwahrte, mit einem preußischen Generalstabs⸗ Offizier zur Uebergabe des Pulvermagazins. Wenige Minuten darauf erfolgte die furchtbare Exploston, die unter den einmarschirten Preußen und den capitulirten Mobilgarden schreckliche Verheerungen angerichtet hat. Außer dem General Theremin und dem Herzog von Mecklenburg sind neun preußische Offiziere theils todt, theils schwer verwundet,. Uebrigens ist Herzog Wilhelm von Mecklenburg mit tiner leichten Contusion am Fuße davon: gekommen, und hat in einem ausführlichen Tele ⸗ gramme Bericht über die Affaire erstatten können.
Vor Straßburg. Es gehen unbestimmte Gerüchte über die stattgehabte Einleitung von Uebergabe⸗Unterhandlungen. Mindestens darf man in diesen Gerüchten ein Symptom der gegen- wärtigen Verhältnisse erblicken. Heute Mittag
sie nun zu eng eingeschlossen sind.
der Festung aus wieder
haftigkeit
wurde von den Wa einmal mit mehr als gewöhnlicher kanonirt. solgten Vollendung der dritten Parallele zusammen⸗ hängen. Unsererseits nimmt die Beschießung ihren ruhigen Fortgang. Die Brände in der Stadt haben für den Augenblick ganz aufgehört. Beim Abgraben der Ill fiel das Wasser in Straßburg derart, daß eine große Masse Fische von den Straßburgern gefangen werden konnten, die den- selben sehr zu statten kamen. Theuere Luxuspferde werden seit einigen Tagen geschlachtet und der Soldat erhält täglich ein halb Pfund als Ration.
Kork, 14. Sept. Die durch einen Rhein- kanal, den sog. Alt-Rhein, von Straßburg ge⸗ trennte Sporen⸗Insel, Isle d'Epies, diente seither einer französischen Ausfallbatterie dazu, Geschosse nach Kehl herüberzuwerfen, und war namentlich letzten Sonntag und Montag wieder damit besetzt. Verflossene Nacht nun besetzten badische Truppen die Insel und errichteten sofort eine Batterie auf derselben beim Denkmal des Generals Desaix, wodurch der französischen Ausfallbatterie nun wohl das Handwerk gelegt sein dürfte. Heute war wieder sehr starke Beschießung. Ausfälle machen die Franzosen gegenwärtig fast keine mehr, da Als Curiosum habe ich noch mitzutheilen, daß dieser Tage eine französische Granate vor einer der Nordbatterien platzte, und ein Stück derselben auf das Zündloch einer eben zum Abftuern bereiten Kanone siel, welche in Folge der Friction sofort losging.
Mundolsheim, 14. Sept., Morgens. Ein un verwundet gefangener französischer Offizier ist gegen den einzigen gefangenen(verwundeten) preußischen, welcher sich in der Festung befindet, ausgewechselt worden. Es scheint, als ob nament- lich die Citadelle fortwährend mit großer Lebhaf— tigkeit beschossen würde. Immer noch laufen massenhafte Gesuche um Herauslassung in der Festung befindlicher Personen ein, denen auch stets in menschenfreundlicher Weise, soweit es überhaupt mit der militärischen Nothwendigkeit vereinbar ist, entsprochen wird.
In Betreff der nach öffentlichen Blättern ent- deckten unterirdischen Telegraphenleitung von Straß⸗ burg nach Metz erfährt ein Berichterstatter des „Schw. M.“ aus Kork, daß allerdings in einem Wirthshause in Schiltigheim ein verborgener Tele⸗ graphenapparat entdeckt worden sei, daß derselbe aber nach Metz weiterführe, sei nicht bewiesen. Es sei daneben eine große Brauerei, wohin die Drähte führen, möglicherweise könne die Leitung auch bloß Geschäftstelegraph sein.
Folgendes ist am 14. Sept. in Paris pub licirt worden: Aus Schlettstadt wird eine Depesche des Commandanten von Straßburg, General Uhrich, vom 9. Sept. überbracht, welche lautet:
„Ich werde bis zum Letzten aushalten. Wit sollte ich den Rhein passiren können ohne Brücke,
ohne Schiff? Geben Sie diese unausführbare Idee auf. Ein beträchtlicher Ausfall ist diesen Morgen gemacht worden, aber er ist theuer zu stehen ge⸗ kommen und hat keinen anderen Erfolg gehabt, als den Respekt,— den er dem Feinde einflößte.“ Aus Baden, 15. Sept. Die Occupation und Säuberung des Oberelsasses, welche nun ernstlich ins Werk gesetzt wird, erfolgt mi telst einer Truppenzahl, welche für jenen Zweck als hinreichend betrachtet werden kann. Schlett⸗ stadt und Neubreisach wird man dabei für's Erste unberücksichtigt lassen, da sie nicht in der Lage sind, die militärischen Operationen zu hin⸗ dern, und sie ohnehin dem Schicksale Straßburgs werden folgen müssen. Was dieses betrifft, so sind einige Anzeichen vorhanden, daß die Wirkung unserer Artillerie eine so zerschmetternde ist, um dem General Uhrich vielleicht noch vor der völligen Beendigung der Belagerungsarbeiten und dem Sturme„das Ende“ nahe etscheinen zu lassen und ihn zur Uebergabe zu bringen. Es wird sich dies in den nächsten Tagen entscheiden müssen. Müllheim i. B., 15. Sept. Heute um Mittag haben die badischen Truppen bei Neuen⸗ burg den Rhein überschritten. Soeben ist ein
Es mag indeß mit der nunmehr er⸗⸗
Extrazug mit über 2000 Bewohnern Straßburgs
unter Begleitung des Schweizer Hülfe über hier nach Basel passirt. 5780
Die Besetzung Colmar's durch deutsche Truppen hat der Telegraph gemeldet; einem Baseler Correspondenten zufolge wären es 5000 Bayern, welche die Stadt occupirt haben. 4 4
Hessen. Darmstadt. 15. Sept. Die heutige Sitzung der ersten Kammer wurde von dem Präsidenten Graf Erbach Fürstenau mit einigen warmen Worten wegen des Antheils der hessischen Division an dem Riesenkampfe vor Metz eröffnet. Hierauf kam der Gesetzentwurf wegen der Errichtung von Darlehenskassen zur Berathung. Der Berichterstatter, Frhr. v. Riedesel, spricht gegen den Gesetzentwurf; er hält denselben bei der dermaligen Lage der Dinge nicht mehr für praktisch und glaubt, daß alle Geschäfte, welche Credit verdienten, beim jetzigen Stand des Marktes Geld finden würden. Minister v. Dalwigk führt aus, daß alle Institute, die er im Frage⸗ falle um Rath gebeten, grantwortet hätten, daß sie die Errichtung von Darlehenskassen auch jetzt noch dringend geboten erachten. Das Gesetz wurde im Ganzen gegen eine Stimme angenommen. Bei der Berathung im Einzelnen schloß sich das Haus der zweiten Kammer an; nur wurde Art. 1, welcher das Gesetz auf die südlichen Provinzen beschränkte und Oberhessen auf das bezügliche Ge⸗ setz des norddeutschen Bundes verwies, ange⸗ nommen, während die zweite Kammer die Aus
dehnung auf das ganze Land beschlossen hatte.
— Die„Darmst. Ztg.“ schreibt: In ver⸗ schiedenen Städten Deutschlands sind in patrio⸗ tischer Weise Sammlungen veranstaltet, beziehungs weise von den Gemeindevorständen bedeutende Summen für die mehr als andere deutsche Gegenden in dem gegenwärtigen Kriege mitgenommenen Provinzen Rheinpreußen, Rheinbayern und Rhein⸗ hessen verwilligt worden. Sicherem Vernehmen nach ist iadeffn in Rheinhessen ein eigentlicher Nothstand in Folge der Kriegsereignisse nicht ein getreten und bedürfen die Gemeinden dieser Provinz daher einer Unterstützung zur Erleichterung der Kriegslasten nicht. Dieselben haben vielmehr die Opfer des Krieges gern und freudig getragen und noch Mittel gefunden, sich an Sammlungen für vaterländische Zwecke auf das Anerkennens⸗ wertheste zu betheiligen..
— Am Samstaz sind dahier die schon mehrere Tage erwarteten französischen Gefangenen, 1500 an Zahl, eingetroffen und einstweilen in der Reiter⸗ kaserne untergebracht worden. Unter 1 ben. befanden sich viele Zuaven, sodann Cyhasseurs d' Afrique, Husaren, Axtillecie, Infanterie, Marine⸗ soldaten, kurz alle Waffengattungen waren vertreten Die Bapern, welch: die Gefangenen hierhergebracht, wurden von dem zahlreich versammelten Publikum auf das Herzlichste begrüßt und bei den Bürgern einquartiert. Ueberall wo sich diese tapferen Kämpfer blicken lassen, werden sie mit Jubel be⸗ grüßt. Sie werden einige Tage hier bleiben, um sich von ihren bisherigen furchtbaren Strapatzen wenigstens einigermaßen erholen zu können. In der Nacht gegen 1 Uhr kamen dann noch etwa 200 Offiziere und Soldaten aller Waffengattungen, welche in der Jafanteriekaserne untergebracht wurden. Die Ersteren führten eine Masse Bagage mit sich und zeigten sich zum Theil dem Publikum, welches die Kaserne wahrhast belagerte, in sehr feinen und eleganten Uniformen. Es ist den Offizieren, wenn dieselben ihr schriftliches Ehrenwort geben, die Stadt nicht verlassen zu wollen, übrigens gestattet, sich in Civilkleidern zu bewegen und in der Stadt Privatwohnungen zu beziehen.
Preußen. Berlin. Eine beachtens⸗ werthe Mittheilung wird der„Berl. Börsen⸗ Ztg.“ von London aus telegraphirt, welche durch die nicht erfolgte Veröffentlichung des Ausweises der französischen Bank an Glaub⸗ würdigkeit gewinnt. Das Telegramm lautet: „Aus guter Quelle kann ich Ihnen mittheilen, daß Thiers neben der Bewerbung um die Ver⸗ mittelung der Großmächte für einen Frankreichs Gränzen wahrenden Friedensschluß auch eine finanzielle Angelegenheit betreibt. Es handelt
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