Ausgabe 
20.9.1870
 
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Enthäl: die amtlichen Exlasse für den Kreis Friedberg.

Dienstag den 20. September.

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ischer Anzeiger.

Friedberger Intelligenzblalt.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstiag und Samstag.

Amtlicher Theil. Betreffend: Handhabung des Feldschutzes. Friedberg den 18. September 1870.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Aus Veranlassung von Klagen, welche in neuerer Zeit über Zunahme von Feldfreveln aus verschiedenen Theilen des Landes zur Kenntniß Großherzoglichen Ministeriums des Innern gekommen sind, sind wir mittelst Entschließung dieser hohen Staats behörde vom 13. l. Mts. zu Nr. M. d. J. 8894 beauftragt worden, Ihnen die strengste Handhabung des Feldschutzes, namentlich mittelst Ueberwachung

der Dienstführung der Feldschützen dringend zu empfehlen. Ter a p v.

Bekanntmachung. Betreffend: Gewerbebetrleb im Umberziehen im Königreich Preußen. n Das im Abdrucke nachstehende Schreiben des Kgl. Preuß. Landraths zu Hanau bringen wir hiermit zur Keuntniß der Juteressenten. Friedberg den 17. September 1870. Großherzogliches Kreisamt Friedberg Trapp.

Hanau den 14. September 1870. Das Großherzoglich Hessische Kreisamt ersuche ich ganz ergebenst, diejenigen dortigen Kreise ingesessenen, welche im diesseitigen Staate ein Gewerbe für das nächste Jahr im Umherziehen zu betreiben beabsichtigen, darauf geneigtest aufmerksam machen lassen zu wollen, daß sich dieselben wegen Ertheilung eines den deshalbigen Gewerbebetrieb legitimirenden Gewerbescheins unter Vorlage der erforderlichen Legitimationsscheine an die von ihrem Wohnorte am nächsten befindliche Regierung oder Landraths-Amt, für die dortigen Eingesessenen

entweder Königl. Regierung in Cassel oder Landraths Amt hierselbst zu wenden haben.

Der Königl. Landrath v. Schrötter.

Oeffentliche Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Krämer- und Viehmärkte zu Runkel und Weilburg am 20. d. M. und zu Weilmünster am 22. d. M. aufgehoben worden sind.

Betreffend: Rinderpest.

Friedberg den 17. September 1870.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg Ter a pp.

Kriegs nachrichten.

In Bezug auf das Vorrücken der deutschen Truppen nach Paris, welche sich nicht blos in der unmittelbaren Richtung von Osten nach Westen dewegen, sondern so operiren, daß sie einen Halb⸗ reis um Paris bilden, sind die Dispositionen so getroffen, daß die Truppen in Folge ihrer Marsch⸗

vewegungen gleich von vorn herein in diejenigen

Stellungen einrücken, welche sie bei Paris ein⸗ nehmen sollen. Das Commando für die Belagerung sst bereits ernannt, auch ist der Chef der Artillerie- vrüfungs ⸗Commission, Oberst v. Rief auf den ftriegsschauplatz commandirt, um bei der Be⸗ agerung in Funktion zu treten; das Belagerungs⸗ zeschütz ist unterwegs. In sachverständigen Krelfen echnet man auf eine sehr kurze Dauer der Be⸗ agerung, da der Bestand an regulären Truppen m Paris allerhöchstens auf 50,000 Mann anzu⸗ nehmen ist, die Zahl der Modilgarden aber, denen wwohl die Uebung als die Bewaffnung fehlt, auf icht mehr als 150,000 Mann zu schätzen sind.

Ars sur Moselle, 12. Sept. Einer Mit. heilung derD. Ztg. entnehmen wir, die groß⸗ berzogliche(25.) Division betreffend, Nachstehen⸗ es: Seine Majestät der König von Preußen haben der zweiten deutschen Armee abermals eine Anzahl eiserner Kreuze 2, Klasse zuzuweisen seruht und deren Vertheilung und Beleihung den Fommandanten der einzelnen Armeecorps über nagen. Die Decoration wurde hierauf von Ge veral v. Manstein für nachbenannte 31 Angehörige ber Großherzoglichen Division bestimmt und deß⸗ alben gestern Vormittag durch S. Großherzogl. Hoheft den Prinzen Ludwig in feierlicher Weise berreicht. Geschmückt mit biesem Zeichen des Kuhmes und der Ehre sind:

1) vom Stab der Großh. Division: Major zon Hesse und Hauptmann v. Hackewitz.

2) 1. Inf.⸗Regt.: Major Anschlitz, Sergeant

5 05 Peter Stey und Corporal Ludwig Schaub vom

1. Bataillon; Corporal Joh. Greb und Gardist Friedr. Dillemuth vom 2. Bataillon.

3) 2. Inf.-Regt.: Major Hoffmann, Hauptm. Rau, die Feldwebel August Hein und Heinrich Eichenguer, Corporal Theodor Schweißgut und Gefreiter Johann Schußler.

4) 3. Inf.-Regt.: Major v. Herff, Musketier Georg Michael Schwöbel, Musketier Valentin Dingeldein vom 1. Bataillon; Gefreiter Jacob König und Sergeant Jacob Zubrod vom 2. Bataillon.

5) 4. Inf.-Regt.: Hauptm. Gerlach, Feld- webel Christlan Gromm und Musketier Franz Asstan vom 1. Bataillon; Sergeant Georg Wil helm Köhler und Gefreiter Konrad Keibler vom 2. Bataillon.

6) 1.(Garde-) Jäger-Bataillon: die Haupt- leute Daudistel und Hofmann, sowie Feldwebel Johann Kesting.

7) 2. Jäger-Bataillon: Hauptmann Becker, Jäger Valentin Gansmann.

8) Divisions-Artillerie: Major v. Herget und Corporäle Georg Schneider(1. schwere Batterie) und Carl Frommann(1. leichte Batterie).

Außerdem wurden die hessischen Offiziere beim Stab des Generaltommandos: Generalstabsossizier Hauptmann Scherf und Ordonnanzofsizier Ritt- meister v. Rabenau mit derselben Klasse dieses Ordens dccorirt.

Zur Beschießung von Metz am 9, d. waren Artillerie und Infanterie Abends bei strö⸗ mendem Regen von Rezonville bis jenseits Grave loßte, woselbst die Batterien errichtet waren, aus- gerückt. Präeis 7 Uhr begann das Feuer von allen Seiten. Die Distancen waren bereits am Tage genommen. Die Forte erwiderten das Feuer. Der immer stärker strömende Regen, ver bunden mit einem furchtbaren Sturm, that der Beschießung bald Einhalt. Um 11 Uhr erfolgte die Rückkehr nach Rezonville und in das Lager,

das sich inzwischen zu einem See umgewandelt hatte. Seit gestern früh befindet sich die Großh. Diviston südlich von Metz auf dem linken Ufer der Mosel, zunächst dem Fort St. Quentin. Die Stäbe, die 1. Infanterie-Brigade und das 1. Reiterregiment liegen hier im Orte, die übrigen Truppen und die Trains bivouakiren. Das 2. Jäger-Bataillon steht auf Vorposten jenseits Jussy und hat die zweite Infanterie Brigade in Jussp und Vaux zur Reserve. Die beiderseitigen Vor- posten stehen sich ganz nahe und wechseln zum Morgengruße stets einige Kugeln. Unsere Truppen sind durch Schanzen und Verhaue gedeckt. Von unserem Beobachtungspunkt aus kann man deutlich die großen Lager der Franzosen bei St. Quentin, St. Julien und der neu errichteten Verschanzung bei Quelen sehen. In letzterem Orte vermag man selbst die Physiognomien und Abzeichen der Uni- formen zu unterscheiden. Seit vorgestern hat der Regen aufgehört, und wir hoffen auf eine Reihe schöner Tage.

Ars sur Moselle, 13. Sept. DieKöln. Ztg. berichtet: Gestern Abend war ein preußischer Hauptmann mit 6 gefangenen französischen Ofsizteren bei den Vorposlen in Metz, um solche als Aus- wechelung für 6 gefangene verwundete preußische Offiziere, welche der Marschall Bazaine kürzlich aus der Festung entlassen hatte, zu überbringen. Auf seinen Wunsch, den Höchsteommandirenden zu sprechen, trat Marschall Bazaine, in einen dunkeln Regenmantel gehüllt, plötzlich aus der Bivouak⸗ hülte der vordersten Feldwacht, gab sich zu er- kennen und sprach längere Zeit mit dem Haupt- mann, diesem die Versicherung ertheilend, er denke noch gar nicht an eine Capitulatlon. An 200 halb verhungerte Pferde haben die Franzosen heute über die Vorposten gejagt. Ich selbst war heute längere Zeit bei unserem Außersten Vorposten dem Fort St. Quentin, gegenüber, wo die dessen⸗ darmstädtische Divisson jetzt liegt. Man konnte