verlässige Berichte aus dem Hauptquartiere des deutsch lk Bundesoberfeldherrn vorliegen und einen Sieg der deutschen Waffen constatiren, ohne Weiteres als von ihnen gewonnen. Der „Constitutionnel“ schreibt frischweg:„Die Preußen wurden mit großen Verlusten geschlagen. Es ist der Anfang der Revanche. Trotz dieses Erfolges jedoch ist wahrscheinlich, daß Marschall Bazaine seinen Rückzug auf die Maaslinie fortsetzen wird. Diese Bewegung erscheint nöthig, um nicht vollständig auf unserem rechten Flügel von der Armee des Kronprinzen um⸗ gangen zu werden, welcher nach Besiegung des Corps von Mac Mahon mit großer Rasch— heit vordringt. Das Ziel des Kronprinzen liegt auf der Hand: Er will sich auf den Ruͤcken der Armee des Marschalls Bazaine setzen, während die beiden anderen preußischen Armeen von vorn angreifen sollen. Dieses Manöver ist zu offenkundig, als daß es nicht längst von unseren Generalen durchschaut worden wäre. Wenn die Armee des Kron— prinzen ihren kühnen Marsch fortsetzt, so wird ein Augenblick erscheinen, wo sie selbst zwischen die in Chalons unter Trochu concentrirten Streitkräfte, zwischen die reorganisirte Armee Mac Mahon's und zwischen die Armee Bazaine's gerathen wird. Warten wir daher die Ereig— nisse mit Vertrauen und ohne Ungeduld ab.“ Mittlerweile ist die Sache indeß anders gekommen. — In gleicher Weise schreiben sich aber die franz. Großsprecher auch den Sieg hinter Metz bei Mars la Tour vom 16. d. zu. Das„Journal officiel“ bringt folgende Depesche des Marschalls Bazaine aus dem Hauptquartier vom 16. d.: Diesen Morgen führte die Armee des Prinzen Friedrich Karl einen sehr lebhaften Angriff auf den rechten Flügel unserer Position aus. Die Cavaleriedivision Forton und das zweite Corps Frossard hielten guten Widerstand. Die en echelons rechts und links von Rezonville auf— gestellten Corps nahmen successive Theil an der Action, welche bis zur einbrechenden Nacht dauerte. Der Feind hatte beträchtliche Streit⸗ kräfte entfaltet und erneute mehrere Male seine Angriffe, welche nachdrücklich zurückgewiesen wurden. Am Ende des Tages suchte ein neues Armeecorps unseren linken Flügel zu umgehen; wir haben überall unsere Positionen behauptet und dem Feinde bedeutende Verluste zugefügt. Die unsrigen sind sehr ernsthafter Natur. General Bataille ist verwundet. In der stärksten Action griff ein Regiment Ulanen den General— stab des Marschalls an. 20 Mann der Escorte wurden kampfunfähig, der commandirende Capitän getödtet. Abends 8 Uhr war der Feind auf der ganzen Linie zurückgedrängt. Man schätzt die Zahl der engagirten Truppen auf 120,000 Mann. Eine andere Depesche des Marschalls Bazaine, datirt vom 17. d., 4 Uhr Nachmittags, sagt: Gestern wurde während des ganzen Tags eine Schlacht zwischen Doncourt und Vionville geliefert. Der Feind wurde vor Anbruch der Nacht in seine Position zurückgeworfen. Ich habe meine Bewegungen einige Stunden unterbrochen, um die Munition zu vervollständigen. Wir hatten den Prinzen Friedrich Karl und Steinmetz vor uns.
Belgien. Brüssel. Hiesige Blätter melden: Die Pariser Südbahn trifft Vorbereitungen, um bei einer Invasion der Hauptstadt ihre Bureaux schnell nach dem Süden verlegen zu können, eventuell nach Lyon oder Montereau.— Nach Privatnachrichten aus Paris hat Baron Malortie einen Aufruf an die in Frankreich lebenden Han— noveraner erlassen, worin er dieselben zur Bildung eines hannover'schen Freischützencorps auffordert, das sich der französischen Armee anschließen soll.
— Der Kaiser, der kaiserliche Prinz und Prinz Napoleon haben sich von Verdun nach Rheims begeben.
Großbritannien. London. Carl Gran⸗ ville versandte am 11. August eine Cireulardepesche, welche die deutschen Beschwerden gegen eine an⸗ geblich einseitige Neutralität widerlegt, indem sie nachweist, daß England getreulich an den Grund—
sätzen festhält, wie sie bisher und im Krimkrieg von Preußen gehandhabt würden.
Spanien. Madrid, 11. Aug. Eine all⸗ gemeine politische Amnestie ist erlassen worden. Das vom 9. d. datirte desfallsige Decret ver⸗ fügt sie für alle seit dem 29. Sept. 1868 bis zum Datum dieses Decrets wegen politischer Verbrechen Verurtheilte, die sofortige Nieder⸗ schlagung aller aus solchen Gründen anhängigen Processe und die sofortige Freilassung aller aus gleichen Gründen Inhaftirten ist angeordnet und auch die Zusicherung völlig straffreier Rück⸗ kehr für alle als politisch Gravirte aus Spanien Ausgewanderte.
Italien. Florenz. In der Deputirten⸗ kammer erklärt Lanza:„Die Ereignisse haben unsere Haltung nicht modifitirt, aber sie ließen es dringlich erscheinen, die nöthigen Maßregeln zu ergreifen, um ohne Schwäche und ohne Beun— ruhigungen dazustehen. Auch müssen wir der inneren Sicherheit wegen unsere Stteitkräfte ver⸗ stärken. Demgemäß hat die Regierung beschlossen, noch zwei weitere Altersklassen einzuberufen, und verlangt dafür einen Credit von vierzig Millionen, welchen die Nationalbank beschaffen wird; auch verlangt die Regierung die Autorisation, die Aus- fuhr von Pferden zu verbieten.“
— Die„Opinione“ sagt:„Mazzini wurde in Palermo verhaftet und auf einem Panzerschiff nach Gaßta gebracht. Er kam von Genua.“ (General Medici, einstiger Gesinnungsgenosse und Freund Mazzini's, soll den Fang persönlich voll- zogen haben.)
Berichte aus Florenz besagen: Es scheint begründet zu sein, daß in den Tuilerien Anstalten zur Fortschaffung der Effecten getroffen werden. Rei- sende aus der Schweiz behaupten, in Arenenberg (der bekannten Villa des Kaisers) seien viele Kisten aus Paris angelangt. Nachrichten aus Paris melden die Unhaltbarkeit des Ministeriums Palikao; die Bewaffnung der Nationalgarde sei unmöglich. Es herrsche Mißtrauen in die Regierung wie in die Feldherren. Aus Nizza berichtet man von Regungen wegen Rückanschlusses an Italien. In Sicilien dauern die anti⸗französischen Demon⸗ strationen fort.— Der preußische Gesandte, Graf Brassier, soll der Regierung zur sofortigen Be⸗ sitznahme von Rom gerathen haben. Die Be⸗ ziehungen Italiens zu Preußen sind vortrefflich.
Turin. Die„Gazz. di Torino“ schreibt: „Der preußische Gesandte Graf Brassier de Saint- Simon soll dem König Victor Emanuel die be⸗ stimmtesten Versicherungen der Sympathie seiner Regierung für Italien gegeben und auf das Be- stimmteste erklärt haben, das Berliner Cabinet werde der Verwirklichung des nationalen italieni⸗ schen Programms keinerlei Hinderniß in den Weg legen.“
Frankfurt. Täglich treffen Züge theils mit Ver⸗ wundeten(Franzosen), theils mit sonstigen erkrankten Militärs(Bayern, Sachsen, Preußen) hier ein. Die Ver⸗ wundeten wurden verbunden und gelabt. Als ein junger blessirter Franzose allenthalben französisch angeredet wurde und gewahrte, daß man sich theilnehmend seiner annahm, wurde er zutraulich und reoselig und meinte, es komme ihm in Deutschland wie in Frankreich vor, denn alle Welt spreche hier französisch. Unter den angelaugten Franzosen befand sich einer mit sechs Schußwunden; in dem hiesigen Bürgerspital liegt ein 87er(Preuße), welcher 12 Bayonnetwunden aufzuweisen hat.
Frankfurt. In den Straßen unserer Stadt hätte kürz⸗ lich der Stift eines Künstlers das Motiv zu einem schönen Bilde finden können. Eine hochbetagie Mutter kam mit ihrem verwundeten Sohne, den sie schon als todt beweint,
von Hanau hier an, und wollte mit ihm, da er sich kräftig genug fühlte, auf die Taunusbahn gehen. Die alte Frau trug das Gepäck ihres Kindes auf dem einen Arme, während sie den Sohn mit dem anderen im Gehen unterstützte. Der Weg war mühsam und für den armen Soldaten schmerzlich. Da kam eine Equipage des Weges, der Insasse sah die Scene, stieg aus, ließ das Paar in den Wagen sitzen und auf die Eisenbahn fahren.
Vom Rhein. Die neulich von verschiedenen Blättern gebrachte Warnung an Feldsoldaten, keine Messer, Geld⸗ beutel, Münzen, Amulets ꝛc. am Leibe zu tragen, scheint doch nicht üserall zutreffend zu sein. So meldet die„K. Z.“; „Ein junger Mann aus Düsseldorf, welcher beim 39. Infanterie-Regimente steht, entging dem sicheren Tobe dadurch, daß eine französische Kugel auf sein auf der Brust befindliches Portemonnaie k raf, worin sich ein Zehn⸗ groschenstück und einige Kupfermünzen befanden, welche ganz gebogen wurden. Eine starke Contusion war die Folge und am andern Tage war seine Brust schwarz und blau gefärbt. Für sein Leben ist aber keine Gefahr vor⸗ handen.“
Köln. In der„K. Z.“ wird der Frankfurt⸗ Offen bach er freiwilligen Sanitätscolonne folgendes Lob gespendet:„Diese wackeren Leute treten sehr tactvoll nach allen Richtungen hin auf, machen den Eindruck einer kernhaften, eingeübten und opferwilligen Truppe. Was sie zur Bequemlichkeit der Verwundeten mitführen, ist Alles höchst comfortabel und elegant; ihre persönlichen Costümi⸗ rungen dagegen sind sehr schlicht und bescheiden. Das Auftreten dieser Mannschaft, ebenso entschieden wie human, läßt in den Leuten turnerische Elemente vermuthen. Ich verfolgte mit dem Fernrohr die Kreuz- und Querzüge dieser fliegenden Colonne durch unser Lager. Voran auf hochflatternder Fahne das rothe Kreuz, bewegt sich der Zug von einem Truppentheile zum andern, bis er zuletzt sich in die waldige Umgegend des Spichererberges verliert, um baselbst den letzten Verwundeten nachzuspüren.“
Bonn. Der Name des Dichters der„Wacht am Rhein“ ist nach einer Mittheilung des Professors Dr. K. Hundeshagen in Bonn Max Schn ecken burger aus Thal⸗ heim im Königreich Württemberg. Derselbe dichtete das Lied bet Gelegenheit der Thiers'schen Kriegsdrohung und trug es in einem Kreise von Männern vor, welche sich zu der Zeit in dem„Stadthaus“ der zum Kanton Bern gehörigen Stadt Burgdorf zur geselligen Unterhaltung zu versammeln pflegte. Zu diesem Kreise gehörte auch Pr. Hundeshagen, damals Professor an der Hochschule zu Bern. Max Schneckenburger war ein sehr gebildeter und strebsamer Kaufmann von hoher Begabung. Er foll be⸗ reits um das Jahr 1851 gestorben sein. Durch diese Mittheilung wären dann die Buchstaben M. Sch., welche als Zeichen des Verfassers des Textes der„Wacht am Rhein“ unter einigen Compositionen stehen, entziffert.
Erfrischung
der durchpassirenden Truppen und zurückkommenden Verwundeten und Gefangenen im hiesigen Bahnhofe.
Sechste Liste der Gaben aus hiesiger Stadt und Umgegend:
a) an Naturalien: 64 Pfund Fleisch und Schinken (60 von Ossenheim), 8 Pfund Wurst, 281 Laibe Brod (157 von Vonhausen, 74 von Ossenheim, 50 von Bauern- deim), 75 Pfund Dörrobst, 6 Pfund Kaffee, 4 Pfund Käse, Gelée, Kartoffeln, Suppenzeug, Bohnen, Erbsen, 584 Eier(504 von Ossenyeim, 80 von Bauernheim).
b) an Geld: Vonhausen 1 fl. 24 kr. dazu von voriger Liste 1445 fl. 47 kr., zusammen 1447 fl. 11 kr.
Wir haben telegraphisch in Saarbrücken angefragt, wohin die nächste Sendung Lebensmittel zu richten sei, sind jedoch bis zu diesem Augenblicke noch ohne Anweisung, jo daß über die Verwendung der gespendeten Gaben momentan keine Rechenschaft abgelegt werden kann.
Aus diesem Grunde bitten wir, unter bestem Danke für die seitherigen Spenden, mit den Gaben vorerst einzuhalten, damit die Lebensmittel nicht verderben. Sobald weiterer Bedarf nöthig wer⸗ den sollte, werden wir uns erlauben in diesem Blatte davon Anzeige zu machen und sind über⸗ zeugt, daß die Opferwilligkeit unserer Landgemein⸗ den sich auf's Neue glänzend bewähren wird.
Friedberg den 19. August 1870.
10 Das Comité für die Erfrischung der durchpassirenden Krieger.
Zu haben bei Bindernagel 8 Schimpff in Friedberg und Nauheim:
Eine Karte von Frankreich
mit Extraplan von Paris fl. 1 12, die als ganz vorzüglich empfohlen werden kann:
Die Bergmann'sche Specialkarte
in einzelnen Blatt à 36 kr., sowie die große Karte des Kriegs schau⸗ vlatz es zu fl. 9.
Unter jacken
und Unterhosen
1802 zu verschledenen Prelsen bei K. Friedrich neben der Post in Friedberg.
Brodpreise vom 16. bis 31. August. Für Butzbach:
Erste 8 F 18 kr.] Zweite Sorte 4 2 3 ku.
ee eee ee
Verantw. Red.: Hermann Schiͤmpff. Druck und Verlag von Bindernagel& Schimpff.
(Hierzu Unterhaltungs- Blatt Nr. 34 und eine Beilage.)


