Ausgabe 
19.7.1870
 
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Mit dem Bekanntwerden

des Turnersanitätscorps und die Fertigstellung eines Vereinsreserve⸗Lazareths in der hiesigen Turnhalle vereinbart. Das Comite wird sich ent⸗ sprechend verstärken und den Verwaltungsrath wegen Ertheilung unbeschränkten Credits einbe⸗ rufen. Ein Aufruf wegen Gaben an Geld, Ver⸗ bandsstücken u. s. w. wird alsbald erfolgen. Eine Vereinbarung mit dem Alicefrauenverein, an dessen

Spitze die Frau Prinzessin Ludwig steht, hat stattgefunden. Gießen. Der König von Preußen wurde

auf seiner Rückreise von Ems nach Berlin von einer großen Volksmenge am Bahnbofe mit Hoch⸗ rufen empfangen. Die Vorlesungen unserer Uni⸗ versität scheinen sich vorläufig von selbst zu schließen. der in der Nacht ein⸗ gegangenen Nachricht von der Kriegserklärung würde es auf den Straßen lebendig. Ueberall Gruppen; kein Student ging mehr in die Vor⸗ lesungen. Dagegen haben sich außer den Ein- jährigen Viele, die noch nicht zu dienen brauchen, als Freiwillige gemeldet. Es herrscht hier große Aufregung gegen Frankreich.

Mainz. Die Stadterweiterung steht jetzt auf dem Punkte der Erledigung, indem zwischen sämmtlichen Interessenten die Verträge unter den in den üblichen Formalitäten gegebenen Bedingungen abgeschlossen sind; an der Genehmigung der letztern durch Stände und Regierung besteht kein Zweifel. Die faktische Ausführung des Projektes ist unter den jetzt eingetretenen Verhältnissen freilich kaum so bald zu erwarten.

Preußen. Berlin. Die Eröffnung des Reichstages ist auf den 19. d. M. festgesetzt, doch wird es als wünschenswerth betrachtet, daß alle Mitglieder, welche können, sich eher einstellen, da⸗ mit die Berathung der Vorlagen in den Fraktionen stattfinden kann. Der Bundesrath des nord⸗ deutschen Bundes wurde auf den 16. einberufen.

Der König ist am Uhr im königli⸗ chen Palais eingetroffen. Derselbe wurde mit unbeschreiblichem Enthusiasmus empfangen. Ueber hunderttausend Menschen haben sich zwischen dem

Bahnhofe, dem Brandenburger Thor und dem königlichen Palais angesammelt.

Dieselben be⸗ grüßten den König durch Hochrufe und Gesang der Nationalhymne. Unter den Linden war illu minirt und waren norddeutsche, sowie preußische Fahnen aufgehißt. Der König erschien wieder holt am Fenster und grüßte die Menge dankend. Die Stimmung ist eine äußerst gehobene und ent⸗ schlossene. Ven der Bremer und Stettiner Kaufmannschaft sind Adressen an den König ein⸗ gelaufen, welche, die vollste Opferwilligkeit be⸗ tonend, einer energischen Wahrung der National- ehre zustimmen.

DerStaatsanzeiger enthält eine Auf⸗ forderung des Ministers des Innern an die Re⸗ dactionen der in Preußen erscheinenden Zeitungen, von heute über die militärischen Anordnungen und Truppenbewegungen keine, auch nicht die am unbedeutendsten erscheinenden Nachrichten mehr zu bringen. Ein Verbot der Ausfuhr von Pferden und Waffen ist erfolgt.

Kiel. Nach der vor Kurzem erschienenen neuen Liste der norddeutschen Bundesmarine zählt das Seeoffiziercorys außer dem Oberbefehlshaber

und Admiral Prinz Adalbert 1 Viceadmiral, 3

Contreadmirale, 8 Capitäne zur See mit Obersten- rang, 20 Corveitencapitäne mit Majorsrang, 43 Capitänlieutenants mit Hauptmannsrang, 47 Lieu⸗ tenants zur See und 47 Unterlieutenants zur See. Das Cadettencorps dagegen besteht aus nicht weniger als 128 Seecadetten und 81 Cadetten.

Kassel. Der König ist hier eingetroffen und von den Behörden und der Bevölkerung mit Be⸗ geisterung empfangen worden. Der König sprach seine Freude darüber aus, daß die neue Provin⸗ zialhauptstadt ihm so patriotische Gesinnungen ent⸗ gegenbringe und setzte die Reise unter tausend⸗ stimmigen Hochs fort.

Frankfurt. DasJourral bringt folgende Nachricht:Nach einem hier eingetroffenen Privat⸗ telegramm sollen die Vertreter von England, Ruß⸗ land, Oesterreich und Italien in Paris zusammen⸗

welcher sie Frankreich für den Ausbruch der Feind seligkeiten verantwortlich machen und constatiren, daß die nach dem Verzicht des Prinzen Hohen⸗ zollern von Preußen verlangten Garantien der Berechtigung entbehren. Wir geben diese Mit⸗ theilung, die, wenn sie begründet, von höchster Bedeutung wäre, mit aller Reserve und ohne Gewähr ihrer Richtigkeit.

Hamburg. Die Börse autorisirte durch ein dreimaliges kräftigesJa die Handelskammer,

dem Könige zu erklären, daß Hamburg mit freu.

digem Muth zu jedem Opfer bereit ist, welches zum Schutz und zur Wahrung der nationalen Ehre und der nationalen Selbstständigkeit gefor dert wird. Die hierauf vom König erfolgte Ant⸗ wort lautet: Mit bewegtem Herzen empfing Ich soeben das Telegramm der Handelskammer vom heutigen Tage. Niemand mehr, als Ich, der das entscheidende Wort sprechen mußte, kennt die Opfer, die in nächster Zeit dem gesammten Vater⸗ tande bevorstehen, aber die Hingebung, welche die Handelskammer ausspricht, da, wo es die Ehre Deutschlands gilt, jedes Opfer freudig bringen zu wollen, ist erhebend und beruhigend für Mich. An Gottes Segen ist Alles gelegen. Wilh. Rex.

Bremen Das Bundeskanzleramt hat den Senat amtlich benacht gt, daß die norddeutschen Handelsschiffe auf allen Meeren vor der Kriegs gefahr gewarnt seien und den Rath erhalten haben, in Häfen einzulaufen.

Sachsen. Dresden. Der König von Sachsen hat seine Rundreise durch das Land in Folge der neuesten politischen Nachrichten abge brochen und ist am 15. d. Mittags nach Pillnitz zurückgekehrt.

Bayern. München. DerAugsburger Abendzeitung schreibt man:Während Preußen bis jetzt noch keinen Anlaß genommen hat, an die bayerische Regierung die Anfrage zu stellen: ob Bayern in Bezug auf den Streit wegen der Besetzung des spanischen Throns durch einen Hohen- zollern den casus foederis im Hinblick auf das bestehende Schutz und Trutzbündniß für gegeben erachte, hat, sicherem Vernehmen nach, die fran⸗ zösische Regierung vorgestern Abends durch eine Mittelsperson eine hierauf bezügliche Frage an unsere Regierung gerichtet. Die Antwort soll dem Sinne nach gelautet haben: Die bayerische Re- gierung mache ihre definitive Entschließung von dem ferneren Verlaufe dieser Angelegenheit ab⸗ hängig, werde zur Zeit ihre zurückhaltende Stel- lung beibehalten, könne jedoch schon jetzt die Ver⸗ sicherung geben, daß das bayerische Volk und sein König sich von dem übrigen Deutschland nicht trennen werden. Der König hat auf den Vor, schlag des Ministeriums den casus foederis für gegeben erachtet und die angeordnete Mobilisirungs⸗ ordre genehmigt. a

Der Kriegsminister wird einen Credit von Millionen Gulden für den Kriegsbedarf verlangen. Der König ist von Berg hier ange⸗ kommen. Am Sonntag Nachmittag soll vor der Residenz eine große preußenfreundliche Demonstra⸗ tion stattfinden.

Würtemberg. Stuttgart. Der König ist am 17. d. Morgens 5 Uhr bier eingetroffen; ein sofort stattgehabter Ministerrath hat die als baldige Mobilisirung des ganzen Armtecorps sowie die Einberufung der Stände beschlossen.

Eine am 15. d. dahier abgehaltene Volks⸗ versammlung war von Tausenden besucht. Enthu⸗ siastische und begeisterte Zustimmung erhielt folgende Resolution: Der Krieg ist ein nationaler Krieg, in einem solchen darf es keine Parteien geben, für die Bündnißvecträge sei die Probestunde ge⸗ kommen. Von der würtembergischen Regierung erwarte man Festhalten an der deutschen Sache, mit allen Mitteln und auf alle Gefahr. Das Volk wird der Regierung kräftig zur Seite stehen, welche sich in Prüfungszeit als deutsche erweist.

Ulm. Die Einberufungs⸗Ordre soll, wie die hiesigeSchnellpost hört, beim Truppen ⸗Commando bereits eingetroffen sein.

Oesterreich. Wien. Bei den Erörterungen über den französisch-preußischen Streit sprechen sich

getreten und eine Erklärung abgefaßt haben, in

fast sämmtliche Blätter für die vollständigste Neu⸗

tralität aus. Im Ungarischen Riichslage ist die Regierung von zwei Mitgliedern der Linken über die Stellung der österreichisch⸗ungarischen Mo⸗ narchie zum preußisch⸗französischen Confliete inter⸗ pellirt worden. Nach den bis jetzt vorliegenden Aeußerungen aller inspirirten Organe wird Oester⸗ reich die unbedingteste Neutralität oder noch schärfer ausgedrückt, die reine Inactivität beobachten und nicht einmal an irgend einer Grenze ein Truppen⸗ corps zusammenziehen, vm nach keiner Seite hin zu verletzen. Keine der beiden Parteien hätte auf irgend eine Unterstützung von Seiten Oesterreichs zu rechnen. Es seien bereits Anfragen wegen Pferde⸗Ankäufen gestellt worden, da sowohl Frank⸗ reich als Preußen, so gut sie sonst vorbereitet wären, an Pferden Mangel litten. Oesterreich werde aber, sobald der Krieg unvermeidlich ge⸗ worden, mit einem Pferdeausfuhrverbot antworten.

Schweiz. Bern. nehmigte mit 5 gegen 3 Stimmen den die Golt⸗ hardtbahn betreffenden Vertrag mit Italien.

Der Ständerath genehmigte einstimmig

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um Vollmachten für die Aufrechterhaltung der Neutralität und eröffnete einen unbedingten Credit.

Von der französischen Grenze wird gemeldet: Große Truppenbewegung im Elsaß unter Trochu. Der Bundesrath hält Sitzung. Ein sofortiges großes Truppenaufgebot gewiß. Wahrscheinlich wird der ganze Auszug von fünf Divisionen auf geboten.

Frankreich. Paris. Die Depesche des Fürsten v. Hohenzollern an Olozaga, die ein historisches Interesse hat, wird jetzt ihrem Wort⸗ laute nach mitgetheilt. Sie lautet:Ich mache es mir zur Pflicht, Ihnen die wörtliche Copie eines Telegramms zugehen zu lassen, das ich so⸗ eben an den Marschall Prim nach Madrid ge⸗ sandt; gegenüber den Verwicklungen, welche durch die Candidatur meines Sohnes Leopold entstan⸗ den, Verwicklungen, die nothwendiger Weise einen gewissen Einfluß auf die Cortes ausüben müssen, so daß ein Votum derselben nicht wohl ohne die Mitwirkung von Elementen möglich wäre, welche

28 Min. Anton Hohenzollern. In der Sitzung des gesetzgebenden Körpers

vom 15. d. verlas Ollivier ein Expose über die

Lage mit der Ankündigung der Kriegserklärung

Agenten im Auslande, welches erstens die dem sranzösischen Botschafter Benedetti(angeblich) zu⸗ gefügte Beleidigung bestätige; zweitens den Hohen⸗ zollern'schen Verzicht verweigere, und drittens den Prinzen seine Freiheit, die Krone anzunehmen, zurückgebe. Das Expose schließt: Unter diesen Umständen wäre es ein Vergessen unserer Würde und eine Unklugheit gewesen, keine Vorbereitungen zu treffen. Wir haben uns bereitet, den Krieg, den man uns anbietet, aufzunehmen, indem wir

hierfür überlassen. Seit gestern haben wir die Reserven einberufen und wir werden Maßregeln

ergreisen, um die Intexessen, die Sicherheit und die Ehre Frankreichs zu wahren. Um 9½½ Uhr

Der Ständerath ge⸗

durch Aufstehen das Begehren des Bundesrathes

der Person, um die es sich handelt, durchaus fremd sind, trete ich im Namen meines Sohnes von der Canditatur auf den spanischen Thron zu rück. Schloß Sigmaringen, 12. Juli, 11 Ahr

an Preußen. Diese Erklärung wäre beschleunigg durch ein Circular des Königs an die preußischen

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wird die Sitzung wieder aufgenommen. Talhonet

Commission habe nach Anhörung der Minister sich einstimmig für Bewilligung der verlangten Credit

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wollen, aber sie rechtfertige nicht genugsam die

Motive, welche sie in ihrem Beschluß leiten.

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1 Jedem seinen Antheil an der Verantwortlichkeit dauldei 1 und für die Annahme der von der Regierung ein⸗ 0

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