Sprache verachtet, sie bemühen sich, so deutsch wie möglich zu scheinen, obgleich sie so französisch wie möglich im Herzen sind. Erst heute wird mir klar, weßhalb in Forbach so ungeheure Vorräthe gefunden wurden, während doch bisher bei den französischen Vorposten der größte Mangel herrschte. Alle diese Vorräthe waren bestimmt, den siegreich in Deutschland einmarschirenden französischen Truppen zu dienen. Ich ersehe das aus dem immensen Proviant, den man hier in Saargemünd aufgestapelt. Gestern nämlich nahmen unsere Feld- Eisenbahnbeamten eine großartige Proviantcolonne von Bahnwagen in Beschlag, die mit Biscuit, Chocolade, Zucker ꝛc. geladen war, sogar ganze Wagen voll Bonbons und Confituren waren darunter, welche alle die siegreiche französische Armee begleiten sollten. In Folge aller dieser exquisiten Vorräthe, dieser Leckerbissen und der Erschöpfung der Stadt an reellen Lebensmitteln, ist es denn hier leichter, einen Centner Bonbons als ein Pfund Brod zu kaufen. Auch die Cigarren hatte die kaiserliche Regie noch Zeit, von allen Kaufleuten zurückzufordern, um sie mit sich zu schleppen.“
St. Johann, 12. Aug. Der„Tr. Z.“ schreibt man von hier:„Vorgestern Nacht wurde in der Nähe von Metz ein französischer Proviant⸗ zug von unsern Truppen aafgefangen. Die Ge. fangennahme des Generals Frossard hat sich nicht bestätigt, dagegen sind mehrere höhere französische Offiziere als Gefangene hier eingebracht und weiter transportirt worden. Drei Stunden hinter St. Avold zertrümmerte in Folge eines von unsern Pionieren in aller Eile gemachten Grabens ein leerer französischer Zug, welcher von den Fran— zosen in der Absicht heranfuhr, den etwa in dieser Richtung per Bahn kommenden preußischen Truppen⸗ zug zu zermalmen.“
Der„Bad. L. Z.“ wird aus der Umgegend Straßburgs vom 14. August geschrieben: „Gestern Abend griffen die Unseren die Festung an. Die Artillerie schoß mit Granaten. Man sah einige Häuser brennen. Später rückte Infanterie vor. Eine Abtheilung des Leibgrenadierregiments bemächtigte sich eines beladenen Eisenbahnwagens, der in Brand gesteck! wurde. Da man aber nicht nur hin⸗, sondern auch herschießt, so schickten die Franzosen ihrerseits Kugeln heraus, die 6 Mann tödteten und 16 verwundeten. Unter Letztern ist Lieutenant Riegel vom 2. Regiment.“
Nach Privatnachrichten des„Schw. M.“ aus Karlsruhe ist in Straßburg Fleischmangel; deutsche Elablissements sollen dort angegriffen worden sein.
Bei den Vorposten vor Straßburg, 14. Aug. Heute Morgen früh hat ein ziemlich ernsthaftes Rencontre stattgefunden. Zwischen der 12. Compagnie des 2. Grenadierregiments, welche die Wache hatte, und franzoͤsischen Be— satzungstruppen entspann sich ein lebhaftes Feuer. Beiderseits verhältnißmäßiger Verlust. Im Hauptquartier ist der preußische General Schulz eingetroffen. Man glaubt, daß die seit einigen Tagen eingetretene Pause jetzt bald ein Ende erreichen und vielleicht auch eine Verlegung des Hauptquartiers erfolgen wird.
Hessen. Darmstadt. Die„Hess. Volks- blätter“ bringen vom Kriegsschauplatze aus dem Briefe eines zuverlässigen Gewährsmannes einige Stellen, in welchen die hier und da noch bezwei— felten Bestialitäten der Turcos in ihrer ganzen Scheußlichkeit bestätigt werden. Es heißt in dem erwähnten Briefe aus Saarbrücken:„Soeben kamen 16 kranke Krieger, welche den Kampf bei Frösch⸗ meiler mitmachten, hier an, mehrere dieser Sol⸗ daten waren Augenzeugen, wie die verwundeten deutschen Krieger von den Turco's förmlich zer— stückelt wurden. Diese rohe aller Civilisation baare Horde macht sich ein scheußliches Vergnügen daraus, dem hülflosen Verwundeten erst Hände, Nase und Ohren abzuschneiden, und dann die Körper zu piertheilen. Es ist das nicht über— trieben, denn die Aussagen sämmtlicher Kranken stimmten miteinander überein! Im Interesse der civilisirten Menschheit bitte ich Sie, diese Scheuß—
lichkeiten vor die Oeffentlichkeit zu bringen, damit man die Regierung von Frankreich in ihrem wahren Lichte, daß ste solche Truppen in das Vordertreffen gegen Deutschland stellte, erkenne, und die gesammte europäische Diplomatie von diesem grausamen Verfahren Akt nehme.“
— Die„Hess. Volksbl.“ berichten: Einem hier eirculirenden, von glaubhafter Seite be⸗ stätigten Gerüchte zufolge haben unsere Cheveaux- legers am 14. d., gelegentlich einer Streispatrouille, 150 Mann Franzosen, darunter eine ganze Regimentsmustk, mit Bagage gefangen genommen.
* Friedberg. S. K. H. der Großherzog baben am 16. d. Nachmittags das hiesige, in der Turnhalle errichtete Lazareth besucht, sich freund⸗ lichst mit den Verwundeten unterhalten und eigen⸗ händig an dieselben Cigarren, Tabak und Rauch- utensilien vertheilt.
* Nieder-Weisel. Man berichtet von hier, daß am 15. d. die ersten Verwundeten, 28 an der Zahl, in dem vom Johanniter-Orden er- richteten Lazareth eingetroffen sind.
Gießen. Am 14. d., so schreibt der„Gieß. Anz.“, erklang der dumpfe Ton der Trommeln in unseren Straßen. Ein Opfer des Krieges wurde zur letzten Ruhestätte geleitet. Es war ein fran⸗ zösischer Capitän, welcher verwundet in Folge ein- getretenen Starrkrampfes sein Leben aushauchte. Ein Kamerad von ihm,— ein ebenfalls ver⸗ wundeter Zuaven-Offizier—, die hier anwesenden Offiziere, eine Compagnie Soldaten und mehrere Verwundete begleiteten ihn zum Friedhöfe. Nach einer warmen und erhebenden Ansprache seitens des katholischen Geistlichen wurde die Leiche mit allen militärischen Ehren der Erde übergeben. Möchte unseren Brüdern in Frankreich mit den- selben Gefühlen der Achtung und Humanität wie hier die letzte Ruhestätte bereitet werden.
— Seit einigen Tagen treffen hier fast mit jedem Zuge von Köln zahlreiche Transporte flüchtiger Deutschen aus Paris ein, theils Familien, theils noch jüngere Männer, darunter viele Gassenkehrer und Angehörige des Groß— herzogthums. Nach Aussage dieser Leute sei ihnen von Seiten des Gouvernements und der Gebildeten nichts geschehen; aber gleich nach der Kriegs- erklärung hätte sich der Pöbel sehr feindselig ge⸗ zeigt und die Polizei sei zu schwach, sie zu schützen. Nach den deutschen Siegen sei das noch viel schlimmer geworden; man habe sie alsbald auf— gefordert, sich überall auf den betreffenden Bureaus zu melden, und dort sei Aller Wohnung genau verzeichnet worden. Man habe ihnen ferner eine Schrift zum Unterschreiben vorgelegt mit der Frage, ob sie Franzosen werden wollten. Alsdann sei ihnen bemerkt worden, die jüngeren Männer kämen in die französischen Regimenter, die älteren Männer und Frauen müßten Schanzarbeit thun. Um nun nicht zum Kampfe gegen Deutschland gezwungen werden zu können, hätten sie vorgezogen, in die alte Heimath zurückzukehren und so wären denn auf einmal zwei große Züge abgefahren, mit Zurücklassung ihrer Außenstände, ihrer Möbel u. s. w. Nur die Betten und Kleider führten sie in großen Ballen bei sich. An der Gränze jedoch hätten die fraͤnzösischen Beamten sie nicht über die Gränze lassen wollen; die Frauen und Kinder könnten passiren, die Männer aber, namentlich die jüngeren, müßten zurück. Die deutschen Männer hätten sich aber gestellt und als man einige Männer mit Gewalt hätte zurückhalten wollen,„da sind wir“— erzählten einige Weiber wörtlich— „den Franzosen an den Kopf gesprungen und haben ihnen die Gesichter zerkratzt“, und so hätte man sie endlich passtren lassen.
Mainz. Von hier gingen am 15. d. mehrere Wagenladungen mit Lebensmitteln und Verband— zeug in Folge des von Saarbrücken erlassenen Nothrufs dahin ab. Eine französische Loco— motive, welche man den Franzosen abgenommen, ist hier angekommen. Der Schornstein zeigt die französischen Farben.
Preußen. Berlin. Dem Centralcomite der deutschen Vereine zur Pflege vetwundeter und erkrankter Krieger erlaubten es bisher die großen Militärzüge nicht, größere Mengen von denjenigen
Gegenständen, welche von ihnen vorbereitet sind, zur Armee abzusenden. Jetzt sind nun nach den beiden Hauptdepots Mainz und Mannheim große Sendungen von Verbandzeug, Lazarethgegenständen und Erfrischungen aller Art abgegangen. Um eine Anschauung von dem Umfange der bis jetzt erfolgten Sendungen erhalten zu können, sei be. merkt, daß von Hamburg nach Mainz und von Bremen nach Mannheim an die dortigen Hauptdepot von den die Sendungen begleitenden Deligirten der Vereine abgeliefert wurden und zwar von Hamburg nach Mainz: 55,000 Flaschen Rothwein, 3800 Flaschen Portwein, 11,000 Pfd. gebrannten Kaffee, 500 Pfd. Thee, 17,000 Pfd. Zucker, 25,000 Pfd. Reis, 12,000 Pfd. Sago, 6000 Pfd. Backobst, 2000 Pfd. Rauchfleisch, 10,000 Pfund Schinken, 150 Kisten Citronen, 1500 Dosen Fleischextract und 50,000 Stück Cigarren. Von Bremen nach Mannheim gingen: 60,000 Flaschen Roth wein, 1500 Flaschen Cognac, Portwein 20., 5000 Flaschen Porterbier, 600,000 Stück Cigarren, 1200 Pfd. Rauchtabak, 3000 Pfund gebrannten Kaffee, 1000 Stück Schinken, 20,000 Pfund Reis, 20,000 Pfd. Sago und 10,000 Pfd. Zucker.
— Das Gerücht, der kaiserliche Prinz sei nach London in Sicherheit gebracht worden, ist bis jetzt nicht bestätigt, dagegen soll die Kaiserin sich demnächst nach dem südlichen Frankreich begeben.
— Am 12. wurde von Neuwerk die Ankunft französischer Kriegsschiffe bei Helgoland gemeldet. Von Helgoland wurden zwei Lootsen verlangt, dieselben jedoch selbstverständlich verweigert. Das französische Geschwader besteht aus 8 Panzer und 2 Aviso.
Königsberg. Die französischen Kriegs- gefangenen, welche hierher geführt worden sind, sollen während ihrer Gefangenhaltung täglich drei Stunden Vor- und zwei Stunden Nachmittags mit Festungsarbeiten beschäftigt werden. Die Offiziere dürfen ihre Casernen auf Ehrenwort verlassen und sich innerhalb der Festungsmauern frei bewegen.
Koblenz. Mit der Rasirung des Glacis
um die Stadt ist Einhalt befohlen, die weiteren
Befestigungsarbeiten sind sistirt. Ein großer Theil der älteren Mannschaften des einberufenen Train⸗ bataillons sind in ihre Heimath entlassen worden.
Frankfurt. Hier eingetroffenen Privat⸗ nachrichten zufolge ist. der von den französischen Behörden verhaftet gewesene norddeutsche Consul in Lyon, Herr Schlenker, nach vitrundzwanzig⸗ stündiger Haft, die er in einem gemeinen Gefäng⸗ niß zubringen mußte, wieder in Freiheit gesetzt worden. Diese Lösung ist der energischen Ver⸗ mittlung des nordamerikanischen Gesandten in Paris zu verdanken.
— Ein bei Wörth gefangener Landes- und Hochverräther, geborener Hannoveraner, wurde dieser Tage unter starker Eskorte per Eisenbahn nach Berlin transportirt. Die bei ihm gefundenen Briefschaften sollen für hohe und höchste Per⸗ sönlichkeiten sehr Gravirendes enthalten. Im Felde soll er dem Feinde unsere Stellungen und Truppen⸗ zahlen verrathen haben.
Homburg v. d. H. Nach dem„Taunus⸗ boten“ wurde Lieutenant Höhne von unserem Füsilirbataillon des 82. Regiments, unter dessen Führung in der Schlacht bei Wörth die ersten vier Kugelspritzen den Franzosen abgenommen wurden, auf dem Schlachtfeld zum Hauptmann befördert.
Bayern. Die„Augsb. Allg. Ztg.“ bringt nachstehende Zuschrift: An die Norddeutsche Allgemeine Zeitung. Norddeutsche Brüder! Ihr wollt wissen wie„Süddeutschland am besten seine treue Aufopferung zu lohnen sei.“ Ich will es Euch sagen: Gebt unserem über Alles geliebten Deutschland eine Verfassung so frei wie die italienische und begische; gebt Gewissens— freiheit, bannt den Klerus in die Kirche, vertreibt ihn aus Schule und Parlament, gebt uns obli— gatorische Civilehe und freie Gemeindeverfassung. Schafft eine starke Centralgewalt und Parlament, dessen Beschlüsse, wenn es sein muß, eine Million Bajonette zur Ausführung bringen. Macht uns zur ersten europäischen Continentalmacht: ein Löwe


