Ausgabe 
17.11.1870
 
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Oeffentliche Nachricht.

Das nachstehende Verzeichniß der

über die vom 12. November 1869 bis dahin 1870 in dem Bu

. 1) Kreisbüreau 1 fl. 40¼ kr. 2) Aßßenheim 1 fl. 40 kr. 3) Beienheim 1 fl. 18 kr. 4) Bönstadt 1 fl. 46 kr. 5) Bruchenbrücken 45½ kr. 6) Butz bach 11 fl. 7) Dorheim 1 fl. 18 kr. 8) Dorn-Assenheim 30 kr. 9) Fauer⸗ bach v. d. d. 2 fl. 15 kr. 10) Fauerbach b. Fr. 1 fl. 10 kr. 11) Friedberg 21 fl. 39 kr. 12) Gambach 7 fl. 30 kr. 13) Griedel 1 fl. 9 kr. 14) Hausen 3 fl. 15) Poch⸗Weisel 1 fl. 38 kr. 16) Ilbenstadt 1 fl. 20½ kr. 17) Kirch⸗ Göns 12 fr. 18) Langenhain mit Ziegenberg 30 kr. 19) Maibach 19 kr. 20) Melbach 51 kt. 21) Munsier 30 kr. 22) Münzenberg 35 kr. 23) Nauheim 22 fl. 16 kr. 24) Nieder⸗Florstadt 1 fl. 28 kr. 25) Nieder ⸗Mörlen 1 fl. 30 kr. 26) Nieder Rosbach 1 fl. 20 kr. 27) Nleder-Weisel 3 fl. 43 kr.

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für 1870 eingegangenen Waisenhausbüchsengelder bringen wir zur öffentlichen Kenutniß. Friedberg am 15. November 1870.

Ver e i ch u i

freiwilligen milden Gaben für arme Watsen.

sammen 131 fl. 3 kr.

28) Nieder- Wöllstadt 5 fl. 7 kr. 29) Ober⸗Mörlen 3 fl. 200 Oder⸗Rosbach 1 fl. 38 kr. 31) Ober⸗Wöllfladt 3 fl. 15 kr. 32) Ockstadt 51 kr. 33) Oppershosen 29 kr. 34) Ossenheim 1 fl. 9 kr. 35) Oftbeim 24 lr. 36) Pobl⸗Göns 1 fl. 35 kr. 37) Reichelabeim 2 fl. 16 ½¼½ kr. 38) Rocken⸗ berg 2 fl. 20 kr. 39) Rödgen 37¼ kr. 40) Schwalheim 36 kr. 41) Södel 42½ kr. 42) Staden 34 kr. 43) Steinfurt 7 fl. 51 kr. 44) Trais⸗Münzenderg 6 kr. 45) Weckeshelm 40 kr. 46) Wickstadt 1 fl. 54 kr. 47) Wisselsheim 42½ kr. 48) Wölfersheim 38½ kr. 49) Wohnbach( fl. 12½ kr. Zu

9771 Großherzogliches Kreisam: Friedberg f Trapp. 1

reau Großherzoglichen Kreisamts Friedberg, sowir in den Gemeinden des Kreises Friedberg eingegan nen

32½¼ kr.

Kriegs nachrichten. Offieielle militärische Nachrichten. Versailles, 13. Nov. General v. d. Tann meldet, daß sein Verlust am 9. 42 Offiziere und 667 Mann todt und verwundet beträgt. Der Feind gibt in einer offiziellen Nachricht seinen Verlust auf 2000 Mann an. v. Podbielskyßy.

Les Errues, vor Belsort, 13. November. L'Isle sur le Doubs und Clerval(beide Ort. schaften einige Meilen südwestlich von Montbeliard) nach zwei kleinen Gefechten am 12. besetzt. Die Mobilgarden sind nach Süden abgezogen. Eine unterminirte Brücke ist entladen. Von Frane⸗ tireurs nichts zu sehen. Seit zwei Tagen Schnee.

v. Podbielsky.

Versailles, 11. Nov. General von der Tann hatte schon lange das Nahen der neugebil⸗ deten, wohl 80,000 Mann starken Loirearmer nach Versailles gemeldet. Der vorsichtige General, der mit seinen 17 18,000 Mann Bagern den eben so glänzend erworbenen Kriegsruhm nicht ohne Weiteres aufs Spiel setzen wollte, war deß⸗ halb nicht mit größeren Massen dem Feinde aufs linke Loire⸗Ufer nachgezogen. Plötzlich erhielt er nun die Meldung, daß der Feind, der sich Anfangs südöstlich von ihm gesammelt, einen Flankenmarsch vollführt, sich westlich gezogen und bei Beaugeney. vier Meilen unterhalb Orleans über die Loire gegangen sei. Dies war die feindliche Haupt- macht. General v. d. Tann zeigte dies sofort dem Hauptquartier der dritten Armee mit dem Hinzufügen an, daß das Terrain um Orleans, die von Weinbergen umgebene Stadt, für eine Gefechts⸗Aufstellung wenig günstig erscheine. Er zog daher in nordwestlicher Richtung den Fran zofen am 8. Nov. entgegen und nahm bei Ormes Stellung, ging aber am 9. sogar weiter bis Coulmiers vor, nachdem er in Orleans, zum Schutz von etwa 800 verwundeten oder kranken Bayern, noch eine kleine Besatzung zurückgelassen. In Coulmiers stieß er auf den von Beaugeney in der Richtung auf Paris marschirenden Feind, über dessen Uebermacht er keinen Moment im Zweifel sein konnte. Zwischen den beiden Armeen entspann sich nun ein mehrstündiger Artilleriekampf, der von französischer Seite nicht ohne Wucht ge⸗ führt wurde, so daß man sich überzeugt, die Loire⸗ Armee sei mit vortrefflicher und zahlreicher Artillerie versehen. Das war am 9. Nov. General von der Tann hielt es für angemessen, den eigentlichen Kampf mit so überlegenen feindlichen Kräften nicht aufzunehmen. Am Abend des 9. zog er sich, nachdem et noch die in Orleans gelassene Be⸗ satzung zurückgerufen, nach Toury zurück, einer Eisenbahnstation auf der Linie Orleans⸗Etampes, die gerade zwei Stationen nördlich von Artenay gelegen ist. Hier verblieb er ruhig am 10., ohne vom Feinde auch nur im geringsten behelligt oder verfolgt zu werden.

Aus Versailles eingelangte Berichte vom 12. d. melden:Bei dem Angriff der Loire Armee auf das erste bayerische Corps stellten die Franzosen in erste Linie gute Truppen(algerische und römische Regimenter). Die Regimenter wur- den dreimal zurückgeworfen. Der Rücken der

Einschließungstruppen ist auch im Norden von Paris durch neu eingetroffene Truppen gesichert. Wetter kalt, Schnee und Reif. Der Pariser Figaro vom 11. d. spricht offen von der Un⸗ möglichkeit weiteren Widerstandes, tritt heftig gegen Favre und Trochu auf und scheint nur in der Uebergabe von Paris einen Ausweg zu sehen.

Versailles, 9. Nov. Nach der Einnahme der von den Franzosen heldenmüthig vertheidigten Stadt Chateaudun(18. Oct.) rückten unsere Truppen nordwärts gegen Chartres vor, ohne Chateaudun, das bei dem Kampfe fast in einen Trümmerhaufen verwandelt worden war, besetzt zu halten oder auch nur ein Etappencommando dort zurückzulassen. Gestern ist nun die Nachricht hierher gelangt, daß am Sonntag Abends Chateau- dun wieder von 4 5000 Mann französischer Truppen angeblich unter Führung von Keratry besetzt worden ist. Man vermuthet, daß dies die Avantgarde einer Armee von etwa 40,000 Mann ist, welche, auf Versailles rückend, den Versuch eines Entsatzes von Paris zu machen ge- denkt. Die in Chartres stehende 22. preußische Inf.⸗Div, unter General Wittich hat Befehl er⸗ halten, sofort wieder gegen Chateaudun vorzurücken; außerdem ist von hier aus die 17. Div. in der⸗ selben Richtung abgesandt worden. Mittlerweile rückt auch der Großherzog von Mecklenburg mit drei Armee⸗Corps in die vom General v. d. Tann innegebabten Stellungen ein, so daß auch die Truppen des Letzteren bei den Operationen gegen den Feind zu freier Verfügung stehen.

Großbritannien. London. DieTimes hebt hervor, daß sämmtliche Großmächte den Pariser Vertrag unterzeichnet haben. DieTimes bezweifelt die Zustimmung Englands zur Annul⸗ lirung des Pariser Vertrags, Europa werde aber bereitwillig Rußlands Gründe für eine freund- schaftliche Vertragsrevistion anhören.

Rußland. Warsch a u. Seit einigen Monaten werden die Reservisten der russischen Armee in aller Stille eingezogen. Ihre Einbe⸗ rufung hat nicht auf dem gewöhnlichen Wege, sondern durch geheime Befehle an die Kriegs- chefs statt gefunden. Diese hatten die Reser⸗ visten zu sich zu bescheiden und ihnen zu eröffnen, daß sie sich zu ihren Regimentern zu begeben haben, um das neue Gewehr und dessen Handhabung kennen zu lernen.

Amerika. Newyork. Aus Havanna wird vom 12. Nov. telegraphirt: Siegreiches Gefecht zwischen dem preußischen Kanonenboot Meteor, Capitainlieutenant Knorr, und dem

französischen AvisoBourvet. Letzteres wurde.

stark beschädigt und fluͤchtete in den Hafen von Havanna, wohin es von dem Meteor verfolgt wurde. Verlust des Meteors 2 Todte, 1 Verwundeter.

Frankfurt. Aus den Localnachrichten der hiesigen Blätter theilen wir mit: Während der Strom der Kranken sich unaufhalisam aus Feindesland heraus nach dem Vater⸗ lande wälzt, richtet sich ein anderer nicht minder mächtiger gegen Frankreich. Es find die Ersatzbataillone der 107 auf feindlichem Boden stehenden Regimenter, von denen in ununterbrochenen Reihen ein ziemlicher Theil an der hiesigen Stadt vorüberzieht. Die Equipirung derselben ist eine sehr sorgfältige und warme.

deren täglich viel.

sämmtlich zum Schutze des Kopfes bei Kälte breite Kragen zum in die Höhe stellen. Jeder Soldat führt gleichzeinig wollene Hemden, Leibbinden ꝛc. mit sich.

Vom Rhein. Ein Zahlenfreund hat die sämmt⸗ lichen von französischer Seite in die Welt gesetzten Kriegs berichte zusammengestellt und zu seiner und jedenfalls auch zu unserer Leser Ueberraschung herausgerechnet, daß nach diesen Berichten nicht weniger als etwa 2 Millionen deutscher Soldaten bereits dem Elan der französischen Waffen er⸗ legen sind. Außerdem hat nach und nach die ganze deutsche Gen eralität über die Klinge springen müssen. Moltke, Prinz Friedrich Carl und der Großherzog(7) von Nassau⸗ haben bereits ebenfalls ins Gras beißen müfsen. Endlich ist noch, nachdem die Franzosen auch den Kronprinzen auf dem Mont Valérien gefangen gesetzt haben, nach neuesten Nachrichten aus Lille der Chef des preußischen Militärcabinets, der General⸗Adjutant v. Treskow, durch eine Bombe elendiglich ums Leben gekommen. Das sind die riesigen Erfolge, welche bisher französische Flunkerei über die deutschen Waffen errungen hat.

Leipzig. Die D. A. Z. erzählt: Nachstehende ver⸗ rätherische Schurkerei, welche einem Einjährig⸗Freiwilligen Sohn eines Professors, Wilhelm B., zum Dank für seine Menschenfreundlichkeit das Leben gekostet hat. Der Vorfall ist einem hiesigen angesehenen Verwandten des unglücklichen B. brieflich angezeigt worden: Am 21. October bei einem Patrouillengange vor Saulny dei Metz trat an Wilhelm und einen anderen Offizier ein verhungerter Ueberläufer der französischen Armee heran; sie erquickten ihn mit Speise und Trank; nachdem er noch die Hand zum Druck

gereicht, ging er zurück und schoß von hinterwärts sein

Gewehr auf seine Wohlthäter ab. Das Unglück wollte, daß die Kugel Wilbelm in die rechte Schulter öͤrang. Der Verräther büßte augenblicklich seine Schandthat mit dem Tode.

Aus Schleswig wird ein Unglücksfall gemeldet. Am vorletzten Montag stürzte der schon bedeutend vorge⸗ schrittene innere Neubau der dortigen Michaeliskirche fo vollständig zusammen, daß nur die Umfassungsmauern stehen blieben. Ein Verlust von Menschenleben ist bei der Kathastrophe nicht zu beklagen.

In Königsberg hat, wie dieK. H. Z. berichtet, ein Secundaner der Bürgerschule aus dem Erlös selbstge⸗ schnitzter Holzarbeiten 100 Mann der ersten schweren Fuß⸗ batterie des ostpreußischen Artillerie-Regiments Nr. 1 be. Metz mit wollenen Unterjacken und Beinkleidern beschenkt Die Liebesgaben sind mit dem letzten Colonnenzuge mitgeschickt'

Paris. Charakteristisch für die Stimmung von. Paris ist folgende Anekdote, welche der Special-Corre⸗ spondent derDaily News erzählt:Ich trat in einen

kleinen Tabaksladen, um mir einige Cigarren zu kaufen.

Wir werden also die Preußen in 20 Tagen vernichten bemerkte der Ladenbesitzer.Wirklich? sagte ich.Ja, erwiderte er,ich war heute auf der Mairie, eine Men Menschen stand vor der Thüre, die sich darüber beschwerten, daß sie kein Fleisch bekommen konnten. Ein Herr, Funktionär, stieg auf einen Stuhl und sagte:Bürger und Bürgerinnen, verhaliet Euch ruhig; fahret fort, die bewundernswürdige Haltung zu bewahren, welche das Erstaunen der Welt wachruft. Ich gebe Euch mein Ehren⸗ wort, daß Vorkehrungen getroffen sind, um die Preußen binnen 20 Tagen von Paris wegzutreiben.Natürlich, setzte der Bürger hinzu,der Functionär würde nicht so geredet haben, wenn die Regierung ihm nicht die Pläne enthüllt hätte. In diesem Augenblick trat ein anständiz gekleideter Mann in den Laden und bat um einen Beitrag zur Construction einer Maschine, die er erfunden, um die ganze preußische Armee mit einem Male in die Luft zu sprengen. Ich erwartete sicher, der Ladenbesitzer würde den Mann einem Polizeidiener überantworten, siatt dessen gab er ihm 2 Fres. Der Correspondent drückt die Zu⸗ versicht aus, die Pariser Regierung werde nicht eher auf⸗ hören, Widerstand zu leisten, bis die Stadt entweder in wirklicher Gefahr sich befindet oder bisteren Mangel und Entbehrungen gelitten hat. 5 In Paris bleiben seit einigen Tagen viele Menschen auf dem Boulevard Rochechouart vor einem Metzgerladen stehen, worin man Katzen und Hunde verkauft, die, mit

Laub eingefaßt, vor dem Laden hängen. Die Mobilen aus

Loiret, die auf dem Boulevard Rouchechouart lagern, kaufen In einem kleinen Laden werden auch Ratten feilgeboten und stark gekauft. In Paris wird nämlich jetzt das Ratlienfleisch als besondere Delicatesse

empfohlen. So schreibt derCombat: Man ist in vollem Die Mäntel haben Zuge, die Rattenjagd zu organisiren; sie wird Material