Ausgabe 
17.2.1870
 
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Woche dadurch beseitigt, daß eine directe Beförderung vom Weser⸗Bahnhof aus über die Verbindungsbahn stattfindet. Die Taunnsbahnverwaltung hat einen in jeder Beziehung lobenswerthen Beschluß gefaßt, indem von jetzt ab nicht allein für die dritte Klasse Damen ⸗Coupés, sondern auch Heizung mittelst Füllöfen noch in dieser Woche eingeführt doird. Möchten die Staatsbahnen diesem schönen Beispiele folgen; namentlich dürfte die Weserbahn dessen eingedenk sein.

Mainz. In Folge der anhaltenden strengen Kälte bat sich das Rdeineis so stark eingestellt, daß jetzt der Strom auch vor unserer Stadt mit einer festen Decke versehen ist. Im ganzen Hafen, fast ein Drittheil der Breite des Stromes, ist dieses bereits seit einigen Tagen der Fall. Das glücklicher Weise seltene aber prachtwolle Schauspiel hat auch seine Schatltenseiten. Dei der Unzu⸗ länglichkeit und unpraktischen Anlage unserer Winterhäfen it es den Schiffern und Mühblenbesitzern nur mit großen Kosten gelungen, ihre Gefäße zu bersen. Hundert Gulden Schlepplohn verlangte die Taunusbahn auf der kurzen Strecke quer über den Strom für je eine Rheinmühle. Von Ober⸗Wesel meldet man, daß sich das Eis schon bis unterhalb Bacharach gzestellt hat. Aus Coblenz kommt die Mittheilung, daß die Mosel auf einer Strecke von 12 14 Stunden fast ohne Unterbrechung fest zu⸗ gefroren ist.

Worms. Wir haben kürzlich berichtet, daß vor einigen Wochen dahier ein junger Mann ankam und fich einer hiesigen Wittwe als deren Sohn vorstellte, welcher vor mehreren Jahren nach Amerika ausgewandert sei. Die Wittwe in das größte Erstaunen dadurch versetzt, da sie bereits seit mehreren Jahren im Besitze eines Te des⸗ scheines dieses ihres Sohnes ist(er soll nämlich in den letzten amerikanischen Kriegen gesallen sein,) gab sich in den ersten Momenten der Ueberraschung wirklich der Illu⸗ sion bin, das sich ihr vorstellende Individuum könne am Ende doch ihr Sohn sein und der in ihrem Besitze befindliche Todesschein sei vielleicht irrthüm⸗ lich ausgestellt, wie dies in längeren Kriegen leicht vorkommen kann. Die Gesichtszüge dieses gleichsam von den Todten auferstandenen Sohnes kamen ihr aber immer unbekannt vor; hierüber setzte sie sich jedoch mit dem Gedanken hinweg, daß vielleicht klimatische Verhältmisse diese Veränderung in der kurzen Zeit der Abwesenbeit bei ihm bewirkt hälten. Merkwürdigerweise erkennen aber auch dessen Schul⸗ und andere Freunde ihn nicht ale denjenigen an, der er sein wollte; auch er erkannte sie nicht mehr. Gestützt auf die gute Aufnahme, welche er bei seiner angeblichen Mutter gefunden, machte er sich in kurzer Zeit nicht unbedeutende Anschaffungen auf Kosten der Mütter und verschwindet. Jetzt erst sieht die un⸗ glückliche Frau, daß sie betrogen wurde. Dieses Indi⸗ viduum soll außer Landes verhaftet und eine Untersuchung gegen dasselbe in vollem Gange sein.

Newyork. Ein Darmstädter Bankhaus veröffentlicht die ihm auf erfolgte Anfrage bei einer der ersten Firmen in Newyork bezüglich der amerikanischen Eisenbahnprieri⸗ täten gewordene Auskunft, welche lautet: Die sämmtlichen verschiedenen Eisenbahnprioritäten verdienen kein Ver⸗ trauen. Amerikanische Eisenbahnwerthe, welche gut fun⸗ dirt sind, haben stete in Amerika selbst reißenden Absatz gefunden und besitzen, wie die Newyorker Courszettel aus⸗ weisen, die höchsten Ceurse daselbft. Wenn alse zu deren Export nach Europa gegriffen wird, se geschieht dies dem⸗ nach aus dem Grunde, weil selbe in Amerika nicht leicht verkäuflich sind, ws um so sprechender für die Beurthei⸗ lung dieser Effecten hinweiß, als doch diese Prioritäten zu einem außerordentlich billigen Preist bei verhältnißmäßiz sehr großem Zinsfuß aus gebeten werben. Wenn sich Frankfurter Firmen mit deren unaufhörlichen Ankündigung beschäftigen, se i dies daraus zu erklären, daß bei deren Verkauf ein hoher Provisionssatz eingeräumt wird, der um so verführerischer wirkt, als diese Effeeten von diesen Häu⸗ sern nur in Option genommen werden. Die geseßliche Verfassung für Eisenbahnwerthe, resp. Verwaltungen in Amerika lassen weiten Spielraum zu Uebertretungen und Unregelmäßigkeiten und laufen die amerikanischen Priori⸗ täten dadurch um so größere Gefahr, als das Actienkapi⸗ tal dieser Gesellschaften nur klein gegriffen und meist mit dem Verkauf der Pcioritäten begonnen wird, etze ein Actienkapital nur existirt. Ans der Periode von 1848, wo an ähnlichen Eisenbahnwerthen ungeheure Verluste erlitten wurden, nachdem auch deren Vortheile fortwährend auspesaunt worden waren, sollte das deutsche Publikum eine Lehre ziehen.

2 Die Erdbeben. Vortrag von Herrn Reallehrer Klein.

Wir sind gerade in der letzten Zeit wieder nachdrücklich daran gemahnt worden, daß es unter unsern Füßen nicht geheuer ist. Fast überall auf der ganzen Erde, in Amerika, im südlichen Eismeer, in Kleinasien, in fast allen Theilen von Europa kamen zum Theil oft wiederholte und heftige Erderschütterungen vor, und noch leben in unserer nächsten Nähe die Bewohner der Ebene zwischen Rhein und Main unter dem beängstigen⸗ den Eindruck fortdauernder Erdstöße und Deto nationen. Die Vorträge des Herrn Reallehrers

Klein über diesen Gegenstand sind darum recht eigentlichzeitgemäß, und erscheint es bei dem Interesse, das ausnahmslos alle Leser d. Bl. an der Erdbebenftage nehmen müssen, geboten, über diese Vorträge etwas ausführlicher zu be⸗

richten, als es sonst der hier gestattete Raum ermöglicht.

Der Redner begann seinen ersten Vortrag mit einer ergreifenden Schilderung der in Rede stehen⸗ den schrecklichen Naturerscheinung, unter speciellem Hinweis auf das Erdbeben von Caracas im Jahre 1812, das von Lissabon 1755 und das don Calabrien 1783. Es kam ihm darauf an, gleich von vornherein drei Punkte festzustellen: die über alle Begriffe entsetzliche Wirkung der Erd- beben, ihre Häufigkeit und ihre ungeheure Aus- dehnung(das von Lissabon erstreckte sich über den 12. Theil der gesammten Erdoberfläche). Zu der Frage nach der Ursache dieser Erscheinung übergehend, bezeichnet er seinen Standpunkt zu derselben, indem er sich zu der von Alexander o. Humboldt aufgestellten Theorie bekennt, welche die Erdbeben mit den vulkanischen Eruptionen in Verbindung bringt und sie als eine Folge der Gegenwirkung des feuerflüssigen Erdinnern gegen die erstarrte Erdrinde darstellt. Zur Erläuterung des damit Gesagten erinnert Redner an seine im vorigen Jahte gehaltenen Vorträge und wieder⸗ holt in kurzer Uebersichtlichkeit die einzelnen Stadien, die bei der Bildung des Erdkörpers zu unter scheiden sind. Erstes Stadium: Die Erde war ein Gas ball von ungeheurer Ausdehnung. Zweites Stadium: Dieselbe ist durch Verdichtung und Zusammenziehung zu einer glühenden Masse ge- worden. Drittes Stadium: Durch Wärmeaus⸗ strahlung erkaltete die Oberfläche, es bildete sich eine feste Rinde, die jetzt in einer Dicke von etwa fünf Meilen das noch feuerflüssige Erdinnere ein- schließt. Eine Folge der Erstarrung war aber Zusammenziehung der Erdrinde und dadurch zu⸗ sammenpressender Druck auf die eingeschlossene feuerflüssige Masse, die ihrerseits, da sie wenig zusammenpreßbar ist, eine Rückwirkung auf die Erdrinde ausüben mußte, wodurch dieselbe an verschiedenen Stellen riß und der Lava einen Ausweg gestattete(Vulkane), oder wenigstens in erzitternde Bewegung versetzt wurde(Erdbeben). Dasselbe Verhältniß von Ursache und Wirkung existirt aber noch immer, und auch unsere heutigen Erdbeben Ind darauf zurückzuführen.

Diese Theorie fand alsbald nach ihrem Auf⸗ treten Gegner. Es bildete sich eine sog. neue Schule. Sie will von einem feuerflüssigen Erd⸗ innern nichts wissen, sondern erklärt die Erdbeben so: In der Erde entstehen in Folge Jahrhunderte langen Ausspülens und Auslaugens durch das Wasser Höhlungen von bedeutender Größe. Die vieselben einschließenden Gebirgsmassen geben end lich nach und stürzen mit riesiger Wucht in die hohlen Räume. Daher die Erschütterungen, daher das unterirdische Getöse. Zur Widerlegung dieser Theorie legt sich Redner drei Fragen vor: 1. Gibt es so bedeutende Höhlungen(etwa von einer Meile Umfang)? 2. Wenn's deren gibt, werden die darüber befindlichen natürlichen Ge⸗ wölbe einstürzen? 3. Könnten, wenn dies geschähe, dadurch Erschütterungen hervorgebracht werden von der Stärke und dem Umfang unserer Erd- beben? Antwort? Höhlen gebe es allerdings, es seien viele bekannt, nur reiche selbst die bedeutendste, die Mammuthshöhle in Kentuckg in Amerika, auch nicht im entferntesten an die in Anspruch genommene Größe heran. Die Behauptung aber, es seien eben nur erst die kleineren entdeckt, die größeren dagegen noch nicht aufgefunden, würde sich ebenso ausnehmen, wie etwa die, man habe von einer Anzahl verloren gegangener Stecknadeln und Kanonenkugeln zwar alle Stecknadeln auf⸗ gefunden, doch nicht eine einzige Kanonenkugel. Oder sollten dieselben in einer Tiefe sich finden, bis wohig der Mensch noch nicht gedrungen? Die neue Schule läßt sie durch das Wasser entstehen; alles Wasser aber deingt von der Oberfläche nach dem Erdinnern, in größere Tiefen wird selbst- verständlich nur der geringere Theil gelangen, und dieser sollte größere Höhlen ausspülen als die bedeutendere Wassermasse in der Nähe der Oberfläche? Facit: Es gibt keine Höhlen von solcher Größe. Aber zugegeben, sie seien vor⸗

handen, wie steht's mit dem Einsturz? Abgesehen davon, daß da oder dort einmal sich ein paar

Kubikklafter Gestein loslösen können, becneint Redner auch diese Frage. Bekannt sei, daß Gewölbe um so besser trügen,

je dicker sie seien. Ein einfaches Experiment weise aber bestimmter nach, was es mit dem Einsturz auf sich habe. Man lege eine Eierschale auf den Tisch mit der Höhlung nach unten, und man hat eine von der sog. neuen Schule vorausgesetzte Höhle en miniature. Nun stülpe man eine ent⸗ sprechend weite Blechröhre darüber von beträcht⸗ licher Höhe, fülle sie vorsichtig bis oben mit Sand, und das Gewölbe darunter, die Eierschale, wird nicht eingedrückt werden. Die ganze Sandmasse bildet nämlich ein System von Gewölben, die alle ihren Stützpunkt in der Wand der Blechröhre haben. Ja die Blechröhre kann weggenommen werden, ohne daß der Sand herausfällt. Genau so ist's mit der überall eingeklemmten und ein⸗ gezwängten Erdmasse über einer Höhle. Redner will indessen über die Maßen splendid sein. Er will auch den Einsturz zugeben; was wäre auf vie 3. Frage zu antworten? Einer der gegnerischen Wortfährer nehme ein Einsinken von einem Zoll an; Redner hat keine Veranlassung darüber hinaus⸗ zugehen. Gesetzt den Fall nun, ein Berg von einer Meile Umfang, etwa der Winterstein, senke sich um einen Zoll,, würde, fragt der Redner, eine Erschütterung dadurch entstehen, daß 300 Städte und Dörfer in einem weiten Umkreis bis zur völligen Unkenntlichkeit verwüstet würden, wie bei dem Erdbeben von Calabrien 17832 Dabei sei noch Folgendes beachtenswerth. Bei einem Erd⸗ beben in Südamerika wurde ein gegen 20 in die Erde eingerammter Mastbaum herausgestoßen und in die Höhe geschleudert; Leute wurden weit über die Häuser in den Hafen geschleudert und so gerettet. Bei dem Erdbeben, das im Jahre 1797 die Stadt Riobamba in Südamerika zer störte, fanden sich Leichname auf einem mehrere hundert Fuß hohen Hügel. Die Gewalt des Stoßes hatte die Unglücklichen dort hinaufgeworfen. Was beweise das? Die Stöße kommen von unten, ihre Wirkung geht nach oben; nicht umgekehrt, wie es sein müßte, wenn sie die Folgen von Ein- senkungen wären. Ferner: Eine Bergsenkung sei nothwendig ein einmaliges, rasch vorübergehendes Ereigniß. Eine mäßige Erschütterung möge da durch bewirkt werden, dann aber sei die Sache abgethan. Wie stimmt dazu die Allgemeinheit und die bis in's Unzählige gehende Häufigkeit der Erdbeben?In Südamerika, sagt Alexander v. Humboldt,sind sie zu Zeiten fast tägliche Er⸗ scheinungen, Niemand macht sonderlich Aufhebens davon, und wenn man aus allen Theilen der Erde Nachricht haben könnte, so würde sich zeigen, daß kaum ein Tag verginge, ohne daß irgendwo Erdstöße verspürt würden; die Erdbeben von

Großgerau zählen auch schon in die Hunderte.

Und endlich: Woher die Lavaströme des Vesur von oft 4 Meilen Länge, des Skapta Jökul auf Island, aus dem bei einer furchtbaren Eruption drei Ströme sich ergossen von zusammen 32 Meilen Länge? Woher die ganze zu Tage getretene Lava⸗ masse, die Redner auf ¼ Kubikm., d. h. auf eine Größe berechnet, als wenn der Raum von hier. nach Niederwöllstadt, Holzhausen, dem Winterstein und von da nach Friedberg bis zu einer Höhe des 35 fachen unsers Kirchthurms mit feuerflüssiger Masse angefüllt wäre? Die sog. neue Schule habe darauf die Antwort: Steinkohlenflöze sind da unten in Brand gerathen, daher die glühen⸗ den Ströme. Wohl gebe es brennende Stein- kohlenlager, so z. B. nicht fern von uns in Kurhessen, am Rhein, aber Lava sei noch keine ausgeflossen.

Zur Lavabildung gehöre mehr als Hochofen⸗ hitze und dazu wiederum gewaltiger Luftzutritt, und der gerade fehle unter der Erde. Da sei das Brennen nur mehr ein Glimmen. Nein, diese Massen seien keine Produkte von unterirdischen Steinkohlenbränden, sie entstammten dem feuer: flüssigen Erdinnern, das zur Zeit noch die Mächtig⸗

keit von der Kleinigkeit von etwa 1700 Meilen

Durchmesser hat. Das beweise auch die Ueber- einstimmung in der chemischen Zusammensetzung aller Lavaergüsse, auf welchen Theilen der Erde und zu welchen Zeiten sie auch hervortraten.

Almey' del Frier eigert: 20 75½ 100% 9447 8095 2497 621

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