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aufgenommen hätten. Sie versichern ferner, daß Gramont in Unterredungen mit den Botschaftern Englands, Oesterreichs, Rußlands und Italiens überall Sympathien für die Haltung und den Standpunkt Frankreichs gefunden hätte.
— Im gesetzgebenden Körper erklärte der Herzog v. Gramont auf dießbezügliche Anfragen: Die Regierung begreift die Ungeduld der Kammer und des Landes, sie ist gleichfalls präoccupirt, aber es ist ihr unmöglich, schon jetzt den definitiven Entschluß mitzutheilen. Die Regierung erwartet noch die Antwort, welche sie in ihrem Entschlusse leiten wird. Heute appellire sie an den Patrio- tismus und das richtige politische Urtheil der Kammer und bitte sich an dieser unvollständigen Erklärung genügen zu lassen. Arago stellt die Anfrage an den Herzog v. Gramont, ob die durch die französische Regierung gestellten Anfragen aus- schließlich den Ineidenzfall des Anerbietens der spanischen Krone an den Prinzen von Hohenzollern durch den General Prim behandelten, oder ob sie noch andere Fragen einbegriffen. In diesem Folle würden wir uns genöthigt sehen, dieselben als Vorwände, um Krieg herbeizuführen, anzusehen. Die Majorität der Kammer erhob darüber großen Lürm. Gramont ertheilte keine Antwort.
— Vermuthungsweise bört man in diplomatischen Kreisen, daß der König Wilhelm die Thatsache, daß er dem Prinzen Leopold seine Zustimmung zur Candidatur gegeben, nicht in Abrede stellen, dagegen erklären werde: es liege hier kein deutsch⸗ nationales Interesse und eigentlich nicht einmal ein dynastisches Interesse vor, sondern höchstens eine Frage der dynastischen Eigenliebe, und um dieser Willen würde er niemals das Schwert Deutschlands ziehen Etwas Anderes sei es aber, wenn Frankreich in herausfordernder Weise die deutsche Nationalehre ins Spiel ziehe; in diesem Falle sei er und sei Deutschland zu einem Kampfe bereit, dessen Verantwortlichkeit der unruhige Nachbar allein zu tragen hätte. Mit dieser Er- klärung, so vermuthet man weiter, würde dann der freiwillige Verzicht des Prinzen Leopold selbst verbunden sein.
— Die Köln. Ztg. hat ein Telegramm aus London, wonach das preußische Panzerge⸗ schwader unter dem Commando des Prinzen Adalbert am 10. d. von Plymonth nach Fayal und Madeira abgesegelt sei.— d'Alton Shee, der Gegencandidat des Herrn Thiers bei den Pariser Wahlen, veröffentlicht in der„Cloche“ einen heftigen Artikel gegen das Kaiserthum, der mit den Worten schließt:„Das Empire hat seine Mittel aufgebraucht, es hat nur noch eine Hoffnung, die ist der Krieg. Die Demokratie (lesen wir Republik) steht aber bereit um seine Erbschaft anzutreten.“
— Michelet, der bekannte republikanische Geschichtsschreiber, richtet an den„Rappel“ folgen den Brief:„Niemand will den Krieg. Und doch will man ihn unternehmen, oder Europa glauben machen, daß wir ihn wollen. Das ist eine Ueberrumpelung und eine Taschenspielerei. Millionen von Bauern haben neulich blind Ja gesagt. Warum? Weil sie eine Erschütterung zu vermeiden glaubten, die ihnen Furcht einjagte. Haben sie geglaubt für den Krieg, für den Tod ihrer Kinder zu stimmen? Es ist schrecklich, daß man jenes unüberlegte Votum so mißbraucht. Aber der Gipfel der Schande, der moralische Tod wäre es, wenn Frankreich in diesem Maße gegen alle seine Gesinnungen und alle seine Interessen sich gehen ließe. Machen wir unser Plebiscit und diesmal ein ernstliches! Befragen wir, Classe für Classe, von den Reichsten bis zu den Aermsten, von den Städtern bis zu den Bauern, befragen wir die Nation! Wenden wir uns an Diejenigen, welche kürzlich diese Majorität ernannt haben, die jetzt ihre Versprechen vergißt! Zu einem Je⸗ den von ihnen hat man gesagt: Ja aber vor allen Dingen keinen Krieg! Daran denken sie nicht mehr. Aber Frankreich denkt daran. Es wird mit uns eine Adresse der Verbrüderung für
dens auf! Krieg nur Denen, welche den Krieg in dieser Welt haben wollem!“ 1
Großbritannien. London. Die so urplötzlich in den Vordergrund der Exeignisse ge⸗ tretene spanische Frage nimmt mehr und mehr auch hier das allgemeine Interesse in Anspruch, und mit Spannung sieht man der weiteren Ent⸗ wicklung der Dinge entgegen. Der Pariser Corre⸗ spondent des„Daily Telegraph“ meldet, die Re- gierung sei entschlossen, sich an Prtußen zu halten, falls die Cortes für den Prinzen stimmen sollten. Bereits seien Befehle an die Commandeure in ganz Frankreich ergangen, Offizieren keinen wei⸗ teren Urlaub zu gewähren; die Beurlaubten seien auf der Rückkehr und in den Gränzfestungen werde eine schleunige Inspektion vorgenommen.
— Der„Observer“ erachtet Preußens Haltung logisch für unangreifbar; die Situation sei eine bedenkliche, aber keinesfalls hoffnungslose
— In der Sitzung des Oberhauses erwiderte auf die Interpellation Malmesbury der Staats- sekretär des Aeußern, Earl Granville:„Dienstag Abend erfuhr ich telegraphisch, was die propi⸗ sorische Regierung Spaniens gethan hatte. Am Mittwoch kam der französische Botschafter, Marquis de Lavalctte, zu mir und theilte mir den Entschluß Frankreichs mit, die Ausführung des Projekts zu verhindern. Ich sagte dem Botschafter, die Neuig⸗ keit habe mich und Gladstone überrascht, ich müßte aber mein Urtheil zurückhalten, bedauerte die starken Aeußerungen der französischen Minister, räumte aber das Vorhandensein einer starken Aufregung in Frankreich ein. Ich werde bemüht sein, ohne Anmaßung und unbeschadet der Würde anderer Länder und Regierungen Europas die Nothwen⸗ digktit einer allseitigen Erörterung dieser Frage vorzustellen, und hoffe, die Mäßigung der Fürsten und Staatsmänner werde den Krieg abwenden. — Im Unterhause antwortete Gladstone auf eine Interpellation Huffs, die englische Regierung wisse nicht, daß die preußische Regierung sich zur Billigung der Wahl irgend wie gebunden habe.
Spanien. Welchen Eindruck die Gramont'sche Rede bei dem spanischen Volke gemacht, dürfte sich am sichersten kennzenbnen aus den Artikeln der progressistisch-demokratischen Blätter. Die„Iberia“, das Organ der Cortes⸗Majorität, schreibt:„So- bald das Pariser Cabinet die Sachlage eingehen⸗ der studirt haben wird, kann dasselbe unmöglich fortfahren, durch künstlich geschaffene Hindernisse unster Actionsfreiheit zu nahe zu treten. Die Wahl des Prinzen Leopold bedeutet keineswegs eine Annäherung an Preußen zum Schaden einer dritten Macht; sie ist im Gegentheile dazu an⸗ gethan, die Beziehungen Spaniens zu sämmtlichen Großmächten in angenehmster Weise zu gestalten. Sollte man in Paris dabei beharren, uns zu beschränken, so würde man seine Absicht nicht er⸗ reichen. Wir kennen die Aufgaben einer freien Nation, wir lieben unser Recht, unsere Unab⸗ hängigkeit, unsere Ehre. Der Stolz des Spaniers wird die Arroganz eines französischen Ministers um keinen Preis ertragen.“
— Die spanische Regierung hat ihle Vertreter im Auslande beauftragt, entschieden in Abrede zu stellen, daß die Candid atur des Prinzen von Hohenzollern als ein gegen Frankreich oder dessen Regierung gerichteter Act der Feindseligkeit auf⸗ zufassen sei Ebensowenig habe sich Prim an Bismarck gewandt, um die Zustimmung des Königs von Preußen zu erlangen. Die Verhandlungen seien ausschließlich mit dem Prinzen Leopold ohne Mitwirkung des Grafen Bismarck geführt worden. Gleichzeitig beauftragte die spanische Regierung ihre Vertreter im Auslande, allen böswilligen Angriffen gegen Prim mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten.
— Marschall Serrano ist hierher zurückgekehrt. Die Einwohnerschaft empfing ihn des Besten. Gleich nach seinem Eintreffen empfing der Regent den französischen Botschafter, mit dem er eine lange, überaus freundliche Unterredung hatte. Wie ver⸗
sichert wird, sagte Marschall Serrano Herrn
Mercier, daß er als constitutioneller Regent es
Europa, der Achtung für die spanische Unabhängig⸗ sich zur Vorschrift gemacht, den von seinen Ministern
keit zeichnen.
Pflanzen wir die Fahne des Frie- gefaßten Beschlüssen beizustimmen, und daß er,
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namentlich was die Candidaturfragen betreffe, gegen keine derselben, und selbst gegen solche nicht aufgetreten sei, die ihm unangenehm sein könnten, und das zwar, damit Leute, die ihn nicht kennen, nicht glauben sollen, es liege ihm daran, di Regentschaft zu behalten. 8
Italien. Florenz. Die„Independenza
italiang“ versichert, Italien habe sich mit England
verständigt, um in Madrid und Paris gemein- f
schaftliche Schritte behufs einer friedlichen Lösung der spanischen Throncandidaturfrage zu unternehmen.
Amerika. Washington. Beide Häuser einigten sich in einer Conferenz über die Bill, betreffend die Consolidirung der Staatsschulden. Dieselbe ermächtigt die Regierung zur Ausgabe vierprozentiger Bonds im Betrage von 1000 Mill. Dollar, rückzahlbar in 30 Jahren, sowie zur Ausgabe von 300 Mill. 4½ proz. Bonds, rück⸗ zahlbar in 15 Jahren, und von 200 Mill. Doll. 5 proz. Bonds, rückzahlbar in 10 Jahren.
„Friedberg. Das in der Regel Mittwochs im Schloßgarten stattfindende Militär⸗Couceri fiel heule aus und wird die Mufik dafür morgen Donnerstag zur ge⸗ wöhnlichen Stunde concertiren.
P. Nauheim Wie wir hören, wird Herr Alberti von Darmstadt morgen im hiesigen Kursaale eine humoristisch⸗dramatische Soiree in der Manier Levassor's geben, auf welche wir das Publikum aufmerksam machen, da ihm Gelegenheit geboten wird, einen bedeutenden dramatischen Künstler zu sehen.— Herr Alberli, welcher an Bühnen wie Stuttgart, Hamburg, Bremen, Berlin, Wien 2c. in hervorragenden Stellungen thätig war, hat in neuerer Zeit in München, Mannheim, Carlsruhe 2e. und zuletzt in seiner Vaterstadt Darmstadt in seinen Charakferdarstellungen geradezu Sensation erregt.— Den Freunden der heiteren Muse empfehlen wir daher diese Vorstellung bestens und hegen die Ueberzeugung, daß ein zahlreicher Besuch dem Künstler beweisen wird, daß man auch in unserer Stadt die Kunst zu schätzen weiß.—
e Gießen. Am 22. v. M. reiste der Gymnasiast Otto Rappolt mit der Main- Weser⸗Bahn von hier nach Nieder⸗Wöllstadt ab. um sich von da nach Büdingen zu begeben. Da der junge Mensch seit jener Zeit verschwunden ist, ohne daß über sein Verbleiben irgend welche Gewischeit erlangt werden konnte, so ergeht durch öffentliche Blätter die Aufforderung, etwa mögliche Auskunft Herrn Hof⸗ gerichtsrath Kraft in Gießen zukommen lassen zu wollen. (Bei Schluß des Blattes wird uns mitgetheilt, daß man im Bönstädter Walde die Leiche des Vermißten an einem Baume hängend gefunden habe und daß man annebmen müsse, derselbe sei ums Leben gebracht, seiner Baatschaft beraubt und an dem Baume aufgehängt worden. Ein der That verdächtiger Bursche aus Stammheim, welcher in einem Wirthshause zu Bönstadt sich zu dem jungen Menschen gesellte, wurde dem Vernehmen nach schon kürzlich verhaftet und soll derselbe seine That eingestanden haben. Die Red.)
Frankfurt. Der Mördec des in einem hiesigen Hotel dritten Ranges tobt aufgefundenen Mädchens ist zu Wiesbaden in der Person eines Franzosen Puel de Lafon aus Paris verhaftet und hierher gebracht worden, und soll derselbe vereits ein Geständniß seiner That abgelegt haben. Die Ermordete war eine der Demimonde an⸗ gehörige Persöulichkeit. Das veikratzte Gesicht des Thäters, das nicht übel zugerichtet gewesen sein muß, führte zur Entdeckung desselben.
Waldmichelbach. Der„B. Landesztg.“ wird ge⸗ schrieben: Gegenwärtig befindet sich dahier eine Com⸗ mission, die mit Ausstellung eines Stammbaumes Behufs Vertheilung eines Erbes im Betrag von nahezu 30 Mil⸗ lionen(2) beschästigt ist. Wie ich aus sicherer Quelle erfahre, befinden sich unter den Haupterben auch 2 Badener, nämlich Dreher L. Reinhardt in Heidelberg und dessen Sohn Mathematiklehrer in Karlsruhe, von denen jeder über eine Million erben soll. Der Erblasser war ein Onkel des ersteren, er ging frühzeitig nach Rußland, wo⸗ selbst er mit der Zeit General wurde und es zu einem ungeheuren Vermögen brachte; sein Name war Martin Moritz Reinhart. 5
Wien. Bezüglich des Ganges der Untersuchung über den gefälschten Haupttreffer wird von der„Presse“ ge⸗ meldet: Ueber Ansuchen der beschädigten Häuser hat hier durch Sachverständige der Nationalbank eine Prüfung des gefälschten Braunschweiger Looses stattgefunedn. Die Untersuchung des Looses warde von den drei Experten in der Art vorgenommen, daß jeder einzeln das Loos prüfen und sein Gutachten, ohne es den anderen mitzu⸗ theilen, separat abzugeben hatte. Uebereinstimmend wurde in diesen drei Gutachten erklärt, daß das Loos gefälscht wurde und es kein gestohlenes Reserve-Blanquet war. Posiliv wurde auch die Ziffer angegeben, welche mit der Radirnadel beseitigt und statt derselben eine andere auf⸗ gedruckt worden sei. Die Experten haben sogar, und zwar jeder für sich, aber übereinstimmend, die Ziffer genau bezeichnet, welche das Loos ursprünglich an sich getragen bat. Durch diese drei übereinstimmenden Gutachten wurde
somit die begangene Fälschung evident erwiesen, hier
durch aber zugleich ein Anhaltspunkt gegeben, um dem Vertriebe des Looses auf die Spur zu kommen.
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