Ausgabe 
14.6.1870
 
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Prinzen Alphons; niemals werde er die Restauration unterstützen, sondern energisch die Freiheit be⸗ wahren. Was Portugal anbetrifft, so habe die Regierung die monarchische Föderation der por⸗ tugiesischen und spanischen Nation angestrebt, welche ihre Autonomie beibehalten sollten. Der Minister- präsident versichert, daß die Deputirten Unruhen während des Interregnums nicht zu fürchten haften. Der Deputirte Rio Rosas verlangt die Aufhebung des Provisoriums. Die Sitzung wird geschlossen, ohne daß es zu einem Beschlusse kommt.

Auch der zweite der beiden gefangenen Engländer ist jetzt in Freiheit; er war heute in

Puerto Santa Maria bei Cadiz. Dem Ver⸗ nehmen nach ist bei Gibraltar so eben ein neuer Banditenstreich versucht worden. Die Räuber

versuchten, zwei englische Offiziere von der Be satzung gefangen zu nehmen, und diese verdaukten ihr Heil nur der Dazwischenkunft spanischer Gensdarmen, welche auf die Banditen feuerten, einen derselben verwundeten und einen anderen gefangen nahmen.

Italien. Florenz. In Folge des Ab⸗ bruches der offieiellen Beziehungen des portugie⸗ sischen Ministerpräsidenten Saldanha mit dem Gesandten Italiens, Marquis Aldoini, ist der Letztere mit Urlaub abberufen worden. Bis die portugiesische Regierung Aufklärungen gegeben hat, werden die diesseitigen Beziehungen mit der por⸗ tugiesischen Gesandtschaft in Florenz des offiziellen Charakters entkleidet.

Rom. Nach einem aus Konstantinopel zu- gegangenen Bericht hat sich die Trennung der armenischen Kirche vom römischen Stuhl definitiv vollzogen und soll eine gleiche Bewegung der Moroniten, der Syrer, der griechischen Melchiten und endlich der Kopten bevorstehen.

Türkei. Konstantinopel. Die Zahl der bei dem Brande verunglückten Personen hat noch immer nicht festgestellt werden können. Der Sultan, die Behörden sowie die Bevölkerung haben die von dem Brande Betroffenen ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses mit Lebens- mitteln, Decken, Haus- und Wirthschaftsgeräth⸗ schaften versorgt. Viele Türken haben obdachlos gewordene Christen in ihre Wohnungen aufge⸗ nommen. Die von den Türken eröffneten Sub⸗ striptionen ergeben große Summen.

Griechenland. Athen. Flourens ist hier angekommen; der französische Gesandte richtete eine Note an die griechische Regierung, worin er dessen Ausweisung verlangt.

Donaufürstenthümer. Ueber die be⸗ reits erwähnte Nachricht von der Judenverfolgung in Bottuschan resolvirt sich der Berliner Ober- osficiöse ganz kurz dahin, daß nichts weiter vor⸗ gegangen, alsdaß einigen Einwohnern von ein paar jungen Leuten Fensterscheiben eingeworfen worden sind. DieAlliance israélite meint dieN. A. Z. muß nachgerade einsehen, daß sie durch Verbreitung solcher Erfindungen mehr ihrer Sache schadet, als der rumänischen Regierung.

Bockenheim. Die berühmten Siamesischen Zwillinge werden auf ihrer Durchreise nech Paris in dieser Woche, Donnerstag und Freitag, im Garten des Cafe Concordia sich produciren, indem es Herrn Simon gelungen, dieselben für beide Tage zu engagiren.

Darmstadt. Die Osische Wirihschaft im Kieswege war am 9. d. Abends der Schauplatz einer furchtbaren, stundenlang währenden Schlägerei des Militärs, wobei von dem Säbel tüchtig Gebrauch gemacht wurde. Gens⸗ darmerie, welche Ruhe stiften wollte, erwies sich machtlos, einer von den Soldaten verhöhnten starken Patrouille gelang es nur momentan die Ordnung herzustellen. Nach ihrem Abzug fing der Scandal von Neuen an bis end⸗ lich nach 10 Uhr die Verhaftung einiger Haupttumultanten der Scene ein Ende machte.

Darmstadt. Die jüngsten statistischen Mittheilungen bringen einen Bericht über die Einfuhr und Ausfuhr des Großherzogthums über Bremen im Jahre 1869. Dar⸗ nach ging aus dem Großherzogthum nach Bremen ein Werth von 307,257 Thlen. und von Bremen nach dem Großherzogthum ein solcher von 435,360 Thlrn. Unfer unseren Exportartikeln finden wir Cigarren 16,000 Thlr., Wein 167,000 Thlr., Leder 40,000 Thlr., Lederwaaren 10,000 Tölr. Importirt wurden haupftsächlich Tabake, über 300,000 Thlr., Petroleum 24,000 Thlr., Holz⸗ waaren 21,000 Thlr. und Maschinen 18,000 Thlr. Ver⸗ gleiche weise betrug im Vorjahr ber Werth der Ausfuhr aus dem Großherzogthum nach Bremen 258,473 Thlr., derjenige der Einsuhr Bremens nach dem Großherzogthum

481.504 Thlr. Während daher die erstere um 48,784 Tholr im Werthe gestiegen ist, zeigt letztere einen Rückgang im Werthe von 46,144 Thlrn. Die Zufuhr nach Bremen beruht zunächst in dem vermehrten Weinexport des Groß⸗ herzogthums, der im Jahr 1868 einen Werth von 111,494 Thlrn., in 1869 einen solchen von 167,182 Thlrn. erreichte, mithin im letzteren Johre eine um 55,689 Thlr. höhere Ziffer ausweist. Auch andere Artikel, wie Galanterie⸗ und Kurzwaaren, Baumwollenwaaren, Holzwaaren u. s. w. repräsentiren größere Werthsummen, sie werden jedoch zum Theil wieder durch die verminderte Einfuhr von getrock · neten Früchten, Hopfen, Manufacturwaaren u. s. w. ab⸗ sorbirt. In der Einfuhr von Cigarren, Leder und Leder⸗ waaren ist keine wesentliche Veränderung eingetreten; ihr Werth belief sich in 1868 auf 52,336 Tolt. in 1869 auf 51.097 Thlr. Die letztgenannten Artikel inel. Wein be⸗ tragen 76,4 Proz. des Gesammtwerthes der Aussuhr aus dem Großherzogthum nach Bremen, Wein allein 54,4 Proz. Was die Werthsabnahme der Einfuhr Bremens nach dem Großherzogthum anbelangt, so ist solche vorzugsweise in dem gesunkenen Import von Rohtabaken und Stengeln zu sinden; 1868 wurden für 376,471 Thlr. 1869 nur für 315,118 Thlr., in letzterem Jahre also für 61,353 Thlr. weniger Rohtabake ꝛc. bezogen. Ebenso haben Harze mit 13,187 Thlr., Petroleum mit 3961 Thlr. geringerem Werthe, wle der gänzliche Ausfall des Artikels Baumwolle, in 1868 mit 6366 Thlr., zu dem gedachten Rückgang beigettagen, während denselben das Steigen der Arfikel Kaffee, Reis, Holzwaaren(Cigarrenkistenbretter), Ma⸗ schinerieen und Maschinentheile, letztere um 15,177 Thlr., nicht zu compensiren vermochte. Tabak allein ist an der Gesammisumme der Einsuhr Bremens nach dem Groß⸗ herzogthum mit 72,4 Proz. betheiligt.

Mainz. Vor einigen Tagen entfernte sich, wie dem Rh. K. gemeldet wird, der Gerichtsvollzieher Th. zu H. in Civilkleidern von Haus unter dem Vorgeben, nach Flörsheim gehen zu müssen. Nachmittags empfing seine Frau einen mit 3 Thlru. beschwerten Brief von Mainz, worin ihr Mann Abschied von der Welt nahm mit dem Zusatze, daß er den Tod einer Gefängnißstrafe vorziehe, zu welcher ihn Familiensachen ꝛc. bringen würden, Bald nachher gelangte auch schon die Nachricht nach H., daß der Mann auf der Gustavsburg in einer Gartenlaube

sich erschossen habe. Die Leiche wurde in Bischofs⸗ heim beerdigt. Trier. Am 7. Juni fand zu Echternach die soge⸗

nannte Springprocession statt. An derselben betheiligten sich im Ganzen 10.823 Personen. Darunter sind 7850, welche die eigentliche Processien der Springenden bildeten; bei ihnen waren 8 Fahnenträger, 109 Musikanten, 104 Zugführer(die Echternacher Pompiers), 32 Turner (Musikanten), 17 Gendarmen und Polizeidiener. Die Procession der Betenden und Singenden zählte 38 Geist⸗ liche, 900 Sänger, 1763 Beter.

Brieg. Ein enssetzliches Ereigniß hat sich, wie man derSchl. Zig. melder, in Schreibendorf zugetragen. Die Wirthin des Gasthauses in genanntem Dorfe ließ am Pfingsisonnabend einen an der Straße betrunken liegenden Mann für die Nacht mitleidig in den Gasthaus⸗ stall schaffen. Am andern Morgen wurde er dort im Blute schwimmend gefunden. Ralten waren über den im tiessten Rausche, vielleicht auch in einem Starikrampfe sinn⸗ und hilflos Daliegenden hergefallen und hatten ihm buchstäblich verbürgt! das Gesicht fast vollfländig abgefressen! Ohren, Nase, untere Augenlider, Wangen bis auf die Muskelschicht, Lippen, Kinn, vollständig abge⸗ nagt! Die Augäpfel sind verletzt, aber nicht zerstört; die Kaumuskeln, namentlich auf der rechten, am meisten aus⸗ gesetzten Seite, zerfresen. Der Unglückliche, in dem eine Meile weiter entfernten Dorfe Leubusch am Walde ortsan⸗ gehörig, wurde nach dem Krankenhause der Stadt geschafft und befindet sich dort in ärztlicher Behandlung. Das Unerhörte des in nochmaliger Wiederholung mit allen hier dargestellten Einzelheiten vollständig verbürgten Falles macht begreiflicher Weise in Stadt und Um⸗ gegend das größte Aussehen.

Einiges über die landwirthschaftlichen Verhältnisse des Kreises Friedberg. Von Dr. K. Henkelmann.

Der aus 52 Ortschaften bestehende Kreis Friedberg bildet mit dem Kreist Vilbel und Theilen der Kreise Nidda, Gießen und Büdingen hauptsächlich jenen fruchtbaren Landstrich, der unter dem Namen Wetterau bekannt ist, von der schon im 16. Jahrhundert unser berühmter Landsmann Erasmus Alber aus Staden sagt:Es ist die Wetterau von Gott reichlich gesegnet, denn da wächst gut Weizen, schöner Roggen, Gersten, Haber, Erbeyßen, Flachs und guten Wein und das mehr, denn sie bedürfen, können auch die Nachbarn, so in ihrem Lande nicht Getreyds genug haben, mit Getreyd reichlich versehen. Man braut auch ziemlich gut Bier in der Wetterau. Es ist eine gesunde Luft im Lande, auch gute, beide Süße und Sauerbrunnen. Grün Fleisch gibts Kauffs genug im Lande, desgleichen gute Fische. Denn in der Wetterau sind sechs nam⸗ haftiger Wasser, der Mayn, die Lahn, die Kintz, die Nidder, die Nidda und Wetter

daher das Land seinen Namen hat, dazu viel ander kleiner Wasser, so aus den Bergen springen,

darinnen Forellen, Kreßen, Koben, Krebs, Grun⸗ Da ist gesunde Weide

deln und Irlitzen sind. 2 für das Vieh. Da sind sehr viele Gänse, Enten, Hühner, Tauben ꝛc. schöner Gärten, darinnen köstlich und mancher Art Obst wächst, als Aepfel, Birn, Quidsam,

Pfersinge, Spillinge, Pflaumen, Welschnüsse, Haselnüsse. Im Lande wachsen Himbeeren, Erd⸗

beeren, Heydelbeeren, Maulbeeren 1c. An etlichen Orten wachsen Kastanien und Mandeln Zwei Städte sind in der Wetterau, da man Salz seudt, nemlich Urba und Nauheim, sind beide hanauisch.

Und wie dieser gelehrte Mund die Wetterau beschrieben, so ist ihr von schönen Lippen, der großen deulschen Kaiserin Maria Theresia ein gleicher Lobspruch erklungen. Einst, so er⸗ zählt vor etwa 20 Jahren, ein damals noch lebender, alter ehemaliger Wetterauer Reichssoldat, der sich unter der Begleitung des Burggrafen von Friedberg in Wien befunden, habe die Kaiserin in ihrer Stadt Wien ein großes Hoffest gefeiert, bei dem die Gäste in den mannigfachsten Costümen und Trachten des deutschen Kaiserreiches erschienen seien. Da hätten fremde Gesandten die Kaiserin beglückwünscht, ob des Reichthums und der Pracht ihrer Unterthanen. Maria Theresie habe hierauf geantwortet: In dem kleinsten Ländchen ihres Reiches ackerten die Bauern mit silbernen Schaaren. Und als man die stolze Kaiserin gefragt, welches Ländchen sie hier bei meine, habe sie das Kaichener Gericht genannt, welches einst unter dem Burggrafen von Friedberg stand.

So weit die Stimmen aus alter Zeit über die Wetterau, denen wir aber auch heute noch darin beistimmen, daß die Wetterau in Bezug auf Boden, Klima, Reichthum der Produkte und Leichtigkeit des Absatzes zu den gesegnetesten Land⸗ strichen des deutschen Vaterlandes gehört. Und wenn auch die Landwirthschast hier und da mit größerem Erfolge betrieben werden sollte als hier, so können wir dieß weniger den besseren klima⸗ tischen, Boden⸗ und Absatzverhältnissen, als viel⸗ mehr der größeren Betriebsamkeit und Intelligenz der Bewohner solcher Gegenden zurechnen. Es ist eine bekannte Sache, daß je reicher die Natur eine Gegend beschenkt hat und je weniger Hinder⸗ nisse dieselbe dem Menschen bei Gewinnung von Bodenerzeugnissen entgegensetzt, dieser um so weniger geneigt ist, seine Kräfte und sein Nach⸗ denken höher anzustrengen, als es gerade nöthig ist, um seinen bescheidenen Theil hinnehmen zu können, zumal wenn dieser ohne besondere An⸗ strengung eben so groß oder noch größer ist, als der in weniger zünstig situirten Gegenden mit großer Mühe dem Boden abgerungene. Dieß ist und war seither in der Wetterau der Fall und mag der Hauptgrund sein, warum man den Wetterauer Landwirthen, unter denen es gewiß sehr intelligente und strebsame Leute gibt, nachsagt, daß sie im Ganzen betriebsamer sein und inten⸗ siver wirthschaften könnten. Allein dieß ist nicht der einzige Grund, auch die eigenthümlichen Besitz⸗ verhältnisse fallen hier sehr in die Wagschaale. Ursprünglich war die Wetterau zum größten Theile kaiserliches Kammergut, in dessen Nähe die kaiser⸗ lichen Villen lagen, auf denen die Ministerialien lebten, welche Jahrhunderte lang die Milde und auch die Noth des Kaisers zu Schenkungen und Vergebungen benutzten so, daß dem Kaiser am Ende in der Wetterau nichts mehr übrig blieb und diese in zahllose kleine Ländchen zerfiel, welche noch zu Anfang unseres Jahrhunderts als von einander unabhängige Besitzungen bestanden. Der Kreis Friedberg allein ist z. B. aus 19 solcher verschiedenen Landestheilchen zusammengesetzt, ohne die ehemaligen Besitzungen der Klöster und hohen Geistlichkeit von Mainz, Kloster Fulda, Arnsburg, Engeithal, Ilbenstadt, Thron ꝛc. Mehr als 70 verschiedene adelige Familien waren Wetterau begütert und da dieselben ihre Güter meist nicht selbst administrirten, und Jahre lang

abwesend waren, war an Verbesserungen weder

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