Ausgabe 
13.10.1870
 
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Aus dem Lager vor Metz wird derTimes vom 5. d. geschrieben: Jeden Morgen hält Bazaine eine Parade über seine Truppen ab; er läßt sie allerlei Manöver, thatsächlich Scheingefechte, aus · führen, wodurch er im Stande war, einige Schein⸗ angriffe zu machen; aber seine Gefangenwäxrter sind jetzt zu sehr auf der Hut, um nicht auf solche Dinge vorbereitet zu stin. Bezüglich der Ver⸗ proviantirung in Metz wird gemeldet: Pferdefleisch ist in Fülle vorhanden, und wir haben gute Brod⸗ vorräthe. Rind- und Hammelfleisch gehört schon seit lange zu unbekannten Dingen; Schweinefleisch kostet 5 sh. das Pfund; Butter ist außerhalb der Erinnerung, und Käse, Zucker, Salz und hundert andere, in der Regel als nothwendig erachtete Bedürfnisse werden als Luxusartikel angesehen, an die zu denken ganz überflüssig ist.

Der Sieg des badischen Brigade⸗Generals Degenfeld bei Rambervillers deckt die gefährdete Straße von Straßburg nach Paris über Luneville und Nanzig und trieb zugleich die von der Rhone Armee nach Norden vorpoussirten Truppen aus- einander. Durch die Besetzung des Vogesenpasses von Schirmeck ist es zugleich ermöglicht, den Rückzug der etwa noch im Elsaß sich herum⸗ treibenden Franctireurs und Mobilgarden auf Lyon zu bedrohen, während die anderen Brigaden des 14. Armeecorps dieselben vor sich hertreiben und die bei Neuenburg über den Rhein gegangene Reservedivision Neubreisach belagert.

Hessen. Darmstadt. Das Großherzogl. Kriegsministerium hat seine Verfügung, in welcher den kriegsgefangenen Offizieren das Tragen der Waffen gestattet war, zurückgenommen und durch eine andere ersetzt, in welcher der betreffende Passus entfernt, wonach es also den gedachten Offizieren nicht erlaubt ist, ihre Degen zu tragen.

L. Aus Oberhessen. Seitdem durch den Abgang des Herrn Dr. Henkelmann zu Friedberg die von demselben gegründete Ackerbauschule ein⸗ gegangen ist und sich bedauerlicher Weise noch Niemand zur Wiederaufnahme derselben gefunden hat, befindet sich die Provinz Oberhessen ohne jede derartige Anstalt und sind Diejenigen, die ihren Söhnen eine böhere landw. Ausbildung geben können und wollen, darauf angewiesen, dieselben in außerhalb der Provinz bestehende Ackerbauschulen zu schicken. Es möchte zu diesem Zweck keine andere Anstalt besser geeignet sein, als die in Darmstadt bestehende Ackerbauschule, die in den Winterhalbjahren 1866/67 von 11, 1867/68 von 18, 1868/69 von 11 und 1869/70 von 22 Schülern besucht wurde. Wir machen umsomehr auf diese Unterrichtsanstalt aufmerksam, als die an derselben wirkenden Lehrer, wie Oeco⸗ nomierath Dr. Krämer, Dr. Hallwachs, Dr. Thiel, Leisewitz u. s. w. für tüchtige Leistungen bürgen, außerdem aber auch gerade die Anforderungen, welche die jetzigen schweren Zeiten an die Leistungen des Landwirthes machen, Eltern um so mehr Ver⸗ anlassung geben sollen, ihren Söhnen eine tüchtige Aus bildung geben zu lassen, damit sie befähigt werden, an sie herantretenden Aufgaben immer⸗ mehr genügen zu können. Programme der Anstalt sind bei Chr. Küchler in Darmstadt zu haben.

Gießen. Die Bahnstrecke Alsfeld⸗Lauterbach soll am 29. d. M. eröffnet werden; dagegen wird die Linie Gießen Fulda erst im nächsten Jahre vollendet sein, indem bei dem Bahnbau zwischen

Lauterbach und Fulda sich unerwartete Schwierig- keiten ergeben haben.

Preußen. Berlin. Die königliche Re- gierung hat mehreren Kabinetten eine Denkschrift mittheilen lassen, in welcher die Ueberzeugung ausgesprochen wird, daß die Hauptstadt Frankreichs über kurz oder lang fallen muß. Wird der Zeit⸗ punkt solange hinaus geschoben, bis drohender Mangel der Lebensmittel zur Capitulation zwingen, so müssen schreckenerregende Consequenzen entstehen. Der deutschen Armeeführung ist es in diesem Falle unmöglich, eine Bevölkerung von zwei Millionen nur einen einzigen Tag mit Lebensmitteln zu ver⸗ sehen. Die Umgegend von Paris bietet alsdann, da deren Bestände für die diesseitigen Truppen gebraucht werden, auf viele Tagmärsche eben so

wenig Hülfsmitttel. Es ist daher den Bewohnern nicht zu gestatten, Paris auf Landwegen zu ver⸗ lassen. Die unausbleibliche Folge hiervon ist, daß Hunderttausende dem Hungertode verfallen. Der deutschen Armeeführung bleibe nichts übrig, als den Kampf durchzuführen. Wollen die fran zösischen Machthaber es zu einem Extrem kommen lassen, sind sie für die Folgen verantwortlich. Die Anordnung, daß die neu eingetretenen Ersatz mannschaften erst nach dreimonatlicher Ausbildung auf den Kriegsschauplatz gesandt werden dürfen, bestätigt sich vollkommen. Es wird dabei auf die Rekruten Ausbildung ein Zeitraum von sechs Wochen gerechnet, und weiter dargethan, daß er⸗ forderlichen Falls die vollständige kriegsmäßige Ausbildung, wenigstens für die Infanterie, in drei Monaten erfolgen kann. Der wortbrüchige französische General Ducrot sollte seinen Aufent- halt in Stettin nehmen, wohin bereits sein Gepäck gesandt war und wo es noch gegenwärtig lagert.

Eine Versammlung von Katholiken hat einstimmig beschlossen, eine Adresse an den König zu richten, welche denselben bittet, dem Papste in seiner jetzigen Bedrängniß zu helfen.

Nach Berichten aus dem Hauptquartier ist gegenüber dem Unwesen bewaffneter Banden an⸗ geordnet, daß jedem Departement, in welchem Derartiges ferner vorkommt, die Contribution von einer Million Francs auferlegt werde. Gleich- zeitig werden die Gemeindeämter nachdrücklichst an ihre Pflichten erinnert.

DerWeser⸗3ig. wird telegraphisch von

hier gemeldet: Trotz entgegenstehender Meldungen wird versichert, daß die Session des Reichstages der Berufung des preußischen Landtages vorher⸗ gehen solle, nachdem der fast bedingungslose An⸗ schluß Badens, Hessens und Württembergs an den Bund in Aussicht stebt. Die Urwahlen zum Ab⸗ geordnetenhause sollen etwa den 12. November stattfinden.

Kassel. DieHess. Morgenztg. schreibt: Aufoffiziellem Wege ist uns die Benachrichtigung zugegangen,daß der französische General Castelnau noch nicht auf einen einzigen Tag Wilhelms höhe verlassen hat, daher auch nicht Ueberbringer eines angeblichen Manifestes oder irgend eines anderen

Schriftstückes in das königliche Hauptquartier gewesen sein kann. Bayern. München. Es verlautet mit

Bestimmtheit, daß die diesseitige Regierung den Eintritt in den norddeutschen Bund von einem Separatvertrage abhängig macht, der die Aus⸗ nahmestellung Bayerns genau feststellt. Von den deutschen Damen in San Francis eo ist dem hiesigen Verein zur Unterstützung der An⸗ gehörigen im Felde stehender Soldaten durch die Vermittlung des Geh. Commercienraths G. Bleich röder in Berlin eine Schenkung von 7000 fl. zugekommen.

Würtemberg. Stuttgart. Die Ver⸗ sammlung der liberalen Partei(regierungsfreund⸗ liche Mittelpartei zwischen den Großdeutschen und Nationalliberalen) beschloß eine Erklärung, deren wesentlicher Inhalt folgender ist: Das deutsche Volk erwartet die verfassungsmäßige Einigung Süd⸗ und Norddeutschlands. Die liberale Partei erwartet, daß die neu zu wählende Volksvertretung dem Staatsvertrag ihre Zustimmung ertheile, durch welchen auf der Grundlage des norddeutschen Bundes eine gemeinsame Gesetzgebung und diplo⸗ matische Vertretung des geeinigten Deutschlands, sowie ein einheitliches Heer erreicht wird.

Frankreich. Aus Tours vom 9. Okt. wird gemeldet: Paris, 6. Okt. Es sind keine politischen Begebenheiten vorgekommen. Von St. Denis haben wir einen Recognoscirungs Ausfall auf 5000 Metres vor den Forts gemacht. In einer chemischen Fabrik in der Straße Favard hat eine Explosion stattgefunden. Mehrere Todte und Verwundete sind aus den Trümmern heraus- gezogen worden. Der Preis des Fleisches ist auf zwei Francs gestellt.

10. Oct. Eine von 1500 Personen besuchte Versammlung sagt in ihrer Resolution, die Maß⸗ regeln der Regierung zur Vertreibung des Feindes seien weder so entschieden noch kräftig, als es

der Ernst der Verhältnisse erheische. nothwendig sei es, die Regierung aufzufordern, Commissäre zu ernennen, die überall did Landes · vertheidigung zu organisiren hätten. Der Präfett von Toulon sagte in einer in Montauhan gehaltenen Rede:Waffnet Euch mit Mißtrauen, Haß, Zorn und Wuth gegen die Royalisten, welche nichts anderes sind als Preußen im Innern unseres Landes. f

Gambetta hat eine Proclamation an die Bewohner der Departements erlassen, in welcher er sagt: Er habe auf Befehl der Regierung Paris verlassen, um Anweisungen und Befehle derselben zu überbringen. Die Revolution hatte weder Geschütze noch Waffen gefunden, jetzt sind hier 400,000 Nationalgarden, 100,000 Mobil⸗ garden und 60,000 Mann reguläre Truppen, täglich werden Millionen von Patronen angefertigt, die Forts sind von Marinetruppen besetzt. Wir haben 3800 Geschütze; bis jetzt ist der Feind verhindert, auch nur das kleinste Erdwerk zu er⸗ richten, die Festigkeit und die Erfahrung der improvisirten Soldaten wird täglich größer. 14 der Enceinte existirt eine andere aus Barrikaden. Es ist keine Illusion: Paris ist uneinnehmbar! Den Preußen bleibt nur der Aufstand und die Hungersnoth, aber zu keinem wird es in Paris kommen; Lebensmittel sind für Monate vorhanden, Es sei Pflicht der Bewohner der Departements, sich den Befeblen der Regierung, die nur die Rettung Frankreichs wolle, zu fügen; sobald das geschehen, wird die Regierung fest begründet sein. An Mannschaften fehlt es nicht, gefehlt hat der Entschluß, die Consequenz; die abgeschlossenen Lieferungsverträge sichern alle disponiblen Gewehre der Welt. Wir müssen alle Hütfskräfte anspannen, dem Feinde Hinterhalte legen und einen nationalen Krieg anfangen. Die Herbstregen werden kommen, die Feinde werden decimirt werden durch unsere Waffen, durch den Hunger, durch die Natur. Erheben wir uns in Massen, laßt uns lieber sterben, als die Zerstückelung Frankreichs dulden.

Aus Lille vom 9. October wird derInde⸗ pendance telegrapfäirt:Ein Kampf hat gesten bei St. Qubntin stattgefunden. Die Stadt, obgleich eine offene hat Widerstand geleistet, Der Präfect, Anatole de la Forge, kam auf den großen Platz, den Degen in der Faust und zu den Waffen rufend. Die Bevölkerung eilte in Masse herbei; die Arbeiter requirirten Waffen in den Läden. Alle marschirten gegen den Feind. Man errichtete eine Barrikade am Canal; der Faubourg d'Isle widerstand 5 Stunden einem regelmäßigen Angriffe, die Preußen zogen sich zurück. Die Belagerten erlitten einige Verluste. Der Präfect ist am Bein verwundet; die Preußen muͤssen bedeutende Verluste erlitten haben. Eine große Begeiste⸗ rung herrscht in der Gegend. i

Aus Ham berichtet man unter dem 8. Oct.: 1200 Preußen, die aus St. Quentin durch die Nationalgarde zurückgetrieben worden sind, haben sich nach Ribemont zuruͤckgezogen.

Aus Chartres schreibt man unter dem 8. Oct.:Die aus Houdan kommende und in Dreux eingetroffene preußische Avantgarde melde, das ein Corps von 5000 Mann sich in Montargis befindet. Preußische Bedetten sind in der Nähe von Pithiviers, wo französische Truppen den Angel von Malesherbes erwarten. Die Preußen marschiten in Massen auf Etampes. Gestern passirten mehrere feindliche Colonnen, die nach Etampes und Voves marschirten, Laferts. In Denonville sollen 150 Preußen von einem Corps Franctireurs cer nirt sein.(2) f

Nach einer Depesche der Corresp. Har. aus Vendome sollen die Preußen aus Jonv Toury und der Nachbarschaft von Malesherbes am 6. Nachmittags vertrieben worden sein und der Bahninspector von Vendome meldet gar, die Preußen seien in Chateaudun und a umringt und Tausende von Franctireurs un Nationalgarden eilten in den Rücken der Preußen, Abends brannte Taucrainville und gegen ben Morgen des 6. October meldet der Präfect bon Chartres, daß von Vendome her prrußjschf

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