Ausgabe 
13.9.1870
 
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Hessen. Darmstadt. Am 9. d. traf mit der Ludwigsbahn, von Mainz kommend, der fran⸗ zösische General von Wimpffen, derselbe, welcher mit dem König von Preußen die Capitulation von Sedan abgeschlossen, in Begleitung seines Generalstabs und der dazu gehörigen Dienerschaft hier ein. Der General, der von dem Stadt- und Etappencommandanten empfangen wurde, trug Civilkleider und war augenscheinlich in sehr ge⸗ vrückter Stimmung. Nach ganz kurzem Aufenthalte setzten die Gefangenen die Reise nach Stutigart sort, welches ihnen als Aufenthaltsort bestimmt ist.

Die Transporte der gefangenen Franzosen durch Deutschland nehmen jetzt riesige Dimensionen an. In der Mittagsstunde des 9. traf ein Eisen⸗ bahnzug mit 3 Locomotiven und circa 50, meist württembergischen Wagen am hiesigen Bahnhof ein. Derselbe fuhr um 1 Uhr weiter nach Norden. In dem Zuge befanden sich 2500 bis 3000 ge- sangene Franzosen aller Waffengattungen. Das den Zug escortirende preußische Militär wurde hier von hessischem Militär abgelöst, während die Preußen mit dem nächsten Zuge nach Frankreich zurückkehrten.

Mainz. Die Zelte des ehemaligen Mac Mahon'schen Lagers bei Wörth sind dieser Tage dahier eingetroffen, um einem Theil der bier inter- nirten Gefangenen von Sedan zur Unterkunft zu dienen. Sie werden ihr Lager im Fort Clairfait aufzuschlagen haben, andere Abtheilungen in der Citadelle und dem Weisenauer Lager untergebracht werden.

Wie seit einigen Tagen am Niederrhein über Bingerbrück treffen nun seit dem 9. d. auch hier Transporte von Gefangenen der Armee Mac Mahon's ein. Der erste dieser Züge brachte 1200 Mann, 85 Offiziere und 2 Generäle. Für 6000 Mann ist ein Lager vor Fort Clairfait abgesteckt, für je 2000 Mann Unterkunft in der Citadelle und dem befestigten Lager bei Weistnau beschafft. Der Gouverneur unserer Stadt hat, kraft der ihm in Folge des Kriegszustandes zu⸗ stehenden Besugnisse, die Erlaubniß zu einer wegen der Friedensbedingungen(Erwerbung von Loth⸗ ringen und Elsaß) auf einem der öffentlichen Plätze der Stadt projectirten Volksversammlung nicht ertheilt. Die socialistische Partei bereitet dagegen eine Volks versammlung in geschlossenem Raume vor, um gegen jeden Ländererwerb zu protestiren und die Proclamation der franzöfischen Arbeiter zu beantworten.

Preußen. Berlin. Von den verschwun⸗ denen Kriegs ⸗Correspondenten Herren Max v. Schlägel und Oscar Marschall v. Bieberstein ist aus Pirmasens eine telegraphische Nachricht ein⸗ gegangen, welche ohne erklärende Details meldet, daß beide Herren in französische Gefangenschaft gerathen und in Biisch internirt sind.

In Bremerhaven soll nach derZ. f. N. am 6. Morgens früh von 6 9 Uhr Kanonen- donner aus der Richtung von Helgoland her ver⸗ nommen worden sein. Es wird hinzugefügt, daß Admiral Jachmann Tags vorher mit den drei in Wilhelmshaven liegenden PanzerschiffenKönig Wilhelm,Kronprinz undPrinz Friedrich Karl die Jade verlassen habe, um den Feind aufzusuchen.

DerOstsee- Ztg. schreibt man von Kopen⸗ hagen: Nach Mittheilungen, welche ihren Ursprung in der hiesigen frenzösischen Gesandtschaft haben, wird die in der Kjögebucht zusammengezogene sranzösische Flotte nicht wieder in die Ostser gehen.

In derKöln. Ztg. erzählt Georg Horn, daß Napoleon nach der Zusammenkunft mit König Wilhelm nach Sedan so erschöpft war, daß man ihm gleich ein Diner serviren mußte, so gut ee eben ging, und der Art von allen Mitteln ent⸗ blößt, daß dem General v. Boyen, der den Auf⸗ trag bekam, ihn nach Kassel zu bringen, 2600 Thlr. übergeben werden mußken.

Kassel. Wie demFr. J. berichtet wird, ist der Haushalt Napoleons zu Wilhelmshöhe

fremde Pferdehändler verkauft. Das Geschäft ward in Franes abgemacht und, wie wir hören, sind daraus im Ganzen nur circa 40,000 Franes gelöst worden. Uebrigens fällt es hier sehr auf, daß Napoleon's Dienerschaft, welche in der Stadt ihre eigenen kleinen Bedürfnisse, als: Tabak, u. s. w. einkauft, sehr über Maugel an Geld klagt und nur die kleinsten Quantitäten, die sie erhalten kann, kauft.

Bayern. München. Die Ernennung des Frhrn. v. Schrenck zum Gesandten in Wien ist definitiv erfolgt. Er wird sich schon in den nächsten Tagen auf seinen Posten begeben.

Seit einigen Tagen finden größere Uebungen im Scharfschießen der mit Kugelspritzen ausgerüsteten Batterien dee ersten Artillerieregiments statt; die Feuergeschwindigkeit und Treffsicherheit dieser Kriegs maschine ist eine außerordentliche, und wird die französische Mitrailleuse weitaus von dieser neuen Art übertroffen. Es können immer je 360 Patronen geladen werden, welche in weniger als einer Minute abgefeuert sind; die während einer Minute abgeseuerte Schußzahl wurde auf 400 gebracht. Die größte Entfernung, bei welcher auf ein sicheres Treffen gerechnet werden kann, beträgt 1200 Schritte. f

Würtemberg. Stuttgart. Der fran⸗ zösische General Wimpffen, welcher die Capitulation von Sedan abschloß, ist hier angekommen. Der⸗ selbe wird dem Vernehmen nach in Stuttgart und Cannstatt seinen Aufenthalt nehmen.

Ulm. 2100 französische Gefangene sind hier angekommen, für welche auf der sog. Gäns wiese ein Lager aufgeschlagen ist.

Baden. Karlsruhe. Der Magistrat der Stadt Berlin hat aus den von ihm gesammelten Geldern zur Unterstützung der durch die Lasten und die Gefahren des Krieges heimgesuchten deutschen Grenzländer 10,200 Thlr. für die zer⸗ störte Stadt Kehl, beziehungsweise die hülfsbedürf⸗ tigen Bewohner von Kehl(Stadt und Dorf) bestimmt.

Oesterreich. Wien. DerA. A. Z. wird von hier geschrieben: Der Kronprinz von Sachsen hat den Kaiser telegraphisch von dem Kampf bei Beaumont benachrichtigt; die Depesche lief während der Hoftafel ein, und Se. Majestät erhob zuerst das Glas auf die Erfolge der deutschen Waffen.

Der Umschwung der Verhältnisse in Frank⸗ reich hat auf unsere Kriegspartei eingewirkt; vom

Kriegsminister ist demzufolge die Demobilistrungs⸗ ordre ergangen. Alle zur Ausrüstung des Heeres getroffenen Maßregeln werden rückgängig gemacht; die einberufenen Urlauber und Reservisten erhielten Gegenbefehl, die schon bei ihren Regimentern be⸗ findlichen werden nach Hause geschickt; kurz, Alles wird auf den Friedensfuß gesetzt. Bezüglich der Anerkennung der Republik wird mitgetheilt, die österreichische Regierung warte das Verhalten der genglischen ab und werde sich demselben anschließen. Fürst Metternich bleibt inzwischen in Paris.

Frankreich. Paris. Nach einem Tele⸗ gramm derPost hat das Vertheidigungs Comité dem Könige von Preußen die Weisung zugehen lassen,binnen 48 Stunden das Gebiet der Republik zu räumen.

DemJournal de Paris zufolge sind die Herzöge von Aumale und Chartres, sowie der Prinz von Joinville am Tage nach der Revolution nach Paris gekommen. Dieselben gingen zu Jules Favre und begehrten einen Posten bei der Vertheidigung von Paris. Jules Favre erklärte hierauf, ihre Gegenwart könnte mißverstanden werden und bat sie, ab⸗ zureisen. Die Prinzen haben hierauf Paris verlassen.

Aus derPatrie erfährt man, daß in Paris ein Corps unter dem General Renault in der Bildung begriffen ist. Dasselbe soll aus

neuen Regimentern, darunter ein 2. Fremden⸗

er wußte, daß er dafür nicht vorbereitet sei. Seit langen Jahren reichte seine Civilliste nicht hin für die verschwenderischen Ausgaben des Hofes, für die Geschenke an seine Anhänger und für den geheimen Fond, der erforderlich war, die Liebe für den Imperialismus unter seinen Unterthanen warm zu halten. Das Kriegsministerium mußte daher jährlich mit zwei Millionen Lstr. herhalten. Diese Ver⸗ untreuung verheimlichte man durch Vorräthe, welche auf den Staatsrechnungen figurirten, ohne je angekauft worden zu sein, und indem man die Gelder, welche von Solchen, die sich vom Militärdienst loskauften, in die Militär⸗ kasse flossen, mißbrauchte, anstatt dafür Stell⸗ vertreter anzuwerben. In Folge dessen hatten Regimenter, die nominell 2000 Mann stark waren, eine Effektivstärke von nur 1500 Mann, während das Geld für die Substituten und die angeblichen jährlichen Kosten für letztere der Civilliste überwiesen wurde. Ein Krieg mußte als einziges Mittel erscheinen, um die scandalösen Betrügereien nicht an den Tag kommen zu lassen. Man hoffte von den zu⸗ versichtlich erwarteten Siegen und einem ehren⸗ vollen Frieden Rettung aus dieser verzweifelten Lage und deßhalb griff man zum Kriege, wenn⸗ gleich die vorhandenen Lebensmittel und Muni⸗ tion kaum für eine Operation über die Grenze ausreichten. So erklärt sich der Aufschub des Angriffs und die darauf folgende Katastrophe. Nachdem das diplomatische Corps er⸗ klärt hat, Paris bei einer Belagerung zu ver⸗ lassen, hat die Regierung eine andere Stadt für dasselbe auserwählt und wird sich dort durch einen besonderen Aus schuß vertreten lassen, welcher die auswärtigen Beziehungen unterhält, sowie fur die Landesvertheidigung in den Depar⸗ tements fortgesetzt sorgt. General Trochu hat eine Proclamation an die Mobilgarden erlassen, in welcher er denselben befiehlt, binnen 48

digung der Forts einzunehmen. Offiziell wird gemeldet: Laon ist von der Armee des Großherzogs von Mecklenburg çernirt und zur Uebergabe aufgefordert, widrigenfalls die Be⸗ schießung beginnt. Die Wahlen zur con⸗ stituirenden Nationalversammlung sind für den 16. Oktober angesetzt. Man verlangt zu wissen, welche Journalisten aus den geheimen Fonds bezahlt wurden, man will die ten an den Pranger stellen, die Frankreich betrogen und benebelt haben. 0 18

Amtlichen Berichten aus Troyes zufolge passirten am 7. d 4000 Mann deutsche Truppen Vitry; dieselben erklärten überall im Namen des Königs von Preußen die Conseription für abgeschafft. Die Journale veröffentlichen einen offenen Brief Victor Hugo's an das deutsche Volk, in welchem der Versuch erneuert wird, dem Kaiserreich ausschließlich die Schuld für die Herbeifuͤhrung des Krieges aufzubürden. Die französische Republik, heißt es, reiche Deutschland die Bruderhaud. Ein Angriff auf Paris, die Stadt der Nationen, wäre ein Verbrechen; übrigens werde Paris sich aufs Aeußerste vertheidigen. Seine materielle Zer⸗ störung würde es moralisch größer machen. Die internationale Friedensliga hat gleichfalls

welcher das letztere aufgefordert wird, Frieden auf der Grundlage der französischen Integrität abzuschließen. e e

DieGazette de France will wissen, der König von Preußen hätte der englischen Regierung auf deren Wunsch vertraulich die Friedens grundlagen mitgetheilt, auf welche hin er zu unterhandeln gedenke. Es wären dies!

1) Die Abi c ene um künftige Angriffe von Frankreich aus zu verhindern, uͤber das

durch die Entlassung vieler Diener sebr verringert regiment, formirt werden. In Paris coursirt Wie? sollte ein europaischer Congreß entscheiden;

worden.

Es wurden auch 39 Pferde, die eine Geschichte, welche die Differenz zwischen 2) die Abtretung der halben Panzerflotte Frank,

theils ihm, theils den bei ihm sich befindenden der Papier- und der effektiven Stärke des reichs; 3) eine Geldentschaͤdigung von drei

Generälen gehören, aus freier Hand meist an französischen Heeres erklärlich macht und in Milliarden.(2)

gewissem Grade Aufschluß darüber gibt, warum sich der Kaiser in den Krieg stürzte, obwohl

Stunden ihren Ehrenposten bei der Verthei⸗

eine Adresse an das deutsche Volk erlassen, in

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