welche den Arbeitern Geld angeboten haben.) In weiterem Verlaufe der Sitzung des gesetzgebenden Körpers theilte Ollivier mit, daß Marschall Graf Palikao(General Montauban) mit der Bildung eines neuen Cabinets beauftragt sei.
— Vachtrag.) In dem gesetzgebenden Körper hatte Duvernois folgende Tagesordnung beantragt: Die Kammer, entschlossen, das Ministerium zu unterstützen, welches fähig ist, die Vertheidigung des Landes zu organisiren, geht zur Tagesordnung über. Ollivier hatte hierauf im Namen der Re gierung erklärt, daß er diese Tagesordnung nicht acceptiren könne. Trotzdem nahm die Kammer die Tagesordnung nach dem Antrag Duvernois an und wurde hierauf die Sitzung auf Verlangen Ollivier's unterbrochen. Nachdem die Sitzung wieder eröffnet war, theilte Ollivier, wie bereits berichtet, mit, daß der Marschall Graf Palikao mit der Bildung eines neuen Cabinets beauftragt sei.
— Einer Depesche aus Metz vom 9. d. M. Mittags 1 Uhr 52 Min. zufolge übernimmt Marschall Bazaine das Obercommando über die vor Metz vereinigten Truppen. General Decamp ist zum Chef des 3. Corps ernannt. Marschall Mac Mahon hat den größten Theil seiner Armee wieder zusammengezogen und zieht sich auf Nancy zurück.
— 9. Aug. Der Ministerrath ist permanent versammelt. Die Kaiserin-Regentin weilt im Tuilerienpalaste. Man sagt, Lulu sei ihr von Metz aus wieder zugeschickt worden. Die demo⸗ kratischen Blätter bringen folgendes Document: „Frankreich ist überfallen worden. Die demokra⸗ tische Presse verlangt: die sofortige Bewaffnung aller Bürger, die Ernennung eines Comites der Vertheidigung, das zuerst aus den Pariser Depu⸗ tirten bestehen soll. Mögen sich alle Patrioten erheben und sich uns anschließen! Das Vaterland ist in Gefahr!“ Wenn diese Forderung der republikanischen Partei verwirklicht wird, und man nicht bei den bloßen Worten stehen bleibt, so wäre die zukünftige Regierung da, und der Sturz des Kaiserthums damit ausgesprochen.
— Als kleine Probe der französischen Groß⸗ mäuligkeit hier einige Zeilen aus dem Artikel der „Opinion nationale“ über den Sieg bei Saar- brücken:„Der erste Sieg und die erste Etappe auf preußischem Gebiete! Die erste Rache für 1815 am Rhein! Die erste Antwort unserer demokratischen Armee auf die Anmaßungen der Armee der Krautjunker, der Armee des göttlichen Rechts! Dieser erste Sieg brachte uns Saarbrücken. Ach! ihr Herren Preußen, ihr wolltet uns aus⸗ hungern, indem ihr unserer Industrie die Nahrung versagtet, die Steinkoblen. Nun wohl! Wir baben Saarbrücken, wir haben die Schachte der Saar, mit einem ganz neuen Canal, um die Kohlen bis Logelbach und Mühlhausen zu befördern. Wir haben diese kostbaren Lager, und mit Gottes Hülfe werden wir sie behalten.“— Und so rasch und so bitter enttäuscht!
— Das„Peuple frangais“ läßt sich von Frouard(dem Verbindungsbahnhof von Nancy und Metz) vom Datum der verwichenen Nacht telegraphiren: Als der Kaiser von einigen Gene— ralen aufgefordert wurde, nach Paris zurückzukom⸗ men, antwortete er: Todt oder siegreich!— Die „Presse“ schreibt:„Die Truppen, welche nach der Ostsee abgehen sollten, haben Contreordre erhalten, desgleichen die Marine-Infanterie-⸗Regimenter. Sie werden nach Paris verbracht und zu der Rhein- armee weitergehen.
— Der bei Weißenburg gefallene französische General Carl Abel Douay ist Commandant der zweiten Division des Mac Mahon'schen Corps gewesen. Er ist ein Bruder von Felix Douaß, welcher das 7. Armeecorps commandirt und 1809 geboren; er war 1844 Bataillonschef im 9. Linien⸗ regiment, commandirte aber 1848 an der Spitze eines Jägerbataillons mit Ruhm bei Sidi⸗Brahim in Algier. Im Jahre 1855 zeichnete er sich als Oberst des 2. Gardevoltigeur⸗Regiments bei dem
Angriff auf den Malakoff aus und wurde in Folge dessen Brigadegeneral; als solcher focht er in der
Diviston de Luzy⸗Palissac 1859 mit Glanz bei
Medole, einem Dorfe, dessen einzelne äuser er
nacheinander erobern mußte. Im Jahre 1866 wurde er Divistonsgeneral und stand als solcher bisber in Besangdon. Im Jahre 1869 war ihm die Inspection der Schule von St. Cyr über⸗ tragen.
— 10. August. Gesetzgebender Körper. Graf Palikao zeigt an, daß das neue Cabinet folgendermaßen zusammengesetzt ist: Palikao Krieg, Chevreau Inneres, Magne Finan⸗ zen, Duvernois Handel, Rigault de Genouilly Marine, Jerome David öffent⸗ liche Arbeiten, Latour d' Auvergne Aeußeres, Grandperret Justiz, Brame Unterricht, Busson⸗Billault Präsident des Staats— raths.— Die Dringlichkeit für den Antrag, wonach aus den Deputirten Comites für Lan⸗ desvertheidigung eingesetzt werden sollen, wird mit 190 gegen 53 Stimmen verworfen.— In Bezug auf den Antrag, vom 11. August beginnend alle fällig werdenden Forderungen auf einen Monat zu prolongiren, wird die Dringlich— keit beschlossen. Forcade verliest den Bericht der mit der Prüfung der gestern eingebrachten Vor— lagen beauftragten Commission, sie hat das Amen⸗ dement Keratry's, alle bisher noch vom Dienst freien unverheiratheten Soldaten der Altersklassen 1858— 1863 einzuberufen, angenommen. Die Commission schlägt außerdem vor, daß alle nicht verheiratheten Bürger im Alter von 2535 Jahren einen Theil der Armte bilden sollen, sie schlägt auch vor, den für die Unterstützung der Familien der mobilen Nationalgarde verlangten Ciedit von 4 Millionen auf 20 Millionen zu erhöhen; der Bericht schließt mit sehr feurigen Worten über dit Einigkeit aller Parteien und die patriotischen Ge⸗ fühle von ganz Frankreich, die allseitig mit Beifall aufgenommen werden. Die Commission schlägt dann schließlich vor,„unseren Waffen den Dank zu votiren mit der Erklärung, daß sie sich um das Vaterland verdient gemacht haben.“(Drei- maliger stürmischer Beifall.) Die Versammlung beschließt, daß der Präsident das Votum der Armee mittheile. Die Vorlage wird einst mmig an⸗ genommen.
Belgien. Der König hob bei Eröffnung der Deputirtenkammer in seiner Thronrede hervor, daß beide kriegführende Mächte die Neutralität Belgiens anerkannten. An Belgien sei es, selbst seine Neutralität loyal aufrecht zu halten. Die Regierung habe vorläufig Maßregeln ergniffen.
Belgien stehe einer gefährlichen Probe gegenüber.
Durch Weisheit, Loyalität und Patriotismus werde es die Achtung der anderen Mächte erwerben und seiner freien Institutionen sich würdig zeigen. Die Thronrede schließt: Gegenüber dieser heiligen Aufgabe einigt sich Alles in dem Ruf: Es lebe das unabhängige Belgien!
Großbritannien. London. Glaostone hat in dem Hause der Gemeinen angekündigt, daß England einen Vertrag vorgeschlagen, dem Oester⸗ reich und Rußland beigetreten sind und gegen den auch Frankreich und Preußen keine Schwierigkeiten erheben. Derselbe geht dahin, daß, im Falle einer der kriegführenden Theile das belgische Ge⸗ biet verletze, England eine andere Armee zur Vertheidigung Belgiens aufstellen würde. Die
Unterzeichnung des Vertrags ist von Seiten des norddeutschen Gesandten bereits erfolgt, Frankreich
ist gleichfalls bereit, sofort zu unterzeichnen.
— die norddeutsche Regierung hat den eng⸗ lischen Aerzten den Dienst in den Hospitälern gestattet. Dieselben müssen deutsch sprechen und sich unbedingt zur Disposition stellen. Mehrere Aerzte werden in Kürze abreisen. Die Regierung wies die Zollämter an, die Ausfuhr von Waffen sowie von Schießbedarf nach den Häfen der krieg⸗ führenden Mächte genau zu überwachen.
— Laut Pariser Mittheilungen der Pall Mall Gazette beabsichtigen die Orleanisten und die Republikaner den Kammern die Einsetzung einer provisorischen Regierung vorzuschlagen. Die Freunde des Kaisers bereiten die Flucht der Kaiserin und des Thronerben vor. General Changarnier werde jedenfalls ein einflußreiches Commando erhalten.
Amerika. Das„Newyork Journal of Commerce“ drückt sein Bedauern darüber aus, daß die amerikanischen Politiker„lokales politisches Capital“ aus dem Kriege zwischen Frankreich und Deutschland zu machen suchen. Die republikanische Seite neigt sich nach preußischer, die demokratische aber nach französischer Seite zu, weil die irlän⸗ dischen Wähler meist für Frankreich sind.„Von Wasphington,“ so sagt das genannte Blatt,„kommen Beweise genug, daß die Regierung sich auf die deutsche Seite hinneigt.“
Washington. Dem Vernehmen nach beabsichtigt der Präsident die Neutralität der Vereinigten Staaten während des deutsch— französischen Krieges zu proclamiren.
Frankfurt. Wie man hört, sollen auf der Main⸗ Weserbahn zwei Mal täglich an die leer zurückgehenden Züge Personenwagen angehängt werden und voraussicht⸗ lich werden vom 14. d. an regelmäßig zwei bis drei Per⸗ sonenzüge täglich von hier nach Kassel und umgekehrt in Betrieb gesetzt werden können. Eine solche Anordnung würde von dem Publikum jedenfalls sehr freudig begrüßt werden.
Berlin. Nach Eintreffen der Siegesnachrichten am 4. d., Abends, wurde von den Gästen des Siechen'schen Bierlokals folgendes Telegramm an den König von Bayern nach München abgesandt:„Wir gratuliren zum brillanten Erfolge Ew. Majestät 2. Armee⸗Corps“— Hierauf ist gestern Abend folgende telegraphische Antwort eingetroffen: „Herrn Siechen, Burgstr. 7, Berlin. Ich entbiete den Absendern des Glückwunsch⸗Telegramms meinen aufrichtigen Dank und bringe aus vollem Herzen ein Hoch Ihrem Heldenkönige. Ludwig, König von Bayern.“
London. Das Telegramm Napoleon's an seine Ge⸗ mahlin, in dem er über die Kaliblüligkeit des Söhnleins auf der Höhe vor Saarbrücken und die darüber zu Thränen gerührten Soldaten berichtet, hat in der englischen Presse schon zu vielen bitteren und heiteren Bemerkungen Ver⸗ anlafsung gegeben, so z. B., daß der Kaiser sein Kind in Besserem unterrichten könnte, als in Menschenschlächterei,
daß die Mutter, wenn sie eine ehrliche Bürgersfrau wäre,
ihrem Manne ob solch niederträchtiger Pädagogik den Kopf tüchtig waschen würde u. dgl. mehr. In der„Pall⸗Mall⸗ Gazette“ aber erbittet sich ein herumziehender Schaubuden⸗ besitzer von Sr. Majestät in aller Demuth zwei oder drei jener sentimentalen Krieger auf Borg. Er wollte sie gut bezahlen, wenn sie jene Rührung täglich zweimal vor dem Publikum aufführen wollten.
Frauen-Arbeit im Kriege.
Unter diesem Titel veröffentlicht die Modenwelt soeben ein Extra-Blatt mit einer Anleitung zur An⸗ fertigung jeder Art von Verband⸗Gegenständen 2c., welche sich zur Herstellung von Frauenhand eignen. Die Anlei⸗ tung, gestützt auf Angaben von bedeutenden Aerzten und
herausgegeben von Frau Frieda Lipperbeide, ist
erläutert durch 52 Abbildungen und kostet 5 Sgr.— Während des Feldzugs indessen wird dieselbe von der Verlagshandlung als patriotische Gabe an Vereine wie Private gratis ausgegeben.
Wacht am Rhein!
Illustrirte Kriegschronik in zwanglosen Nummern N 9 kr. bei Bindernagel& Schimpff
in Friedberg und Nauheim.
IJ. Preis medai lle. Amsterdam. Pilsen. Wittenberg. 1869. 1869. ö 1869.
Einzig vorzüglicher Ersatz der Ammenmilch 1793 und bestes Nähr- und Stärkungsmittel für
Reconvalescenten, Magenseidende, Zleichsüchlige, Blutarme, Sieche ꝛc. ist 5
f Liebe's⸗Liebig Nahrungsmittel in„löslicher“ Form; ein lieblich schmeckendes, im Vacuum dargestelltes Extract zur sofortigen Herflellung der Liebig'schen Suppe ohne zu kochen.
Gläser von ¼ Pfd. Inhalt zu 36 kr. in Fried⸗ berg bei Hofapotbeker Görtz, in Bad Nauheim bei Apotheker Dr. Uloth,
Bad Nauheim. Möbel-& Spiegellager,
Sommer ⸗Jalousien 1468 empfiehlt zu Fabrikpreisen H. Blensdorf, Hof⸗Tapezier.
Belre
allgel und erst. stimm meidu bezieht doch a
delref
an die
Abhol
Zetre
u Nr.


