Ausgabe 
13.8.1870
 
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8. Aug. Die Frevler, deren Schandthaten ich gemeldet, haben bereits ihren Lohn; sie wur⸗ den, einige Zwanzig an der Zahl, standrechtlich erschossen. Heute in aller Frühe sind die Truppen, welche die Nacht cuf dem Schlachtfelde bivouakirt daben, gegen das Gebirge hin abgerückt. Der Kronprinz folgt ihnen von Sulz. Von Süden marschiren fortwährend neue Regimenter beran. Die Todten sind noch immer nicht begraben. Soeben werden die Bürger durch den öffentlichen Aus rufer aufgefordert sich auf dem Schlachtfeld zur Beerdigung der Todten und der Cadaver ein⸗ zufinden. Trotz der eingetretenen kühlen Witterung ist die Luft auf mehrere Stunden im Umkreis mit Leichenduft erfüllt. Die Frauen und Töchter der Stadt wurden durch den Ausrufer zum Waschen des Verband- und Leinenzeuges vor das Rathhaus eititt. Nahrungsmittel sind in der Stadt nicht für Geld zu bekommen. Jedes Bäcker⸗ haus ist mit Wache besetzt. Alles Brod, was gebacken wird, ist für die Vel wundeten bestimmt. Fast jedes Haus, das einigermaßen erhalten, ist ein Lazareth. Die vielen Tausende erhalten kaum die noͤthdürftige Pflege. Es fehlt an Verbandzeug wie an Erfrischungsmitteln.

Saarbrücken, 11. August, Rachm. Der König erläßt soeben bei seiner Abreise folgende Proclamation an das ftanzösische Volk:Wir Wilhelm, König von Preußen, thun den Einwohnern der französischen von den deutschen Armeen occu- pirten Gebietstbeile zu wissen: Nachdem Kaiser Napoleon zu Wasser und zu Lande die deutsche Nation angegriffen hat, welche in Frieden mit der französischen Nation zu leben gewünscht hat und es noch wünscht, so habe ich das Commando der deutschen Armeen übernommen, um diesen Angriff zurückzuweisen. Ich führe den Krieg mit den französischen Soldaten und nicht mit Frankreichs Bürgern. Diese werden deßhalb fortfahren, voll⸗ ständige Sicherheit für ihre Person und ihre

10. Aug. Die Franzosen steckten bei ihrem Rückzuge das rothe Haus an der For- bacher Straße in Brand und beschossen es mit Granaten. Ebenso ist der eine Flügel des Stations gebäudes durch Geschosse demolirt. Die Oeffnung der angeblich vonLulu ab gebrannten, im Bahngebäude eingeschlagenen Kanonenkugel ist provisorisch eingefaßt und mit einer Inschrift an dieglorreiche Feuer taufe des hoffnungsvollen Knaben versehen worden. In der Stadt selbst haben nur einige Gebäude durch Geschosse gelitten. Ganz Saar⸗ brücken ist eben ein Lazareth, in jedem Hause liegen Verwundete. Es fehlt sehr an den noth wendigsten Lebensmittelg, Fleisch und Brod war kaum aufzutreiben Der Hauptmann und Commandeur der Verpflegungsanstalten der 2. Armee, Betze, erließ folgenden Aufruf: Große Noth an Lebensmitteln, Brod, Semmeln, Butter, Eiern, Erfrischungen für Lazarethe. Saarbrücken und Saarlouis. Sofort abzu senden. Noch immer werden einzelne ge fangene Franzosen hier eingebracht. Ihre Gesammtzahl beläuft sich auf über 1800. Die Todten und Kampfunfähigen auf unserer Seite beziffern sich höher, als man anfänglich glaubte, und die Zahl von 3000 dürfte nicht zu gering gegriffen sein. Wohlthuend ist es, zu sehen, wie aus allen Theilen des Vaterlandes uns Hülfe gesandt wird; Aerzte, Pfleger und Pflegerinnen eilen herbei, den zahlreichen Ver⸗ wundeten Hülfe und Pflege zu bieten; von Kaiserswerth, Berlin, Königsberg, Stettin und Dresden sind bis heute 81 evangelische Dia conissinnen angekommen, desgleichen eine Anzahl Schwestern katholischen Bekenntnisses. Eine Schaar zweckmäßig geordneter und mit allem Erforderlichen ausgerüsteter Studenten der Universität Heidelberg ist ebenfalls angekommen und sofort in Thätigkeit getreten.

Güter so lange zu genießen, als sie mich nicht

selbst durch feindselige Unternehmungen gegen die deutschen Truppen des Rechts berauben, ihnen Die Die comman- die Truppenkörper Leichenhaufen Laufgräbengürtel,

meinen Schutz angedeihen zu lassen, direnden Generale der einzelnen werden durch besondere Vorschriften die Maßregeln festsetzen, welche gegen Gemeinden und einzelne Personen zu ergreisen sind, sofern sie sich mit den Kriegsgebräuchen in Widerspruch setzen. Sie werden ebenso Allie regeln, was sich auf Requi⸗ sitonen, die für die Bedürfnisse der Truppen er⸗ forderlich erscheinen, beziebt, und sie werden die Differenz der deutschen und französischen Valuten regeln, um den Einzelverkehr zwischen den Truppen und den Einwohnern zu ordnen.

Der König hat dem Kronprinzen für den Sieg

bei Weißenburg das eiserne Kreuz 2. Classe verliehen. Nach dem Einmarsch unserer Truppen in

Frankreich wurde dort folgende Proclamation in französischer und deutscher Sprache bekann! gemacht: Der Militärgerichtsstaͤnd wird auf Grund des F. 18 II. des preußischen Militärstrafgesetzbuches hiermit in dem oben genannten Departement an⸗ geordnet. für alle diejenigen nicht zu den Truppen der feindlichen französischen Armee gehörenden Personen, welche den Truppen der Armee Seiner Majestät des Königs von Preußen und Allerhöchst⸗ dero Hohen Bundesgenossen wissentlich Gefahr oder Nachtheil bereiten oder der seindlichen Macht wissentlich Vorschub leisten. Die Todesstrafe haben Diejenigen verwirkt, welche a) dem Feinde als Spion dienen oder feindliche Spione aufnehmen, verbergen oder ihnen Beistand leisten; b) freiwillig als Wegeführer den feindlichen Truppen die Wege zeigen oder als solche die diesseitigen Truppen ab⸗ sichtlich auf unrichtige Wege leiten; e) aus Rach⸗ sucht oder in gewinnsüchtiger Absicht zu den dies- seitigen Truppen und deren Gefolge gehörende Personen absichtlich tödten, verwunden oder be rauben; d) Brücken oder Canäle zerstören, den Eisenbahn- oder Telegraphenverkehr abbrechen, Wege unfahrbar machen, an Munitions-, Proviant oder andern zu Kriegszwecken bestimmten Vorräthen oder an Quartieren der Truppen Feuer anlegen; e) gegen die diesseitigen Truppen die Waffen er-

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Offiziere und Gemeine, wie eine rothe Garnitur.

Forbach, 9. August. Wälder und Felder sind mit Leichen französischer Soldaten besäet. preußischen Pioniere müssen die Wege über Hochebene bahnen durch Wegräumen der Auf den höchsten Kämmen der welche serpentinenartig den Berg umgeben, hangen die zerfetzten Franzosenleichen,

Große Detachements arbeiten sich in Schweiß, die Gräben für diese Leichenhaufen von Menschen und Pferden zu schaufeln und in den rothen Berg- fels einzuhauen. Ein gefangener französischer Offizier erklärte offen, daß im französischen Lager die Stellung des Spicherberges für uneinnehmbar gehalten wurde, und vier preußische Infanterie⸗ Regimenter haben sie im Frontsturm genommen. Eine furchtbare Panik mußte die französische Armee ergriffen und sie zur wildesten Flucht an⸗ getrieben haben. Im Dorfe Spicheren fielen den Unsrigen eine Menge Lager-Requisiten der aus dem Bivouac aufgescheuchten Franzosen in die Hände. Ganze Zeltlager, Pferdegeschirre, zahllose Waffen, viele tausende Säcke Hafer, große Vor⸗ räthe von Brod und Mehl, ein Schuppen Cham- pagner und andere Weine. Von der Dorfkirche herüber und aus den Hecken schallt das Stöhnen der Verwundeten. Das Sanitäts⸗Detachement richtet Scheunen und Ställe zu Opperationssälen ein. Aus Blutlachen werden die verstümmelten Körper heraussortirt. Unter dem Operations messer schreien und beten die Unglücklichen; sterbend sinken einige unter unseren Händen zusammen. Die Truppenärzte unserer Regimenter, die hier Bivouac bezogen, detachiren sich ab, um wenig- steus einen Theil der Gräuel bewältigen zu helfen. Von Stunde zu Stunde sucht der Tod sich seine Opfer heraus. bis zum Altare lagern die der Franzosen.

Trier, 9. Aug. Gestern wurden 3 Loco motiven und ein langer Zug Waggons, 1. 2. und 3. Classe, die bei Forbach erbeutet worden, herüber gebracht, und heute soll abermals ein solcher Transport erfolgen. An Proviant für

Schwerverwundeten

Von der Schwelle der Dorfkirche

unsere Armee jetzt daselbst nichts weniger als Mangel leidet. Beinahe nicht minder als unsere Truppen haben, wie Augenzeugen be⸗ richten, die Damen von Saarbrücken-St. Johann sich in der Schlacht vor Forbach durch Uner⸗ schrockenheit ausgezeichnet. Während des hef⸗ tigsten Feuers drangen sie mit Lebensgefahr bis zu den Reihen der Kämpfenden und nahmen sich der Verwundeten an. Ehre sei ihnen!

München, 11. Aug.(Officiell.) Von der 3. Armee wurde am 9. August die Feste Lützelstein (la petite pierre) in den Vogesen eingenommen. Das Fort Lichtenberg wurde cernitt und in Brand geschossen.

11. Aug. Dem königl. Kriegsministerium wird vom 1. bayerischen Armeecorps aus Bären⸗ thal gemeldet: Bei Wörth hat die 1. Division

Verwundeten verloren. Dieselbe machte 800 un- verwundete Gefangene. Bei der Verfolgung nahm das 3. Chevauxlegers-Regiment vor Niderbronn im feindlichen Feuer 3 Kanonen.

Aus Baden. Daß die Armee Mac Mahon's sich in voller Auflösung befindet und vorläufig durchaus außer Stande ist, einen neuen Kampf anzubieten, bestätigt sich mit jeder Stunde mehr. Ungeheure Vorräthe sind in unsere Hände gefallen, hier in Brumath z. B. große Massen auf der Eisenbahn auf⸗ gehäufte Fourage. Auch zwei reichgespickte Kriegskassen sind weggenommen. Die Damen des Herzogs von Magenta, bestimmt, die Hounneurs im Haupt-Quartier des Marschalls zu machen, waren die Herzogin von Clermont⸗ Tonnerre und Madame Latour-Dupin. Das Gepäck des Marschalls, worunter sich auch das dieser Damen befand, wurde von 1 preuß. Husaren erbeutet, welche sich das Vergnügen machten, Crinolinen, Chignons, seidene Kleider und Hüte anzuprobiren. Auch der Scherz kaun eine drastische Illustration der Wahrheit ab⸗ geben, daß der Krieg ein ernstes Handwerk ist! Die kronprinzliche Hauptarmee befindet sich in raschem Vormarsch durch die Vogesen. Lieute⸗ nant Winsloe, der Bruder des Gefallenen, ist in voriger Nacht mit großer Kühnheit und Eutschlossenheit um Straßburg herumgeritten und hat an der über Schlettstadt führenden Eisenbahn die Telegraphendrähte zerstört. Straß⸗ burg hat somit keine telegraphische Verbin⸗ dung mehr.

Neu estes.

St. Avold, 12. August, Mittags. Die Wirkung des Sieges bei Saarbrücken auf die französische Armee ist viel größer gewesen als man anfänglich geglaubt hat. Unter Anderem ließ sie auch 10,000 Decken und für 1 Million Tabaksvorräthe im Stich. Pfalzburg und der dortige Vogesenübergang befindet sich in unsern Händen. Bitsch wird, da es nur eine Besatzung von 300 Mobilgardisten hat, von einer Compagnie beobachtet. Unsere Cavallerie stebt bei Lüneville.

Offiecielle militärische Nachrichten.

St. Avold, 12. August, Abends 7 Uhr 15 Minuten. Die französische Armee hatte die Position an der französischen Nied zur Verthei⸗ digung eingerichtet; trotzdem ist sie gestern bei Metz über die Mosel zurückgegangen. Unsere Cavallerie steht vor Metz, Pont à Mousson und Nancy. Abtheilungen unserer Armee sind vor Straßburg eingetroffen. Die kleine Festung Lichtenberg hat capitulirt, Lützelstein(la petite pierre) ist vom Feinde verlassen. Daselbst und an verschiedenen anderen Stellen wurden große Magazine und Militärvorräthe vorgefunden.

München, 12. August.( Amtlich.) Das 1. bayerische Armeecorps befindet sich nach vollen detem Uebergang über die Vogesen heute im Bivouak in Diemeringen(Arrondissement Saverne).

Paris, 12. August. Aus Metz wird von gestern Vormittags 9 Uhr officiell gemeldet: Der Kaiser hat Vormittags die Truppen, welche um den Platz Stellung genommen haben, besichtigt.

Menschen und Vieh haben die Franzosen ganz

Die Haltung der Truppen ist vortrefflich. Die

greifen. Der kommandirende General v. Zastrow. enorme Vorräthe daselbst zurückgelassen, so daß Verbindung mit Straßburg ist unterbrochen,

36 Officiere und 800 Mann an Todten und

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