Ausgabe 
13.8.1870
 
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Daß dies geschehen konnte, wird als ein Symptom starker Demoralisation auf feindlicher Seite an gesehen. 1

Vor einigen Tagen fand in Saarbrücken ein Act der Lynchjustiz statt. Ein dortiger Ein- wohner, den verwandtschaftliche und andere Bande u Frankreich ziehen, hatte dem Feinde Nachrichten über unsere Stellungen und Bewegungen gegeben; als er in der Stadt eintraf, hat das empörte Volk ihn niedergeschlagen und getödtet. Kriegs- gefangene berichten, daß der kaiserliche Prinz, bekannter in Frankreich unter dem NamenLulu, das erste Geschütz auf Saarbrücken pointirt und abgefeuert habe.

Die bei Weißenburg erbeutete Kanone hat die 1. Compagnie des 1. schlesischen Jägerbataillons Nr. 5 genommen. Laut Aufschrift ist sie im September 1859 gegossen zu Toulouse. Sie heißt Le Douai. Der bei Saarbrücken gefallene General v. Frangois war bis vor Kurzem Oberst des zu Glogau in Schlesien liegenden 5. posen'schen Infanterie-Regiments Nr. 58.

Baden. Eine Original-Correspondenz des Fr. Tagbl. vom 8. August berichtet: Gestern früh hörten wir aus der Gegend von Straßburg wieder Kanonendonner, der sich gegen Mittag immer mehr in's Innere zog und man wollte wissen, daß oberhalb Straßburg Prinz August von Würtemberg mit Garde und süddeutschen Truppen über den Rhein gegangen sei, Brumat genommen und Straßburg von allen Seiten ab geschnitten habe. Sie werden inzwischen Näheres erfahren haben; als Bestäligung erscheint mir auch der Umstand, daß alle Truppen von Rastatt an in letzter Nacht nach Kehl dirigirt wurden, um die Cernirung von Straßburg zu vollenden. Diese Stadt selbst ist ungemein schlecht besetzt, das Elsaß von den Truppen ausgesogen und so wird sich die Festung nicht lange halten können, denn es herrscht darin Mangel, weil die Franzosen in dem lächer lichen Wahne lebten, auf unserem Rheinufer reich lich Alles zu finden und weitere Vorsorge für unnöthig hielten. Das französische Lügensystem scheint Alles so durchgeftessen zu haben, daß die besoldeten Spione ihre Regierung selbst belogen und betrogen haben, und es war gewiß mehr als naiv, daß man in Straßburg schon alle nöthigen Geschütze ausgerüstet und bereit gehalten hatte, um sofort Rastatt zu belagern. Bezüglich der Pferde hatten sie geradezu auf unsere durch ihre Pferdezucht bekannten Rheinorte zwischen Lichtenau und Lahr gerechnet.

DieKarlsr. Zig. bringt eine Anzahl interessanter Einzelnheiten vom Kriegsschauplatz, und zwar aus dem Bivouak der badischen Divi ston bei Oberdorf, von denen wir einige Stellen wiedergeben. Es heißt unter Anderem dort: Der Krieg scheint seine furchtbarsten Seiten zeigen zu wollen. Das Landvolk, von fanatischen Geist lichen aufgereizt, vergreift sich an Wehrlosen und Verwundeten; es sind in dieser Hinsicht schon zahl- reiche Opfer zu beklagen. Auf Verwundete und auf das Sanitätscorps ist aus den Häusern ge schossen worden; ja es wird versichert, daß in einem Orte große Gräuel gegen Verwundete verübt worden seien. Thatsache ist, daß 26 Bauern kriegsrechtlich erschossen worden sind, 18 auf einem Fleck. Aus einzelnen Ortschaften sind die Leute, selbst die Schulkinder schaarenweise weggeführt und geknebelt worden; sie befinden sich noch unter Bewachung. In allen Ortschaften, welche passirt werden, wiro von heute an der Kriegszustand verkünvigt. Kein einzelner Mann darf die Ort schaft betreten. Bei jedem Maroden, welcher liegen bleibt, muß ein Posten stehen bleiben. Einzelne Schüsse hört man noch fortwährend, doch ist es so gut wie sicher, daß der Feind nicht Stand halten wird.

Im bapischen Hauptquartier zu Gunstett, 7. August. Soeben wurde das Gepäck des Mar- schalls Mac Mahon eingebracht, darunter selbst die Orden des Marschalls und das Toilettengeräth seiner Damen. Unsere Truppen sind beständig im Vormarsch begriffen. Von Sulz bis Weißen burg ist die Eisenbahn für unsere Zwecke voll ständig in Stand gesetzt und im eifrigstem Betriebe

Täglich finden sich in den Ortschaften neue Ge⸗ fangene, deren Zahl bis an 10,000 reichen soll. Am schlimmsten sind die Turcos weggekommen; ihr Bestand bei der franzöfischen Ostarmee ist so gut wie vernichtet. 6

Karlsruhe, 8. August. In der Nähe von Straßburg und bis Rastatt herunter hörte man heute vom frühen Morgen an in gemessenen Pausen starke Detonationen. Straßburg ist seit gestern nun auch gegen den gewöhnlichen Verkehr abgeschlossen und die vernommenen Schüsse rührten offenbar von Sprengungen an den Verkehrswegen in der Umgebung der Festung her. Unsere frühere Mittheilung, daß der Feind oberhalb Straßburg nur schwache Streitkröfte hätte, bestätigt sich.

9. Aug. Hagenau wurde vorgestern von den badischen gelben Dragonern durch Handstreich ge nommen, 200 Gefangene. DieBad. L.-Z. berichtet darüber vom 7. Aug. Heute zwischen 1 und 2 Uhr wurde dieses elsässische Städtchen durch das badische 1. und 2. Dragoner-Regiment besetzt. Voraus ging ein kühner Handstreich der beiden Dragoner Lieutenants v. Schönau und v. Freydorf, welche mit wenigen Reitern nach der mitten in der Stadt gelegenen großen Caserne ritten und den dortigen Offizieren und Mannschaften erklärten, sie seien gefangen. Der Feind wußte nichts Besseres zu thun, als vor dieserx Handvoll Leute die Waffen zu strecken. Die Früchte dieses kecken Reiter stückchens waren etwa 200 Gefangene, 130 Beute⸗ pferde und 16 Wagen mit prächtigen Austüstungs gegenständen, deren sich die Unsern nicht wenig freuen. Abends wurde bereits das Hauptquartier der badischen Division hierher in den Gasthof zur Post verlegt und die Truppen der Division be zogen Beiwachen rings um die Stadt.

Auch am Oberrhein scheinen deutsche Truppen bereits über den Rhein gegangen zu sein. DerAllg. Ztg. wird von glaubwürdiger Seite folgende, von Schweizer Blättern gleichfalls ge brachte Nachricht bestätigt:Die Deutschen bei Müllheim über den Rhein. Franzosen geschlagen. Mühlhäuser flüchten nach Basel. Daß man im Elsaß ein baldiges Erscheinen deutscher Truppen auf französischem Gebiete für bevorstehend hielt, beweist auch die von derKarlsr. Ztg. gebrachte Nachricht, wonach die Bevölkerung von Mühl hausen und Umgegend am 8. d. von den kaiser lichen Civilbehörden aufgefordert wurde, sich einem etwa erfolgenden Einmarsch deutscher Truppen gegenüber friedlich zu verhelten. Es wurde viel bewegliches Eigenthum nach Basel geflüchtet.

10. August. Straßburg ist zur Stunde von allen Seiten cernirt und die Eisenbahnen, die von dort nach Hagenau, Paris und Lyon führen, sind von den deutschen Truppen occupirt. In der Festung soll sich nur ein Regiment Infanterie und Nationalgarde zur Besatzung be finden und die Verproviantirung äußerst schwach sein. Die gestrige Aufforderung des Generals Bayer zur Uebergabe wurde vom Commandanten abgewiesen.

Nach sicheren Nachrichten herrscht im Elsaß eine solche Furcht vor dem Ausbruch von Arbeiter unruhen, daß man an vielen Orten sogar die deutschen Truppen herbeiwünscht.

10. August.( Amtlich.) Die Cavallerie- brigade unserer Division ging mit Artillerie und einigen Bataillonen Infanterie am Abend des 8. d. bis unter die Thore Straßburgs vor. Die Garnison dieser großen Festung, welche nur aus einem Regiment und nicht eingekleiveter National garde bestehen soll, ließ unsere Truppen unbelästigt bie an das Glacis und bis zur Citadelle heran kommen, und machte ebensowenig einen Versuch, die Zerstörung der Eisenbahn und des Telegraphen nach Lyon zu hindern. Straßburg ist also nach allen Seiten isolirt. Gestern war unsere Diviston in Brumath.

Stuttgart, 11. August. DerStaats anzeiger meldet: Die Verluste der würtembergischen Truppen in der Schlacht bei Wörth betragen: todt 6 Offiziere, 28 Mann; verwundet 10 Offi- ziere und 225 Mann; vermißt 118 Mann. Die würtembergische zweite Brigade kam um 4 Uhr

in's Gefecht und drang von Elsaßhausen nach

Froschweiler vor. Die würtembergische Cavallerie

betheiligte sich an der Verfolgung und erbeutete 1 Mitrailleuse, 3 Kanonen, sowie den Stabs⸗

wagen der vierten französischen Division mit 222,000 Franken in Gold und 400 bis 500 Beutepferde

Hessen. Darmstadt. DerM. Ztg. entnehmen wir folgende Nachricht: Das Großh. Finanzministerium hat die ganze Bedarfssumme, welche es nach dem Gesetz vom 28. Juli 1870 zur Bestreitung der Kosten der Feldaufstellung und Unterhaltung der hessischen Armee-Division auf dem Wege des Anlehens zu beschaffen ermächtigt war(fl. 1,800,000) durch Vertrag mit der Bank für Handel und Industrie gedeckt, welche den genannten Betrag der Finanzverwaltung zur Verfügung gestellt hat.

Nach derDarmst. Ztg. haben S. K. H. der Großherzog den im Großherzogthum be stehenden, beziehungsweise sich bildenden Vereinen zur Unterstützung der Angehörigen der im Felde stehenden Soldaten aus Allerhöchster Cabinetskasse im Ganzen die Summe von zweitausend Gulden zu bewilligen geruht.

Friedberg. Seit einigen Tagen haben wir auch hier in dem in der Turnhalle errichteten Lazarethe 6 Verwundete liegen, welche sich der sorgsamsten Pflege zu erfreuen haben. Die Räumlichkeiten des Lazarethes sind zu 20 Betten und trotz der Eile, mit welcher dasselbe geschaffen werden mußte, auf das Zweckdienlichste und allen Anforderungen entsprechend eingerichtet. Unsere Frauen und Jungftauen wetteifern in der Sorge für die verwundeten deutschen Brüder und weit mehr hülfbereite Hände, als bis jetzt erforderlich, haben sich bereitwilligst zur Verfügung gastellt. Von der Einrichtung der Klosterkaserne als Reservelazareth hat man glücklicherweise abgesehen und bereits mit dem Bau von Baracken begonnen, deren erste auf dem sog. Schützenraine errichtet wird.

1 Friedberg, 11. August. Eine heute vahier versammelt gewesene, aus Vertretern der Kreiskasse und der Mathildenstiftung zusammenge⸗

setzte Kommission hat in Verwendung der ihr von

beiden Instituten zur Verfügung gestellten Mittel Fürsorge getroffen, daß den zurückgebliebenen Fa⸗ milien der aue dem Kreise Friedberg in's Feld gezogenen Reservisten und Landwehrmänner, des⸗ gleichen den Familien aller im Kreise garnisoniren⸗ den Soldaten, Spielleute und Unteroffiziere während der Abwesenheit ihrer Versorger eine halbmonat⸗ lich auszubezahlende, dem jeweiligen Familienstand entsprechende Unterstützung zu Theil wird.

Ist nun damit, wie wir hoffen, für die nächsten Bedürfnisse der fraglichen Familien hinreichend ge⸗ sorgt, so wird doch gerade auf diesem Felde auch der Privatwohlthätigkeit noch manche Gelegenheit zum Eingreifen offen bleiben. Und in dieser Be ziehung wollten wir namentlich darauf hinweisen, bei wie vielen der zurückgebliebenen Familien auf dem Lande die Feldarbeiten durch den Abzug ihrer Versorger in's Stocken gerathen müssen. Da bleibt bald die Ernte von dem mit Mühe und Opfern ausgestellten Stückchen Feld einzu⸗ heimsen, bald will der abgeerndete Acker für die Wintersaat vorbereitet, bald die demnächst reifen⸗ den Kartoffeln ausgemacht und heimgefahren wer den, und doch kann die mit einem Häuflein Kinder beschästigte Hausfrau oder die allein stehende be⸗ tagte Mutter weder Zeit noch die Mittel für bezahlte Aus hülfe finden. Hier wäre für glück⸗ lichere Nachbarn und Ortsangehörige eine schöne Gelegenheit geboten, sich mittelst freiwilliger un entgeltlicher Hülfeleistung an der Durchbringung der Familien derjenigen, die für unser Aller Existenz und Wohlstand auf fremdem Boden kämpfen, zu betheiligen, und glauben wir, daß es nur dieser Andeutung bedarf, um die sich im Augenblick in so glänzender Weise bethätigende Opferwilligkeit unsrer Mitbürger in Stadt und Land auf diese Seite der uns möglichen Hülfe leistung aufmerksam zu machen.

J Nauheim. Sofort nachdem bekannt wurde, daß Bad⸗Nauheim von der Militärbehörde zur Errichtung eines Militär-Reserve-Lazareths vor⸗

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