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Samstag den
13. August. N95.
berhessischer Anzeiger.
Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis Friedberg.
Friedberger Znutelligenzblalt.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Amtlicher Theil.
Aus dem Großherzoglichen Regierungsblatte sind zu publieiren: Nr. 38. sub 1. Verordnung, die Taxe der Eichgebühren betreffend.— sub 2. Bekanntmachung, die Aufnazme von Branntwein, für welche Steuervergütung
geleistet wird, in öffentlichen Niederlagen betreffend. Friedberg den 11. August 1870.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg Trapp.
Nachverzeichnete Gesetze ꝛc. sind im Bundesgesetzblatt des Norddeutschen Bundes publizirt worden.
Nr. 33. Nr. 543. Gesetz, über die Ausgabe von Papiergeld. Vom 16.
Schatzanweisungen im Betrage von 20,000,000 Thlr. Vom 31. Juli 1870. Nr. 545.
Jun 1870.— Nr. 544. Bekanntmachung, betreffend die Ausgabe verzinslicher Die Ernennung eines Vereinscontroleurs bei dem Hauptzollamte Lindau.
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Betreffend: Die Ausführung des Voranschlags für die Kreiskasse des Kreises Friedberg in 1870.
Der Kreis Friedberg, vertreten durch den Bezirksrath und die unterzeichnete Behörde, ist zur Erfüllung der ihm nach dem Gesetze über die Kriegsleistungen vom 11. Mai 1851 obliegenden Verbind⸗ lichkeiten demnächst in der Lage, Kapitalien zu einem noch zu be— stimmenden Zinsfuß aufnehmen zu müssen und haben wir in der Sitzung des Bezirksraths vom 23. v. M. die Ermächtigung zur Auf, nahme von Darlehn im Bedarfsfalle im Gesammtbetrag bis zu 25,000 fl. erhalten. Indem wir demzufolge Diejenigen, welche gesonnen sind der Kreiskasse die benöthigten Kapitalien, in allen
beliebigen Beträgen, darzuleihen, auffordern, diese ihre Ab-
sicht umgehend schriftlich oder mündlich bei uns kundzugeben, wird bemerkt, daß die Darlehen durch die sämmtlichen Gemeinden und selbstständigen Gemarkungen des Kreises garantirt und die Schuld⸗ urkunden außer uns durch die Bevollmächtigten des Bezirksraths, nämlich den Vorsitzenden, Kammerherrn Freiherrn W. Löw von und zu Steinfurth und das Mitglied Großherzoglichen Bürgermeister Stoll zu Nieder-Wöllstadt vollzogen werden. Friedberg den 3. August 1870. Großherzogliches Kreisamt Friedberg IA
Betreffend: Die Ausführung des Voranschlags für die Kreiskasse des Kreises Friedberg.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die
Indem wir Sie auf die vorstehende, schon mehrmals im Ober— hessischen Anzeiger abgedruckte Bekanntmachung hinweisen, fordern wir Sie dringend auf, derselben möglichste Verbreitung zu verschaffen und Ihren ganzen Einfluß aufzubieten, damit recht bald Kapitalien in genügendem Maße als Darlehen an die Kreiskasse bei uns au gemeldet werden. Eine gesichertere Anlage von Kapitalien als die gebotene kann wohl nicht gedacht werden, wobei noch zu berücksichtien ist, daß wir bereit sind den Zinsfuß auf 6% zu verein⸗ baren. Die Gelegenheit sollte insbesondere von Gemeinden, Kirchen⸗ fonds, Stiftungen c., welche augenblicklich im Besitz von Baarmitteln sind, nicht unbenutzt gelassen werden.
Friedberg den 12. August 1870. Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Wir hegen das Zutrauen zu dem patriotischen Sinne unserer Kreisangehörigen, daß Diejenigen, welche in der Lage sind, nunmehr die der Kreiskasse sofort für Kriegskeistungen und Unterstützung be— dürftiger Familien von ausmarschirten Reservisten uud Landwehr⸗ männer nöthigen Mittel vorzustrecken und wir nicht gezwungen werden, solche auf eine dem Kreise, den Gemeinden und der Gesammtein⸗ wohnerschaft schwere Opfer auferlegende Weise za beschaffen. Wir sehen baldigst Ihrem Berichte entgegen, welche Erfolge Ihre Be— mähungen gehabt haben.
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Kriegs nachrichten.
Officielle militärische Nachrichten. Saar ⸗ brücken, 9. August, 11 Uhr 45 Minuten Nachts angekommen. An General v. Hanenfeldt. Das Gefecht am 6. August bei Spichern, unweit Saarbrücken, hat größere Dimenssonen und Resultate gehabt, als bisher bekannt gewesen. Das fran- zösische Corps Frossard ist in demselben fast gänz⸗
mehrere Eisenbahntrains
der Cavallerie bereits überschritten. räthe an Lebensmitteln,
gefallen.— Die kleine Festung Lützelstein(la petite Pierre) in den Vogesen ist vom Feinde geräumt, unter Zurücklassung von Geschützen und Vorräthen.
Große Vor- zwei Pontoncolonnen, sind in unsere Hände
250,000 Mann Feldtruppen(die Reserven in Chalons, zunächst aus Mobilgarden bestehend, können billig außer Berechnung bleiben) entgegen- zusetzen; dafür aber nimmt diese jetzt vor Metz concentrirte Armee allerdings eine außerordent- lich feste Stellung ein, welche das Uebergewicht auf deutscher Seite einigermaßen ausgleichen könnte, wenn nicht, abgesehen von den sonstigen Miß
v. Verdy.
lich aufgelöst worden. Die Verluste desselben an Todten und Verwundeten sind außerordentlich be- deutend. Das Lager einer Division und ver⸗ schiedene bedeutende Magazine sind genommen; außerdem ist eine sehr große Anzahl Gefangener eingebracht, deren Zahl sich noch stündlich ver⸗ mehrt. Bis jetzt sind bereits über 2000 eingebracht, aber auch der diesseitige Verlust ist bedeutend, bei der 5. Division allein circa 1800 Mann. Die französische Armee weicht an allen Orten zurück. St. Avold ist von dies ⸗ seitigen Truppen besetzt. Unsere Pa- troulllen streifen bis 2 Meilen vor Metz. Sonst ist am 9. bis jetzt nichts von Belang gemeldet.(gez.) von Podbielski. Officielle militärische Nachrichten. Saar- brücken, 10. August, 10 Uhr 40 Min. Abends aufgegeben. An General von Hanenfeldt, ein⸗ getroffen den 11. August 1 Uhr früh: Die fran- zösische Armee setzt ihren Rückzug gegen die Mosel auf allen Punkten fort. Von sämmtlichen preu⸗ ßischen Armeen folgt ihr die Cavallerie auf dem
Fuße. Die Linien Saurunjon, Groß-Tenquin, Faulquemont, Fouling, les Etangs ꝛc. sind von
Die Armeen des Generals Steinmetz und des Prinzen Friedrich Karl(die erste und zweite Armee) haben sich vereinigt und ihre Vorposten nach der vorstehend abgedruckten officiellen Depesche bis zwei Meilen vor Metz(etwa die Mitte des Weges zwischen diesem Platze und St. Avold) vorge— schoben. Es läßt sich hiernach annehmen, daß in diesem Augenblick die colossalen Streitkräfte der verbündeten deutschen Heere zum größten Theile auf französischem Boden stehen und zwar die beiden Armeen unter General Steinmetz und Prinz Friedrich Karl in der Front vor der fran⸗ zösischen Hauptarmee unter Bazaine und die Armee des Kronprinzen von Preußen(die Südarmee) in der Flanke und möglicherweise bald schon im Rücken des Feindes. ˖
Die Stärke dieser drei Heeressäulen, welche nun ihren gleichzeitigen Angriff auf die Stellung der franz. Hauptarmee auszuführen im Begriffe stehen, wird auf nahezu 600,000 Mann angegeben. Diesen eolossalen Streitkräften hat Napoleon, nachdem inmittelst das Corps Mae Mahons bei Seite geworfen und das Corps Frossard theils aufgerieben, theils versprengt worden ist, nach allen Schätzungen böchstens nur noch
Brückentrain v
geschicken Louis Napoleon's, die französische Haupt- armee in die gar nicht unwahrscheinliche Lage kommt, zugleich in der Front und im Rücken von über- legenen Kräften angegriffen zu werden, was ihre ganz unausbleibliche Niederlage, ja vielleicht ihre völlige Auflösung zur Folge haben würde. Von der größten Wichtigkeit muß es deßhalb erscheinen, daß die Südarmee ihren Maͤrsch so zu beschleunigen vermag, um zu einer Hauptschlacht bei Metz noch zeitig genug einzutreffen und dann ungefähr die⸗ selbe Aufgabe zu erfüllen, welche dem Kronprinzen von Preußen in der Schlacht bei Königgrätz zufiel.
Hagenau(im Elsaß), 9. August, Vorm. Die kronprinzliche Armee fand auf dem weiteren Vormarsch sämmtliche Dörfer mit Verwundeten aus der Schlacht von Wörth überfüllt. Die ange— gebenen ungefähren Verluste steigern sich auf das Doppelte bei den Franzosen, nämlich auf zehntausend Todte und Verwundete ohne die Ge— fangenen, von denen noch immer viele eingebracht werden.
Saarbrücken, 9. Aug. Bei Forbach haben unsere Truppen dem Feinde einen vollständigen on etwa 40 Wagen abgenommen.


