Ausgabe 
12.7.1870
 
Einzelbild herunterladen

Gegenüber demJournal de Paris, welches den Prinzen von Asturien als den Can⸗ didaten Frankreichs und Oesterreichs bezeichnete, bemerkt die halbamtlicheWiener Abendpost, daß diese Behauptung, soweit sie Oesterreich be · rühre, vollkommen unzulreffend sei. habe der spanischen Thronfrage immer fern ge⸗ standen und stehe ihr auch gegenwärtig fern.

Frankreich. Paris. DerConstitu⸗ tionnel stellt den Abbruch der diplomatischen Be · ziehungen mit Spanien in Aussicht, wenn die französische Regierung die Ueberzeugung gewinnt, daß das spanische Ministerium an der Candidatur des Prinzen von Hohenzollern fortdauernd fest⸗ halte. Preußen anlangend, meint das Blatt, so genüge es nicht zu sagen, Preußen stehe der Can; didatur fern; sondern wie Louis Philipp dem Herzog von Nemours die Annahme der belgischen Krone, wie England dem Prinzen Alfred, Ruß- land dem Herzog von Leuchtenberg die Annahme der griechischen Krone und wie Napoleon III. dem Prinzen Murat die Annahme der neapoli⸗ tanischen Krone nicht gestattet habe, so müsse auch Preußen dem Prinzen von Hohenzollern es unter⸗ sagen, die Krone von Spanien anzunehmen. Der Constitutionnel theilt ferner mit, die französische Regierung habe sich mit den Großmächten in Beziehung gesetzt, und beabsichtigten die letztern, in Berlin und in Madrid im friedlichen Sinne zu wirken. Das hier coursirende Gerücht über die erfolgte Enthebung des französischen Botschafters am preußischen Hofe, Benedetti, ist, wie versichert wird, völlig unbegründet.

In der Sitzung des gesetzgebenden Körpers verlangten Picard und Favre neuerdings die Mit theilung von Dokumenten über den spanischen Zwischenfall. Justizminister Ollivier erklärt, die Regierung werde, wann sie es für opportun er⸗ achte, die ihr gewordenen Aufschlüsse mittheilen. Das Land könne von der Festigkeit und Würde der Regierung, welche nichts verabsäumen werde, um das Land aufzuklären, überzeugt sein.

DasJournal des Debats ist allein besonnen und sucht die öffentliche Meinung zu be⸗ schwichtigen. Dynastische Allianzen, meint es, würden in unserer Zeit immer bedeutungsloser; England z. B. habe in den letzten Kriegen weder mit Dänemark noch mit Hannover noch mit Preußen gemeinschafiliche Sache gemacht, obgleich es mit diesen drei Höfen nahe verwandt gewesen sei. Man mache aus dem schwarzen Adler von Preußzen einen wahren Popanz und Bismark zum Sünden⸗ bock für jedes Aergerniß. Der preußische Premier sei diesem spanischen Project vielleicht ganz fremd und viel zu einsichtsvoll, als daß er auf eine neue Auflage der Universal⸗Monarchie Karls V. sinnen sollte. Eher sei e cs möglich, daß der König von Preußen die Schwäche gehabt hätte, in die

Oesterreich

Kathedrale niedergebrannt. Drei russische Unter thanen wurden mit niedergemetzelt, wahrscheinlich aus Versehen, da andere Ausländer nicht ange⸗ griffen wurden. Am folgenden Tage, den 22., halte die Menge ausgetobt und zerstreute sich.

Spanien Madrid. Dem Vernehmen nach, hat die Regierung dem ständigen Cortes⸗ ausschuß einen Brief des Prinzen Leopold von Hohenzollern zugestellt, in welchem derselbe erklärt, daß er die Krone annehmen werde, wenn die Cortes sich für ihn aussprechen sollten.

DerJupartial veröffentlicht eine Er⸗ klärung des Herzogs von Sagasta an den fran⸗ zösischen Gesandten in Madrid Mercier de Lostende. Der Herzog beklagt sich, daß die französische Re⸗ gierung sich fortlaufend allen Candidaturen wider⸗ setzt habe und nur den Infanten Alphons be⸗ günstige. Der Herzog stellt es in Abrede, daß Spanien der preußischen Politik folge, bedauert die Empfindlichkeit Frankreichs und erklärt, daß Spanien sich bemühen werde, die Projecte, welche es für angemessen erachte, zu einem guten Ende zu bringen, ohne daß der Wunsch nach Erhaltung des Friedens Spaniens seine Würde und sein Recht, sich in vollkommener Unabhängigkeit neu zu constituiren, vergessen lassen werde.

Italien. Rom. 120 Bischöfe haben eine Petition an den Papst gerichtet, worin sie im Hinblick auf die große derselben eingetretenen Krankheitsfälle um eine kurze Vertagung des Coneils bitten, etwa bis zum 1. October. DieAllgem. Zeitung theilt in ihrem 60sten Concilsbriefe den Wortlaut dieser Petition mit.

Amerika. Washington, 9. Juli. Die Ausschüsse der beiden Häuser des Congresses haben sich bei ihren gemeinsamen Berathungen betreffs der Consolidirungsbill nicht einigen können. Der Ausschuß des Senates begünstigt die Agenturen im Ausland, der Ausschuß des Repräsentanten⸗ hauses opponirt gegen sie. Der Ausschuß des Repräsentantenhauses hält am 4p Ct. Zinsfuß fest, der Senats⸗Ausschuß befürwortet mehr, die Bil⸗ dung neuer Comites ist wahrscheinlich.

Nauheim. In der Nacht vom 8. zum 9. d. brach auf der Mergarbt'schen Ziegelhütte am Bahnhosfe Feuer aub. Mehrere Stallungen ꝛc. brannten nieder. Die sonstigen Gebäulichkeiten blieben von den Flammen ver⸗ schont. Bei großem Mangel an Wasser war man in ängstlicher Sorge, das Feuer möchte die angrenzenden Fruchtselder ergreifenz wir blieben, Gott sei Dank, von diesem Unglücke verschont.

A. Nauheim. Am Samstag wurde das erste Korn in den hochgelegenen Theilen unserer Gemarkung geschnitten.

S. Hungen. Ein fleißiger, braver Schreinergeselle arbeitete seit einigen Wochen in Gießen, wo er am Mitz⸗ wochabend beim Baden in der Lahn seinen Tod fand; der Leichnam wurde Freitags mit der Bahn hierhergebracht, und am Samstag begleitete eine große Menge Leidtra⸗

Candidatur eines Prinzen seines Hauses für Spanien zu willigen, wie ja auch Ludwig Philipp

gender die betrübten Eltern an das Grab ihrer schönsten

geglaubt hätte, den alten Familienvertrag der Bourbonen mit Spanien glücklich erneuert zu haben. Belgien. Brüssel. Der amtlicheMoni⸗ teur belge und dieIndependance erklärt die Behauptung französischer Blätter, der König der Belgier habe sich während seines Aufenthaltes in London mit der Candidatur des Prinzen von Hohenzollern beschäftigt, für eine Verläumdung. Der König habe die Unterhandlungen erst aus ausländischen Zeitungen und lange nach seiner Rückkehr aus London erfahren. Großbritannien Die ausführlichsten Nachrichten über die Gräuelthaten in Peking ent⸗ hält ein in derMorningpost mitgetheiltes Tele⸗ gramm aus Tientsin vom 25. Juni. Der Ueber- fall, welcher am 21. Juni ausgeführt wurde, schien planmäßig angelegt zu sein und die Wuth richtete sich vornehmlich gegen die Franzosen und die französischen Priester. Der französische Ge- sandtschaftssecretär und gegenwärtige Geschäfts⸗ träger Nochechouart(der von der Morningpost angeführte NameRochefort beruht offenbar auf Verwechslung), der französische Consul, die sämmtlichen französischen Priester und barmherzigen Schwestern wurden von dem Volkshaufen er- mordet; die auf Grund der Verträge erbaute

Hoffnung.

Gedern. Das Cenzral⸗Comite für die Wetterau⸗ Vogelsberger Eisenbahn hielt am vorletzten Moniag hier die zweite Generalversammlung. Herr Baron v. Rößler erslattete Bericht über den Stand des Unternehmens, woraus hervor ging, daß die Erbauung der Bahn in der früher vorgeschlagenen Richtung, als ein Stück der neuen Bahn, welche Berlin und Frankfurt a. M. auf direktestem Wege verbinden wird, bereits als gesichert angesehen wer⸗ den darf. Die Vermessungen auf der ganzen Linie haben begonnen und bedeutende Autoritäten sprechen sich auf das Günstigste aus.

Frankfurt. Vor einigen Tagen wurde in einem hiesigen Hotel ein Frauenzimmer tobt aufgefunden. Die am Halse sichtbaren Spuren lassen auf verübte Gewalt thätigkeit schließen. In dem am 7. Juli erschienenen Amtsblatte sind 44 Reservisten des 82. Landwehr⸗ Regiments aufgefordert, da sie im Verdachte der Desertion stehen, sich am 7. Novembec d. J. hier zu stellen.

Gelnhausen. Am 24. und 25. d. M. wird dahier das 700jäbrige Jubiläum unserer Stadt als freie Reichs⸗ stadt gefeiert werden.

Mainz. Vor einigen Tagen ereignete sich beim Hess. Feld⸗Artillerie⸗Regiment Nr. 11 ein bedauernswerther Unfall. Ein Unteroffizier, sonst ein braver Mensch, kam angetrunken nach Hause. Nach 10 Uhr wollte er noch⸗ mals sein Quartier verlassen, welches Vorhaben ihm der Zimmerausseher, ein Sergeant, nicht gestattete.Nun, dann springe ich zum Fenster raus, wenn sie mich nicht zur Thür hinauslassen, sagle der Unterossizier.Ist mir recht, antwortete ber Sergeant. Aber kaum gesagt, ist der Unteroffizier am Fenster, einen Augenblick noch und gräßlich zerschmettert liegt der Unglückliche vom zweiten

Hitze und der in Folge

Karlsruhe. Hier ist ein Soldat des Leibgrenadier⸗ Regiments auf eigenthümliche Weise ums Leben gekommen. Bei einer Felddienstübung besiieg er einen Baum, um nach dem vermeintlichen Feinde zu sehen. Der Ast, auf dem er stand, brach und er fiel seinem untenstehenden Kameraden so unglücklich in das Bajonnet, daß er sofort

eine Leiche war. 1

Schweiz. Die Rigi⸗Bahn ist bis zum Tunnel vollendet und wird gegenwärtig das Material für die Eisenbahnbrücke jenseits des Tunnels über den Schnur tobel hinauf befördert; von da bis zum Kaltbad sind die Erd⸗ arbeiten in vollem Gange und können Schienen und Zahnstangen gelegt werden, sobald die Brücke montirt ist und der Transport über dieselbe staltfinden kann.

England. Eines eigenthümlichen Todes starb vor einigen Tagen ein Landwirth in Middletonin England. Er eine reise Pflaume, die er in seinem Obstgarlen pflückte und in der sich, wie sich später, ergab, eine Wespe befand, die ihn im Halse stach. Eine Stunde darauf war er eine Leiche. Die in Folge des Sliches sich entwickelnde Geschwulst hatte Erslickungstod verbeigeführt. 8

Amerika. Nachdem der Bau der Pacifie⸗Eisenbahn in der ganzen civilisirten Welt mit größtem Interesse verfolgt worden ist, dürften einige statistische Angaben über die Frequenz dieses Riesen⸗Unternehmens wohl am Platze sein. Während der ersten vier Monate dieses Jahres benutzten 5043 Personen diese Route von Californien aus nach dem Osten des nordamerikanischen Continenis, wäh⸗ rend 3052 Personen nach dem Westen reisten. Rechnet man hinzu, daß während des nämlichen Zeitraumes 6164 Passagiere zur See in Californien eintrafen, während nur 4000 abreisten, so ergibt sich zu Gunsten des Goldlandes eine Bilanz von 6200 Personen. Unter dem von der Paciftebahn beförderten Frachtgut befanden sich während der genannten vier Monate 766,140 Pfund Thee, 42,028 Pfö. Hopfen, 13,028 Pfd. Rohseide, und 529,243 Pfd.

olle.

Newyork. Der Consum von Lagerbier in den Ver⸗ einigten Staaten wird von einem Statistiker desNewy. Herald auf 6,500,000 Jaß per Jahr angegeben, zu deren Erzeugung 970,000 Acres mit Gerste und 42,625 Acres mit Hopfen bebaut nothwendig sind. Nicht wenigen als 45,000 Personen sind in diesem Industriezweige beschäftigt und das in demselben angelegte Capital beträgt, nach derselben Quelle, über 106,000,000 Dollar.

Die spanische Thronkandidatur.

Das Ereigniß des Tages ist die. spanische Thronkandidatur. Der Königssucher par excellence, Prim, hat, nachdem er vergeblich da und dort die Netze ausgeworfen, sich endlich nach Deutschland gewandt. Schon bei seinen neulichen Erklärungen in den Cortes über seine Bemühungen um die Thronbesetzung hat er Andeutungen fallen lassen, daß er noch einen Prinzen in petto hätte, ohne aber zur Zeit Näheres mittheilen zu können. Jetzt liegt die Sache zu Tage. Prinz Hohen- zollern hat seine Bereitwilligkeit erklärt, den spanischen Thron zu besteigen, wenn die Wahl der legalen Vertreter der spanischen Nation ihn dazu berufe. Diese Nachricht kam plötzlich in die Welt geschneit. Was werden sich die europäischen Völker d'rum kümmern? Daß die Verhältnisse in Spanien sich trotz Castelar'scher Reden zu einer Republik schlecht anlassen, die Spanier darum eines Königs benöthigt sind, ist offenkundig. Wenn also Prinz Hohenzollern will und die spanische Nation sich für ihn entscheidet, wen geht's was an? Mögen sie's mit einander probiren!

So sollte man meinen. Ja wenn die Herren in Paris nicht wären! Die meinen noch immer, es dürfte in ganz Europa kein Huhn ein Ei legen ohne ihre Erlaubniß. Freilich mag es der Eitelkeit eines Cabinets wenig schmeicheln, wenn so Etwas sich im Stillen und hinter seinem Rücken einfädelt; freilich wird manche Combination hin⸗ fällig, wenn der südwestliche Nachbar vielleicht nicht so bereitwillig wäre, an einem beliebigen Punkt, etwa in Italien, eine Unterstützungs⸗Armee aufzustellen. Aber es gibt Manches, was Man⸗ chem in die Quere kommt, ohne daß er darüber hinaus kann, eben weil der Andere auch Rechte hat. Von einer Dinastie aber, die ihre ganze Existenz auf wiederholte Volksabstimmung gründet, wäre es mehr als seltsam, wollte sie dieses freie Selbstbestimmungsrecht dem Nachbarvolk gestatten.

In diesem kolossalen Widerspruch mit sich selbst befindet sich thatsächlich die französische Regierung, Sie hat erklärt unter dem stürmischen Beifall der gesetzgebenden Kammer, sie werde einen Hohen- zollern auf dem spanischen Thron nicht dulden.

Stock herunter am Boden.

7

nicht

ich keines we. nsänden bt Unglück

Au

I b er sel

inter von

In 70, Leben

Jagrucht von f unden muß 1 iu ptäfumtioe dies Vermöge Us nächste brüder Johan; bad peimrich 2 Schwefer Ann dal, Conrad belnrich Bink bantmanns Pe Es werden ktwafge Leibes Gibansprüche glauben bilden 9 No naten an scch dahle kürglotssch de angeführten werden sold. Butzra⸗

Mit andern Worten: Ihr Spanier dürft nur den Euch zum König wählen, der uns genehm ist; wir haben darüber zu bestimmen. So wäre