Ausgabe 
12.2.1870
 
Einzelbild herunterladen

*

9 2 m

bringt an der Spitze ihrer Spalten einen längeren Artikel Henri Rochesort's, worin von der an ihn ergangenen Aufforderung, seine Gefängniß⸗ strafe anzutreten, und von seiner Haltung dieser Aufforderung gegenüber die Rede ist. Dieser Artikel erregt großes Aufsehen und schließt mit folgender Stelle:Nein, nein, mein Herr Welt⸗ mann, ich werde mich nicht um 11 Uhr präcis nach dem Jagd-Rendezvous begeben, welches Sie mir in Ihrem Palast von Sainte-⸗Pelagie geben. Nehme ich diese Einladung an, so würde man vielleicht glauben, daß ich gleichfalls diejenigen annähme, die mir aus Compiegne und Fontaine- bleau zugehen könnten, und diesem Mißverständniß muß um jeden Preis vorgebeugt werden. Wenn ich mich übrigens in meinen Arbeiten stören ließe, um mich dem Wunsche zu fügen, den Sie in dem Briefe mit unleserlicher Unterschrift aussprechen, so würden Ihre Blätter angeben, ich komme Ihnen entgegen. Das Geringste, was man thun kann, ist doch, daß zwei von den Polizeiwächtern, die Sie umgeben, sich die Mühe geben, mich mit der Hand beim Kragen zu nehmen. Es ist ein gutes Beispiel, wenn man der feierlichen Freisprechung des Prinzen Peter Bonaparte die Verhaftung eines Derjenigen vorhergehen läßt, welche er zu ermorden gedachte; besonders wenn man bedenkt, daß der zu Verhaftende ein Vertregzr des Volkes ist, was seiner Einsperrung. Bei⸗ geschmack vom 2. Dec. freundlichen Andenkens gibt. In der Nacht vom 8. zum 9. ds. Mts. wurden ungefähr zehn Barricaden errichtet. Haupt- sächlich in der Rue du Temple und den anstoßen⸗ den Straßen. Die meisten wurden ohne Wider- stand beseitigt. Nur in der Rue Oberkampf soll es zu einem ernstlichen Zusammenstoß gekommen sein. Man versichert, daß die Stadtsergeanten die Barricaden mit dem Degen in der Hand nehmen mußten, wobti es einige Verwundete gab; auch sollen mehrere Schüsse von Seiten der Un- ruhestifter abgescuert worden sein. Gegen 1 Uhr Morgens war die Ruhe überall wieder hergeßellt. Die Polizei verhaftete bloß die Rädelsführer und die bewaffneten Individuen, im Ganzen etwa 100 Personen. 1 9. Febr., Abends. In der Sitzung des gesetzgebenden Körpers interpellirte Ferry das Ministerium über die gestern erfolgten Auflösungen dreier Versammlungen und die Verhaftungen der Redacteure derMarseillaise. Er btlschuldigt das Ministerium, die gegenwärtigen Ereignisse durch bedauerliche Provocationen veranlaßt zu haber. Der Justizminister weist diese Beschul⸗ digung zurück und erklärt:Die Ordnung kann ernstlich nicht gestört werden; der Kampf, den wir führen, ist nicht ein Kampf für die Ordnung, sondern für die Freiheit! Ferry wurde wegen des Ausdruckes:die Justiz ist im höchsten Grade verdächtig zur Ordnung gerufen. Der Zwischen⸗ fall ist damit geschlossen. DerTemps be richtet über mehrere heute in Belleville stattgefun⸗ dene Zusammenrottungen. Man erwartet für den Abend neue Versuche, die Ordnung zu stören.

10. Febr., Morgens. Wie man versichert, sind auch gestern Abend in dem Faubourg du Temple und Belleville einige Versuche gemacht, Barrikaden zu bauen, aber durch die Stadt- sergeanten wie die Bürger selbst verhindert wor den. Bis 10 Uhr Abends hatte nicht der geringste Conflikt stattgefunden. Ueberall herrschte Ruhe. Man hält die Unruhen für vollständig beendet.

Der Gesundheitszustand des alten Thiers flößt einiger Maßen Beunruhigung ein. Er hat seit zwei Tagen nicht mehr den Kammersitzungen anwohnen können.

Großbritannien. London. Das Par- lament ist am 7. d. in üblicher Weise eröffnet worden. Die Thronrede sagt: Auf Befehl der Königin fordern wir Sie zur Wiederaufnahme Ihrer be⸗ schwerlichen Arbeiten auf und drücken dabei im Namen der Königin ihr Bedauern aus, daß ihr neuerliches Unwohlsein sie verhinderte, in diesem bemerkenswerthen politischen Momente, wie sie beabsichtigt hatte, zu erscheinen. Die Thronrede kündigt die Vorlage einer irischen Landbill an, behufs Wiederherstellung von Vertrauen und

.

Gesetzlichkeit, ferner eine umfassende Bill über das Volksschulwesen, Modificirung der Naturalisations- gesetze, des Appellationsgerichts, der Universitäts⸗ eide, der Communalbesteuerung, der Wirthschafts⸗ concessionen, des Verkaufs von Landeigenthum, der Vererbung von Grund und Boden, der Gewerkvereine und der Schifffahrtsgesetze. Die Königin betrauert lebhaft die Agrarverbrechen in Irlaud und hofft, daß dieselben durch weise Ge⸗ setztsrefornen verschwinden werden. Nöthigenfalls würde sie aber ohne Zögern Repressivmaßretzeln anempfehlen.

Türkei. Konstantinopel. DerLevant Herald meldet, daß die ägpptischen Panzerschiffe Toulon verlassen und sich nach Konstantinopel begeben haben. Auf den Wunsch des Vicekönigs von Aegypten hat die Pforte auf die Auslieferung der Gewehre verzichtet.

Rußland. Petersburg. Ven einem Prozesse gegen eine Anzahl Rubelscheinfälscher wird berichtet, daß der Student Kiebert in seiner Vertheidigungsrede wahrhaft grausenerregende Tyatsachen enthüllte. Man hält die politischen Verbrecher in feuchten, dumpfen, unterirdischen Löchern, wohin kein Tageslicht dringt und in denen es von Ratten und Ungeziefer wimmelt, und setzt ihnen dürftige balbversaulte Kost vor, die man nur mit innerem Widerwillen und mit Ekel, um dem Hungertode zu entgehen, genießen kann. Sämmtliche Angeklagte litten an Scorbut, der älteste von ihnen und einzige gesetzte Mann, Zagorski, ein Mann eon 54 Jahren, war buch⸗ stäblich verfault, das Muskelfleisch hing an seinem Körper wie eine breiartige Masse, wie Gelatine. Alle Angeklagten boten einen Anblick des Jammers und Elends dar. Wahrhaft teuflisch wurden sie bei der Voruntersuchung behandelt, welche von der geheimen Polizei geführt ward. Die Leiter dieses verruchten Instituts, welches einen Schand⸗ fleck unter den wohlthuenden Reformen der jetzigen Regierung bildet, ließen die Verhafteten tagelang hungern, dann wieder tagelang dursten, um ihnen gewünschte Geständnisse abzupressen; die Verhafteten wurden mit Ruthen und Stochprügeln tractirt, und une bei jerem Verhör mit den Inqui⸗ sitoren der dritten Abtheilung(geheime Polizei) mit Fäusten ins Gesicht geschlagen und auf die gemeinste Weise beschimpft.

Friedberg. Der Gesaugvertin Frobfinn bal durch seine am letzten Sonntag abgehaltene Abendunter⸗ baltung die geachtete Stellung, die seine musikalischen Aufführungen unter den hierorts gebotenen einnehmen, wieder glänzend gerechtfertigt. Was zunächst die Chöre betrifft, se waren dieselben ebenso sinnig gewählt, als in würdiger Weise zur Ausführung gebracht, und uur ungern verzichtete man Seitens der zahlreichen Zuhörer auf zwei Rummern derselben, die wegen anderweitiger Einlagen ausfallen mußten, wenn des Schönen nicht zuviel geboten werden sollte. Ohne auf die einzelnen her einzugehen, gedenken wir hier nur der herrlichen Wükung des groß⸗ arligen Chores:Leben, Liebe, Lust und Leis von Tschirch. Eine Zierde des Abends war serner der Hesang des Herrn Berghof von Aschaffeuburg. Seine mit einer äußerf wohltönenden, geschmeidigen Summe und mit tiefem Ge⸗ fühl vorgetragenen Lieder fanden den wärmsten Beifall. Namentlich seinBlau Aeuglemn und zwei eingelegte Wiegenlieder(das elne komponirt von seinem Bruder, Kapellmeifter Berghof in Linz, das andere durch Jeuny Lind zu großer Lerühmtbest gelangt) waren rührend schön. Nicht minder wohlverdienten Beifall ernteten die Orchester Vorträge der Musik des hiesigen Jäger⸗ Bataillons, besonders dasStändchen, Solo für Cornet⸗à-Piston, sowie die in der lieblich einfachen paydn'schen Manier gehaltenen, wenn auch in der Aus⸗ jührung schwieridenVariationen über ein Thema aus Judas Maccabäus für Piane und Cello, vorgetragen von Herrn Dörr und Herrn Ströher, welch' Letztecer sich dabei als einen sehr tüchligen Cellospieler erwiesen hat. Ein erhöhter Kunstgenuß erfreute das anwesende Publikum in dem Klavierspiel des Herrn Dörr. Es ist zwar, obgleich Herr Dörr das öff niliche Auftreten nicht liebt, in hiesigen musikverständigen Kreisen längst kein Geheimniß mehr, mit welchem Ornst und Ersolg derselbe sich dem Studium vorzugsweise unserer klassischen Musit zugewendet und mit welcher Meisterschast er die Technit des Klavierspiels beherrscht; gleichwohrn war man einem in solchem Maße vollendeten Spiel gegenüber sich lich überrascht. Herr Dörr spielte außer verschiedenen Be⸗ gleuungen und der Klavierpartie des oben erwähnten Tuctis die C-dur⸗Sonate, Opus 53, von Beethoven, eine der brillantesten Sonaten dieses großen Meisters, mit einer Klarheit und Tiefe der Auffissung und Eleganz der Ausführung, die zu rauschendem Befall hinriß. 3 r

Verbreltung genauerer Bekaunischaft mii den unstschöpsug⸗

gen Beethovens durch fentliche Vorfuͤhrung von den dedeulendsten unter denselben mitzuwirken, erscheint gerade jetzt, we man sich allenthalben in Deutschland anschickt, den 100 jährigen Geburtstag dieses gewaltigen Meisters im Reiche der Töne zu feiern, doppel! angemessen, und mag dteser Umstand bet der Wahl dec Vorträge nicht ohne Einfluß gewesen sein.

W. Friedberg. Heute am 10. Morgens 8 Uhr zeigte der Thermometer noch 11¼ Kälte bei sehr empfindlich scharfer Luft. Bei dieser schneidenden Kälte nun müssen unsere Rekruten⸗Abtheilungen auf dem Burgplatze oder auf der Setwiese in alten abgetragenen Montirungsstücken exer⸗ tiren, ohne daß denselden das Tragen der Mäntel ge⸗ faltet werden darf. Höhere Verschriften verbieten dieß nämlich, wie man hört aus Rücksichten der Sparsamkeit, obgleich Mäntel genug auf den Kammern vorhanden sind. Das Solbatenwesen kostet das heidenmäßig viel Geld und da sollte man meinen, es müßte doch auch jeder Mann seinen guten Mantel zum wirklichen Gebrauche haben können.(Heute wurden die Mäntel angezogen. D. Red.)

Frankfurt. Unter den hiesigen Localnachrichten liest man folgenden heiteren Gaunerstreich: Seit ein Paar Tagen wird hier und in der Umgegend ein angeblicher Schauspieler mit einer Trompete gesucht. Der Kunstjünger kam mit seinem Blasinstrumente zu einem Instrumenten⸗ macher, klagte diesem seine Noth und bot ihm die Trompete zum Kaufe an, man wurde für 3 fl. Handels einig. Der neue Eigenthümer legte das Inst ument auf eine in der Nähe der Thüre stehende Commode und ging, als der Verkäufer sich anschickte hinwegzugehen, in ein Nebeu⸗

nimmer. Diesen Moment benutzie der ehemalige Trompeten⸗

desiterz es zoz ihn unwiderstehlich nach dem geliebten Instrumente, ein Griff und er war wieder in einem Be⸗ sie und batte dabei noch den Profit, daß ihm gleichzeitig eine Cigarcenspitze an den Fingern bängen blieb. Er machte sich sosort aus dem Staub; kam in eine Bierhalle, fand hier einen Liebhaber für seine Trompete und ver⸗ kaufte sie für 4 fl. Der Känser legte sie neben sich auf einen Stuhl, der Schauspieler setzte sich neben ihn, unter⸗ hielt den Mann und entfernte sich, als noch ein Dritter kam, plötzlich, unter Mitnahme der Trempete. Seit dieser Zeit wird er sammt dem Instrument gesucht. Darmstadt. uus der Fabrik in der kleinen Ar⸗ heilgerstraße dahier wurde in der Nacht vom Samstag auf

den Sonntag nebst andern Gegenständen auch ein Ambos

im Gewicht von zweihundert und dreißig Pfund gestehlen. Zum Trausport miethete der Dieb einen Dienstmann, batte aber das Mißgeschick, daß das Telegramm vor ihm in Marburg ankam, so daß er dort beim Aussteigen in:

Bahnhofe verhaftet wurde.

Zur Communalsteuerfrage. i

Von dem Abgeordneten Curtman ist uns dessen in der Sitzung der zweiten Kammer vom 9. December 1869 entwickelte Ansicht im Wort⸗ laut des gehaltenen Vortrags mitgetheilt worden. Ohne uns für oder gegen diese Ansicht aussprechen zu wollen, glauben wir im Interesse der Sache zu handeln, wenn wir dieselbe durch nachstehenden Abdruck einer öffentlichen Discussion aussetzen, zumal die Ansichten über diese höchst wichtige An⸗ gelegenheit sowohl in den beiden Kammern, als auch im Publikum so sehr weit aus einandergehen.

Abg. Curtman: Meine Herren, so sehr auch mein geehrter College Edinger erst im Augenblick die bloße Negation verdammt hat, so muß ich Ihnen doch bekennen, daß ich durch den ganzen Gang der Debatte vollständig auf diesen Standpunkt

gekommen bin und lediglich auf den Boden des

Amendements Schäfer stehe. Ich habe annehmen müssen und nehme es mit voller Bestimmtheit an, daß unsere Staatsregierung die Vorlage, welche sie uns gemacht, geprüft hat; ich habe hiernach gesehen, daß unser Ausschuß wiederholt die Sache erwogen, ich habe gesehen, daß in der Montagssitzung und heute die besten Kräfte dieses Hauses sich erschöpft haben in Verbesserungsanträgen. Und das Resultat von alle dem gewesen? Eine ganz ungemeine Zerfahrenheit der Ansichten, eine Un- sicherheit über den praktischen Erfolg des Gesetzts, wie sie mir kaum je vorgekommen ic, schließlich das Austauchen fortwährend neuer Schwierigkeiten, das Hervortreten neuer Mißverhältnisse, neuer Härten, ein bellum omnium contra omnes, das mich am Schluß der Debatte dahin führte, daß

es mir ging wie jenem alten Pzilosophen, der.

gefragt worden war, was Gott sei, und der nach einiger Zeit geantwortet hat, je mebr er darüber nachgelesen, nachgedacht und gehört, desto dunkler sei ihm die Sache geworden. Dieses negative Resultat der Debatte, meine Herren, hat mich auf den negativen Standpunkt geführt und hat mir viel zu denken gegeben. Es hat mich zu der Ueberzeugung geführt, daß das Princip: die Ein-

kommensteuer auf die Gemeindesteuer zu übertragen,

mit der größten Genauigkeit

was ist

Andru vilchtr d Daraus

tinzeinen

neunte heit dit der Sas bun Ela gane aue

Jersonl i ift dit Reg

sch wol Suaaltei Viten ge Ausnahn dingen brintiy angtwan in Btzut liche Un gibt sch. Einlonn it. Di gegen. durchwet aus Gel mögen E begütert on an ihr Einl. so- leichte Nähe iG tigenthur und von debauen Gimarl Heirache der dad lde, hrt is; Ormeind bürger lczen ig 0 Einkomn bildet, 0 seumen . barum 1 danen 5 int hät Stile N 1 sage ich nöger