Ausgabe 
9.7.1870
 
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nun dazu: Der arme Graf! Hier und Ruhe! Wieviel würde wohl unsere weibliche und männ⸗ liche Shoddy⸗ und sonstige Aristokratie im Verein mit den beutegierigen Preßhyänen nach zwei Wochen von dem berühmten Manne vonBlut und Eisen noch übrig gelassen haben?!

Ueber den Stand der Angelegenheit der Feier des 3. August wird in hiesigen Blättern Folgendes mitgetheilt: Die gemischte Deputation hat sich für Ablehnung jeder Betheiligung Seitens der Stadtbehörden ausgesprochen und der Magistrat sich dieser Entscheidung angeschlossen. Auf Antrag des Magistrats haben die Stadtverordneten vor drei Wochen die Gründung einerFriedrich- Wilhelm⸗Stiftung beschlossen. Zu diesem Zwecke wird ein Capital von 100,000 Tylrn. zur För⸗ derung der Zwecke des deutschen Gewerbemuseums ausgesetzt.

Wiesbaden. Hans Wachenhusen, der augenblicklich dahier weilt, erläßt folgende War⸗ nung:Aus den Zeitungen ersehe ich, daß mein bisber von mir nur imHausfreund erwähntes Projekt einer deutschen Colonisation im Nil-⸗Delta von Schwindel-Agenten ausgebeutet wird, die namentlich in Westpreußen und im Königreich Sachsen ihr Unwesen treiben, den Leichtgläubigen Geld abnehmen und ihnen dafür große Strecken Landes in Aegypten versprechen. Ich warne hier⸗ mit vor diesen Betrügern. Die vom Vicekönige zur Etablirung einer deutschen Colonie bestimmten 5000 Feddan ägyptischen Bodens sind eine Schen kung an mich persönlich, und nur mir ward es überlassen, von denselben an tüchtige deutsche Landwirthe zu vertheilen. Den vom ägyptischen Ministerium mir vorgelegten und von mir später dem hohen Bundeskanzler-Amte in Berlin zur Prüfung überreichten Schenkungsact habe ich nicht unterschritben, weil er nachträgliche Bedingungen enthielt, welche die mir vom Khedive gemachten Concessionen in Frage stellten.

Bayern. München. Das Collegium der Gemeindebevollmächtigten hat beschlossen, den Herren v. Liebig, Wilhelm v. Kaulbach und dem Dr. von Steinheil das Ehrenbürgerrecht der Residenzstadt zu verleihen.

Ein tragisches Exeigniß, das noch nicht völlig aufgeklärt ist, versetzt die Stadt in nicht geringe Aufregung. Der Pferdewärter des Kürassier⸗ Lieutenants Grafen Bacinetti ist Morgens früh in dem Zimmer seines Herrn erschossen gefunden worden. Die Pistole des Heren lag auf dem Tische. Das Urtheil der Todtenschau lautet auf Selbstmord. Dem gegenüber wird behauptet, daß die Schußwunde sich in der linken Brust befindet, und eine von links nach rechts gehende, so wie zugleich abwärts geneigte Richtung habe; auch seien die Kleider in der Nähe der Wunde zerfetzt gewesen. Man will, wie man derN. fr. Pr. schreibt, daraus schließen, daß kein Selbstmord vorliegen könne und daß der Schuß überhaupt

nicht dicht am Körper abgefeuert worden sei, son⸗

dern daß Jemand aus einiger Distanz gezielt und geschossen haben müsse. Bei demselben Lieutenant bat sich(2) schon früher ein Bedienter erschossen.

Oesterreich. Wien. Die WienerPresse sagt:Die Nachricht, daß unsere Regierung bereits den Beschluß gefaßt habe, sich der Candidatur des Prinzen von Hohenzollern gegenüber ganz passiv zu verhalten, scheint uns unrichtig. Wir glauben vielmehr, unser auswärtiges Amt ist von den Ereignissen in Spanien derart überrascht worden, daß es bis jetzt noch zu gar keinem Entschlusse, weder in der einen noch in der andern Richtung, gelangt sein dürfte.

Frankreich. Paris. Die Nachricht von der Erhebung des Prinzen Leopold von Hohen zollern auf den spanischen Thron wird von allen Blättern besprochen. Im Allgemeinen sind die⸗ selben in großer Erregung, daß ein preuß. Prinz die spanische Krone erhalten soll. Die Hofjournale wie das Pays sagen, daß Frankreich dies nicht zugeben dürfe. Der Frangais, das Organ des linken Centrums, meint, Frankreich dürfe nicht dulden, daß Preußen die Rolle in Europa spiele,

bellisten, Carlisten und Republikaner sich vereinigen

kämpfen. Die Patrie will wissen, daß die Spanier den Prinzen Leopold nicht annehmen werden. Ob⸗ gleich man in den offiziellen Kreisen diese ganze Angelegenheit für sehr ernst haͤlt, so bedrohen die ministeriellen Blätter jedoch keineswegs Spanien. Dieselben sollen nämlich die Instruktion erhalten haben, Preußen nicht zu verletzen und die Patrie sagt deßhalb, wie auch der Constitutionnel, daß es Spanien frei stände, zu thun, was ihm beliebe, und fügt hinzu, daß Frankreich Spanien gegen⸗ über seine bisherige Politik, nämlich die der Neutralität beibehalten werde.

DerConstitutionnel veröffentlicht folgende ofsiziöse Note:Aus Mittheilungen, welche uns vertrauenswürdig scheinen, geht hervor, daß Agenten des Marschalls Prim sich dieser Tage nach Preußen zu dem Prinzen von Hohenzollern begeben haben, um ihm die spanische Krone anzutragen, und daß Se. Hoheit dieselbe angenommen hat. Wir wissen noch nicht, ob der Marschall Prim, als er diesen Schritt that, in seinem persönlichen Namen han delte, oder ob er von den spanischen Cortes oder dem Regenten irgend ein Mandat empfangen hatte. Auch wollen wir weitere Nachrichten abwarten, um ein Ereigniß zu würdigen, dessen Bedeutung Niemand enkgehen wird. Wenn der Marschall, wie Alles vermuthen läßt, ohne Mandat gehandelt hat, so beschränkt sich dieser Zwischenfall auf eine Intrigue; wenn dagegen die spanische Nation diesen Schritt bestätigt oder anräth, so müssen wir ihn vor Allem mit Achtung ins Auge fassen, welche der Wille einer ihre Geschicke regelnden Nation einflößt. Aber bei aller Hochachtung vor der Souveränetät des spanischen Volks, welches in diesem Falle der einzig competente Richter, könnten wir ein Gefühl des Erstaunens gicht unterdrücken, wenn wir das Scepter Karls V. einem preußischen Prinzen, dem Enkel einer Prin- zessin aus der Familie Murat, deren Namen nur durch traurige Erinnerungen an Spanien geknüpft ist, anvertraut sähen.

Ein Telegramm derAgence Havas aus Madrid bestätigt, daß der Prinz von Hohenzollern die ihm von Prim angetragene Krone angenom- men hat.

Im gesetzgebenden Körper legten der De⸗ putirte Cochery und Genossen eine Interpellation über die Eventualität einer etwaigen Besteigung des spanischen Thrones durch den Prinzen von Hohenzollern auf dem Bureau des Hauses nieder.

In der Sitzung des gesetzgebenden Körpers vom 6. d. beantwortete Gramont die Interpellation Cochery's. Der Minister constatirt, daß Prim die spanische Krone dem Prinzen von Hohenzollern angeboten und dieser die Krone angenommen habe. Das spanische Volk habe sich bis jetzt noch nicht erklärt. Die Regierung habe keine Kenntniß von den eingeleiteten Verhandlungen, sie ersuche deß⸗ halb, eine Discusston zu vertagen, welche jetzt nicht zum Zwecke führen würde. Die Regierung werde in ihrer bisher beobachteten neutralen Stellung verharren, werde aber die Installation eines Prinzen auf den spanischen Thron durch eine fremde Macht zu verhindern suchen. Gramont erklärt, nachdem er die Mäßigung Frankreichs gegenüber Spanien betont, weiter, daß die Pla⸗ cirung eines ausländischen Prinzen auf den Thron Karl's V. das europäische Gleichgewicht zu Frank⸗ reichs Nachtheil störe. Picard verlangt die Mit⸗ theilung aller Dokumente, welche zur Klärung seines Urtheils dienen könnten. Man müsse sich ohne Beistimmung der Repräsentanten des Landes nicht in einer neuen Situation engagiren. Minister Chevandier de Valdrome antwortet, daß der Augenblick einer Diskussion noch nicht ge⸗ kommen sei. Die Regierung könne jetzt keine andere Erklärung abgeben. Da Cremieux auf dem Verlangen Picard's besteht, ergreift Minister Ollivier das Wort und sagt, die Erklärungen des Herzogs v. Gramont ließen die Frage nicht un⸗ klar, ob die Regierung den Frieden wolle oder den Krieg herbeiführe; die Regierung wünsche

die Oesterreich früher gespielt. Der Moniteur droht nicht, aber er sagt voraus, daß die Isa

womöglich die Erhaltung des Friedens, aber in heiner für Frankreich ehrenhaften Weise. Die Re⸗

gierung sei überzeugt, daß die Erklärung des werden, um den gemeinschaftlichen Gegner zu be⸗ Herzogs v. Gramont eine friedliche Lösung berbei⸗ Es handle sich hier nicht um einen 0 geheimen Zweck; würde ein Krieg nothwendig, so

führen werde.

werde ihn die Regierung ohne Zustimmung des gesetzgebenden Körpers nicht unternehmen. Ollivier versichert schließlich, daß kein Hintergedanke dabei existire, wenn die Minister sagen, sie wünschten den Frieden.

DerConstitutionnel findet in der Er⸗ klärung Gramont's die richtige Antwort gegen⸗ über demfeindseligen Acte, welcher in der Can⸗

didatur eines hohenzollern'schen Prinzen liege.

Der gegen Preußen wie Spanien gleichmäßig

scharfe Artikel betont, daß der Frieden von den Entschließungen Spaniens und Preußens abhänge und fügt hinzu, am 6. d. in Paris eingetroffene Nachrichten ließen auf eine günstige Wendung den Die hervorragendsten Mitglieder 10 der liberalen Partei in Spanien desavouirten das

Dinge hoffen.

Vorgehen des General Prim in dieser Angelegen⸗ heit.Wenn das spanische Volk, so schließt der

Artikel,einen ihm aufzuzwingenden König von selbst

zurückweist, so haben wir von Preußen Nichss weiter zu fordern. Die Ordnung wird alsdann zurückkehren, ohne daß eine der drei Mächte irgend eine Concession zu geben oder zu verlangen hat. Dieß ist die von uns gewünschte Lösung.

TieAgence Havas meldet aus Madrid vom 7. d.: Wie man versichert, habe die spanische Regierung sich dahin entschieden, den Mächten

offiziell mitzutheilen, daß sie den Prinzen von

Hohenzollern zum Candidaten für den spanischen Thron gewählt habe. 5

Großbritannien. London.Times undStandard sprechen sich gegen die Candi⸗ datur des Prinzen von Hohenzollern aus. Eng⸗ land könne die Wahl nicht billigen. Die Blätter hoffen, daß die durch die Ausstellung der Can⸗ didatur geschaffene augenblickliche Spannung sich bald lösen werde. Mit der Anschauung Prim's sei der Beschluß der Cortes noch nicht gegeben.

DieMorning Post veröffentlicht ein

Telegramm aus Tientsin, nach welchem am 21. Juni in Peking ein gegen die dort anwesenden Franzosen gerichteter Volksaufruhr ausbrach. Alle französische Priester, die barmherzigen Schwestern, der Chargé ctaffaires Graf Rochechouart, der französische Consul sowie drei Russen wurden ermordet. Die Cathe⸗ drale wurde niedergebrannt.

Spanien. Madrid. DerImpartial will wissen, daß in dem Ministerrathe zu La Granja vollständige Einmüthigkeit in den Ansichten der Minister geherrscht, und daß der Regent die Haltung Prim's gebilligt habe. Das Ministerium sei ermächtigt worden, diejenigen diplomatischen Unterhandlungen anzuknüpfen, welche es für ge⸗ ziemend erachte, um den Cortes einen Candidaten für den spanischen Thron vorzuschlagen, der den Wünschen der Majorität entspreche. Die Cortes würden am 22. d. M. zusammentreten und solle am 1. August die Königswahl statthaben.

I Friedberg. Der Wetterauer Zweigverein der Gustav⸗Adolf⸗Stiftung feierte sein Jahresfest am 26. v. M. in dem benachbarten Södel. Das Dorf war zu Ehren des Tages reichlich mit Ehrenpforten, grünen Bäumen, Kränzen, Fahnen ꝛc. ꝛc. geschmückt. In der sehr stark

besuchten Kirche hielt Professor Köhler aus Friedberg 6, 38:Gebet, so wird euch Den Rechenschaftsbericht erstattete Pfarrer Meyer aus Friedberg. Wir können hier aus dem reichen

die Festpredigt über Luc. gegeben.

Material, das dieses Referat bot, nur einige kurze ai miitheilen. Die letzte große Hauptversammlung

gehalten worden. Hauptversammlung, die in Bayern von Seiten des Cen⸗ tralvereins gehalten worden ist. Die erste hat in Nürn⸗

berg 1862 statigefunden. Damals, im Jahr 1862, vetrug die Summe der im letzten Rechnungsjahre verwendeten Gelder in runder Zahl 165,000 Thlr., in Beyreuth dagegen

konnte der Rechenschaftsbericht 194,000 Thlr. als den

Betrag der Ausgabe im letzteren Rechnungsjahre abgeben. Eine solche Steigerung in Ausgabe und Einnahme ist

eingetreten trotz des Krieges vom Jahre 1866 und trotz der ungünstigen Zeitverhältnisse in den darauf folgenden

Jahren. Die Einnahme des letzten Jahres ist überhaupt die größte Jahreseinnahme gewesen, welche der Verein seit seinem Vestehen gehabt bat. Es ist dem Verein mög⸗ lich gewesen in dem letzten Jahre 904 Gemeinden zu

unterstützen 121 mehr als im Jahre zuvor. Die Zahl

der in demselben Jahre eingeweihten Kirchen, Kapellen

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