—
National- Subscription die Summe aufgebracht, welche Henri Rochefort als Abgeordneten zukommt und die ihm für die Dauer seiner Haft entzogen bleibt. Der Abgeordnete Ordinaire wurde beauf⸗ tragt, dem Gefangenen diese Summe zu überreichen.
— Der Bruder des gemordeten Victor Noir erklärt in der„Marseillaise“, daß er die von seinem Vater in dem Prozesse Bonaparte als einen Schadenersatz verlangten 25,000 Fres., worüber sich zwischen ihm und seinem Vater eine Spaltung ergeben habe, nach Maßgabe seines Verdienstes so viel als möglich an die Versorgungskasse der Schriftstellergesellschaft zurück zu zahlen sich ver⸗ pflichte.
— In Börsenkreisen macht eine großartige Unterschlagung, welche ein Commis des hiesigen Hauses Rothschild sich hat zu Schulden kommen lassen, viel von sich reden. Der Betreffende— ein seit achtzehn Jahren im Hause beschäftigter und speciell mit dem Ein- und Verkauf von Metallbarren betrauter Mann hat im Laufe der Zeit Unterschleife gemacht, die nach den bisherigen Erhebungen, nicht weniger als drei Millionen Francs ausmachen. Der Schuldige befindet sich bereits in Mazas. Er scheint den größten Theil der defraudirten Summen in Börsenspeculationen verloren zu haben.
— Am 7. d. beantragte Choiseul im gesetz— gebenden Körper, die Kammer wolle den Tag für seine auf das Plebiscit bezügliche Interpellation bestimmen. Justizminister Ollivier beantragte die Debatte über diese Interpellation auf 2 Monate zu verschieden. Obgleich Choiseul, Keratry, Jul. Favre energisch gegen diese Frist protestiren, wird die vom Minister beantragte Vertagung mit 171 gegen 48 Stimmen angenommen.
— Die„Presse“ en Das Plebiscit wird am Sonntag Quasimbbo, am 24. April, in allen Gemeinden Frankreichs vor sich gehen. Dieses Datum ist von dem Kaiser gewählt und von den Ministern angenommen worden.
— Das„Journal officiel“ veröffentlicht ein langes Rundschreiben des Unterrichtsministers Hrn. Segris, an die Präfekten, welches sich mit dem Volksunterricht beschäftigt. Der Minister constatirt, daß noch 300,000 Kinder an diesem Unterricht gar nicht und 150,000 Kinder nur in unzulänglicher Weise Theil nehmen. Der Minister läßt die Frage der absoluten Unentgeltlichkeit offen und ordnet nur an, daß alle Zöglinge, welche ihre nothdürstige Lage geltend machen, gratis zu- gelassen werden sollen. Er verspricht ferner be- deutende Staatssubventionen an die Gemeinden zur Vermehrung der Schulhäuser.
Großbritannien.„Daily News“ geben der französischen Regierung, welche das Verdict von Tours etwas in Verlegenheit setzt, den Rath, sie solle den Prinzen Peter Bonaparte zum Statt⸗ halter von Neu⸗Caledonien ernennen, dessen Be— völkerung aus französischen Verbrechern und ein- gebornen Cannibalen bestehe; dort wäre die er⸗ probte Wildheit dieses Herrn immerhin am Platze.
London. Die hiesigen Blätter beschäftigen sich mit der Ausweisung dreier Engländerinnen aus Rom. Als muthmaßliche Veranlassung geben einige Blätter an, die Magd der Ladies habe für eine gegenüber wohnende Familie, die man wegen garibaldischer Sympathien in Verdacht ge— halten, heimlich Briefe expedirt. Dagegen wird von anderen Blättern angedeutet, man habe die Engländerinnen im Verdacht gehabt, italienische Bibeln importirt und zu verbreiten versucht zu haben.
Nußiland. Petersburg. Nach Been⸗ digung der Truppenübungen bei Krasnoj Selo wird der Kaiser mit der Kaiserin nach der Krim reisen und von dort aus den Kaukasus besuchen, vorher jedoch wird er sich zur Badekur nach Ems und zum Besuche an den Darmstädter Hof begeben.
L. Friedberg. Am Dienstag dem 5. d. M. ver⸗ sammelten sich im Lokale des Herrn Burck dahier die Freunde des Obst- und Gartenbaues aus Friedberg und der Umgegend. Die Versammlung konstituirte sich als Sektion„Friedberg“ des Obst- und Gartenbauvereins für Mitteldeulschland. Herr Leyrer Lang übernahm auf Wunsch der Versammlung den Vorsitz. Nachdem verschie— dene Herren die Wichtigkeit des Obst- und Gemülsebaues für unsre Gegend, namentlich für Friebberg, und wie viel
noch zu thun sei, hervorgehoben und ihte Erfahrungen in einzelnen Zweigen mitgetheilt hatten, wobei sich eine leb⸗ hafte Discusston entspann, wurde eine Arbeit des Herrn ee Welle von Assenheim über die in den
intermonaten im Garten N Arbeiten vor⸗ gelesen. Eine größere Arbeit über Zwergobstzucht mußte wegen vorgeschrittener Zeit auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung, welche den ersten Dienstag im Monat Mal stattfindet, gesetzt werden, Hoffentlich wird die Betheiligung an derselben, namentlich aus Friebberg, eine recht zahlreiche sein, da ja die Wichtigkeit und das Nutzenbringende dieser Versammlungen allgemein an- kannt ist.
A. Nauheim. Nach langen, harten Wintermonaten hat uns der April plötzlich schönes, warmes Frühlings, wetter gebracht und ein Jeder beeilt sich, die lang ent⸗ behrte srische Luft auf einem Spaziergang in's Freie zu genießen. Lasset uns mit Beginn der Saison auf den schönsten Punkt unsrer Umgebung aufmerksam machen, der bis jetzt bei Weitem noch nicht die Beachtung gefunden hat, die er in Wirklichkeit verdient; es ist unser Johannis⸗ berg, mit dessen Aussicht und Panorama, nach dem Urtheile vieler Kurgäste, sich nur Schloß Eberstein bet Baden-Baden messen kann. Nachdem seit einigen Jahren die Babdirektion durch Restaurirung des Thurmes sowie durch Anlage eines neuen, schönen Weges auf der Süd- seite des Berges sich hochverdient gemacht hat, soll jetzt auch der bisherige Fahrweg durchgehends chaussirt werden, wodurch das Erreichen dieses reizenden Ortes, zumal bei Regenwetter um Vieles erleichtert wird; für Bequemlich— keit und Annehmlichkeit der Besucher des Johannisbergs ist in der dortigen, neuerdings vergrößerten Restauration, die Sommer und Winter geöffnet ist, auf das Beste gesorgt.
Nieder⸗Möllstadt. Am 6. d. trafen 103 schwe⸗ dische Arbetter dahter ein und wurden von den Interessenten übernommen.
Frankfurt. Von bem herrlichsten Frühlingswetter begünstigt, ist der diesmalige Pferdemarkt verlaufen. Massenhaft hatten sich schon am ersten Tage die Bewohner der näheren und ferneren Umgegend dazu eingefunden, darunter eine nicht unbeträchtliche Anzahl Käufer von Arbeitepferden. Das Geschäft war äußerst lebhaft und der Umsatz namentlich in Wagenpferden mittlern Schlags und Reitpferden ein ganz außerordentlicher. Am Platz sind bei Eröffnung des Marktes 1418 Pferde gewesen, eine Zahl, die fast derjenigen des Marktes von 1863 gleichkommt. 1862 am Frühjahrsmarkt waren angetrieben 1250 Stick Pferde, 1863 1510, 1864 1430, 1805 1436, 1866 1445, 1867 1373, 1868 1384, 1869 1272.— Der zweite Pferdemarkltag übertraf den ersten noch an Ge⸗ schäftsthätigkeit. Der Umsatz in Wagen und Arbeits⸗ pferden war ein ganz eminenter. Um ein Beispiel an⸗ zuführen, sei erwähnt, daß auf dem Götheplatze allein 243 Stück Pferde verkauft und gebucht wurden, und dabei sind die Preise keineswegs billige zu nennen.
Fraukfurt. Bis zu Anfang laufender Woche waren von hier für 138/900 fl. österreichische Sechser nach Wien gesandt worden. Diese Münzsorte kommt nur noch sehr selten im Kleinverkehr vor, dagegen zeigen sich jetzt viele österr. Sechser älteren Datums mit dem Reichsadler, welche unbeanstandet genommen und gegeben werden.
Frankfurt. In den Palmgärten werden gegen⸗ wärlig alle Anstalten geirossen, um das Palmenhaus und die Blüthenhäuser für die kommenden Samfag beginnende erste Ausstellung herzurichten. Großartig ist der Eindruck, wülchen das herrliche Palmenhaus mit seinen Gewächsen auf den Besucher macht. Die Temperatur, welche in dem Hause herrscht, wird durch einen Wassersall auf's Wohl⸗ thuendste gemildert. Der Duft in den Blüthenhäusern würkt angenehm erregend auf die Nerven. Die Blüthen⸗ pracht ist eine ausgezeichnete und im ersten Augenblick für das umherirrende Auge überwältigend. Diese erste Ausstellung wird die Bürger⸗ und Einwohnerschaft von dem wirklichen Werth dieses herrlichen Besitzthums über zeugen.
Darmstadt. Der am 6. d. Abends um 7½ Uhr von Mainz hier ankommende Eisenbahnzug wäre beinahe verunglückt. In der Nähe von Weiterstadt passirte ein Bauer mit Baumstämmen die Ueberfahrt über den Bahn⸗ damm. Der Zug war im Herannahen, als gerade die Achse an dem Wagen des Bauers brach. Der Bauer be— hiell Geistesgegenwart genug, dem Zug entgegen zu laufen; der Locomotloführer bemerkte ihn, und es gelang noch rechtzeitig, den Zug zum Stehen zu bringen.
Biebrich. Zu einem hiesigen Arzte kam in der verflossenen Woche eine anscheinend fein gekleidete junge Dame und stellte sich demselben als die hinterlassene Tochter einee kürzlich in einer preußischen Stadt verstor⸗ venen namhaften Universtlätsprofessors der Mediein vor. Sie erklärte demselben unter Thränen, augenblicklich ohne die nöthigen Geldmittel zu sein, um weiter reisen zu können, und bat um eine kleine Unterstützung, die ihr auch in Betracht des guten Namens ihres Vaters sofort gewährt wurde. Bald nach ihrem Weggange vermißte der Arzt sein Etui, welches viele werthvolle Instrumente enthielt. Dasselbe war spurlos verschwunden, und hatte jene feine Gaunerin einen Augenblick der Abwesenheit des Doctors benutzt, um sich dasselbe anzueignen und mit⸗ zunehmen.
Bremen. Der Jahresbericht der deutschen Gesell— schaft zur Rettung Schiffbrüchiget für 1869 ergibt aufs Neue, wie nöthig die Thätigkeit dieser Gesellschaft ist, und wie viel Möglichkeit sie hat, noch mehr zu wuken, wenn ihr überall in Deutschland steigende Theilnahme und Unter⸗ stützung zu Theil wird. In 1869 verunglückten nicht weniger als 114 Schiffe, worunter 56 deussche, 25 bri⸗ tische, 10 holländische ꝛc. und zwar 55 Seeschiffe, 55
7
Küstenfahrer und 4 Dampfer. Ole große 1765 der Seeunfälle, nämlich 71, kommt auf die Norbseskilste; bie Ostseckiiste weist nur 43 auf. Durch Küstenrettungsstationen wurden hierbei 59 Menschenleben gerettet.„Die Zahl der Seeunfälle und Rettungen aus Schiffbruch wird in den einzelnen Jahren außerordentlich schwanken, je nach den Verhältnissen der Witterung; das vorige Jahr lehrt indeß wieder, daß auch in einer nur durch einzelne, stür⸗ mische Zwischenfälle unterbrochenen Zeit viel Unglück An⸗ gesichts unserer Küste sich ereignet. Dies sollte für bie deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger die stärkste Mahnung sein, an ihren Bestrebungen festzuhalten und unbeirrt kräftigst weiter zu arbeiten.“
London. Das deutsche Hospital in London beging unter dem Vorsitze des Herzogs von Cambridge den 25. Jahrestag. Die Vermuthung, Baron Friedrich v. Diergart aus Bonn sei der Schenker der zum Besten des Hospilals in bdiesem Jahre eingegangenen 10,000 Pfund, hat sich als richtig herausgesiellt. Während des vorigen Jahres fanden nicht weniger als 1110 Patienten in ihm Aufnahme und weitere 14,110 ärztliche Behandlung. Zwei Drittel der Gesammtzahl waren Deutsche.
Die europäischen Heere.
Es dürfte von Interesse sein, zu einem Zeit punkt, in dem die Reorganisation der Armeen der Großmächte überall wenigstens prinzipiell der Hauptsache nach zum Abschluß gekommen ist, die numerischen Stärken der verschiedenen Heere und ihr Verhältniß zum Vudget und zur Einwohner⸗ zahl vergleichend neben einander zu stellen. Wir folgen hier einer Uebersicht, welche die„Mili⸗ tärischen Blätter“ veröffentlicht haben.
Frankreich hat 400,000 Mann stehendes Heer, 100,000 Mann erste und 228,000 Mann zweite Reserve und eine Mobilgarde von 330,000 Mann, was im Ganzen eine Armee von 1,058,000 Mann ergibt, die von einer Bevölkerung von 37,500,000 Einwohnern aufgebracht wird. Es sind dies jedoch Truppenstärken, deren Aufstellung man erst beab⸗ sichtigt und die keineswegs jetzt schon in diesem Umfang vorhanden sind; so erreicht z. B. die Mobilgarde im Jahre 1870 erst eine Stärke von 100,000 Mann. Das jährliche Rekrutencontin⸗ gent Frankreichs beträgt 100,000 Mann im Alter von circa 22 Jahren. b
Das Norddeutsche Bundesheer ist die bewaff⸗ nete Macht einer 30 Mill. starken Bevölkerung. Es besteht aus 300,000 Mann stehendes Heer, 350,000 Reserven und einer Landwehr von 370,000 Mann, zusammen also aus 1,020,000 Mann. Das jährliche Rekrutencontingent beträgt auch hier 100,000 Mann. Die Rekruten werden im Alter von 20 Jahren ausgehoben, dienen 3 Jahre bei der Fahne, treten dann 4 Jahre in die Reserve und sind nach fünfjähriger Landwehr⸗ pflichtigkeit, also im Ganzen nach einer Dienst⸗ pflicht von 12 jähriger Dauer frei.
Oesterreich hat eine Gesammtkriegsstärke von
1,053,000 Mann bei einer Bevölkerung von 36 Mill. Seelen. Die Armee besteht aus 245,000
Mann stehendes Heer, 545,000 Mann Reserven, 52,000 Mann Grenztruppen und 200,000 Mann Das jährliche Aushebungs⸗Contingentk Diese Rekruten dienen 3 Jahre im stehenden Heere, 7 Jahre in der
Landwehr. beträgt 97,000 Mann.
Reserve, 2 Jahre in der Landwehr und werden
dann nach einer zwölfjährigen Dienstpflicht entlassen.
Rußland hat neuerdings seine Armee nach dem preußischen System reorganisirt.
völkerung von 67 Mill. Einwohner kommt ein stehendes Heer von 700,000 Mann, das im Krieg durch Einberufung der Beurlaubten auf 1,200,000
Mann gebracht werden kann. Rußland hebt
jährlich 100,000 Mann im Alter von 21 bis 30 Jahren aus; dieselben sind auf 15 Jahre
Auf eine Be⸗
— 3 2 —
2
4
—
2 2 8 22
D — — 2 — 2 8
—
viese 180 I umprodul 1—
„Die 5. 9 2 Belth Pri Bunte 1— 90
dbb All doch Horde Eladt ri, haben, w choses shrittsmaß eicnelen 1 Fried
Tr
5
ls de ˙sollen im Fiuchtvot maolterwe. Jrlet
33 1021 8
Stadilirt boosung fiimmt r blerauf Alcchent
13
Hofte 10³3 9 sollen in Firma Immobll bestehend Ludwigs 1 masso mehrere den Me Fre
Oewlr td
0 5 node, sonslge
aatsg
Ir
.
N
diensipflichtig, werden aber für die Hälfte diesen
Zeit beurlaubt.
Die Armee Großbritanniens kann einschließlich ö
der indischen Truppen auf 188,000 Mann stehen⸗
des Heer, 130,000 Mann Reserven und 184,000 Mann zweite Reserve, also im Ganzen auf 502,000 Mann angenommen werden. 1
Norddeutschland stellt Einen von 300 der arbeitenden Bevölkerung ein und unterhält eine stehende Armee von 300,000 Mann, mit einem Oesterreich
Kostenaufwand von 72 Mill, Thlen.
nimmt Einen von 370 und unterhält 308,000 Mann reguläre Truppen mit einem jährlichen Bei Rußland
Kostenaufwand von 60 ½ Mill.


