Die militärischen Streitkräfte des Landes organi⸗ stren sich; binnen wenigen Tagen wird eine neue Armee unter den Mauern von Paris stehen. Eine andere Armee wird an der Loire gebildet. Euer Patriotismus, eure Einigkeit, eure Energie werden Frankreich retten. Der Kaiser ist beim Kampfe gefangen. Die Regierung ist in Uebereinstimmung mit den Staatskörpern, sie ergreift alle Maßregeln, welche die Wucht der Ereignisse gebietet.“ Ge— zeichnet von sämmtlichen Ministern.
— 4. Sept. Gesetzgebender Körper. Graf Palikao bringt einen Gesetzentwurf ein, wonach ein Conseil für die Regierung und Landesverthei— digung eingesetzt werden soll, das vom gesetz⸗ gebenden Körper gewählt wird. Die Minister werden unter Gegenzeichnung dieses Conseils ernannt. Palikao erhält die Stellung eines General statthalters. Jules Favre fordert, daß der von der Linken eingebrachte Antrag vorher in Erwägung gezogen werde. Thiers bringt einen Antrag ein, der von 45 Mitgliedern aus dem rechten und linken Centrum unterzeichnet und gemeinsam redigirt ist. In dem Antrag heißt es:„Unter den gegen— wärtigen Umständen ernennen die Kammern Com- missionen für die Regierung und Landesverthei⸗ digung. Die constituirenden Kammern werden einberufen, sobald es die Umstände gestatten. Palikabo ist damit einverstanden, daß auch das Land befragt werden soll, sobald die gegenwärtige schlimme Lage überwunden sei. Die Kammer er— klärt sämmtliche Anträge für dringlich. Dieselben werden sofort zusammen an die Büreaus gehen,
von welchen die Commission ernannt wird. Die Sitzung wird hierauf suspendirt. — Abends. Gesetzgebender Körper. Die
Tribünen, alsbald auch die Sitzungssäle werden von Volksmassen erfüllt, welche die Absetzung der Dynastie und die Proclamation der Republik ver⸗ langen. Die meisten Deputirten verlassen den Saal. Gambetta und andere fordern das Volk auf, die Freiheit der Berathung zu nespectiren und stillschweigend zuzuhören. Ihre Versuche bleiben erfolglos. Die Aufregung ist unbeschreiblich. Von draußen hört man den Ruf:„Es lebe die Republik!“ Gambetta und andere Mitglieder wollen sich nach dem„Hotel de Ville“ begeben, um die provisorische Regierung zu proclamiren
— 4. September Große Bewegung auf den Boulevards. Die National- und die Mobilgarde, sowie die Liniensoldaten singen die Marseillaise. Die Rufe:„Es lebe die Republik“ vermischen. sich mit denen:„Wir müssen die Fremden ver⸗ treiben.“ 9 N
— 4. Sept., Abends. Die provisorische Regierung ist gebildet, sie besteht aus: Jules Favre, Jules Simon, Picard, Pelletan, Cremieux, Ferry, Glais-Bizoin, Rochefort, Arago, Garnier⸗Pages. Die Thüren des gesetzgebenden Körpers sind unter Siegel gelegt.
— 5. Sept. Das„Journal officiel de la République frangaise“ veröffentlicht folgende Pro⸗ clamation:„Franzosen! Das Volk hat die Kammer hinter sich zurückgelassen, welche nur zögernd für vie Rettung des gefährdeten Vaterlandes arbeitete. Das Volk hat die Republik verlangt, es hat seine Vertreter nicht auf die Höhe der Macht gestellt, sondern fie inmitten von Gefahren eingesetzt. Die Revolution vollzieht sich im Namen des Rechts und der allgemeinen Wohlfahrt. Bürger! Wachet über der Stadt, die Euch anvertraut ist, morgen werdet Ihr zusammen mit der Armee die Rächer des Vaterlandes sein.“ Das Ministerium ist jetzt definitiv folgendermaßen constituirt: Trochu, Präsi⸗ dent, zugleich mit militärischen Vollmachten für die Nationalvertheidigung; Favre, Auswärtiges; Gambetta, Inneres; Leflo, Krieg; Fourichon, Marine; Cremieux, Justiz; Simon, Unterricht und Cultus; Dorian, öffentliche Arbeiten; Magnin, Ackerbau. Das„Journal officiel“ veröffentlicht ferner ein Decret, welches den gesetzgebenden Körper auflöst und den Senat, sowie die Stellung eines Vorsitzenden des Staatsraths abschafft. Die Fabrikation und der Handel mit Waffen ist völlig freigegeben. Etienne Arago ist zum Maire von Paris ernannt, Floquet und Brisson sind zu seinen Ad⸗ juncten ernannt. Steenackers übernimmt die Diretion
der Telegraphen. Eine vollständige Amnestie für alle politischen Verbrechen und Vergehen ist er⸗ lassen. Die Commission für die Nalionalverthei⸗ digung besteht aus sämmtlichen Deputirten von Paris, Rochefort eingerechnet. Trochu ist Vor⸗ sitzender, Favre dessen Stellvertretender, Ferry Secretär. Die Ordnung ist nirgends gestört worden. Der Sitzungssaal des gesetzgebenden Körpers befindet sich unter Siegel. Die Republik ist ferner proelamirt in Lyon, Bordeaux, Grenoble und anderen großen Städten. Eine Proclamation des Polizeipräfecten Keratry erklärt, das Ziel der Republik sei, wie 1792, die Vertreibung der fremden Truppen von französischem Boden.
— 5. Sept. Der Minister des Innern gibt bekannt, daß sich preußische Plänkler zu Fimes, zwischen Reims und Soissons, gezeigt haben. Das Armeecorps Vinoy bewerkstelligt seinen Rückzug nach Laon, wo es bereits ein— getroffen, um sich weiter zurückzuziehen.
— 6. Sept. Eine Depesche des Unter⸗ präfecten von Mühlhausen meldet: Der Feind ist an mehreren Puncten des Arrondissements erschienen; er hat den Rhein gegenüber Kambs überschritten, Freischützen und Nationalgardisten zogen ihm entgegen.
— 6. Sept. Das„Journal officiel“ ver⸗ oöffentlicht eine Proclamation der Regierung an die Armee. Dieselbe sagt: Die Abschaffung der Dynastie, welche für das Unglück ver— antwortlich ist, sei ein großer Act der Gerechtigkeit und des öffentlichen Heils. Um sich zu retten, bedarf die Nation nur sich selbst wiederzufinden, um auf ihre Entschlossenheit und Euren Muth zu rechnen. Ein Decret hebt den Stempel für Zeitungen und für Veröffentlichungen auf. Die Beamten sind des Diensteides entbunden, der politische Eid ist abgeschafft. Die Gesandten in London, Wien und Petersburg sind abberufen. Alle Deutsche, welche keine Specialerlaubniß besitzen, sind verpflichtet, binnen 24 Stunden die Departements Seine und Seine-Oise zu verlassen, widrigenfalls sie der kriegsrechtlichen Behandlung verfallen. Das„Journal officiel“ publicirt ferner Ernennungen von Präfecten. — Der Feind nähert sich Paris. Ein Circular Gambetta's sagt, die neue Republik sei keine Regierung für Zwistigkeiten und kleinlichen Parteihader, sondern eine Regierung der natio— nalen Vertheidigung, des Kampfes gegen die fremden Eindringlinge.
Belgien. Brüssel, 4. Sept. Ueber den weiteren Vormarsch der Preußen wird gemeldet, daß größere preußische Corps 24 Kilometer vor St. Quentin direct auf Paris marschiren. Die Eisenbahnverbindung zwischen Brüssel und Paris dürfte demnächst unterbrochen werden.—„Etoile belge“ meldet, daß Douah mit Adjutanten des Kaisers in Brüssel eingetroffen ist. Ein Theil der Verwundeten aus den letzten Schlachten soll über Belgien fortgeschafft werden.— Der kaiserliche Prinz soll in Maubeuge sein.— Die „Independance belge“ meldet: Zwei Regimenter Turcus, zwei Regimenter kabhlischer Freiwilliger,
zwei Escadrons Spahis und ein Zuavenregiment
sind in Frankreich eingetroffen. — 4. Sept. Der Kaiser Napoleon hat gestern
eine zwei Stunden lange Zusammenkunft mit dem Könige von Preußen in Sedan gehabt. Er hat diese Nacht in Bouillon geschlafen und ist heute zu seiner Internirung nach Kassel abgereist.
— 5. Sept. Montmedy, seit heute Morgen 8 Uhr bombadirt, befindet sich im Vertbeidigungs⸗ zustande.— Der Herzog von Aumale, der Prinz von Joinville und der Herzog von Chartres sind heute abgereist, um Frankreich ihre Degen anzu⸗—
bieten.— Es heißt die Kaiserin werde in Braine le Comte(Belgien, Provinz Hennegau) mit dem kaiserlichen Prinzen zusammentreffen.— Die„In⸗ dependance belge“ beziffert die Zahl der gefangenen französischen Truppen wie folgt: Capitulirt 70,000, gefangen 30,000, nach Belgien übergetreten 15,000, Summa 115,000 Mann. Der Sohn Napoleons ist in Namur eingetroffen. Man glaubt, daß er sich zu seinem Vater nach Wilhelmshöhe begeben wird.
— 4. Sept. Die„Independance“ meldet 1870 aus Sedan: Die deutsche Armee setzt ihren E Marsch auf Paris fort. Londoner Privat, f depeschen zufolge bewilligt Preußen einen Waffenstillstand nur, wenn seine Friedens prä-“ liminar-Bedingungen angenommen werden. 1
— 5. Sept. Es geht das Gerücht, daß Jules Favre einen Friedens vorschlag auf fo gende Bedingungen macht: Räumung Frank“ reichs Seitens der Preußen und Abschaffung 1 des stehenden Heeres in Frankreich.— Der“ 0 „Reveil“ meldet die auf der Westbahn erfolgte“ Anthäl Verhaftung der Kaiserin. 2
— Der„Independance“ wird aus Namur vom 5. geschrieben, der kaiserliche Prinz werde um 5 Uhr über Brüssel nach Ostende abreisen, 118
— Graf Palikao ist in Namur eingetroffen.] 5. 1
Lüttich, 4. Sept. Der Kaiser Napoleon, D von Namur kommend und auf dem Wege nach Ju Kassel, hat heute unsere Stadt passirt. 5. l. Mi
Verviers, 4. Sept. Napoleon ist mit Ge. hurch die folge hier angekommen und im„Hôtel du chemin] genaueste de fer“ abgestiegen, von preußischen und zwe]) Kei belgischen Offizieren geleitet. Die Weiterreise Sol findet wahrscheinlich morgen statt. gehe
an d a elnkt
Frankfurt. Täglich treffen aus Paris ausgewiessene Fransurter hier an. Die durch Belgien gereisten stimmen mit früher hier angelangten Personen darin überein, daß sie von belgischen Arbeitern insultirt worden seien.—
Wie man hört, wurde bei dem hiesigen Magistrat die“ Betreff Anfrage gestellt, ob und welche Kunstschätze und Alter⸗ 9 thümer s. Z. von den Franzosen zu Anfang dieses Jahr Reichelt hunderts von hier weggeschleppt worden seien.— Auf
dem ehemaligen Bundespalais wurde 1866 am 14. Juli. 5 die deutsche Tricolore abgenommen, am 4. Sept. wurbe
sie an derselben Stelle, wo ihre Vorgängerin sich befand,
wieder aufgehißt. i
Rödelheim. Auf dem hlesigen gräflichen Schlosst weht nun auch die Sanitätsflagge. Der Herr Graf Solms pettesle hat nämlich die herrlichen Räume dieses großartigen Ge⸗ bäudes in patriotischer Weise zur Errichtung eines Laza⸗ Na rethes zur Verfügung gestellt. Das frühere Comite für pest in Saarbrücken hat bereitwilligst die innere Einrichtung soforl. Gemäßhe übernommen und in kürzester Zeit in jeder Beziehung. 22. Na ebenso zweckentsprechend als praktisch vollendet hergestell, 6 a1 einen Sanitätsdienst organisirt und die Rödelheimer Damen 23. Mai bereit gefunden, sowohl in der Küche, als bei der Ver⸗ lhezirkle pflegung thaikräftig Hand anzulegen, so daß man hoffem Ber Veror darf die Verwundeten, welche nach Rödelheim kommen, Puudee werden mit ihrem Loos zufrieden sein. en
Darmstadt. Der direct aus dem großen Haupt nd der“ quartier an den hiesigen Hülfsverein ergangene Besehl, Folgende. wonach die weitere Aussendung von freiwilliger Sanitäls⸗ 1) Jede mannschaft vorerst zu unterbleiben hat, mag vielleicht bei einer Manchem Befremden erregt haben, kam indeß Solchen, welche der Sache näher stehen, durchaus nicht unerwartel entst. und muß als vollkommen gerechtfertigt bezeichnet werden. ohne Unter den namentlich in der letzten Zeit auf den Kriegs⸗ der schauplatz Abgegangenen, befanden sich eine Menge blut⸗ Grof junger Leute, die aber trotz dem besten Willen, ibre Auf gabe nicht zu lösen vermögen, da es ihnen einerseits an Auze der so nothwendigen Kenntniß des Verbandanlegens, sowie Tobe andererseits an einer zweckentsprechenden Ausrüstung gän;) Big lich mangelle. Solche Leute hindern nur, statt zu helfen 90 0 und es sind im Felde die ärgsten Mißstände zu Tag ge⸗ 105 1 neten, welche, wir wiederholen es, den besprochenen Erlaß rankt durchaus rechtfertigen. 5 zu ste
zu b. poliz Verloos ungen.
Karlsruhe, 31. August. Bei der heutigen Serien⸗ derd iehung der 35⸗fl.⸗Loose wurden folgende Serien gezogen: 0 7067 2666 5016 5449 5919 4130 1460 1049 5260 554 9 and 5044 490 5818 3560 5077 4930 5890 749 7636 3430) Aus 7610 481 5210 7332 7858 6543 3911 89 4596 6394 brach 5330 2138 5365 2205 7043 4432 6078 5728 1470 4127 a. 7119 413 4774 1310 1408 5151 2481 2953 6780 2306 b. ö 2014 2950 42 1120 439 3463 4021 1707 2338 3390 l 6730 2592 5755 7703 6224 6837 5312 6784 7983 5700 3
Wien, 1. Sepiember, Bei der heutigen Ziehung A der Loose von 1864 wurden nachstebende Serien gehoben! d. en Nr. 372 1692 1699 1813 3351 3488 3551 und 39109 ge Gewinne fielen: 200,000 fl. auf S. 1692 Nr. 90, 8 50,000 fl. S. 1813 Nr. 79, 15,000 fl. S. 1699 Nr. 86, 4 10,000 fl. S. 3551 Nr. 173 je 5000 fl.: S. 1699 Nr. fir 69, S. J408 Nu. 105 je 2000 fl. S. 1692 Ne 2% dun S. 1699 Nr. 49, 74; je 1000 fl.: S. 372 Nr. 10 40 ohl fu 62. S. 1813 Nr. 80, S. 3551 Rr. 29, S 3019 Ar. 100 f..
98: je 500 fl.: S. 1692 Nr. 79. S. 1699 Nr. 55, 8 obere S. 1813 Nr. 12, 50, S. 3351 Nr. 34, 44, S. 3551 e in Nr. 19, 21, 75. 83, S. 3919 Nr. 9 11 39 59; je 400 ff,„ das S. 372 Nr. 29, 89, 90. 99, S. 1692 Nr. 22, 80, e fd a 94, S. 699 Nr. 14, 18 47, S. 1813 Nr. 1, 68,, eth 3351 Nr. 14, 19, 84, S. 3488 Nr. 1, 5, 12, 54 11 8 S. 3551 Nr. 26, 64, 82, S. 3919 Nr. 42, 47. 56, 67, 94. Auf alle übrigen Nummern der ver c. Le Serien entfallen je 165 fl. e bei


