Ausgabe 
4.10.1870
 
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und der dazu erlassenen Instruction vom 26. Mai 1869(ibid. S. 149),

was folgt: 1) Cs ist verboten, folgende Gegenstände über die Grenze der

Großherzoglich Hessischen Provinz Oberhessen in unseren Regie

rungsbezirk einzuführen:

alle Arten von Vieh(jedoch mit Ausnahme der Pferde und Hunde, insofern dieselben weder aus einem verseuchten Orte herstammen, noch einen solchen auf dem Transporte berührt haben und ersteres durch Bescheinigung der Behörde des Her 3)

kunftsortes nachgewiesen ist),

alle vom Rinde stammenden thierischen Theile in frischen oder trockenem Zustande(mit Ausnahme von Butter, Milch und

Käse),

Dünger, Rauhfutter, Stroh und andere Streumaterialien, ge 4) brauchte Stallgeräthe, Geschirre und Lederzeuge, unbearbeitete,(bez. keiner Fabrikwäsche unterworfene) Wolle,

Haare und Borsten,

gebrauchte Kleidungsstücke für den Handel. 6 2) Personen, deren Beschäftigung eine Berührung mit Vie bringt, z. B. Fleischer, Viehhändler und deren Personal durfen die Grenze auf dem Landwege nur bei Niederkleen oder Rodheim, und nachdem sie sich einer Desinfection daselbst unterzogen haben, überschreiten. In gleicher Weise hat die Desinfection auf u hof Wetzlar stattzufinden, sobald die Grenze der Eisenbahn überschritten worden ist. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Bestimmungen unterliegen insofern die Gesetze keine höhere Strafe vorschreiben einer Geldbuße von 2 bis zu 10 Thalern, an deren Stelle im Fall des Unvermögens verhältnißmäßige Gefängnißstrafe tritt. Auf Militär- Vieh: Verordnung keine Anwendung.

Coblenz den 22. September 1870.

und Futtertransporte hat gegenwärtige

Kriegs nachrichten. Offieielle militärische Nachrichten. Ferrieres, 29. Sept. Se. Majestät der König recognoscirte am 28. die feindlichen Ver schanzungen von St. Denis bis Fort Romain- ville. Bei der Armee nichts Neues. Ferrieres, 30. Sept. Heute früh sind stärkere Massen französischer Linientruppen gegen das 6. Armeecorps aus Paris ausgebrochen. Gleichzeitig wurden die Vortruppen des 5. Armee⸗ corps durch drei Bataillone angegriffen, während eine Brigade gegen das 11. Armeecorps demon- strirte. Nach nur zweistündigem Gefechte, wobei der Feind sehr bedeutende Verluste erlitt, ohne daß die diesseitigen Reserven einzugreifen brauchten, zog sich der Gegner in großer Eile unter dem Schutze der Forts zurück. Die diesseitigen Ver⸗ luste sind noch unbekannt, aber nicht bedeutend. Beim 11. Corps nur 3 Mann. Mehrere hundert Gefangene sind in unseren Händen. v. Podbielsky. Versailles, 30. Sept. Heute, am Ge⸗ burtstage der Königin, hat das 6 Armeecorps mit großer Bravour einen Ausfall, welchen der größte Theil des Corps Vinoy gegen Süden unternahm, glänzend zurückgeschlagen. Ueber 200 Gefangene wurden gemacht. Der Kronprinz war während des ganzen Gefechtes zugegen. Gegen das fünfte Corps wurde ebenfalls ein feindlicher Ausfall nach Südwesten unternommen, welcher mit geringen diesseitigen Verlusten zurückgewiesen ist. a Karnatz. Mundolsheim, 30. Sept. Heute Eirzug in Straßburg. Sodann feierlicher Gottesdienst in der Thomaskirche, über 500 französische Offiziere unterzeichneten Ehrenscheine, 50 bis 100 gingen in Gefangenschaft. Zahl der Gefangenen noch nicht festgestellt, da noch fortwährend deren ein⸗ geliefert werden. Beute in Straßburg beträchtlich. 1070 Kanonen bis jetzt gezählt, 2 Mill. Staats- eigenthum in der Bank ermittelt. 8 Millionen Francs noch zweifelhaft. Munition, Tuchvorräthe sehr bedeutend. Leszinoky. Rheims, 30. Sept. Die Landwehrbataillone Landsberg, Frankfurt und Woldenberg vom 13. Armeecorps haben den 28. wiederholt Ausfälle der Garnison von Soissons abgewiesen. Die Garnison erbat eine Waffenruhe zur Abholung der Todten und Verwundeten. Diesseitiger Ver⸗ lust gering. v. Krensky.

Vor Metz, 26. Sept. Während gestern Vormittag die nördlich von Metz belegenen Truppen des zehnten Armeecorps ihren Feldgottesdienst ab⸗ hielten, ertönten in der Ferne von den westlich der Festung gelegenen Forts Kanonenschüsse. Die⸗ selben dauerten von 9 Uhr bis geden Mitlag Auch heute bei Tagesanbruch und später bis gegen 9 Uhr wurde daselbst wieder geschossen. Eine ernstliche Bedeutung haben indessen diese Kano naden nicht.

Der Ausfall des Marschalls Bazaine aus Metz am 27. Sept. scheint mit nicht un⸗

Metz unter dem Schutze des Feuers der Forts Quelen und les Bottes, besetzte La Grange und Colomby und drang bis Ars-⸗Laquenexy vor. Hier hatten die Preußen eine starke Stellung mit Artillerie und schlugen die Franzosen mit Verlust zurück. Sie verbrennten La Grange und Colomby. Mehrere Dörfer geriethen in Brand durch das gegenseitige Feuern. Der Verlust der Preußen ist gering, darunter hundert Gefangene. Die Franzosen trugen ihre Todten fort. Auf den Höhen östlich von Metz vor dem Fort St. Julien soll zu gleicher Zeit auch ein Gefecht stattgefunden und sich das Fort St. Julien durch Granatfeuer lebhaft betheiligt haben. Im Gefecht bei Ars- Laquenexy waren unsere Infanterie- Regimenter Nr. 13, 15, 53 und das 7. Jäger-Bataillon. Nach Mittheilung eines Soldaten vom Metzer Belagerungscorps vom 27. Sept. muß in der Festung schon bedeutender Mangel an Lebens- mitteln herrschen, indem die Vorposten Nachts häufig von großen Schaaren Franzosen beunruhigt werden, welche sich jedoch nur für den Bestand der Kartoffelfelder interessiren und dann eiligst mit ihrer Beute in die Festung schlüpfen.

Aus Coin les Cuvry(bei Metz), 28. Sept., schreibt derTrierschen Ztg. ein Trierer vom 2. rhein. Husaren-⸗Regiment Nr. 9 über den Ausfall der Metzer Garnison vom 27. d. M.: Die Franzosen sind nächtlich mit einem Eisen- bahnzug dicht vor unsere Vorposten gefahren und sind dort unter dem Dampf der Locomotive ruhig ausgestiegen und hintendrein sind gleich Colonnen aus der Festung marschirt und überraschten unsere Truppen auf diese Art. Sie hatten in dem Zuge sogar Mitrailleusen, sie nahmen das Dorf Peltre, wurden aber bald darauf, nachdem sie noch das Dorf in Brand gesteckt hatten, von den Unseren zurückgeworfen. Trotzdem viele Kugeln um mich herumflogen, hat keine mich getroffen. Außer dem Dorf haben die Franzosen ein prachtvolles großes Schloß, Merch le Haut, in Brand gesteckt. Durch das Dorf ritten wir im strengsten Galopp, über Todte und Verwundete setzend, und um nicht zu ersticken, mußten wir den Athem anhalten. Es war überhaupt ein Ritt, der unsere Pferde ganz lahm machte, und der Herr Lieutenant sagte selbst, er hätte in seinem ganzen Leben nicht so scharf

geritten. f Straßburg. Ueber die Bedingungen der Kapitulation von Straßburg wird mitgetheilt,

daß die Offiziere auf Ehrenwort frei sind und die Mobilgarden in ihre Heimath(es sind lauter Elsässer) entlassen werden. Die Thore sind noch gesperrt; schon ist aber der Zudrang von allen Seiten her ein so ungeheurer, daß anzunehmen ist, man werde bald öffnen. Alle Straßen sind gefüllt mit Menschen, mit Wägen und Möbel⸗ transporten aller Art; auch Viktualien und sonstige

ist, sind schon massenhaft unterwegs. Die Be hinberungen der Communication zwischen den ein- zelnen benachbarten Ortschaften sind beseitigt. Wie versichert wird, geht die Hauptmasse der seit

bedeutender Kraftanstrengung unternommen worden zu sein. Der Times-Corresponvent telegraphirt hierüber aus Saarbrünken vom 28. Sept.:Eine starle Colonne französischer Infanterie mit Cavalerie

herigen Belagerungsarmee nach Paris; ein Theil der Artillerie befindet sich schon seit dem 28. Sept. Abends unterwegs dahin.

Straßburg.

Bedürfnisse, an denen ein Mangel zu vermuthen

Mertens erlassene Verordnung macht den Bürgern bekannt, daß mit der Besetzung der Stadt der Belagerungszustand noch nicht aufgehört habe und daß alle Vergehen und Verbrechen civil. oder kriegsrechtlicher Natur standrechtlich behandelt werden würden. Alle Waffen sind abzuliefern, unterdrückt sind alle Zeitungen, Journale, Proklamationen, überhaupt alle Drucksachen, mit Ausnahme der vom Obercommando autorisirten Verordnungen. Weiter wird verfügt, daß wenn von einem Gebäude oder anderen Orte aus die deutschen Truppen mit Waffen insultirt werden würden, die Truppen autorisirt seien, in das be treffende Gebäude einzudringen und alle männlichen erwachsenen Personen darin ohne Weiteres nieder. zumachen.(Anlaß zu diesem furchibaren Befehl soll die Ermordung dreier Badenser am Abend des Einzuges gegeben haben.) Die Truppen sind streng angewiesen, alles Privateigenthum zu schonen und Requisitionen dürfen nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Commandanten erfolgen. Die Wirthschaften wüssen um 9 Uhr geschlossen werden und jede Person, mit Ausnahme der Offiziere und Civilärzte, welche nach 9 Uhr auf der Straße getroffen wird, hat sofortige Arretirung zu gewär tigen. Durch die Thore können nur von Vor. mittags 10 Uhr ab die Frauen und Kinder fel passiren, Männer nur auf Grund eines Passir⸗ scheins. Die Verpflegung der Truppen erfolgt bis auf Weiteres aus den Magazinen, jedoch haben sich die Bürger auf Quartier und Ver- pflegung für 8000 Mann einzurichten, die in den nächsten Tagen eintreffen würden. Diese Truppen sind unterwegs und gehören, so viel man erfährt, zum 2. Armeecorps, welches bei Ars liegt. Aus Baden. DerKarlsr. Ztg. zufolge geht die Hauptmasse der seitherigen Straßburger

Belagerungsarmee nach Paris, die Artillerie ist

schon auf dem Wege dahin. Das Gerücht ging, Schlettstadt habe capitulirt; dieß ist aber unbestätigt. am 29. Sept. noch gesperrt; der Zudrang von allen Seiten war ungeheuer; alle Straßen gefüllt mit Menschen, Wagen und Möbeltransporten.

Aus Rastatt, 30. Sept. Gestern Abend nach 4 Uhr sind die Straßburger Kriegsgefangenen in der Stärke von etwa 15,000 Mann, escortirt von badischen Truppen, hier eingetroffen. Der Commandant Uhrich, der auf das Ehrenwot, vorerst nicht mehr gegen Deutschland die Waffen zu führen, entlassen ist, hat sich durch Baden in die Schweiz begeben um von da nach Frankreich zurückzukehren. g

Breisach, 26. Sept. Vor Neubreisach sahen wir heute durch Fernröhre ungefähr 5-600 Mann französisches Militär campiren, nachdem am Vormittag ein weiteres Bataillon, in der Richtung von Mühlhausen kommend, in die Festung eine

gezogen war; auch das Fort Mortier erhielt heute

einen Zuwachs von 2030 Mann. Die Be⸗ satzung der Festung beträgt jetzt etwa 5000 Mann.

Aus Basel, 28. Sept., schreibt man: Durch die gestern erfolgte Uebergabe von Straßburg ist nun, mit Ausnahme von Schlettstadt, Colmar und MRreisach, der ganze Elsaß in den Händen der deutschen Truppen. Die letztere Festung, welche

ö 5 Eine gleich nach dem Einzug vorgestern noch durch ein Bataillon Mobilgarden und Artillerie versuchte gestern einen Ausfall aus der deulschen Truppen in Straßburg vom General verstärkt worden ist, zählt 5000 Mann Besatzung,

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