Ausgabe 
4.8.1870
 
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Worms. Da die hessische Division als Glied des 9. Armeecorps nunmehr der Rheinarmee zugehört und unter dem Oberbefehl des Prinzen Friedrich Karl steht, so hat Letzterer in einem Tagesbefehl die Hessische Diviston begrüßt.

Preußen. Berlin. Der König hat fol gende Proclamation erlassen:An mein Volk. Indem ich heute zur Armee gehe, um mit ihr für Deutschlands Ehre und für die Erhaltung unserer höchsten Güter zu kämpfen, will ich im Hinblick auf die einmüthige Erhebung meines Volkes eine Amnestie für politische Verbrecher und Vergehen ertheilen. Ich habe das Staatsmini⸗ sterium beauftragt mir einen Erlaß in diesem Sinne zu unterbreiten. Mein Volk weiß mit mir, daß der Friedensbruch und die Feindschaft wahrhaftig nicht auf unserer Seite war, aber herausgefordert, sind wir entschlossen, gleich unseren Vätern und in fester Zuversicht auf Gott den Kampf zu bestehen zur Errettung des Vaterlandes! Berlin, den 31. Juli 1870. Wilhelm. Der König empfing die Minister, soweit dieselben nicht zur Begleitung befohlen waren. Die Abreise des Königs erfolgte am 31. d. um 6 Uhr. Die Königin verabschiedete sich vom Könige im Warte⸗ saal. Der Perron war mit Blumen geschmückt Vor demselben hatten sich zahllose Menschenmassen versammelt, welche den König mit enthustastischen Hochrufen begrüßten.

Nach einer Bekanntmachung des General postamts sind bezüglich der gesammten deutschen Armee gleichmäßig portofrei zu befördern: 1) In Militärdienst⸗ Angelegenheiten gewöhnliche und retommandirte Briefe, Geldsendungen und Packete mit und ohne Werthsdeclaration; 2) in Privat- Angelegenheiten der Militärs und Militär⸗Beamten gewöhnliche Briefe und Correspondenzkarten, sowie Geldbriefe unter und bis 100 Thaler einschließlich.

DieProvinzial ⸗Correspondenz bringt einen Artikel mit der Ueberschrift:Zur all seitigen Betheiligung an der Anleihe. Es heißt in demselben:Die einmüthige Volkserhebung wird in den nächsten Tagen Gelegenheit und dringenden Anlaß finden, sich zu bewähren. Soll der Kampf für die Ehre und die höchsten Güter Deutschlands glücklich durchgeführt werden, so muß die Regierung über ausreichende Mittel verfügen und die Truppen mit Allem versorgen können, was zur Erhaltung der militärischen Schlagfertigkeit erforderlich ist. Je mehr die Regierung vermag, die nothwendigen Operationen mit vollster Energie zu betreiben, desto zuver⸗ sichtlicher ist zu erwarten, daß mit dem Sieg der vollständige Ersatz aller Kosten errungen wurde. Vor Allem wird die Energie der Kriegführung dazu beitragen, die Kriegslasten auf eine möglichst kurze Zeit zu beschränken. So hat ein Jeder ein dringendes Interesse daran, daß die Absicht des Reichstags betreffs der Kriegsanleihe in Erfüllung gehe, und in solcher Zuversicht wendet sich die Regierung unmittelbar an das Volk. Die all⸗ seitige kräftige Betheiligung an der Bundes⸗An⸗ leihe ist patriotische Pflicht.

Königsberg. Ein Tagesbefehl des com⸗ mandirenden Generals Frhrn. v. Manteuffel an die Soldaten des I. Armeecorps sagt: Es ist an Euch, zu zeigen, daß Ihr der Bildung des Jahr⸗ hunderts entsprecht, durch Eure Führung auf den Eisenbahntransporten, auf den Märschen und in den Quartieren. Hierzu gehört: blinder Gehorsam, Mäßigkeit, unbedingte Achtung fremden Eigen- thums bei Freund und Feind, gesittetes und freundliches Benehmen gegen Eure Quartiergeber. Jeder Einzelne von Euch hat auch hierin Ehre und Ruf seiner Compagnie, seines Truppentheiles, des ganzen ersten Armeecorps zu vertreten.

Hannover, 1. August, 6 Uhr Morgens. Soeben traf der König hier ein. Große Menschen⸗ massen sind auf dem Bahnhofe versammelt. Ein glänzender Empfang, bei welchem der General Gouverneur Vogel v. Falkenstein, sowie die Spitzen der Behörden anwesend waren, fand statt. Beim Erscheinen des Königs und des Grafen Bismarck 4 des Bahnhofes erscholl enthustastischer

ubel.

Saarbrücken. Nach derSaarbr. Ztg. wird über das Gefecht vom 30. Juli Folgendes berichtet: In Folge einer eingelaufenen Meldung, daß die Franzosen die Eisenbahnbrücke über die Saar zwischen Saargemünd und Hanweiler, an der sie vor einigen Tagen die Schienen selbst aufgerissen, wieder hergestellt hätten, wurde für heute früh eine starke Recognoscirung angeordnet und zwar hatte eine Compagnie 40 er Füstliere den Befehl erhalten, bei Tagesanbruch am Hal⸗ berge zu stehen. Nachdem die Infanterie Aufstellung genommen hatte, wurde von der dort permanent stehenden Feldwache um 3 Uhr eine Ulanen⸗ Patrouille über Fechingen hinaus vorgeschickt. Gegen 6 Uhr kehrte die Patrouille zurück und meldete, daß unterhalb der Eisenbahnbrücke bei Welfferdingen die Franzosen drei Brücken über die Saar geschlagen und sie vom rechten Ufer aus bemerkt habe, daß auf dem jenseitigen Ufer zwischen Saargemünd und Großblittersdorf große Zeltlager der Franzosen sich befinden. Kurz nach dieser Meldung wurde eine Ulanenpatrouille, bestehend aus 4 Mann von der 3. Escadron in der Richtung von der französischen Gränze nach dem Dorf St. Arnual abgesendet. Einige Hundert Schritte vor genanntem Dorfe gab eine im Versteck lie- gende Abtheilung französischer Infanterie einen starken Kugelregen auf die vier Mann ab, so daß der Ulane Müller schwer in den Hals getroffen, nur noch bis in das nahe Dorf reiten konnte, woselbst er verschied; von den drei andern wurde des Einen Pferd schwer, das des Andern leicht verletzt, während der Vierte mit seinem Pferd glücklich dem Hinterhalt entronnen ist. Auf die schleunige Meldung der Ulanen eilte die am Aus- gang der Stadt liegende Feldwache 40er Füstliere nach Arnual, den sich zurückziehenden Feinden entgegen und in der Nähe der Tabaksmühle kam es zum Gefecht. Heftig wurde hin und her ge⸗ schossen, einem Füsilier drang eine Kugel vom Hals aus quer nach unten durch die Brust und zweifelt man an seinem Aufkommen; außerdem sollen noch zwei andere Füsiliere leichter verwundet worden sein und einem Ulanen wurde das Pferd erschosen. Doch auch der Feind hatte Verluste und bemühte sich, seine Verwundeten durch den Wald nach dem Spicherer⸗Berg zu bringen, wo⸗ hin auch die übrigen Franzosen sich zurückzogen. Die Arnualer Bevölkerung ließ den Verwundeten große Sorgfalt zu Theil werden und dieselben nach der ersten Pflege hierher ins Lazareth bringen. Die Franzosen haben die Batterien auf dem Spicherer⸗Berg und beim Styringer Wald, von wo aus sie am 28. Granaten bis in die Straßen von Saarbrücken geworfen haben, eingeschnitten, d. h. durch Erdaufwürfe ꝛc. die Position der Ge⸗ schütze befestigt, woraus man schliegen darf, daß sie einen Angriff von unserer Seite erwarten und ihre jetzigen Stellungen behaupten wollen. Ein Telegramm derTrierer Ztg. besagt noch:Feind⸗ licher Seits sind 14 Chasseurs gefallen. Unser Verlust beträgt 1 Todten und 3 Verwundete. Auch bei Gersweiler war heute ein Scharmützel, wobei einer der Unsrigen verwundet wurde. Details fehlen.

Die Nacht vom 30. zum 31. Juli ist ohne besondere Vorfälle auf der Vorpostenlinie verlaufen. Im Verlaufe des Tages waren die Franzosen in der Stärke von ca. 25 Mann von Großblittersdorf aus durch die Saar nach dem gegenüber gelegenen preußischen Dorfe Klein- blittersdorf gekommen, sind jedoch alsbald wieder abgegangen, ohne irgend Jemand belästigt zu haben.

Trier. Die Richtigkeit der von der Tr. Z. gebrachten Nachricht betreffs des Einrückens fran⸗ zösischer Truppen in Perl kann verbürgt werden. Es waren 2 Schwadronen Cavallerie und 1 Com- pagnie Infanterie; sie gingen durch Perl bis Borg vor, wo sie fouragirten. Das Dorf Borg liegt vier Stunden von Saarburg auf der Höhe zwischen Saar und Mosel.

Bremen. DerWeser⸗Ztg. wird mitge- theilt, daß ein unterseeisches Kabel, welches Scilly

mit London verbindet, gelegt ist. Aufträge, deutsche Schiffe zu warnen, werden, wenn an Lloyds, Seilly, gerichtet, ausgeführt werden.

Bayern. München. Der Commandant der Cavallerie-Brigade, Generalmajor B. v. Tausch, wurde Nachts beim Herausgehen aus dem Gast⸗ baus zum Bären von einigen ihm auflauernden Individuen meuchlerisch angefallen und durch zwei Dolchstiche verwundet; beim zweiten Stich blieb der Dolch in der Wunde stecken und wurde dem General⸗Major, der sofort ins Gastzimmer zurück⸗ kehrte, dort herausgezogen. Die Verwundungen sollen nicht bedeutend sein.

Durch eine königliche Verordnung ist allen Städten und Marktflecken im ganzen Lande die Errichtung von Bürgerwehren als Civilsicherheits⸗ institute gestattet worden.

Aus Germersheim, vom 29. d., wird ge⸗ schrieben:Bei Bienwaldmühle glückliches Gefecht des bayerischen 10. Jäger Bataillons mit dem französischen 20. Linien⸗Regiment. Die Bienwald⸗ mühle liegt an der Lauter zwischen Weißenburg und Lauterburg auf pfälzischem Gebiete.

Baden. Karlsruhe. In Betreff der Niederbronner Affaire ist zu berichtigen, daß Graf Zeppelin nicht gefallen ist, er hat sich vielmehr durchgehauen. Graf Zeppelkn ist der Schwieger⸗ sohn des reichen Mühlhauser Industriellen Köchlin, eines geborenen Stuttgarters, welcher im Elsaß ein Corps von 5000 Freiwilligen ausgerüstet haben soll. Sodann heißt der zweite der gefangenen Badenser nicht v. Rottberg, sondern v. Wechmar.

Frankreich. Paris. DasJournal officiel theilt mit, daß von jedem Reisenden, welcher Nationalität er auch immer angehörig sei, bei seinem Eintritt und Austritt aus Frankreich während des Krieges die Vorzeigung eines Passes verlangt wird. Reisende aus Preußen und den mit ihm verbündeten Staaten bedürfen einer Specialvollmacht.

Vom 28. Morgens wird aus Metz tele⸗ graphirt: Seit gestern keine neuen Begegnungen mit dem Feinde. Man sah an der Saar Ab- theilungen des 8. und 11. preußischen Corps, aber der Feind zeigte sich nirgends in größerer Stärke. Während eines Gewitters hat sich ein bedauerlicher Fall in der Division Lorenees ereignet. Der Blitz schlug in das Haupjquartier ein und verletzte drei Offiziere.

Ein kaiserliches Decret vom 27. Juli er⸗ klärt folgende Plätze in Kriegszustand: 1) Im Bereich der fünften Militär⸗Division: Metz, Thion⸗ ville, Longwo, Bitche, Marsal, Phalsbourg, Mont⸗ méry, Verdun und Toul; 2) in der sechsten Militär⸗Division: Straßburg, Schlestadt, Neu⸗ breisach, Belfort, Lichtenberg und la Petite⸗Pierre.

Die Kaiserin hat im Namen ihres Gemahls eine Proclamation an die Flotte bei ihrer An- wesenheit in Cherbourg verlesen.

Die beiden gefangenen badischen Offiziere sind am 29. in Orleans angekommen; sie haben ihr Ehrenwort geben müssen, diese Stadt nicht ohne Erlaubniß zu verlassen.

In Chalons ist nach Privatbriefen der Wassermangel so groß, daß den Haushaltungen verboten ist zu waschen. Einem frei in der Straße umhergehenden Pferde war ein Ze mit der Inschrist um den Hals gehängt:Wer mich er⸗ nährt, dem gehöre ich als Eigenthum. Das Aufhören der Zufuhr von Hämmeln, Ochsen und anderem Schlachtvieh aus Deutschland hat die Fleischpreise in Frankreich bedeutend gesteigert. Das Pfund Ochsenfleisch soll in Straßburg 5 Fres. kosten.

Man berichtet derLondoner Times, daß die Pariser Bataillone der Mobilgarde bei ihrer Abfahrt nach Chalons eine widerspenstige Haltung einnahmen und riefen:Hoch die Repu⸗ blik!Nach Cayenne mit den Ministern! Nieder mit Ollivier! Es sind deßhalb diese Bataillone der Vorsicht halber ohne ihre Waffen mittelst der Ostbahn nach dem Lager dirigirt worden.

Großbritannien. London. Bei dem Citybankett sprach sich Gladstone dahin aus, England werde eine ehrliche Neutralität bewahren, nicht aus Selbstsucht, sondern um den Krieg zu lokali⸗ siren und nützlich vermitteln zu können, dabei werde aber England seine eigene Vertheidigungs

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