Offiziere behalten ihre Degen und ihr Privat- Eigenthum.“
— Zur Capitulation von Metz wird dem „Rhein. Kur.“ folgender Brigadebefehl des Gene⸗ rals v. d. Goltz mitgetheilt:
Pange, 27. Okt. Der Marschall Bazaine will morgen mit ca. 150,000 Mann, wovon 25,000 Mann Kranke in Metz liegen, die Waffen strecken und die Festung übergeben. Die französischen Truppen werden mit klingendem Spiel und wehenden Fahnen auf verschiedenen Straßen aus der Festung Metz ausmarschiren, bei unseren commandirenden Generalen vorbeidefiliren und dann die Gewehre zusammen⸗ setzen. Bei dem commandirenden General des 7. Armee⸗ cocps marschirt das Corps Frossard, 3 Divisionen und die Brigade Mixte(20,000) zwischen Grigy und la Grange vorbei, setzt dann die Gewehre zusammen und legt die Fahnen, Adler und Musik⸗Instrumente nieder. Die Offiziere behalten ihre Säbel und kehren nach der Stadt zurück. Die Leute marschiren mit ihrem Gepäck in ein Bivouak bei Ars⸗Laquenexy. Die sämmtlichen Gefangenen werden auf einer nördlichen Straße nach Saarlouis und auf einer südlichen nach Saarbrücken escortirt werden und sind die letzten Transporte am fünften Tage abmarschirt. Der erste Abmarschtag für die sädliche Linie ist bis Pange. Die 26. Brigade erhält folgenden Auftrag: Das Füsilier⸗ bataillon 15. Regiments marschirt auf dem Eisenbahn⸗ damm über Juvy, Peltre, nach der Porte Serpendise (Haupthor zum Bahnhof) und hat dieses Thor um 12 Uhr desetzt. Die 5 anderen Bataillone der Brigade, wozu noch 2 Batterien und 2 Escadrons stoßen, stehen um 1 Uhr bereits ausgetreten verdeckt bei la Grange. Sobald die feindlichen Truppen bei la Grange vorbei ins Bivouak bei Ars⸗Laquenexy gerückt sind und die Bewachung dieses Bivouaks durch die 14. Division ausgeführt ist, rücken diese Bataillone in die Stadt und besetzen die Thore mil je 1 Bataillon. Da außer dem Eisenbahnthore noch 6 andere Thore sein sollen, so werden die beiden letzten Thore nur mit je 2 Compagnien zu besetzen sein. Für jedes Thor werden außerdem 3 Husaren eingetheilt werden. Die Thore werden militärisch besetzt und die nächst daran⸗ sloßenden Häuser für die Nacht zu Allarmhäusern ein⸗ gerichtet. Sind Patrouillen zu schicken, so dürfen dieselben nicht unter 20 Mann gemacht werden. Civilisten dürfen aus der Stadt gelassen werden, sind aber genau zu unter⸗ suchen, ob sie keine Waffen bei sich führen, die ihnen ab⸗ zunehmen sind. Zum Commandanten der Stadt ist der General Kummer ernannt, der mit den Linien⸗Regimentern um 1 Uhr eingerückt sein wird. Die Bataillone der Brigade müssen vorher gegessen und jeder Mann 80 Patronen und das Gepäck bei sich haben. Sämmtliche Wagen bleiben einstweilen in den Cantonnements zurück und können schwache Leute zu deren Bedeckung zurück⸗ gelassen werden. Die Markeiender können am Nachmittag nachfolgen. Notiz. Bis morgen Abend hat die fran⸗ zösische Armee, sowie die Einwohnerschaft von Metz nichts mehr zu essen.(gez.) Frhr. v. d. Goltz.
— Wie aus Metz berichtet wird, sei fest⸗ gestellt, daß die dortigen Truppentheile(1., 7, und 8. Corps und die Division Kummer) theils dort verbleiben, theils nach dem Norden geschickt werden. Von Friedrich Karl heißt es in der „Karlsr. Ztg.“, er werde fortan die Opera⸗ tionen im Süden persoöͤnlich leiten. Seine Armee bestünde dann wie früher aus dem 2., 3. 9. und 10. Corps.— General v. Kummer ist, wie es heißt, zum Commandanten von Metz ernannt worden.
5 einer officiellen Depesche beträgt die Zahl der durch die Capitulation von Metz gemachten Gefangenen 173,000 Mann, excl. 6000 Offizieren nebst 3 Marschällen: Bazaine, Canrobert, Leboeuf. In dieser Ziffer ist na⸗ türlich die Besatzung der Festung Metz selbst, welche fast ausschließlich aus Mobilgarden be⸗ standen haben soll, einbegriffen. Bringt man hierfür 15— 20,000 Mann in Abzug, so bleibt als Stärke der Bazaine'schen Armee die Stärke von 150,000 Mann. Kurz nach den Schlach⸗ ten bei Metz wurde in einer officiellen preußi⸗ schen Depesche der Verlust der Bazaine'schen Armee in den Kämpfen vom 14., 16. und 18. August auf 50,000 Mann geschätzt. Wir er⸗ halten somit als Gesammtziffer der Bazaine'schen Armee circa 200,000 Mann. Weit mehr be— trug aber auch die Armee des Prinzen Friedrich Karl und die Steinmetz'sche am 18. August nicht, da das zweite Corps erst am Abend auf dem Schlachtfelde eintraf. Am 16. verfügte Bazaine über eine colossale Uebermacht ebenso— wohl wie über stark befe igte Positionen. Es ist demnach sehr erklärlich, daß unser Verlust in den Tagen vom 16. und 18. August auf 30,000 Mann angegeben wurde. Daß seit der Schlacht bei Rezonville und dem Rückzug Bazaine's in die Festungsenceinte von Metz eine Cernirungsarmee von 210,000 Mann zehn
Wochen lang die Bazaine'sche Armee in der Stärke von 150— 170,000 Mann festhalten konnte, ist wohl die glänzendste Waffenthat des ganzen Krieges. Man bedenke, daß die Cer⸗ nirungsarmee auf einen Umkreis von acht Meilen vertheilt war.
— Am 29. Okt. rückten die Besatzungstruppen zu allen Thoren der Festung Metz heraus und legten vor den Forts die Waffen nieder. Die Stadt wurde am Mittag von der Diviston Kummer besetzt. Kummer ist Platzcommandant. In die Forts sollen Bataillone des 7. Armeecorps ge— kommen sein. Bis spät in die Nacht rückten noch immer neue Bataillone aus. Die Noth soll furchtbar gewesen sein. Bemerkenswerth ist, daß sofort nach Oeffnung der Thore die benachbarten Dörfer sich wieder bevölkerten. Männer, Weiber und Kinder kehrten in die vielleicht verwüstete Heimath zurück. Das 15. Regiment rückte zuerst ein, dann folgte die 13. Division. Die Gefan⸗ genen werden via Saarlouis und via Courcelles befördert. Die erste Armee(darunter die hes⸗ sische Division) hat Marschbefehl; das 7. Armeecorps bleibt hier, das 8. und 1. geht nach Lille gegen Bourbaki.
— Das„Echo du Luxembourg“ sagt über die Lage in Metz:„Seit 8 Tagen war die Lage nicht mehr haltbar. Die ganze Nahrung der Belagerten bestand aus Mehl und Wasser. Alle Pferde waren aufgegessen worden; die, welche übrig blieben, waren ungenießbar. Zwei Artillerie- Batterien waren noch allein bespannt. Der Typhus herrschte im Platz. Die Lage der Belagerer war kaum glänzender. Seit Mittwoch sind die preußi⸗ schen Pionniere mit der Wiederherstellung der Eisenbahn von Metz nach Saarbrücken beschäftigt; die Unterbrechung geht von Metz bis Courcelles und beträgt nur 10 Kilometres. Von Saar- brücken und Arlon gehen starke Transporte mit Lebensmitteln nach Metz ab.“
— Ein Telegramm der„N. fr. Pr.“ aus Berlin, 27. Okt., meldet:„Die Waffenstreckung der in Metz eingeschlossenen 173,000 Mann geht unter Manteuffel und Kummer ungestört vor sich. Die Uebergabe dürfte noch morgen oder übermorgen wegen Ueberfülle des Kriegsmaterials andauern. Unter der Kriegsbeute sind 4000 Geschütze größten Kalibers, viele gezogene Kanonen, Mitrailleusen 100,000 Chassepots. In den Lazarethen befinden sich 30,000 Mann. Unter den Gefangenen sind Leboeuf, Bazaine, Frossard, Boer, Coffinieres und dreißig andere Generale. Telegraphisch ist von überall die Zufuhr von Lebensmitteln nach Metz angeordnet, wo das Elend unbeschreiblich ist.“
Straßburg. Als die Placate, welche die Capitulation von Metz meldeten, angeschlagen wurden, versammelte sich vor einem derselben ein ansehnlicher Trupp Menschen und hörte der Rede eines gewissen Johann Geier zu, welcher nicht müde wurde, laut zu versichern, daß die officielle Depesche falsch sei und daß Metz noch heute so gut wie gestern von den französischen Truppen vertheidigt würde. Der Redner wurde von einem Polizeibeamten beim Kragen gefaßt und abgeführt. Er mußte die Nacht über auf der Wache ver⸗ bleiben, wo er wohl von seiner Ungläubigkeit curirt worden ist.
Altbreisach 28. Okt. Die„Karlsr. Ztg.“ meldet: Gestern Abend gegen 8 Uhr fielen einige Schüsse aus dem Fort Mortier rheinabwärts; deßgleichen heute früh. Auch aus Neubreisach selbst wurde heute geschossen, und zwar in süd⸗ östlicher Richtung(Algolsheim). Seit heute sehen wir wieder die Cernirungs-Ulanen. Wie glaub⸗ würdig versichert wird, wäre dem Festungscom⸗ mandanten die Nachricht von der Capitulation von Metz von hier aus amtlich mitgetheilt worden.
Hessen. Friedberg. Einer Corre⸗ spondenz des„M. Abdbl.“ aus Gorze vom 28. Okt. entnehmen wir Folgendes: Morgen also werden wir in Metz einziehen, und zwar hat die 18. Division die beiden Forts St. Quentin und Plappeville, 2 Bataillone der hess. Division und und zwar das 1. Bataillon vom 1.(Major Anschütz) und das 2. Bataillon(Major Hoffmann)
vom 2. Infanterieregiment das Fort vorläufig zu besetzen, resp. die dortige Besatzung abzulösen. Natürlich sind Vorkehrungen getroffen, um ähnliche Ereignisse wie bei der Uebergabe der Festung Laon unmöglich zu machen,
und gehen vorher deutsche Ingenieure nach Metz, um 19
die Minen zu untersuchen. Es heißt ganz allgemein,
daß unsere hess. Diviston in der Richtung nach Dion oder Troyes dirigirt wird, und befinden wir uns
vielleicht schon in den nächsten Tagen auf dem Marsche nach dem Süden. nach vem Frieden sehnen, und vorziehen würden, in Friedenszeiten eine Reise in das Innere von Frankreich zu machen, so haben wir doch diese Nachricht mit großer Freude vernommen. gestatten es die politischen Verhältnisse in Frank⸗ reich noch nicht, Frieden zu schließen, so wollen wir lieber weiter vorwärts marschiren und kämpfen, als unthätig den Winter hier liegen.
— Nach Mittheilung der aus dem Lager vor Metz zurückgekehrten Mitglieder des Friedberger Unterstützungs⸗Comite's sahen dieselben bereits am 30. Okt. drei Compagnien unseres 1. Jäger- Bataillons von Noveant abmarschiren, während
die vierte in Pagny zum Schutze des dortigen
Lazarethes vorerst zurückblieb.
Preußen. Berlin. Wie man hört, ist eine Verfügung des Kriegsministeriums ergangen, Inhalts deren auch den kriegsgefangenen franzö⸗ sischen Soldaten, wenn deren Bildungsstufe, Militärgrad und bisherige gute Aufführung es zulässig macht, die Begünstigung zu Theil werden soll, sich auf eigene Kosten Privatwohnungen zu miethen und innerhalb der Garnison sich frei zu bewegen.
— Dem„Staatsanzeiger“ zufolge sind die Bedingungen der Capitulation von Metz wesent⸗
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Köln. In der Gegend von Kalk, unweit Deutz hat der Fiscus ein großes Terrain zum sofortigen Aufbau von Baracken für die Kriegs- gefangenen angekauft. Wie es heißt, sollen auch auf der Mülheimer Haide Gefangene untergebracht werden, da von Metz aus 15,000 Franzosen dorthin dirigirt werden sollen. Dieselbe Anzahl soll nach Coblenz transportirt werden, zu welchem Zwecke man daselbst auf die Errichtung eines zweiten Lagers bedacht ist..
Kassel. Die in Metz gefangenen französischen Marschälle Bazaine, Canrobert und Leboeuf sowie der General Changarnier haben die hiesige Stadt zu ihrem Aufenthaltsort gewählt. Canrobert ist bereits hier eingetroffen und hat Absteigequartier im„Hotel du Nord“ genommen, woselbst auch die anderen Herren im Laufe des Tages erwartet werden.— Wie die„Köln. Ztg.“ aus Wil⸗ helms höhe erfahren haben will, ist die Kaiserin Eugenie unter dem Namen einer Gräfin Clary dort angekommen. g
Kassel, 1. Nov. Die Kaiserin Eugenie, welche in Wilhelmshöhe eingetroffen war, ist bereits wieder abgereist. f
Hamburg, 31. Olt. Bei den gestern von Morgens bis Abends von Seiten des Geschwaders bei Cuxhaven stattgehabten Recognoscirungsfahrten wurden keine feindlichen Schiffe gesehen, ebenso-⸗ wenig von angekommenen Kauffartheischiffen.
Bayern. München. Bayern hat für die Aufnahme von 19,000 nach Süd⸗ und Nord- bayern zu befördernden französischen Gefangenen aus Metz vas bezügliche Transportmaterial in
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der Capitulation durch den König von Preußen.
hierher ertheilte telegraphische Nachricht alsbald
geantwortet:„Sr. Majestät dem König von
Preußen in Versailles. Die für die Entschei⸗ 2500
dung des Krieges so bedeutsame Uebergabe vou lan
Metz habe ich mit innigster Freude begruͤßt 51


