Ausgabe 
3.11.1870
 
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Nee

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Donnerlag den 3. November.

M 130.

Oberhessischer Anzeiger.

und Irland.

1870. Nr. 582.

Enthält die amtlichen Erlasse für den Kreis da.

Friedberger Iurligembiall

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Amtlicher Theil.

Nachverzeichnete Gesetze ꝛc. sind im Bundesgesetzblatt des Norddeutschen Bundes publizirt worden.

Nr. 44. Nr. 580. Vom 25. April 1870. Nr. 581.

Vertrag zwischen dem Generalpostamte des Norddeutschen Bundes und dem Generalpoftamte des vereinigten Königreichs Großbritannien Addftionalvertrag zu dem zwischen den Postvetwaltungen des Norddeulschen Bundes und der vereinigten Staaten von Amerika abgeschlossenen Vertrag für die Verbesserung des Pofldienstes zwischen den beiden Ländern unterzeichnet zu Berlin den 21. October 1867. Vom 7./23. April Belannimachung, betr. die Ausgabe verzinslicher Schatzanweisungen im Betrage von 20,000,000 Thlr.

hoͤchster Erlaß vom 18. October 1870, betr. die Ausgabe verzinslicher Schatzanweisungen im Betrage von 3,700,000 Thaler. Nr. 45. Nr. 584. Gesetz, betr. die Eheschließung und die Beurkundung des Personenstandes von Bundesangehörsgen im Auslande.

Vom 16. October 1870. Nr. 383. Aller⸗ Vom 4. Mai 1870

Be

Mit Bezugnahme auf unsere früheren Bekanntmachungen, wo⸗ nach wir mit unserem Büxreau eine Auskunftsstelle für Arbeitfuchende und für Arbeitgeber verbunden haben die seither auch schon viel⸗

fach zur Vermittelung des Angebots und der Nachfrage nach Arbeit

der metollurgischen Industrie und der Maschinen⸗ Fabrikation,

benutzt worden ist machen wir im Auftrage Großherzoglichen

Ministeriums ferner darauf aufmerksam, daß die Handelskammer zu Cöln sich erboten hat, die Bemühungen aller Arbeitsuchenden durch Mittheilung eutsprechender Adressen von Arbeitgebern thunlichst zu unterstützen.

Bei der Handelskammer zu Cöln sind in Folge der von der⸗ selben erlassenen Bekanntmachungen unverhältnißmaͤßig mehr An⸗ erbietungen von deutschen Arbeitgebern als entsprechende Nachfragen von Arbeitern eingegangen, und zwar insbesondere von Vertretern von Buchdruckern und Lithographen, sowie von Fabrikanten von Bekleidungs⸗

B Betreffend: Die aus Frankreich ausgewiesenen deutschen Arbeiter.

mach ung. gegenständen und Militär Requisiten(in Holz und Leder). Die Handelskammer in Coͤln ist gerne bereit, ihr reiches Material in weiteren Kreisen nutzbar zu machen und will die Bemühungen der Arbeitsuchenden auf briefliche Anfragen mit Angabe der bis herigen Beschäftigung und des dermaligen Aufenthaltsorts durch Mittheilung entsprechender Adressen von Arbeitgebern unterstützen. Arbeitsuchende können sich hiernach direkt an die Handels⸗ kammer zu Cöln wenden, oder sie können unsere Vermittelung in Anspruch nehmen, wozu wir nach wie vor gerne bereit sind. In letzterem Fall sind alle Gesuche und Correspondenzen für uns zu richten:An das Büre au des Großherzoglichen Gewerb⸗ vereins zu Darmstadt. Darmstadt den 23. October 1870. Großh. Centralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbverein Schleiermacher. Fink.

Kriegs nachrichten.

Versailles, 28. Okt. Thiers ist seit drei Tagen im Besitz freien Geleites nach Versailles und der Erlaubniß, von Versailles nach Paris zu gehen und zurückzukehren; er besteht aber darauf, nicht auf dem Wege von Versailles, son⸗ dern auf dem von Orleans nach Paris hineinzu⸗ fommen. Der Vorfall in dem benachbarten Bougival, der bisher sehr verschieden erzählt wurde, wird in der heutigen Nummer desNou pelliste de Versailles offiziell folgendermaßen dar⸗ zestellt:Ein sehr trauriges Ereigniß hat sich in diesem sonst so freundlichen und heiteren Dorfe jugetragen. Als während des Kampfes am 21. die preußischen Vorposten sich auf ihre Operations- basis zurückzogen, ehe sie die Offensive ergriffen, baben dem Anschein nach mehrere Einwohner Bougivals geglaubt, die deutsche Armee befände sich auf der Flucht. Sie haben alsbald mit Windbüchsen auf Soldaten vom 46. Regiment zeschossen, welche die Fahne dieses Regiments um⸗ zaben. Die Truppen, über die Theilnahme von Bürgern am Kampfe erbittert, sind in die Häuser zestürzt, aus denen die Schüsse gefallen und haben 19 Individuen verhaftet, die am Tage darduf dor ein Kriegsgericht gestellt worden sind. Dieses Hericht hat zwei derselben zum Tode verurtheilt und die Execution ist am 24. d. M. in Bougival vollzogen worden. Die Commune hat eine außer- ürdentliche Contribution von 50,000 Francs zu qahlen. Die Häuser, aus denen auf die deutschen Truppen geschossen wurde, werden in Brand gesteckt verden, und so haben einige Fanatiker eine ganze Ortschaft in tiefe Trauer versetzen können.

Thiers ist, von Orleans kommend, den

* Vormittags in Versailles eingetroffen und

gat sich, nach kurzem Aufenthalt, nach Paris weiter begeben.

Hauptquartier Cornp vor Metz, den 27. Okt. 1870. Aus Anlaß der Capitulation zon Metz erließ Prinz Friedrich Karl an sein Deer folgenden Armee-Befehl. Soldaten der Hund II. Armee! Ihr habt Schlachten geschlagen und den von Euch besiegten Feind in Metz 70

Tage umschlossen, 70 lange Tage, von denen aber die meisten Euere Regimenter an Ruhm und Ehre reicher, keiner sie daran ärmer machte! Keinen Ausweg ließet Ihr dem tapferen Feinde, bis er die Waffen strecken würde. Es ist so weit! Heute endlich hat diese Armee, noch voll 173,000 Mann, die beste Frankreichs, über 5 ganze Armee⸗Corps, darunter die Kaiser-Garde, mit 3 Marschällen von Frankreich, mit über 50 Generalen und 6000 Offizieren capitulirt und mit ihr Metz, das nie⸗ mals zuvor genommen! Mit diesem Bollwerk, das wir Deutschland zurückgeben, sind unermeßliche Vorräthe an Kanonen, Waffen und Kriegsgeräthen dem Sieger zugefallen. Diesen blutigen Lorbeer, Ihr habt ihn gebrochen durch Eure Tapferkeit in der 2tägigen Schlacht bei Noisseville und in den Gefechten um Metz, die zahlreicher sind, als die es rings umgebenden Oertlichkeiten, nach denen Ihr diese Kämpfe benannt! Ich erkenne gern und dankbar Eure Tapferkeit an, aber nicht sie allein. Beinahe höher stelle ich Euren Gehorsam und den Gleichmuth, die Freudigkeit, die Hingebung im Ertragen von Beschwerden vielerlei Art. Das kennzeichnet den guten Soldaten! Vorbereitet wurde der heutige große und denkwürdige Erfolg durch die Schlachten, die wir schlugen, ehe wir Metz einschlossen, und erinnern wir uns dessen in Dankbarkeit durch den König selbst, durch die mit Ihm darnach abmarschirten Corps und durch alle diejenigen theuren Kameraden, die den Tod auf dem Schlachtfelde starben oder ihn sich durch hier geholte Leiden zuzogen. Dies ermöglichte erst das große Werk, das Ihr heute mit Gott vollendet sehet, nämlich daß Frankreichs Macht gebrochen ist! Die Tragweite des heutigen Ereig- nisses ist unberechenbar. Ihr aber, Soldaten, die zu diesem Ende unter meinen Befehlen vor Metz vereinigt waret, Ihr geht nächstens verschie⸗ denen Bestimmungen entgegen. Mein Lebewohl also den Generalen, Offizieren und Soldaten der I. Armee und der Division v. Kummer und ein Glück auf zu ferneren Erfolgen! Der General der Cavalerie: gez. Friedrich Karl.

DerSt.⸗Anz. begrüßt das große mili-

tärische Ereigniß vor Metz wie folgt:Die Blicke von Millionen sind heute auf Metz gerichtet, wo sich ein denkwürdiges Ereigniß vollzieht. Nach fünf großen Schlachten und Gefechten, nach zahl⸗ losen kleinen Kämpfen, nach unsäglichen Mühsalen und Entbehrungen, zieht unser Heer als Sieger in den gewaltigen Waffenplatz. Die französische Hauptarmee, an ihrer Spitze drei Marschälle von Frankreich, senkt die Waffen. Es ist der Kern der französischen Heere, der sich unserem königlichen Prinzen ergibt; Krieger von erprobter Tapferkeit, Führer von bewährter Umsicht. Die Sieger ver⸗ sagen dem Gegner, mit dem sie Monate lang gerungen, das Zeugniß nicht, daß er es an Kühnheit, Muth und Ausdauer bei der Verthei⸗ digung nicht habe fehlen lassen. Daß aber eine so große tapfere Armee einem solchen Geschicke anheimfallen mußte, steht einzig da in der Ge⸗ schichte. Indem unsere Sieger den schwerver dienten Lorbeer mit dem Danke ihres Königs und des Vaterlandes empfangen, erfüllt sie eine besondere stolze Genugthuung. Sie haben das Bewußtsein, daß sie in dem erkämpften Waffenplatze das stärkste Bollwerk für Deutschlands künftige Vertheidigung im Westen und eine vorzügliche Bürgschast zur Sicherung des Friedens errungen haben. Wir wollen aber heute auch der Helden gedenken, die ihr Leben hingaben in den blutigen Kämpfen um Metz. Hunderttausende daheim werden schmerzlich bewegt bei diesem Namen. Ihre feuchten Blicke richten sich nach der großen Grabesstätte, wo ihre Väter, ihre Gatten, ihre Söhne und Brüder schlummern. Das Vaterland trauert mit ihnen. Es bringt den gefallenen Helden ihre Lorbeerkrone in der festen Zuversicht, daß sie sicher ruhen werden in der mit ihrem Blute wieder erkämpften deut- schen Erde.

Die Bedingungen der Capitulation von Metz sollen folgende sein:Die Festung Metz mit allen ihren ungeheuren Waffenvorräthen wird dem Prinzen Friedrich Karl übergeben. Die französische Garnison marschirt mit allen kriegerischen Ehren aus, streckt dann die Waffen und geht in die Kriegsgefangenschaft nach Deutschland. Die