Ausgabe 
2.7.1870
 
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I. J. erfolgen solle. Wie derBayer. Kurier meldet, ist der bisherige Honorar Professor Pr. Friedrich(der sich vor Kurzem aus Anlaß des Conecils beim Cardinal Hohenlohe in Rom befand und sogar von der Ausweisung aus der ewigen Stadt bedroht war) zum ordentlichen Professor an der theologischen Fakultät der Hochschule München ernannt worden.

Schweiz. Auch die Schweiz führt jetzt Correspondenzkarten ein, deren Porto jedoch auf nur 5 Rappen, d. h. etwa 5 Pfennige bemessen ist, also auf den österreichischen Satz. d

Frankreich. Paris. Die republikanische Partei in Frankreich hat einen großen Verlust erlitten. Es starb nämlich am 26. d. Armand Barbds in seinem 61. Lebensjahre. Er war auf der Insel Guadeloupe am 18. September 1809 geboren und kam sehr jung nach dem südlichen Frankreich, wo seine Familie herstammte. Sein Name ist eng verknüpft mit den geheimen Gesell⸗ schaften, die sich nach der Juli Revolution in Frankreich bildeten. Als Anführer des Ausstandes vom Mai 1839 zum Tode verurtheilt, auf Für bitte des Herzogs von Orleans zu lebenslänglicher Haft begnadigt, wurde er erst durch die Februar⸗ Revolution befreit, aber auch schon am 15. Mai wieder verhaftet, zur Deportation verurtheilt, in Belle⸗Isle-en⸗Mer gefangen gehalten und 1854 auf Befehl des Kaisers gegen seinen Willen in Freiheit gesetzt. Er verbannte sich selbst und kehrte seinem geknechteten Vaterland für immer den Rücken. Im Gefängniß hat er gelebt: 4 Monate im Jahre 1834, 14 Monate von 183637, 3 Monate 1838, 15 Jahre 2 Monate vom 12. Mai 1839 bis 9. October 1854, im Ganzen 17 Jahre, mehr als ein Viertel seines Lebens. Die Verbannung vom 10. October 1854 bis 26. Juni 1870 kostete ihm abermals 16 Jahre, ein zweites Viertel seines Lebens.

Großbritannien. In London ist am 27. Juni Lord Clarendon, der Minister des Aus- wärtigen, gestorben, nachdem ein leichter, anfäng⸗ lich vernachlässigter Ruhranfall eine sehr Besorgniß erregende Wendung genommen hatte. Im Januar 1800 geboren, war der Verstorbene so ziemlich der letzte Diplomat der alten Schule und sein langjähriger Dienst im Auslande, sowie die all gemeine Achtung, mit welcher er bei Freund und Feind in gleicher Weise stand, machten ihn zu einer der Hauptstützen des Ministeriums Gladstone, welches durch sein Hinscheiden, zumal bei dem jetzigen Stande der auswärtigen Angelegenheiten, einen sehr schweren Verlust erleidet.

Spanien. Madrid. Die regierungs- freundliche Presse sagt, die Abdankung Isabellens ändere in keiner Beziehung den Gang der Dinge. Das Gesetz über die Civilehe wird am 1. Sept. in Kraft treten.

Rußland. Warschau. In Bezug auf das Tragen von schwarzen Kleidern bei Leid⸗ tragenden setzt eine Polizeivorschrift fest, daß nur adlige Personen ein ganzes Jahr nach dem Tode eines nächsten Verwandten Trauerkleider tragen können. Bei Bürgerlichen ist das Tragen von Trauerkleidern auf ein halbes Jahr zu beschränken.

In Butzbach ist vor einigen Tagen ein Zugführer im Bahnhose verunglückt, indem er beim Einsteigen in sein Coupé ausglitt und von dem Zug, einem leeren Wagenzug, überfahren wurde. Der Unglückliche war so schwer verwundet und zerquetscht, daß er nach einigen Minuten den Gelst aufgab.

RNockenberg. Das Sängerfest des Wetterauer Bundes wird am 10. und 11. Juli abgehalten werden. Das Comits hat die Vorbereitungen hierzu so allseitig getroffen, daß sich ein wohlorganisirtes Volksfest erwarten läßt. In der Frühe werden Böllerschüsse das Fest verkündigen; nach dem Empfang der auswärtigen Vereine durch Musik, ist der Festzug vom Schloßhofe aus um 2 Uhr. Auf dem Fesiplatz angekommen werden die Fahnen aufgepflanzt, die Festrede gehalten und das erste Chorlied mit Be⸗ gleitung der Musik gesungenz dann kommen die Special⸗ vorträge der einzelnen Vereine. Ein Chorlied mil Musik bildet den Schluß des Concertes. Abends von 9 bis 10 Uhr ist Beleuchtung der Bühne, Feuerwerk, dabei Harmonie. Am 2. Tag findet Instrumentalconcert statt. Man hofft auf starke Betheiligung der Umgegend, und werden alle Besucher dieses Festes auch das finden, was zur Erheiterung und fröhlichen Stimmung der Gemüther

große Anzahl Privatpersonen ist übereingekommen die Correspondenzkarten, so lange sie wenigstens keine Porto ersparniß gewähren nicht zu gebrauchen und demge⸗ mäß auch nicht anzunehmen.

Darmstadt. Die vom Sonntag den 3. bis Dienstag den 5. Juli hier statifindende land wirthschaftliche Maschinen⸗Ausstellung, Thierschau und Prämien⸗Zuchtvieh⸗ markt werden sehr umfangreich werden. Die bedeutendsten Maschinengeschäfte haben das Aeußerste aufgeboten um etwas Großartiges zu Stande zu bringen. Auf dem Ausstellungsplatze herrscht ein reges Treiben, damit zur richtigen Stunde nicht nur Alles in Parade steht, sondern daß sich auch die vielerlei Maschinen mit Accuratesse in Bewegung setzen können. Die Thierschau(4. Juli), welche sich zwar nur auf die hiesige Gegend und nicht auf das ganze Land ausdehnt, wird trotzdem jeden Landwirth im höchsten Grade befriedigen, da die fortwährenden Be⸗ strebungen der landwirthschafllichen Vereine zur Hebung und Veredelung der Viehzucht, gerade in unserer Gegend empfänglichen Boden gesunden haben und die Resultate jetzt vor unsere Augen treten werden. Die Preiszuerkennung findet gegen Mittag statt. Um einen schwungvollen Ver⸗ kauf des unterm 5. Juli sich anschließenden Prämien⸗ zuchtviehmarkis waren wir seither wegen der schlechlen Fulteraussichten einigermaßen besorgt. Da aber endlich der sehnlichst erwartete Regen gekommen ist, so ist die Befürchtung wegen Futtervorrath sofort geschwunden. Käufer werden massenhaft kommen und hoffen wir, daß die Verkäufer alle Anstrengungen gemacht haben, um aus⸗ gezeichnetes Vieh aufzutreiben. Noch bemerken wir, daß bei diesem Markte 50 schwere Zugpferde zur öffent⸗ lichen Versteigerung kommen.

In Weinheim an der Bergstraße stieß man vor einigen Tagen bei Anlegung eines neuen Weges auf ein weibliches Gerippe, von dem man vermuthet, daß es einem vor etwa 13 Jahren spurlos verschwundenen Mäd- chen vom Sulzbacherhof angehört habe. Es ist bereits eine Verhastung vorgenommen; der vermeintliche Mörder wurde s. Z. schon mit dem Verschwinden des Mädchens in Beziehung gebracht.

Aus Nürnberg kommt eine beachtenswerthe Warnung vor der Verschleppung der in Paris jetzt stark grassicenden Pocken durch die Emballage der Waarensendungen von dort. In Nürnberg soll eine heftige Blatternerkrankung aus diesem Anlasse eingetreten sein.

Hamburg. Türkische Cousuln in Deutschland haben Auftrag erhalten, deutsche Zimmerleute zu engagiren. Tüchtige Arbeiter dieser Art erhalten freie Ueberfahrt von Marseille nach Konstantinopel und Reisegeld bis zum Ein⸗ schiffungsplatz. Eine ganze Caravane deutscher, namentlich Schleswig⸗Holsteiner, Hamburger, Hannover'scher Zimmer⸗ leute befindet sich bereits auf dem Wege nach Konstantinopel, wo sie von den Bauunternehmern zur Wiederherstellung der durch den großen Brand zerstörten Straße! von Pera sehnsüchtig erwartet werden.

Wien. Das Tagesgespräch bildet ein großartiger Betrug, der in den letzten Tagen hier verübt wurde. Es handelt sich um nicht weniger, als beinahe anderthalb⸗ hunderttausend Gulden, die ein frecher Gauner mittelst eines gefälschten Looses einer hiesigen Bank entlockie. Die Blätter bringen folgende Darstellung des Falles: Donnerstag den 23. d., Mittags, kam ein Mann in die Wechselstube der Handelsbank, Graben Nr. 13, und präsentirie dort zur Escomptirung das Loss Serie 3944 Nr. 20, der herzoglich⸗braunschweig⸗lüneburg'schen Lotterie Anleihe ddo. 1. März 1869, welches Loos in der Serien⸗ Ziehung vom 2. Februar l. J. und in der Nummern⸗ Ziehung vom 31. März d. J. mit dem Haupttreffer von 80,000 Thalern gezogen worden war. Das Loos wurde cscompirt, und dem Unbekannten wurden 138,692 fl. 60 kr. Oe. W. in Noten und Kassenanweisungen der Handelsbank ausbezahlt, welche Anweisungen der Em⸗ pfänger unmittelbar in der Wechselstube der Escomptebank verkaufte. Den gepflogenen Nachforschungen zufolge erhielt der Unbekannte ungefähr 102 bis 105 Banknoten zu 1000 fl., den Rest zumeist in Staatsnoten zu 50 fl. Nach den bisherigen Erhebungen ist das Loos(und zwar die Serienzahl) gefälscht und der Unbekannte des Betruges dringend verdächtig. Der Fremde nannte sich Franz Scholz, gab an, er sei aus Mähren, wohne aber derzeit in Mödling und sei Schneidergeselle. Den in Mödling gepflogenen Recherchen zufolge ist ein Franz Scholz Schneidergeselle, dort ganz unbekannt. Der angebliche Franz Scholz ist zwischen 2832 Jahre alt, mehr kleiner als großer Statur, sehr schmächtig, bat ein blasses, mageres Gesicht, eingefallene Wangen, dunkelblonde Haare, mehr kurz geschnitten, einen dunkelblonden schwachen Schnurr⸗ bart, etwas großen Mund, längliche Nase. Seine Hände waren mager, die Finger lang und sollen, da sie durch Nadelstiche verletzt schienen, auf einen Schneider schließen lassen. Bekleidbet war Scholz mit einem dunkelbraunen oder dunkelgrauen Rock, solcher Weste, lichter Hose, schwarzem runden Filzyut und trug einen Stock. Seine Sprache hat den Accent eines Mährers oder Schlesiers. Die ganze Erscheinung, übereinstimmend mit der Be⸗ kleidung, der Sprache, der Schrift ꝛc. ꝛc., weist auf einen Handarbeiler, Hausknecht oder dergleichen hin. Der Un⸗ bekannte hat in seinem Besitze die Loose des Braun⸗ schweiger Lotterie-Anlehens: Serie 3707 Nr. 24 Serie 7816 Nr. 40, Serie 9330 Nr. 24, Serie 9330 Nr. 23 und Serie 9330 Nr. 12, deren Serien sämmtlich in der Ziehung am 1. Mai l. J. gezogen wurden und die am 30. Juni l. J. zur Nummern⸗Ziehung kommen.

London. Der deutsche Rechtsschutzverein dahier hat seinen Bericht pro 1868 und 1869 publicirt. Im Jahre

erforberlich ist.

Darmstadt. DieHess. Volksbl. melden: Eine

1869 hat der Verein 255 Fälle aufgenommen und durch⸗

127 aus Deutschland(93 vom norddeutschen Bund, worunter 38 aus Berlin) und 128 aus London zuge⸗ gangen waren. Dazu macht der Vorstand die Bemerkung: Trotzdem, daß der Verein von Berlin aus verhältniß⸗ mäßig mit mehr Geschäften als von irgend einer andern deutschen Stadt angegangen wird, halte sich die Casse seit dem Jahre 1865 doch nur eines Zuschusses von ca. 5 Pfb. Sterling von dort zu erfreuen.

Einiges über die landwirthschaftlichen Verhältnisse des Kreises Friedberg. Von Dr. K. Henkelmann.

(Schluß.)

Größe der Gemarkungen.

Die größte Gemarkung des Kreises ist die Gemarkung Ober-Mörlen mit 8410 Morgen; so⸗ dann folgen die Gemeinden Niederweisel mit 6551 Morgen, Ockstadt mit 6236 Morgen, Gam⸗ bach mit 5628 Morgen.

Zwischen 4000 5000 Morgen haben 5 Ort⸗ schaften des Kreises, zwischen 3000 4000 Morgen haben 14, zwischen 2000 3000 Morgen haben 14, zwischen 1000 2000 Morgen haben 12, unter 1000 Morgen haben 3 Ortschaften des Kreises.

Benutzung des Bodens.

Landwirthschaftlich benutztes Areal, also Wald⸗ und Wasserflächen arsgeschlossen, hat der Kreis Friedberg circa 112,538 Morgen. Bei einer Bevölkerung von 41,315 Seelen und 8735 Fa- milien(nach der letzten Zählung vom 3. Dezbr. 1867) bertheilt sich daher der landwirthschaftlich benutzte Boden auf: 2,72 Morgen für einen Be⸗ wohner, 12,88 Morgen für eine Familie und 22008 Morgen zu 1 Q.⸗Meile angenommen, leben im Kreise Friedberg 8100 Menschen auf die Quadratmeile.

Nach der letzten Zählung zäblt der Kreis ferner 2071 Stück Pferde, 12,938 Stück Rind⸗ vieh, 12,534 Stück Schafe und 10,609 Schweine. Die Quadratmeile zu 22008 Morgen Landes angenommen, leben also im Kreise Friedberg auf der Quadratmeile: Menschen 8100, Pferde 406, Rindvieh 2534, Schafe 2457, Schweine 2080. Rechnet man durchschnittlich 2 Rinder, 10 Schafe, 10 Schweine, sowie 10 Ziegen für ein Stück Groß⸗ vieh, so kommen im Durchschnitt auf 6,6 Morgen ein Stück Großvieh. Auf 100 Morgen kommen: Pferde 1,84, Zugochsen und Mastochsen 1,04, Kühe 7,2, Rinder und Stiere 3,04, Rindvieh überhaupt 11,5, Schafe 11,14, Schweine 9,43 Stück. Die Viehhaltung(Rindviehhaltung) ist hiernach nicht als genügend zu betrachten, da man sonst gewöhnlich 16 bis 20 Stück Groß⸗ vieh auf 100 Morgen rechnet.

Das Verhältniß des Ackerlandes zu den Wiesen ist im Kreise Friedberg wie 100 zu 15,6, d. h. auf 100 Morgen Ackerland kommen durchschnitt⸗ lich 15,6 Morgen Wiesen; das Verhältniß des Ackerlandes zum Wald dagegen ist wie 100: 26.

Von dem Ackerlande werden durchschnittlich benutzt zu: 1) Getreidebau durschnittlich 62 Proz. darunter 21 Proz Weizen, 11 Prozent Korn, 17 Proz. Gerste, 13 Proz. Hafer; 2) Hack⸗ fruchtbau durchschnittlich 20 Proz. und zwar Kartoffelbau 15 Proz., sonstige Wurzelgewächse 5 Proz. 3) Kleebau durchschnittlich 10 Proz. 4) Hülsenfrüchte durchschnittlich 3 Prozent. 5) Oelfrüchte, Brache, Flachs ꝛc. durchschnittlich 5 Proz. Zusammen 100 Proz.

Vertheilung des Besitzes.

Wie zu Eingang erwähnt, besitzen wir im Kreise Friedberg größere Güter von 300 bis 2000 Morgen. Die größten Güter sind das, den Freiherrn v. Löw Stadener⸗Linie zugehörige Gut zu Steinfurt mit nahezu 2200 Morgen und das dem Herrn Grafen von Solms ⸗Rödelheim zu Assenheim zustehende Wickstädter Gut mit 2137 Morgen. Von den Besitzern selbst bewirthschaftete größere Bauerngüter von 200300 Morgen haben wir im Kreise 16.

Je nach dem Vor⸗ oder Nichtvorkommen solcher größeren Bauerngüter in einem Orte und

heit der einzelnen Gemeinden, werden die Besitz⸗

geführt(47 mehr als im Jahre 1868), von welchen über

je nach der größeren oder geringeren Wohlhaben⸗

verhältnisse folgendermaßen bezeichnet: In den 9 sehr wohlhabenden Orten gilt ein Besitz von 100200 Morgen und mehr als ein großer,

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