sowie Creirung eines Länderhauses(aus Deputirten
der Landtage bestehend) und eines Volkshauses (durch direkte Wahlen gebildet.) Der Gesetzes antrag ist unterstützt.
— Nach dem vom Finanzminister Brestel dem
Reichsrath vorgelegten Gesetzentwurf über die Einziehung der Münzscheine(Zehnkrenzerzettel), sowie der Sechskreuzerstücke aus den Jahren 1848 und 1849 werden dieselben nur bis zum 30. September 1870 zu dem Werthe von zehn Neu⸗ kreuzern angenommen; nach diesem Termine werden die Münzscheine ganz ungültig, die Sechskreuzer · stücke aber sollen noch zu ihrem Metallwerthe an⸗ genommen werden. Aus Wieliezka sind, wie die„Tages- presse vernimmt, authentische Nachrichten in Lem⸗ berg angelangt, welche die Catastrophe eines neuen Wassereinbruches im Salzbergwerke constatiren. Hierüber herrscht allgemeine Bestürzung.
Frankreich. Paris. Der Untersuchungs⸗ richter Bernier erließ wieder über 30 Verhaftsbe⸗ fehle gegen solche, welche in das Complott ver- wickelt sein sollen. Mehrere derselben können aber nicht ausgeführt werden, da sie gegen Männer, wie Mazzini, Felix Pyat und Blanqui gerichtet sind, welche sich nicht in Frankreich befinden.
— Inm gesetzgebenden Körper entwickelte Ferry im Hinblick auf die baldige Auflösung der Kammer einen Antrag, betreffend die Wablreformen. Ollivier erklärte, die Regierung halte immer noch eine Kammerauflösung für unzeitig. Der Antrag Ferry wird mit 164 Stimmen gegen 64 Stimmen verworfen. Picard verlangte, daß die Inter- pellationen über die(onstituirende Gewalt auf morgen festgesetzt würden. Ollivier entgegnete hierauf, constitutionelle Nothwendigkeiten und die Schicklichkeit erlaubten nicht, daß jetzt diese Dis- cussien aufgenommen würde. Picard besteht auf seinem Verlangen. Ollivier erwiderte: Wir ver⸗ langen die Vertagung der Interpellationen als einen Act des Vertrauens; verweigern sie uns dies, so müssen wir aufhören Minister zu sein! (Große Bewegung.) Die Interpellation wurde mit 147 gegen 75 Stimmen vertagt.
— Prinz Peter ist in Paris wieder einge⸗ troffen. In dem Hause versehen Polizei⸗Agenten das Amt des Portiers und auch die Umgebungen werden polizeilich bewacht. Der Prinz empfing von dem Kaiser den Befehl, sobald als möglich das französische Gebiet, und zwar auf unbestimmte Zeit zu verlassen; er hat sich hierfür eine drei⸗ tägige Frist ausgebeten. Nach den Einen wird er sich nach Italien, nach den Andern in die Vereinigten Staaten begeben. Die„France“ be— hauptet übrigens, der Kaiser habe dem Prinzen nicht den Befehl, sondern nur den freundschaft⸗ lichen Rath gegeben, Frankreich zu verlassen, und es sei noch nicht gewiß, welchen Entschluß der Prinz fassen werde.— Ledru⸗Rollin ist, wie der „Sidcle“ meldet am Sonntag in Boulogne und am Montag in Paris angekommen.
— Der Dr. Tardieu hat seine Entlassung als Professor an der medieinischen Fakultät der Pariser Universität eingereicht. Die Studenten, welche ihm sein Auftreten und seine Aussagen im Pro- zesse gegen Peter Bonaparte nicht hingehen lassen wollten, pfiffen ihn nämlich in der Vorlesung, welche er vor einigen Tagen abhalten wollte, auf eine so furchtbare Weise aus, daß er mit den Worten, er werde seine Entlassung einreichen, den Saal verließ. Die Scene hatte über eine halbe Stunde gedauert. Tardieu wurde auf alle mög- liche Weise insultirt, und man warf ihm die Worte:„Corse! Bonaparte! Geh' nach den Tuilerien!“ u. dgl. an den Kopf. Zu Ruhe⸗ störungen kam es nicht. Die Studenten zogen nämlich, nachdem sie Tardien vertrieben, ruhig und ohne weitere Kundgebungen zu machen ab.
Italien. Rom. Das kühne Auftreten des Bischofs Stroßmayer im Coneil hat das größte Aufsehen hervorgerufen; man spricht von nichis Anderem. In dem Schema de side werden bekanntlich Materialismus, Atheismus, Pantheis⸗ mus u. s. f. kurzweg aus der Irrlehre des Pro⸗ testantismus hergeleitet. Stroßmayer erklärte nun,
daß man mit einer solchen Behauptung die größte
Unwissenheit verrathen und die Wahrheit auf's schlimmste entstellen würde, da Jedermann wisse, daß es lange vor dem Protestantismus Materialisten, Atheisten und Pantheisten gegeben habe. Hierüber erhob sich ein unbeschreiblicher Lärm und Viele verlangten, man solle dem Redner das Wort entziehen. Stroßmayer aber rief aus, trotz allen Lärmens und Murrens werde er sich nicht nehmen lassen, noch dies Eine beizufügen, daß er viele Protestanten kenne, die sehr sittenstreng, sehr gläubig seien, ja daß vielleicht im Protestantis mus noch mehr Glaubenefestigkeit vorhanden sei, als im Catholicismus. Hierbei fuhren 4 Cardi⸗ näle zumal von ihren Sitzen auf und verboten ihm weiter zu reden.
«Friedberg. In dem hiesigen Bezirksgefängniß echängle sich in vergangener Nacht ein in die Untersuchung gegen den früheren Bürgermeister Vogt vou Reichelsheim verwickelter Agent.
Frankfurt. In hiesigem Lazareth ist dieser Tage ein Unteroffizier, welcher seit 1866 daselbst schwer ver⸗ wundet lag, nach fast 4 jährigem Schmerzenslager ge⸗ storben.— Die Blumen- und Pflanzen- Ausstellung in den Palmgärten wird am 9. April beginnen.
Darmstadt. Der Historiograph des Großherzogl. Hauses, Großh. Hofrath Dr. Steiner, ist am 30. März gestorben. Der Verblichene hatte sich bis in sein hohes Alter die geistige Frische bewahrt und war erst vor Kurzem noch eine geschichtliche Arbeit über Hessen von demselben erschienen.
Heidelberg. Kürzlich wickelte sich bei bieftgem Hof⸗ gerichle folgende Briefmarken-Geschichte ab: Ein Heidel⸗ berger, der eine Sammlung von Briefmarken aller Herren Länder angelegt, las in der Zeitung eine Annonce, worin Mecklenburger Briefmarken zum Verkauf angeboten wurden. Er schrieb an die betreffende Adresse in Mecklenburg und erbat sich den Vorrath der Marken. Da der betressende Mecklenburger einen sehr bedeutenden Vorrath dieser Marken besaß, die seit 1866 werthlos geworden, schrieb er dem Heidelberger zurück, daß er ein bedeutendes Quantum Marken habe, ob er dieses ganz verlange, oder wie viel davon. Es wurde der ganze Vorrath vom Heidelberger verlangt— und der Mecklenburger schickte dem Heidel⸗ berger für 17,000 Thaler Mecklenburgische Briefmarken. Der Heidelberger verweigerte die Annahme der zwei Kisten, allein das Gericht verurtheilte ihn zur Zahlung obiger Summe von Rechtswegen.
München. Der„Grog“ schreibt: Dem König von Ungarn soll seine Civilliste um 400,000 fl. erhöht werden; als das der Kaiser von Oesterre ich hörte, rief er:„Na, dem Mann gönn' ich's!“
Köln. Im vergangenen Jahre wurden 202,511 Thlr. zum Weiterbau des Domes verwendet. Es ist gut, daß die Dombau⸗Lotterie so enorme Summen zur Disposition stellt; denn die gewöhnlichen Beiträge bleiben weit hinter denen früherer Jahre zurück; sind doch in den beiden ersten Monaten d. J. zusammen nur 512 Thlr. einge⸗ zahlt worden.
Berlin. Eine auf Veranlassung des Bundeskanzler⸗ amtes angefertigte Uebersicht über den Postverkehr inner⸗ halb des norddeutschen Postbezirks im Jahre 1869 ergiebt ein sehr befriedigendes Resultat. Der Briefverkehr beläuft sich auf 341,490,414 Stück gegen 307,293,676 Stück im Vorjahre und mit einer Einnahme von 7,059,147 Thlr. gegen 6,565,980 Thlr. im Jahre 1868. An Zeitungen wurden 152,369,734 Stück gegen 145,964,961 Stück im Vorjahre befördert, an Packeten und Geldsendungen 37,304,622 Stück(gegen 36,468,828 Stück im Vorjahre) mit einem Gewichte von 198,011,250 Pfund und einem declarirten Werthe von 2,310, 123,564 Thlrn. Es beziehen sich diese letzteren Zahlen jedoch lediglich auf den betreffenden Verkehr innerhalb des nord⸗ deutschen Postbezirks; rechnet man hinzu die Geldsendungen aus Süddeutschland, Oesterreich und anderen Ländern, serner die betreffenden Sendungen aus dem norddeutschen Posibezirk nach Süddeulschland, Oesterreich und anderen Ländern und endlich die betreffenden Geldsendungen, welche im Transit durch den norddeutschen Postbezirk befördert wurden, so erreicht der declarirte Werthbetrag die Höhe von 2,687,66 1,144 Thlrn.
V. Kurze Antwort auf eine lange Frage.
Der größte Mangel, welcher unserem Schul wesen noch anhaftet, ist das Abbrechen des Unter richts und der Schulerziehung, wenn beide an dem Punkte angelangt sind, wo sie dem Menschen zur geistigen Entwicklung, zur Erlangung seines Lebensunterhalts und seiner Stellung in der Ge⸗ sellschaft am nothwendigsten sind. Denn Niemand wird behaupten wollen, daß der Verstand vor den Jahren kommt und ingleichen der Charakter, d. i. der Sinn und das Streben, das Dichten, Trachten und Wollen, oder das innerste Wesen des Menschen, woraus sein Thun und Lassen hervorgeht. Zeigen sich aber beide, Verstand und Charakter, dann ist es Zeit, ihnen die rechte Nahrung und Richtung
zu geben; die Kraft zu üben und zu stärken am rechten Stoff.
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Dies einzusehen, recht zu beherzigen und uns endlich in die Nothwendigkeit zu finden, daß es anders werden müsse mit der Erziehung der Jugend,
wäre es wohl an der Zeit. Aber von selbst und ohne unser Zuthun wird und kann dies nimmer geschehen.
Abgesehen aber auch davon, daß das Kind bei weitem nicht die zur Selbstbestimmung erfor⸗ derliche geistige Reife hat, wenn es die gewöhn⸗ liche Schule verläßt, so ist ja die Kluft zwischen Schule und Leben, Kindes- und Mannesalter eine zu große und gefährliche, daß sie nicht, wenn auch nicht alles, so doch sicher das Meiste wieder ver⸗ schlingen sollte, was die Schule mit Mühe und Sorgfalt gesäet und gepflegt hat.
Aber obwohl man dies längst erkannt, zum Bessermachen, zur Ausfüllung jener Kluft, zur Beseitigung des unberechenbaren Schadens, den sie bringt, hat man sich trotz Mahn- und Weckruf von allen Seiten noch nicht entschließen können. Und warum? Weil man sich auch in unserer, wegen ihrer Intelligenz so hochgepriesenen Zeit, aller Intelligenz zum Trotz, noch nicht überwinden konnte, mit dem Herkommen und dem bequemen Schlendrian zu brechen. Und, fragen wir weiter, warum Dieses? so wird die Einzige Antwort sein: Weil es Geld kostet, und Geld, das ist ja eben das, um was sich Alles dreht; Geld wird ja auch heutzutage noch höher geschätzt als Bildung. Und wer soll es geben? Wer die Fortbildungs- schulen, um die es sich ja hier einzig und allein handelt, errichten d
Die Gemeinde Oberrosbach gibt hierauf, wie uns bedünken will, die klarste, treffendste Antwort.
Diese Gemeinde hat nämlich aus eigenem An⸗ trieb eine Fortbildungsschule errichtet, d. h. ihre drei Lehrer, worunter ein Geistlicher ist, zur Er⸗ theilung des nöthigen Unterrichts für ihre heran⸗ reifende männliche Jugend aufgesordert; wogegen anderwärts die Anregung zu Dergleichen fast nur von Behörden, Vereinen und Lehrern ausgegangen ist. Wo aber das Bedürfniß nicht von den Eltern empfunden wird, da weiß man auch die Leistungen einer solchen Anstalt nicht zu würdigen, scheut den Aufwand an Zeit und Geld, und die liebe Jugend, sie wendet sich, je eher, je lieber wieder dem gewohnten Zeitvertreib zu, und die kaum begonnene Schule leert sich mit noch größerem Eifer, als sie sich gefüllt hat.
Demnach wird es immer am besten sein, wenn
die Sache aus der Gemeinde hervorgeht; dann aber auch die Lehrer sich bereit finden lassen, das Ihre zur Förderung beizutragen, und somit beide Theile Opfer bringen. So in Oberrosbach.— Die Väter verpflichten sich mit ihrer Namens⸗ unterschrift zur Einhaltung der in einer andern, mehr gewerblichen Anstalt längst bewährten Schul⸗ ordnung, und die Gemeinde gibt den Lehrern für ihren Aufwand an Zeit und Kraft ein anständiges Honorar.— Ein Beweis aber dafür, daß man hier das Bedürfniß einer solchen Schule nicht ur erkannte, sondern deren Leistungen, obwohl sie noch neu ist, zu würdigen weiß, liegt darin, daß sich bereits eine Anzahl junger Leute zur Theilnahme gemeldet, welche das vorläufig zur Aufnahme festgesetzte Alter von 18 Jahren bereits überschritten hat.
Soweit geht die Kunde, welche Schreiber dieser Zeilen, der fraglichen Gemeinde fern steht, über den interessanten Gegenstand erlangen konnte. Mögen alle, die das Werk begonnen haben, aus- harren, dann wird der Segen nicht fehlen und sie werden die Ehre haben, Andern als Muster vorzuleuchten.
Mittheilungen aus dem Verein det Gustav-Adolf- Stiftung. 6.
Ueber die Schulnoth der evangelischen Kirche in Oesterreich, welcher der Verein abzuhelsen sucht, erlaube ich mir den Lesern noch einige nähere Nachrichten zu geben. Eine sehr beträchtliche Zahl von Gemeinden, selbst Mukter⸗ gemeinden, sind noch ohne jegliche Stätte der Jugend⸗
bildung, ohne Lehrer, und müssen sich, um die Kinde
nicht einer gänzlichen Verwahrlosung preiszugeben mit und Winkelschulen, mit ausgedienten
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