Ausgabe 
1.11.1870
 
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wieder überantwortet, welchen nunmehr als desen⸗ sives Bollwerk in deutscher Hand festzuhalten, vom militärisch- strategischen Gesichtspunkt beleuchtet, absolut nothwendig ist. DerCorrespondance de Berlin zufolge dürfte Napoleon, dessen Ge⸗ sundbeitszustand ein milderes Klima erfordere, möglicherweise bei Ablauf November Wilhelmshöhe mit Elba vertauschen. DemStaatsanzeiger zufolge hat die in Betreff der Laoner Affaire angestellte Untersuchung ergeben, daß der Comman⸗ dant General Theremin an der Explosion völlig unschuldig ist. Wahrscheinlich habe der vermißte Artillerie-Aufseher das Pulvermagazin in die Luft gesprengt.

DerStaatsanzeiger veröffentlicht einen Erlaß des Königs an den General- Gouverneur der Rheinlande, gleichlautend mit dem Exlasse an den General-Gouverneur der Küstenlande in Be⸗ treff der Nichtanwendung des Paragraphen 5 des Gesetzes über den Belagerungszustand, die Sus⸗ pension des Paragraphen 30 der Verfassungsur⸗ kunde betreffend, bis zur Beendigung der Wahlen.

Die Militärverwaltung ist eifrig bemüht, für die Winterausrüstung der Truppen zu sorgen. Dieselbe soll zwar hauptsächlich durch Requssitionen aus den occupirten Gebieten beschafft werden, doch sind auch sehr umfassende Lieferungsverträge mit inländischen Fabriken abgeschlossen, welche bis spätestens zum 15 Nov. perfect werden müssen. Auch die Verproviantirung soll wo möglich aus den besetzten französischen Provinzen beschafft, doch sollen Fleischconserve⸗ und Erbswurst⸗Fabriken in Frankfurt, Soissons und Straßburg zur Mit⸗ wirkung dabei angelegt werden. Die Kranken- transportwagen werden mit eigenen Vorrichtungen zur Heizung durch eiserne Oefen versehen, wobei jedoch für die erforderliche Ventilation besonders gesorgt ist.

DieKreuzztg. schreibt: Man erzählt sich hier, die letzte Sommation an die Stadt und Festung Paris werde am 29. d. übergeben werden. Im Falle der Ablehnung werde, so nimmt man an, in den ersten Tagen der nächsten Woche das Bombardement beginnen. Da nach der Capitu⸗ lation von Metz alle Blicke auf die Hauptstadt Frankreichs gerichtet sind, geben wir die Nachricht hier wieder, doch ohne sie sicher zu verbürgen.

Coblenz. Von den in Metz capitulirten und gefangenen Franzosen sollen weitere 10 bis 12,000 Mann hierher gebracht werden, und man ist eifrigst beschäftigt, auf der Bubenheimer Fläche große Baracken zur Aufnahme derselben zu er- bauen. Durch das Eintreffen einer so großen Masse unerwarteter Gäste steigen die Lebensmittel aller Arten bedenklich.

Wiesbaden. Zufolge eines vom k. Haupt⸗ quartier ausgegangenen Befehls sollen sämmtliche erkrankte deutsche Soldaten aus Frankreich fort⸗ und in Deutschland untergebracht werden, um den vielen erkrankten französischen Soldaten, welche bisher in Metz gelegen haben, und deren Zahl an 20,000 betragen soll, Platz zu machen.

Schweiz. Genf. 29 geflüchtete Locomo⸗ tiven aus Dijon sind hier eingetroffen. Durch einen Zusammenstoß derselben im Bahnhofe wurden eine Locomotive und die Dammbrücken stark beschädigt.

Frankreich. Tours. DerSiecle ent- hält einen Brief aus Tours, nach welchem die ehemalige Partei der Linken des gesetzgebenden Körpers, vereint mit einem Theile des ehemaligen linken Centrums, lebhaft für den Abschluß eines Waffenstillstandes und die Berufung einer Con- stituante agitiren.Siecle bekämpft diese Agitation.

Tours. Girardin hat eine Schrift veröffent⸗ licht unter dem TitelAppell an das Volk, worin der Regierung der Rath ertheilt wird, bevor sie den Krieg fortsetzt, eine allgemeine Abstimmung zu veranlassen. Die Stimmzettel sollen mitFrie⸗ den!Krieg! versehen sein. Der Verfasser verwirft die Idee der Einberufung einer Consti⸗ tuante. Wie dieGazette de France meldet, hat der Zar in einem Schreiben an den König von Preußen um freies Geleit für Thiers nach⸗ gesucht. DieFrance schreibt:Die Schritte der Neutralen hinsichtlich des Waffenstillstandes beweisen, daß Europa aufhört, ein gleichgültiger

Zuschauer der Ereignisse zu sein.Union bezeichnet die Einberufung der Nationalversamm- lung als unerläßlich, um den Socialismus und die Dictatur in den Departements zu bekämpfen und die Bedingungen für einen ehrenvollen Frieden zu erlangen. DemRappel zufolge hat Trochu die Auflösung des Offiziercorps des Bataillons Blangin wegen Streitigkeiten bei den Wahlver⸗ sammlungen angeordnet. Die Verfolgung Flourens ist wieder aufgenommen. DerSiecle zeigt an, daß sich eine orleanistische Friedenspartei in Tours mit Thiers, Grevy, Guyot-Montpayroux, Wilson, Lefevre-Pontalis als Führern und einem Journale, betiteltLa Constituante, zur Ver tretung ihrer Interessen gebildet hat. Das Blatt meldet ferner, daß 15,000 Mann der besten Marinetruppen in Cherbourg wegen ihrer anti⸗ republikanischen Gesinnung in völliger Unthätigkeit gehalten werden.

Bezüglich der von der Regierung beab⸗ sichtigten Kriegssteuer meldet man, daß dieselbe in einem Zuschlage von 25 pCt. zu den gewöhnlichen jährlichen Steuern bestehen soll. Die Beiträge sollen innerhalb 10 Tagen entrichtet werden, da die Regierung bedeutender Mittel bedarf. Die Ausgaben bis Mitte November werden auf min; destens 200 Millionen Francs veranschlagt.

Von Seiten der Regierung wird versichert, Thiers habe den preußischen Geleitschein erhalten und werde nach Paris abreisen. Nachrichten aus Vesoul zufolge hat der Feind diese Stadt geräumt und sich westlich nach Vaivre und Scey gezogen. Eine Depesche aus Tours, 27. Oct., lautet:Eine starke preußische Colonne hat am 25. französische Recognoscirungstruppen auf dem linken Loire-Ufer angegriffen, sich aber nach einigen Flintenschüssen zurückgezogen. Die Preußen sind von Gisors weggezogen; sie haben am 25. d. das Dorf Longchamps angegriffen, sind aber zu⸗ rückgeschlagen worden. Nachrichten von Orleans sagen, daß die Läden geschlossen, die Frauen in Trauer sind.

DerLiberte zufolge beabsichtigt die Re⸗ gierung in Tours, Cremieux mit der Umgestaltung der Militärverwaltung Algeriens in eine Civilver⸗ waltung zu betrauen. Die Regierung hat ein Comite von Ingenieuren unter der Leitung Fran⸗ queville's zur Ausarbeitung eines Projectes, die Errichtung einer Reihe von verschanzten Lagern in den Provinzen betreffend, eingesetzt. Die France führt in einem Artikel über die gegen⸗ wärtigen Waffenstillstandsverhandlungen aus, daß der Abschluß eines Waffenstillstandes durchaus nothwendig sei, gleichviel, ob man an die spätere Fortsetzung des Krieges denke oder vorziehe, durch sofort zu bringende Opfer neue herbe Prüfungen zu vermeiden. Jedermann müsse unter den gegen- wärtigen Umständen das Zustandekommen eines Waffenstillstandes, sowie den Zusammentritt einer Constituante für wünschenswerth halten. Das JournalUnion, dieselbe Frage behandelnd, schreibt, es sei Zeit, daß der Wille des Landes einen sichtbaren feierlichen Ausdruck finde; nachdem das persönliche Regiment des Kaisers vom Lande verurtheilt, dürfe demselben kein neues persönliches Regiment auferlegt werden.

Grevy hat einen neuerlichen Protest gegen die Regierung wegen der Vertagung der Wahlen gerichtet.

Belgien. Brüssel. DieIndependance belge veröffentlicht ein Telegramm aus Tours, welches wiederholt meldet, die Regierung bleibe dabei, keine Bedingungen eines Waffenstillstandes zuzulassen, welche eine Abtretung von Land in sich schließen. Thiers ist nach Paris abgereist; derselbe geht von dort nach Versailles, woselbst er am 26. October eingetroffen sein dürfte. Die Bank von Frankreich ist nach Bordeaux verlegt worden. Die Militärbehörden treffen die strengsten Maßregeln zur Wiederherstellung der Disciplin. Unter den Soldaten wurde in letzter Zeit wegen Vergehen gegen die Subordination häufig ein Exempel statuirt.

DieIndep, belge meldet:Changarnier hatte die traurige Mission, die Verhandlungen über die Capitulation von Metz zu führen.

Lüttich. In Folge von Fluchtversuchen der hierselbst internirten Franzosen ist denselben ver⸗ boten worden, auszugehen oder Besuche zu empfangen.

Großbritannien. London.Dailg

News veröffentlichen ein neues Communique aus Chislehurst, welches versichert, Eugenie habe allen

bisherigen Verhandlungen ferne gestanden; sie werde nur, wenn eine Abtretung des Elsasses und Lothringens nicht mehr in Frage stünde, ihr Mög⸗ lichstes thun, sich mit Frankreich zu verständigen zum Zwecke der Erlangung eines ehrenvollen Friedens.

* Friedberg. Der ungewöhnlich heftige Sturm am Abend des 26. d., welcher auch bei uns an Dächern, Schorn⸗ steinen und Bäumen verheerende Wirkungen ausübte, ist nach den vorliegenden Berichten aus Offenbach, Frankfurt, Darm⸗ stadt, Mainz, Bingen, Worms, Heidelberg, Karlsruhe, dem badischen Oberlande, Nürnberg u. a. O. überall noch surcht⸗ barer und verheerender gewesen als bei uns, indem Dächer voll⸗ ständig abgedeckt, leichte Gebäude umgewehr, Bäume ent⸗

wurzelt und auf dem Rheine Schiffe von den Ankern los⸗

gerissen wurden. Im Rheingau sanfen auf dem Strom 10 oder 11 Fahrzeuge mit zum Theil werthvollen Ladungen. Eine derselben, neue Fässer, trieb der Orkan von Freiwein⸗ heim stromauswärts an das Ufer bei Oestrich. Bei Rüdes⸗ heim sanken 4 Kohlenschiffe und vor Bingen eine Bagger⸗ maschine der Ludwigs-Eisenbahn-Verwallung. Auf dem Rochusberge riß der Sturm den größten Theil der englischen Lazarethbargcken um. Die Kranken wurden imHotel Hart⸗ mann daselbst untergebracht. Menschenleben sollen keine zu beklagen sein. In Worms hat der Sturm surcht⸗ bar gewüthet und großen Schaden veiursacht, insbesondere den alt ehrwürdigen Dom stark mitgenommen. steine, im Gewicht von 5 6 Centnern wurden wie leichte Federbälle herabgeschleudert, eine Menge Fenster zer⸗ trümmert, sowie das Dach theilweise beschädigt, ein Schick sal, welches gleichfalls viele Privatgebäude theilen. Das Dach des Stationshauses wurde abgedeckt, von der Güter⸗ halle die Asphalt Bedachung sweggeschleudert. Auf der Strecke Worms ⸗Osthofen und Gundersheim-Epelsheim trieb der Orkan schwer beladene Eisenbahnwaggons auf den Schienen fort, brachte ein mit Steinen beladenes Schiff zum Sinken, riß die Rheinmühlen von ihren Ankern los, eniwurzelte eine Menge Bäume in der Promenade, kurz überall bietet sich ein Bild der grauen⸗ haften Verwüstung dar. Auch der weithin bekannte gleich⸗ sam ein Wahrzeichen bildende prächtige wohl 160 Fuß hohe Lutherbaum bei Pfiffligheim existirt nicht mehr als solcher. Nur ein etwa 20 Fuß hoher Stumpf mahnet an die Vergänglichkeit alles Irdischen, möchte es auch noch so stark und prächtig erscheinen. Die Berichte aus Mannheim lauten noch trauriger, auch dort hat der Bahnhof furchtbar gelitten, das Maschinenhaus ist zu⸗ sammengestürzt und hat 5 6 Lokomotiven unter seinen Trümmern begraben. Daselbst sind ebenfalls Schiffe ge⸗ sunken und Häuser vollständig zerstört. Glücklicherweise gelang es ein zum Ausbruch gekommenes Feuer sofort im Keim zu erslicken und so ein wahrscheinlich unsägliches Unglück abzuwenden. Das Militär war um eintrelenden Falls sofort kräftige Hülfe zu leisten in den Casernen confignirt.

Bescheinigung.

Bei dem Rechner des Comités für die Unterstützung der verwundeten und erkrankten Soldaten im Felde und deren nothleidenden Familien sind weiter eingegangen und werden dankend bescheinigt: fl. kr. durch Herrn Bürgermeister Schmid vom Hülfs⸗

verein in Reichelsheim durch Herrn Rentamimann Ravenstein von Herrn

Freiherrn von Franckenstein in Ockstadt monat⸗

licher Beitrag pro Oktober 30 aus der Collecte Friedbergs 1 durch Herrn Regierungrath Trapp aus der Syna⸗

goge zu Münzenberg S1 von der Freimaurerloge dahier 50 durch Herrn Lehrer Jung in Reichelsheim von

den Schülern der 1. Schule daselbst 23 von Herrn H. Schimpff bei der Nachricht der

Capitulation von Metz 5

An Materialien; durch Frau Pfarter Breidenstein in Södel(3. Sendung) 31 wollene Leibbinden, 30 Paar

wollene Strümpfe, 6 Hemden, 3 Betttücher, 1 Pack

Tücher, diverse Leinwand, Charpie und Verbandzeug; durch Herrn Bürgermeister Keil in Melbach 14½ Kuchen; aus der Gemeinde Fauerbach ca. 25 Ctr. Kartoffeln; aus Niederwöllstadt: von Herrn H. Stoll 2 Säcke Kartoffeln, 1 Korb gelbe Rüben; von Herrn W. Buff 2 Säcke Kartoffeln; von Herrn K. Stoll 1 Sack Kartoffeln; von Herrn H. Fauerbach 1 Sack Kartoffeln; von Herrn G. Pflug 2 Säcke Kartoffeln; von Herrn F. Weith 1 Sack Kartoffeln und 1 Korb gelbe Rüben z von Herrn H. Bausch 1 Sack Kartoffeln; von Herrn K. H. Bausch 2 Säcke Kartoffeln; von Herrn Gastwirth Ph. Lud. Diehl in Oberwöllstadt 2 Malter Kartoffeln; von Herrn Wagner in Bönstadt 1 Kuchen; von Fräulein Kirchner in Ziegenberg gesammelt: 1 Körbchen Dörrobst, 27 Eier, 12 Kuchen, 1 Topf Honig; von Herrn Oberförster Schallas in Wickstadt 1 Buiterweck.

Unsere Ausgaben in voriger Woche übersteigen unsere

Einnahmen um das Doppelte; wir bitten um fernere Gaben in Geld, Eiern, Butter, Gemüse und Dörrobst. Friedberg den 30. October 1870. Für das Comité: J. Huber, Rechner.

Quader⸗

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