Ausgabe 
1.3.1870
 
Einzelbild herunterladen

2

1

r

SR

3

ͤ

1

die feste Erdrinde wirkt.

* Die Fast nacht.

Mancher freute sich wohl schon Wochen lang auf die Fastnacht und sang nach der munteren

Weise:

In vierzehn Tag' ist Fastnacht,

Da wird was angestellt,

Heut hab' ich guten Lohn gemacht,

Und frag was kost't die Welt? Und heute ist sie da diese Zeit der Fröhlichkeit und deßhalb geben Sie gefälligst diesen meinen Worten am Fastnachtstage eine Stelle in Ihrem Blatte. Fasinacht heißt der Tag vor dem Aschermittwoch, weil bei seinem Ende, Nachts 12 Uhr, die Zeit der Fasten beginnt. Mit ihm schließen sich die Lustbarkeiten, welche schon zwei Tage, in manchen Städten selbst mehrere Wochen vorher unter dem NamenCarneval ihren Anfang nehmen.

Diese Fastnachtsbelustigungen sind heidnischen Ursprungs. Man feierte nämlich im heidnischen Rom um diese Zeit das Fest der großen Götter- mutter Cybele mit Spielen auf den Theatern und mit Aufzügen und Vermummungen im Circus und dann das Fest der Saturnalien mit mimischen Tänzen und Gastmählern. Diese Feste mit großer Ausgelassenheit und entsetzlicher Entartung gefeiert fand das Christenthum vor, ohne sie, weil sie zu tief im Volksleben gewurzelt, gänzlich aufheben zu können. Deßhalb suchte es alles Sündhafte davon zu entfernen, gestattete aber gern jede unschuldige Freude, sollte auch die Heiterkeit auf's Höchste steigen.

Und so berrscht denn auch jetzt noch in dieser Zeit auf dem Land und in der Stadt bei Jung und Alt allgemeine Fröhlichkeit. Tanzbelustigungen, Aufzüge, Maskeraden und lustige Schwänke aller Art rufen uns zu:Juch Hei sa hoch! es ist Fastnacht! Schreiber dieser Zeilen wünscht jedem Leser eine freudige Fastnacht in oben an gegebenem richtigen Sinn. Niemand aber gehe in der Freude zu weit, oder mache gar aus der Fa st nacht eine Faß nacht, denn sonst könnte er sich selbst, oder es könnten ihm Andere schlimme Fastnachtsstreiche spielen.

2 Die Erdbeben.

Zweiter Vortrag des Herrn Reallehrer Klein.

Hatte der erste Vortrag sich die Aufgabe ge⸗ stellt, die Humboldt'sche Theorie über die Natur der Erdbeben in ihren Hauptzügen vorzuführen und die gegentheilige Erklärungsweise der sog. neuen Schule zu beleuchten, so lag der Zweck des zweiten Vortrags hauptsächlich darin, jene Theorie näher zu begründen, will sagen nachzuweisen, warum und wie das feuerflüssige Erdinnere auf Zu diesem Zweck ging der Redner vor Allem näher ein auf die ungeheure Kraft, womit erkaltende Körper sich zusammen⸗ ziehen. Ein eiserner Reif von mächtiger Dicke im glühenden Zustand um einen Mühlstein gelegt, würde bei seinem Erkalten sich zusammenziehen mit solcher Gewalt, daß er entweder den Mühl stein zermalmen oder selbst in Stücke springen würde. Aehnlich verhält es sich mit dem Granit, demjenigen Gestein, womit so zu sagen das Grund- gemäuer der Erde aufgeführt ist. Statt des Mühlsteins denke man sich die Erdkugel und statt des Eisenreifs einen Granitgürtel von einer Quadrat Meile Querschnitt, so zieht sich derselbe beim Erkalten mit einer Kraft zusammen, die gleich kommt der Zugkraft von 150,000 Mill. Pferden, einer Anzahl, die Pferd an Pferd gedrängt aufgestellt, beiläufig das Gebiet des norddeutschen Bundes bedecken würde. Und doch wäre ein solcher Granit⸗ gürtel gegen die Erdrinde nur das, was etwa ein dünner Drahtreif ist gegen eine fingerdicke Eisenschale! Was mußte geschehen in Folge der über alle Begriffe mächtigen Gewalt, womit die erkaltende Erdrinde sich zusammenzog, während die von derselben eingeschlossene feuerflüssige Masse, wie alle Flüssigkeiten äußerst wenig zusammenpreßbar, diesem Druck nicht nachgeben konnte? Ganz das⸗ selbe, was mit dem um den Mühlstein gelegten Eisenreif sich zeigte: die Erdrinde riß auf in Spalten und Löchern, Lava stieg empor, über lagerte die oberen Oeffnungen und erstarrte zu

mächtigen Gebirgen. Die Riesengebirge der Alpen, des Himalaya u. s. w. sind so entstanden.

Eine wichtige Frage it nun die: Erkaltet vie Erdrinde noch heute? Ganz gewiß, wenn auch unendlich langsam. Nach Versuchen von Professor Bischof in Bonn über die Erkaltung einer glü⸗ henden Basaltkugel von 3 Fuß Durchmesser brauchte die Erdrinde, um von der Schmelztem⸗ peratur des Granits(etwa 1200 Grad) zur gegen- wärtigen Temperatur an ihrer Oberfläche zu er⸗ kalten, 350 Million Jahre, was auf 3000 Jahre 100 Grad C. machte.

Redner will indeß, um das niedrigste Maß zu nehmen, die Erkaltungsgeschwindigkeit der Erde 20 mal geringer setzen, also 00 Grad in 6000 Jahren. Wie unbedeutend! Ist's der Mühe werth, nur davon zu sprechen? Gemach! Eine solche Ab. kühlungsgeschwindigkeit ist immer noch bedeutend genung, um durch die dadurch bewirkte Zusammen⸗ ziehung der Erde Hunderttausende von Lavaströmen herauszupressen und ebenso viel Erdbeben zu er⸗ zeugen. Wie das zu beweisen? Der Granit ver- kürzt sich bei 1 Grad Abkühlung um 1/100 00/ bei 100 Brad also um 00,900,000. Das macht aber eine Verkürzung des Erddurchmessers von 5 Zoll oder eine Raumverminderung gleich einer Erdschale von Zoll Dicke oder 75 Kubik⸗ meilen. Der innere Raum für die feuerflüssige Masse hat sich also um 75 Kubikmeilen verengert, es müßte demnach in 6000 Jahren so viel Lava masse ausgeflossen sein. Ist das möglich? Der Redner stellte eine interessante Berechnung darüber auf. Lavaströme von 2 Stunden Länge, 16007 Breite und 20 Tiefe(Rhein bei Mainz) gehen etwa 20,000 auf eine Kubikmeile. Jährlich 10 solcher Ströme angenommen, also in 6000 Jahren 60,000 Ströme gäbe 3 Kubikmeilen Lava. Da aber Ströme von diesen Dimensionen zu den kleinsten gehören, zuweilen sogar solche von einer

Mächtigkeit erscheinen, daß ein einzigir J Kubik⸗

meile Lava enthält(Skapta Jökul auf Js land darnach ist die betreffende Angabe im Referat über den ersten Vortrag zu berichtigen), so dürfen für besonders Froße Ströme noch reichlich 3 Kubik meilen Lava angesetzt werden. Ferner: die Aschen⸗ auswürfe bei vulkanischen Eruptionen sind eminent. Beim Ausbruch eines Vulkans auf einer der Sund ainseln wurden 12,000[(J⸗Meilen(eine Fläche wie Deutschland vor 1866) 2 Fuß hoch mit Asche bedeckt. Der Cosiguina in Central⸗ amerika bei seinem Ausbruch von 1835 bewirkte mit seinen Aschenregen eine 2 Tage lang an- dauernde totale Verfinsterung auf eine Ausdehnung halb so groß wie Deutschland. Als vulkanische Asche ausgeworfen sind gern und gut 6 Kubik⸗ meilen zu rechnen. Für unterseeische Vulkane (das Meer das dreifache der Oberfläche des festen Landes) müssen in Betracht genommen werden mindestens 24 Kubikmeilen. Also: 3 3 6 24= 36 Kubikmeilen Lava von obigen 75 Kubikmeilen ab, bliebe ein Ueberschuß von 39 Kubikmeilen. Was wird daraus?

Jeder Bergmann kennt die zu Hunderten vor⸗ kommenden Granitgänge in anderem Gestein, z B. Schiefer. Ihre senkrechte Richtung, ihre Ver⸗ jüngung nach oben, ihre Verästelung parallel mit der Lagerung des Gesteins, der Umstand, daß das angrenzende Gestein angeschmolzen ist, daß sie Brocken von Nebengestein einschließen und(nach Bergmannsausdruck)in die ewige Teufe gehen, Alles dies läßt keinen Zweifel übrig: der Granit wurde in weichen, glühendem Zustand emporgepreßt, es sind erstarrte Lavaströme, die sich nach oben in die Erdrinde eingeschoben haben, ohne bis auf die Oberfläche gekommen zu sein.

Vergegenwärtigen wir uns die möglichen Vor⸗ gänge bei wachsender Zusammenziehung der Erd⸗ rinde. Dreierlei kann die Folge sein: Entweder die Erdrinde wird ganz aufgerissen, oder der Felsenkeil in einem Vulkan wird durch⸗ und die

Lava emporgedrückt, oder endlich die Erdrinde wird nur ein Stück Weges aufgerissen und der Lava ein Eintritt in die Winkelrisse verstattet. (Siehe oben Granitgänge als Antwort auf

die Frage nach dem Verbleib der 39 Kubikmeilen

Lava). Sollte nun eine Kraft, welche nur zu verzleichen ist nit den Kräften, die einst das Himalapagebirg gehoben, nicht im Stande sein, Erdbeben zu erzeugen? Eine Einrede liegt indeß hier nahe: Man zählt über 200 Vulkane; könnte nicht bei zunehmendem Druck die Lava jederzeit ihren Ausweg durch dieselben finden, in welchem Sinne man die Vulkane ja Sicher- heitsventile der Erde nennt? Ein ebenso einfaches als sinnreiches Experiment mit dem papinischen Topf gibt Antwort darauf. Dasselbe zeigt näm⸗ lich, daß die Kraft des menschlichen Athems im Stande ist, den 5 Pfd. schweren Deckel dieses Topfes zu lüften, während Niemand vermag, durch Hineinblasen mittelst einer Röhre das in dem Deckel befindliche, nur 2 Loth schwere Ventil zu öffnen. Der Vorgang beruht auf dem ein- fachen Naturgesetz, daß die Kraft des Athems (etwa/ Loth) auf alle Theile der unteren Deckelfläche gleich stark wirkt, demnach jene 5 Pfd. in ihrer Gesammtwirkung weit überragt, die kleine Ventilfläche aber nur mit der einfachen Kraft von ½ Loth anfaßt, die natürlich 2 Loth nicht heben kann. So mit den in der Erde waltenden Kräften. Sie erschüttern leichter auf die gewaltsamste Weise die Erddecke, als daß sie das Kraterventil eines

Vulkans mit seinem Felsenkeil und der darin stehenden Lavasäule öffnen. a Hinsichtlich des Verlaufs unterscheidet man

kurze und lang andauernde Erdbeben. Die ersteren entstehen durch senkrechten Stoß der gepreßten Lava und Aufreißen der Erdrinde. Die An fangsstöße der übrigen haben in der Regel wohl dieselbe Ursache; die nachfolgenden Stöße dagegen sind Wirkungen von Wasserexplosionen, hervorgerufen durch wiederholtes Zusammenkommen von Wasser mit Lava oder glühendem Gestein. Die neue Schule behaupte zwar, es seien nie Wasserdämpfe bei Erdbeben oder vulkanischen Eruptionen gesehen worden. Dies sei unwahr und würde überdies, wenn wahr nichts beweisen.

Dämpfe seien in der That gesehen worden bei

den verschiedensten vulkanischen Ereignissen, und wenn sie nicht immer gesehen worden, so sei dies leicht erklärlich. Redner weist auf die großartige Pulversprengung mit über 19000 Pfund

Pulver beim Tunnelbau bei Dower hin, wo auf

der Erdoberfläche ebenfalls kein Dampf gesehen worden. 2

Wasserdämpfe spielen im Gegentbeil bei Erd- beben und ähnlichen vulkanischen Prozessen eine bedeutende Rolle. Wasserdämpfe sind es, welche die Lava zu Asche zerreißen und sie wolkenhoch

schleudern, ja Felsblöcke von Tausenden von Cent⸗

nern los reißen und fortschleudern; Wasserdämpfe veranlassen die heftigen Regengüsse nach vulkanischen Eruptionen; Wasserdämpfe endlich verursachen die unterirdischen Detonationen(die des Cosiguina in Central⸗Amerika von 1835 auf 150,000[◻J⸗Meilen gehört) und erschüttern den Boden. Die Frage aber, wie Wasser und Lava zusammenkommen, könne Niemand im Ernste stellen. Wenn Lava

emporgepreßt wird, während Wasser abwärts geht, so müßte es wunderbar zugehen, wenn sich beide

nicht begegneten. Um den Ausdruck Wasser⸗

explosion zu rechtfertigen und zugleich die Ge⸗ walt derselben zu Leranschaulichen, erörtert der

Redner zwei merkwürdige, wahrhaft heimtückische Eigenschaften des Wassers. Mit der ersten der⸗ selben hat es folgende Bewandtniß: Zwischen glühendem oder geschmolzenem Metall oder Gestein und Wasser findet keine innige Berührung statt, daher Anfangs nur allmähliches Verdampfen. Nimmt die Temperatur des Metalls oder Gesteins aber ab, dann erfolgt mit der innigeren Berüh⸗ rung urplötzliche Verwandlung der ganzen Wasser- masse in Dampf von vielleicht höherer Spannkraft wie Pulvergas.

Die zweite, erst seit wenigen Jahren bekannte Eigenschaft des Wassers besteht darin, daß lust⸗

freies, ruhig stehendes Wasser auf über 100 Grad

erhitzt werden kann, ohne zu sieden. Eine geringe Erschütterung reicht dann aber hin, die ganze Masse in Dampf zu verwandeln.(Dampfkessel⸗ explostonen.) Nun denke man sich einige hundert Ohm Wasser mit Lava zusammen in dem erst⸗

0

ihnen eit U 6 abe Euß wil Nasen lan eee alan sch de e ö 8000 0 Vorsa 00 8 erden. 13 funk Bald als solle noch eile 90 5 Fegenwaf chen, den Maf fuhren al polen a Mit

die Vorg der in d bbeorle e. i nit 9 kreten 1 1 welche e stine St Amiehun der im E

0

*

582 80 Friedberg gtlangen! Marlen betrage!

Dar

hneberg biesend

n* 158 im

orhmente 96 0

Gant