Ausgabe 
28.1.1869
 
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Belanunt machung.

Die Feldstrafen von der VI. Feldrügegerichtsperiode 1868 können an den bestimmten Zahltagen Dienstag und Donnerstag Morgens von 8 12 Uhr und Mittags

von 2 5 Uhr an das unterzeichnete Rentamt bezahtt werden. 5 g Als besonderen Erhebungstag für den Landgerichtsbezirk Butzbach bestimmen wir: Mittwoch den 8. Februar 1869, Morgens von 8 10 Uhr, bei Herrn Gastwirth Joutz zu Butzbach. Wir ersuchen die Großherzoglichen Bürgermeistereien dieses im Interesse ihrer Ortsangehörigen mit dem Bemerken bekannt machen zu lassen, daß nach dem

15. Februar d. J. die Mahnung erfolgt. Friedberg den 23. Januar 1869.

Großherzogliches Rentamt Friedberg 0 n dee

Hessen. Darmstadt. Der den Ständen vorgelegte Gesetzesentwurf, betreffend die Pensions verhältnisse der Offiziere und oberen Militär Beamten, setzt im Art. 1 als Termin, an welchem das preußische Militärpensions-Reglement vom 13. Juni 1825 nebst Tarif, sowie die hierzu erlassenen, ergänzenden ze. Bestimmungen in Wirk samkeit treten sollen, den 1. Januar d. J. fest. Artikel 2 lautet: Bleibt die nach Maßgabe des Art, 1 den Berechtigten zu verwilligende Pension unter dem Betrage, welcher den betreffenden Offizieren und Beamten, unter Einrechnung der verordnungsmäßigen Naturalienvergütung zu 75, 50 und 15 Prozent(Art. 5 der Verordnung vom 9. Dec. 1857, Naturalienvergütung für Offiziere und Milstärbeamten betr., Regierungs- blatt Nr. 35) gebührt haben würde, wenn ihre Pensionirung am 31. Dec. d. J. erfolgt wäre, so erhalten dieselben diesen höheren Betrag als Pension, und es findet die Einweisung nach den seitherigen Normen statt.

Der Großberzogliche Cassationshof hat die von denHess. Volksblättern in der Anklage wegen Beleidigung des Königs von Preußen er hobene Nichtigkeitsbeschwerde theils als unbegründet, theils als unzulässig verworfen.

Preußen. Berlin. Von der norddeut schen Bundesmarine werden, wie aus Berlin ge meldet wird, folgende Schiffe theils auf 6, theils auf 7, theils auf 12 Monate in Dienst gestellt: 3 Panzerfregatten, 1 Panzerfahrzeug, 1 Gedeckte und 2 Glattdeckcorvetten, 1 Fregatte(Artillerie schiff), 1 Fregatte(Wachtschiff), 1 Cadettenschiff, 2 Schiffsjungenschiffe, 1 Aviso, 1 königl. Nacht, 1 Transportdampfer, 3 Kanonenboote erster und 4 zweiter Klasse.

Das preußische Kriegsministerium hat neuerdings erklärt, daß bis zum Erlaß anderer Bestimmungen die Gesammtdienstzeit 17 Jahre beträgt.

Der Consul des norddeutschen Bundes zu San Miguel de Salvador, Herr Dr. Bernhard, hat hierher gemeldet, daß zu Rivas in Nicaragua am 7. April v. J. ein Deutscher gestorben ist, welcher anscheinend ein bedeutendes Vermögen hinterlassen hat, ohne daß bis jetzt gesetzmäßige Erben aufgefunden werden konnten. Derselbe heißt L. C. Paul. An die einzelnen Regierungen des norddeutschen Bundes ist in Folge dieser Nachricht eine Verfügung ergangen, worin sie aufgefordert werden, durch die Amtsblätter den etwaigen Erben des Paul den Todesfall zur Kenntniß zu bringen und zu den nöthigen Schritten ihrer Legitimirung als Erben zu veranlassen. Die ausgestellten Vollmachten sind durch den Bundeskanzler zu recognosciren und dem erwähn⸗ ten Consul in San Miguel de Salvador oder dem Kaufmaun Fernando La Jago in Granada zu übersenden.

Als ein kleiner Irrthum wird Nachstehendes gemeldet:Aus Uengsterode, Kreis Witzenhausen, hatte voriges Jahr ein Rekrut das Glück, nach Berlin zur Garde gezogen zu werden. Nach einiger Zeit kam an das Landrathsamt Witzen hausen der Befehl, mit der zuständigen Schul behörde den Zustand der Schule in Uengsterode zu untersuchen, man habe einen Soldaten von dort bekommen, der weder lesen noch schreiben könne, solche Zustände sei man in den alten Provinzen nicht gewöhnt und könnte sie in den neuen Provinzen nicht dulden. Das Landraths⸗ amt stellte Recherchen an, und es ergab sich, daß der Rekrut wohl in Uengsterode geboren, aber schon in seinem dritten Jahre von dort weg, in die Nähe von Magdeburg, gekommen und dort während seiner Schuljahre verblieben war.

Der König von Sachsen(als Danteüber

setzer bekannt unter dem Pseudonym Philaletes) ist nach Wahl der Ritter der Friedensklasse des Ordens pour le mérite für Wissenschaft und Künste unter die stimmfähigen Ritter dieses Ordens aufgenommen worden. Herr v. Dreyse in Sömmerda hat ein Patent auf ein neues Repetir gewehr für 5 Jahre erhalten.

Die Errichtung eines Consulates des nord deutschen Bundes in Victoria, der Hauptstadt

von British Columbia, ist beschlossen, um dort die

Interessen des deutschen Handels und der deutschen Auswanderung zu wahren. Auch ist der Ent wurf eines allgemeinen Gesetzes über die Handels kammern des norddeutschen Bundes in Angriff, genommen und sollen die betr. Handelskammern ihre Gutachten darüber baldigst dem Ministerium für Handel und Gewerbe einreichen.

Wie derBresl. Ztg. mitgetheilt wird, bereitet die Regierung aus Anlaß der letzten Agitation des Kurfürsten von Hessen und des Königs Georg, hauptsächlich aber wohl wegen der neulichen Ordensvertheilung der Depossedirten, ganz energische Schritte gegen dieselhen vor; man spricht sogar von einer Confiscation der beschlag nahmten Vermögen.

Memel. Zuverlässige Nachrichten schildern die Lage der Juden jenseits der russischen Gränze mit den düstersten Farben. Noth und Krankheit haben den höchsten Grad erreicht. Jeder Tag fordert neue Opfer. Tausende liegen krank dar nieder ohne Hoffnung auf Genesung, da alle Be dingungen hierzu fehlen. Wenn nicht nachdrück liche Hülfe von der Ferne kommt, ist eine zahl- reiche Bevölkerung dem Elende und dem Untergange preisgegeben.

Sachsen. Dresden. Von den hiesigen Mitgliedern der deutschen Fortschrittspartei in Sachsen, darunter die Reichstagsabgeordneten Wigard und Schaffrath, wird folgender Aufruf veröffentlicht:Unter dem neuen Verfassungs und Wahlgesetze vom 3. Dec. 1868, welches dem vom 15. Nov. 1848 sich nähert, wird, meinen wir, nunmehr auch die demokratische oder deutsche Fortschrittspartei in Sachsen wieder in ihrer Ge sammtheit an den Landtagswahlen sich betheiligen, um ihren Grundsätzen von dem constitutionellen Rechtsstaate, allgemeinen Stimmrechte, der mög⸗ lichsten Selbstverwaltung des Volkes in Staat und Gemeinde, so wie der Freiheit und Sicher- heit der Personen, des Eigenthums und der Arbeit immer mehr Geltung und Garantie zu verschaffen.

Bayern Aus München wird mitgetheilt, daß man sich von preußischer Seite dort Mühe gebe, den König zu einem Besuch am Berliner Hofe einzuladen. Wie verlaute, sei es keineswegs unwahrscheinlich, daß Ludwig II. im Frühjahr einen Gegenbesuch in Berlin mache.

Aschaffenburg. Das dahier bestehende Comite zur Errichtung eines Denkmals für die am 14. Juli 1866 im Kampfe bei Aschaffenburg gefallenen österreichischen Ossiziere und Soldaten hat im hirsigen Friedhofe auch die Erinnerung an die in der Nähe von hier gefallenen und auf dem Friedhofe begrabenen Hessen durch Errichtung eines colossalen bronzenen Schildes gefeiert.

Baden. Mannheim. Das schon längere Zeit wenig rege polilische Leben unserer Stadt hat neuen Ausdruck gewonnen. Am Samstage wurde in einer Zusammenkunft von etwa 100 Männern der Beschluß gefaßt, in demdemokra tischen Verein zu ernster politischer Thätigkeit zusammenzutreten und für die Verwirklichung der Ziele der deutschen Volkspartei zu wirken.

Konstanz. Bürgermeister Strohmayer ist nun in der That excommunicirt worden. Es geschab dies aber schriftlich, die Verlesung in der Kirche unterblieb. Die Bevölkerung von Konstanz

antwortete darauf mit einer im Theatersaal von 1 einer zahlreichen Versammlung beschlossenen Adresse 1 an den Bürgermeister, deren Ueberreichung zu

einem imposanten Zug nach der Bürgermeister⸗

wohnung Veranlassung gab. 8

Oesterreich. Die Appellation des Cardinals und Fürsterzbischofs Schwarzenberg gegen die Ver urtheilung seines Hirtenbriefs über das Schul und Ehegesetz hat die Bestätigung des Urtheils durch den obersten Gerichtshof in Wien zur Folge gehabt. Die höchste gerichtliche Instanz in Oester reich hal erkannt, daß in jenem Hirtenbriefe durch die erzbischöflichen Aeußerungen über das neue Ehegesetz in der That das Verbrechen der Störung der öffentlichen Ruhe begangen worden, und daß deßhalb das von der ersten Instanz ausgesprochene

Verbot der Weiterverbreitung des Hin tenbriefs 0

aufrecht zu erhalten ist.

Frankreich. Paris. Das Gelbbuch ist am 23. d. vertheilt worden. Ueber die deutschen Angelcgenheiten enthält es Nichts; die Schriftstücke über den türkisch-griechischen Streit werden Gegenstand einer späteren Veröffentlichung sein. Das Buch enthält nur Depeschen über die An gelegenheiten Spaniens, Italiens, Serbiens, Ru mäniens, der Donaucommission, über die Libanon⸗ frage, über die Reform der Türkei, über die Verhandlungen mit Tunis, über die Verhandlungen zwischen Spanien und den südamerikanischen Re⸗ publiken, über Japan, über die Petersburger Con⸗ ferenz behufs Abschaffung der Sprenggeschosse und über Handelsangelegenheiten. Ueber Spanien sagt das Gelbbuch: der Kaiser hat Olozaga empfangen, um seine günstige Gesinnung gegen Spanien aus- zudrücken, nachdem Lord Clarendon die Zusicherung ertheilt hatte, England würde gleichfalls den spanischen Besandten empfangen. Ueber die italienischen Angelegenheiten äußert es sich folgen · dermaßen: Was die französische Besatzung in Rom betreffe, so beabsichtige man nicht, dieselbe noch lange Zeit dort zu lassen; doch sei der Zeit- punkt, sie abzuberufen, noch nicht gekommen.

Die hier angekommene chinesische Gesandt⸗ schaft, aus drei außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministern des Kaisers von China bestehend, ist von dem Kaiser Napoleon in einer Privat Audienz empfangen, sodann auch der Kaiserin vorgestellt worden. Die drei Chinesen heißen Anson Burlingame, Tche⸗ Kang und Souemra⸗Kia⸗Kiou.

Der Kriegsminister Marschall Niel schlägt in einem Bericht an den Kaiser demselben Maß- regeln vor, welche darauf abzielen, den wieder engagirten Unteroffizieren die Anstellung im Civil⸗ dienst zu erleichtern und dem Avancement in den untern Chargen der Armee einen Impuls zu ver⸗ leihen. Maßregeln gebilligt. 0

DieFrance bestreitet die Existenz eines Schreibens des Grafen Bismarck an Lavalette, J worin er den Letzteren beglückwünsche und die schleswigsche Frage aufnehme. 5

Der in letzter Zeit fast tägliche Empfang des Fürsten Metternich bei dem Kaiser gibt zu dem mit großer Bestimmtheit auftretenden Gerüchte Anlaß, daß eine französisch⸗ österreichische Allianz beschlossene Sache sei.

Holland Im vorigen Sommer wurden in Utrecht zwei Mitglieder eines preußischen Cavallerie-Musikcorps, welches Behuss mustkalischer Aufführungen nach dieser Stadt gekommen war, als Deserteure verhaftet; sie waren seiner Zeit in das Musikcorps des 7. niederländischen Inf. Regiments eingetreten, hatten aber dasselbe wieder verlassen, um nach Preußen, ihrem Heimathlande, zur Erfüllung ihrer Militärdienstpflicht zurück- zukehren. Ihre Verhaftung hatte zu vielfachen

Der Kaiser hat die ihm vorgeschlagenen