geordneten und zahlreiche Deputationen von Städten und Corporationen aus allen Theilen des Landes waren anwesend. Einstimmig wurde eine Adresse an den Großherzog angenommen, welches sich energisch gegen die Agitationen der ultramontanen und demokratischen Partei erklärt, entschiedene Reformentwicklung verlangt, aber keinen außerordentlichen Landtag, und an dem Streben nach staatlicher Verbindung mit dem norddeutschen Bunde festhält. Ferner wurde eine Resolution angenommen, welche der Regierung die Unter⸗ stützung aller Liberalen zusagt, soferne sie diesem Programm treu bleibt. Die Hauptsprecher waren Eckardt, Kiefer, Stromeyer und Treitschke.— Gleichzeitig tagte zu Engen, im Seekreis, eine von den Ultramontanen berufene Volksversammlung. Ein Telegramm von dort meldete der Offenburger Versammlung: Die Liberalen erschienen in zehn⸗ facher Ueberzahl, wodurch die Absicht der Ultra— montanen vollständig vereitelt wurde.
Oesterreich. Wien. Das Reichsgesetzblatt publieirt das Volksschulgesetz, das Gesetz,„durch welches die Grundsätze des Unterrichtswesens be⸗ züglich der Volksschulen festgestellt werden.“ Es enthält unter Anderem folgende Bestimmungen. Alle Kinder sind schulpflichtig, und die Schulpflicht dauert vom vollendeten sechsten bis zum vollendeten vierzehnten Lebensjahr. Ein Schulgeld existirt nicht. Die Heranbildung der nöthigen Lehrkräfte erfolgt in(nach dem Gescchlecht gesonderten) Lehrerbildungsanstalten; der Bildungscours ist auf vier Jahre festgesetzt; der Unterricht ist un⸗ entgeltlich. Zur weiteren Fortbildung der Lehrer ist in jedem Schulbezirk eine Lehrerbibliothek an- zulegen und wird mindestens einmal jährlich eine Lehrerconserenz über Gegenstände des Schulwesens abgehalten. Der Dienst an den öffentlichen Schulen ist ein öffentliches Amt und allen öster⸗ reichischen Staatsbürgern ohne Rücksicht auf das Glaubensbekenntniß gleichmäßig zugänglich. Die Minimalbezüge sind so zu bemessen, daß Lehrer und Unterlehrer, frei von hemmenden Neben- geschäften, ihre ganze Kraft dem Berufe widmen und erstere auch eine Familie den örtlichen Ver— hältnissen gemäß erhalten können.
Frankreich. Paris. Das Resultat der Wahlen zum gesetzgebenden Körper von Paris ist bekannt und constatirt eine Niederlage der Regitrung, während dit Nachrichten aus den Departements in weitaus überwiegender Zahl für die Regierung günstig lauten. In Paris wurden
gewählt: 1. Wahlbezirk: Gambetta mit großer
Majorität gegen Carnot.— 2. Wahlbezirk: Es findet Ballotage zwischen Thiers(13,333 Stim⸗ men) und Devink(10,404) statt, d'Aalton Shee hat 8721 Stimmen.— 3. Wahlbezirk: Bancel (22,647) gegen Ollivier(12,849).— 4. Wahl⸗ bezirk: Picard mit 24,436 gegen Deniere(8000). — 5. Wahlbezirk: Die Stimmen sind getheilt
zwischen Garnier Pages(14,133), Raspail (14,639) und Levy(7044).— 6. Wahlbezirk:
Es findet Ballotage zwischen Cochin(7539),
Ferry(8018) und Gusroult(3069) statt.—
7. Wahlbezirk: Es findet Ballotage zwischen J. Favre und Rochefort statt.— 8. Wahlbezirk: Simon mit großer Majorität gegen Lachaud.— 9. Wahlbezirk: Pelletan mit großer Majorität gegen Bouley.
— Die Zahl der Wählenden war überall sehr beträchtlich. In Marseille zogen Volkshausen mit dem Ruse:„Es lebe die Republik!“ durch die Straßen. Man schloß die Läden; die Ruhe war jedoch rasch wilder hergestellt.
— Die neuesten Nachrichten bringen folgendes Gesammtresultat der Wahlen: Regierungscandida⸗ ten wurden gewählt ca. 200, der radicalen Op⸗ position angehörende 26, zur Mittelpartei gehörige 10. Ballotagen finden 59 statt; von speciellen Wahltesultaten ist noch Folgendes zu erwähnen: Glais-Bizoin ist unterlegen, ebenso Bantel im Departement du Driome. Zwei Legitimisten wur den gewählt, einer in Morihan und Maine et Loire. Falloux ist in der Vendée durchgefallen.
Die Departements Isere und Jura haben je zwei Candidaten gewählt.(2) Wahrscheinlich
wird Favre durch Rochefort beim zweiten Wahl⸗ gang geschlagen. f
Spanien. Wie aus den neuesten Berichten aus Spanien ersichtlich, haben die republikanischen Mitglieder der Cortes durch den Mehrheitsbeschluß auf Wiederaufrichtung der Monarchie sich nicht veranlaßt gesehen aus der Versammlung auszu⸗ scheiden oder an der weiteren Berathung des Ver⸗ fassungsentwurses sich nicht zu betheiligen.— In den letzten Sitzungen der Cortes nahmen die Berathungen einen ruhigen und raschen Gang. Von der provisorischen Regierung wurden mehrere Gesetzentwürfe, u. a. über Einführung der Civil⸗ ehe und über Verminderung der Zahl der Diöcesen vorgelegt; von der Versammlung die Art. 34 bis 71, welche die Besugnisse der öffentlichen Gewalten, der beiden Kammern der Cortes und des Königs feststellen, ohne wesentliche Aenderungen angenommen.
Rußland. Warschau. Auf den Straßen verfolgt hier die Polizei seit einiger Zeit wieder Frauen, welche in schwarzer Kleidung ausgehen. Der Correspondent der„Bresl. Ztg.“ sah eine anständige Dame, die wohl Kleider von schwarzer Farbe trug, keineswegs aber von irgend welcher besonderen Art, die eine Trauer anzeigen sollte, wegen Mangels einer Legitimation nach dem Polizei-Bureau abführen. Zur Erlangung einer Polizei⸗Erlaubniß zum Tragen von Trauerzeichen für verstorbene Angehörige müssen viele erschwerende Formalitäten überwunden werden. Und wie schwierig es oft ist, eine solche Erlaubniß zu erlangen, dafür spricht die Thatsache, daß tiner Dame, deren Vater im Auslande gestorben war, die Er— laubniß zum Tragen von Trauerzeichen nicht er- theilt wurde, weil sie ihrem Gesuche kein Sterbe⸗ Attest beigelegt hatte. Um sich keinen polizeilichen Unannehmlichkeiten auszusetzen, erträgt die Dame seit mehreren Tagen eine Art Hausarrest, bis das unumgängliche Attest anlangt,
Amerika. Newyork. Am 8. d. M. ist unter feierlichen Ceremonien die letzte Schiene der Riesenbahn gelegt worden, welche Newyork mit San Francisco verbinden soll. Der Punkt, wo sich die beiden Theile der Bahn treffen, ist von dem östlichen Ausgangsorte, Omaha, 1032 und von dem westlichen, Sacramento, 730 englische Meilen entfernt, so daß die Länge der ganzen Pacific⸗Esjsenbahn 1762 Meilen beträgt. Von New York nach Omaha 1403, von Sacramento nach San Francisco 120 Meilen; die ganze Ueberlandstrecke 3285 Meilen.
Gießen. Bei der Ausloosung der Haupt, und Er⸗ gänzungsgeschwornen für die Montag den 5. Juli d. J., Vormittags 9 Uhr, eröffnet werdenden Sitzungen des Schwurgerichts vom 3. Quartal 1869 sind folgende Namen aus der Urne gezogen worden.
Haupt ⸗Geschworene.
1. Caspar Neeb, Müller in Nieder⸗Ohmen. 2. Christian Conrad Alt, Schildwirttz in Rainrod. 3. Ludwig Hof⸗ mann, Pachter zu Hof⸗Gill. 4. Wilhelm Frank, Ellen⸗ waalenhändler in Schlitz. 5. Johannes Otterbein II., Landwiith in Uetzhausen. 6. Adolph Stöppler, Fabrikant in Lauterbach. 7. Friedrich Jacob Berges I., gewesener Bürgermeister in Pelterweil. 8. Georg Harimann Kreicker, Bäcker in Laubach. 9. Moritz Heichelheim, Ellenwaaren⸗ händler in Gießen. 10, Ludwig Grödel, Holzhändler in Friedberg. 11. Ludwig Hoffmann II., Bäcker in Grün⸗ derg. 12. Johannes Rodemer IV., Müller in Angers⸗ bach. 13. Georg Seip IV., Küser in Ruppertsburg. 14. Georg Reitz, Bürgermeister in Södel. 15. Georg Weisensee, Müller und Landwirth in Ossenheim. 16. Hein⸗ rich Eichenauer, Laudwirth in Lißberg. 17. Heinrich Alles, Müller in Münzenberg. 18. Friedrich Clemm, Kanzleirath in Gießen. 19. Ludwig Bingel, Müller in Alten⸗Buseck. 20. Ludwig Kopp, Landwirth in Ossenheim. 21. Caspar Hofmann II., Fruchthändler in Fleschenbach. 22. Friedrich Heinrich Poths, Müller in Echzell. 23. Jacob Kaufmann, Ellenwaarenhändler in Schotten. 24. Geerg Heinrich Ebel, Weinhändler in Gießen. 25. Jehannes Schäfer IV., Landwirth in Psordt. 26. Georg Hergert, Beigeordneter in Berstadt. 27. Jacob Köhler, Landwirth in Langsdorf. 28. Heinrich Fauerbach, Gast- und Land⸗ wirth in Nieder⸗Wöllstadt. 29. Heinrich Becker I., Müller in Londorf. 30. Johannes Lang, Landwirth in Nieder— Rosbach. 5
Frankfurt. Der zoologische Garten war am Sonntag von über 5000 Menschen besucht.— Wie verlautet haben verschiedene hiesige Bankiers für den Fall der Einsührung der Börsensteuer sich in Offenbach nach passenden Bureau⸗ lokalitäten umgethan. Wohnungen werden dieselben hier behalten.
Frankfurt. Da in Kassel die Bauhandwerker, namentlich die Schreiner, wegen Nichtbewilligung ihrer
auf Lohnerhöhung gerichteten Forderung die Arbeit ein—
gestellt haben, so begaben sich von dortigen Meistern ab⸗ gesandte Agenten hierher und in die umliegenden Städte, um Ersatz für die Feiernden zu suchen. Es ist ihnen dies insosern auch gelungen, als sie über 120 Gesellen, meist Schreiner, mit Neisegeld versahen und nach Kassel sandten. Frankfurt. Dieser Tage sahen wir hier zum n⸗ male eine große Zahl von Wallfahrern nach Walldür welche aus dem Nassauischen kamen, in Prozession du unsere Stadt ziehen. Dieselben hatten sich vor dem
Bockenheimerthor, 6— 700 Personen slark, gesammelt, rechts
gingen die Männer und links die Frauen singend und betend, ein Geistlicher in vollem Ornate führte den Zug. Gegen Abend solgte eine zweite, aber minder starke Ab theilung..
Offenbach. Gegen das Blaumontagmachen be⸗ steht in einer Fabrik dahler(E.& Cp.) eine sehr zweckmäßige Einrichtung. In dieser Fabrik wird nämlich der Wochen⸗ lohn nicht, wie sonst üblich, an den Samstagen, sondern an den Montagen ausgezahlt. Wer an dem Montage nicht kommt, erhält seinen Lohn erst an dem Montag darauf. Diese empfehlenswerthe Einrichtung hal auch noch den Vorzug, daß die Arbeiter nothgedrungen im Laufe der Woche nach Möglichkeit sparen müssen, wenn sie für den kommenden Sonntag etwas zu Luxusausgaben erübrigen wollen. Wir wissen zuverlässig, daß sich dieser Modus iusbesondere bei verheiratheten Arbeitern als außerordentlich vortheilhast bewährt hat. Gar mancher Arbeiter war selbst überrascht darüber, daß er am Ende der Woche noch einen kleinen Ueberschuß in seiner Casse halte, während er sonst oft schon am Mitlwoch, vielleicht gar am Dienstag, in einen geleerten Geldbeutel zu blicken gewohnt war.
München. Dieser Tage kam hier ein in Paris an⸗ geferugter und von französischen Technikeen begleiteter zweistöckiger Personenwagen durch, welcher für die ober⸗ italienischen Eisenbahnen und zunächst für Turin bestimmt ist. Diese Wagen fassen 78 Plätze erster, zweiier und dritter Classe, und scheinen besonders geeignet für Züge nach stark besuchten Vergnügungsorten von großen Städten aus, und wo es sich sonst darum handelt, viel Publikum möglichst rasch unterzubringen. Das Gewicht eines solchen Wagens, der mit großer Eleganz gebaut ist beträgt etwa 180 Cir.
In Berlin ist Goldberger gestorben. Kein Tyrann der Welt hat so- viele Leute in Keiten gelegt wie dieser Mann; denn er war der Vater der Rheumatismusketten. Als armer Junge kam er aus Schlesien, wo man gern auf anderer Lenie Kosten lacht und lebt, nach Berlin und ward ein grundreicher Mann. Wenn man ihn fragte: Sind denn Ihre Kelten wirklich gut? so antwortete er: Mir sind sie sehr gut bekommen.
Krieg und Humanität.
Ein merkwürdiges Jahrhundert, das unsrige. Der gesammte Continent starrt von Bajonnetten, fast alle Staaten kämpfen mit immer sich steigern⸗ den Defizits, lediglich um Armeen von solcher Stärke zu halten, daß selbst in Friedenszeiten Handel und Verkehr unter der Last derselben seufzen. Während der letzten 15 Jahre ist der Continent Europa's der Schauplatz von vier be⸗ deutenden Kriegen gewesen und die beständige Besorgniß vor einem neuen blutigen Conflikte beängstigt alle Welt, wie jenes unterirdische Rollen, das einem Erdbeben voranzugehen pflegt. Und zu derselben Zeit halten internationale Wohl⸗ thätigkeits⸗Vereine ihre wiederkehrenden Wander⸗ versammlungen ab, um über die Mittel zu be⸗ rathen, wie dem Elend und den Leiden abzuhelfen sei, welche die selbstgebundene Geißel des Krieges im Gefolge hat. Und wunderbarer Weise scheint Niemandem so vil an dem Erfolge dieser Be⸗ mühungen gelegen, als gerade den Kaisern und Königen, die immer und immer wieder die Noth⸗ wendigkeit jener übermäßigen Heereskräfte betonen, die sie zu ihrer Verfügung halten. Der Kaiser von Frankreich hat jüngst mit dem Selbstherrscher aller Reußen langalhmige Protokolle wider die Anwendung von Sprenggeschossen ausgetauscht. Vor einigen Jahren hat die Pariser Conserenz sich eingehend mit dem Recht der neutralen Flagge im Seekriege und mit der Frage beschäftigt, ob es gestattet sei, Kaperbriefe auszugeben. Vor einigen Wochen erst tagte in Berlin die inter- nationale Conferenz für Pflege der Verwundeten unter den Auspicien des Königs von Preußen. Und als Graf Serruier im Namen der Con- ferenz dem Sieger von Sadowa den Dank für die derselben in seiner Hauptstadt bereitete Auf- nahme aussprach, da erwiderte König Wilhelm: „Dem großen Gedanken, im Kriege Lazarethe und Krankenpflege neutral zu erklären, reiht sich Ihr
Werk ehrenvoll an, indem die freiwillige Hülfe
leistung hinzutritt. Ich wiederhole, daß ich die Hoffnung habe, daß dies wahrhaft große menschen⸗ freundliche Unternehmen, für welches wir Alle das
gleiche Interesse hegen, erst in recht später Zeit
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