Ausgabe 
24.7.1869
 
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prozeß-Ordnung hat ihre Sitzungen vorläufig geschlossen. Der Entwurf ist, soweit er das ge sammte erstinstanzliche Verfahren betrifft, in erster Lesung vollendet. Am 7. September tritt die

Commission zur Fortsetzung ihrer Arbeiten wieder

zusammen. a f 1 5

Memel. Die Schilderungen über die Noth, welcher die Israeliten in den russischen Grenz distrikten preisgegeben sind, lauten noch immer gräßlich. In dem Nothrufe, den das hiesige Unterstützungscomite neuerdings erlassen, heißt es: Zu Hunderten lagern die halbverhungernden Schattengestalten auf den Straßen und in den Synagogen mancher Städte und beten zu Gott um rasche Beendigung ihres Elends. In den Schulen sterben die Kinder sammt ihren Lehrern. In dem Flecken Purwine bei Schaulen brachten die Kinder das Messer an das Krankenlager der Mutter und baten und jammerten, sie möge ihnen Brod schneiden; sie nahm das Messer aus der Hand der Kinder und schnitt sich die Keble ab. Durch das erschreckliche Elend der Ihrigen zum wilden Wabnsinn getrieben, schlitzte eine Frau in der Kreisstadt Telschen sich den Bauch auf, um den Leuten zu zeigen, daß sie lange nichts gegessen habe. In der Kreisstadt Schaulen lag auf arm⸗ selignem Lager eine Großmutter in den letzten Zügen. Sie verschmähte in wahrhaftem Herois- mus jeden Bissen, um ihre zahlreichen Kinder und Enkel nicht zu verkürzen. Einen Schatz aber verbarg sie vor aller Welt, um denselben, wie sie sagte, für den Augenblick der höchsten Noth zu verwahren, der ihr noch nicht gekommen schien. Die Familie hatte vordem gute Tage gesehen; man glaubte in der That, die Großmutter habe irgend ein Kleinod aus der Zerrüttung, in welche die Familie nach und nach gerathen war, gerettet. Aber was zog man nach ihrem Ableben unter dem Kopfkissen hervor? Ein altes verschimmeltes Stück Schwarzbryd.(Schatzmeister des Comite's ist Herr Julius Hirsch, Ficma: J. Hirsch u. Co. in Memel.)

Kassel. Dem Vernehmen nach hat die Stadt im Laufe voriger Woche über 100,000 Thaler Landescreditcassen⸗Obligationen gekündigt.

Frankfurt. DasFr. J. schreibt: Aus unserer Stadt und Umgegend werden heftige Klagen über den neuen Fahrplan der Main-Weserbahn laut. Nicht allcin, daß sechs Züge überhaupt ausgefallen, sind auch diejenigen, welche geblieben sind, so ungünstig gelegt, daß beispielsweise ein Nachmittagsausflug nach dem benachbarten Nau heim so ziemlich abgeschnitten ist. Denn um 4 Uhr und(bei der oftmaligen Verspätung des betreffenden gemischten Zuges) oft um 5 Uhr an kommen und um 8 Uhr 50 Minuten zurückkehren, ist doch der Mühe und der Kosten nicht werth. Noch schwerer ist der Lokalverkehr von Oberhessen nach Franksurt zu geschädigt, indem die hierzu vor 4 Jahren besonders hergerichteten Züge(um 9 Uhr in Frankfurt ankommend, um 12 Uhr 30 Minuten zurück) ausgefallen sind. Selbst der Güterzug, welcher sonst zur Aushülfe diente(um 12 uhr Mittags in Frankfurt) hört auf, so daß z. B. Derjenige, welcher von Gießen, Nauheim oder Friedberg in Nauheim, Friedberg oder Vilbel Geschäfte hat, mit dem Frühzug(5 Uhr 18 Min.) abreisen muß und überall zu einer Zeit ankommt, wo Bureaus, Läden oder Märkte nicht eröffnet sind. Wie wir bören, ist bereits von Nauheim aus eint dringliche Beschwerde an das großh. hessische Ministerium des Aeußern abgegangen, um Abhülfe bezüglich dieser Uebelstände zu beschaffen.

Oesterreich. Wien. Das katholische LinzerVolksblatt bestärigt, daß Bischof Ru- digier den Gnadenact des Kaisers nicht abgelehnt habe, da ja damit das Bekenntniß einer Schuld von seiner Seite nicht ausgedrückt sei, bemerkt aber hierzu noch, daß der Bischof eine Nichtig⸗ keitsbeschwerde bezäglich des über denselben am 12. d. M. vom Geschworuengerichte gefällten Urtheils an den obersten Gerichtshof eingereicht haben. Die Begnadigungannehmen und da neben gegen das durch die Begnadigung aufge⸗ hobene Urtheil die Nichtigkeitsbeschwerde einlegen, wie läßt sich das zusammenreimen?

Wie aus Wien gemeldet wird, soll die römische Curie nunmehr entschlossen sein, an die katholischen Regierungen eine direkte Einladung

ergehen zu lassen. Zu diesem Entschlusse soll die reservirte und zuwartende Haltung mitgewirkt haben, welche man in den Tuilerien ebenso wie in Wien dem Contil gegenüber eingenommen habe.

Schweiz. Das Central-Comite der Frie⸗ dens⸗ und Freiheitsliga hat beschlossen, den dies jährigen Congreß nach Lausanne auf den 14. bis 19. September zu berufen. Man erwartet dieses Mal die französischen Deputirten Favre, Bancel, Gambetta ꝛc., ferner Castelar mit einer Deputation spanischer Repablikaner.

Frankreich. Paris. Eine Versammlung der Mitglieder der Mittelpartei, welche die Inter pellation unterzeichnet halten, nahm einstimmig folgende Resolution an: Die Unterzeichner bebarren in den Ideen und Principien, die ihren Ausdruck in der vorbertiteten Interpellation gefunden hatten, und vertagen sich bis zur nächsten Berufung des gesetzgebenden Körpers.

DaeOffizielle Journal veröffentlicht ein Dekret, wonach Rouher zum Präsidenten des Senats für 1869, gemäß des Art. 23 der Ver fassung, ernannt wird.

Nach derFrance hätten sich die Minister im Ministerium des Innern zusammengefunden, um über die Grundlagen des Senatusconsulis sich zu verständigen. Die Abfassung des Ent wurfes selbst sei vom Kaiser in die Hände der Herren Chasseloup-Loubat und Duvergier gelegt worden, denen er noch besonders seinen Willen dahin kundgegeben, daß alle in der Boischaft an⸗ gekündigten Reformen in den Senatusconsult auf breitester Grundlage einzuführen wären.

DiePatrie bringt ein Schreiben des Privatsekretärs des Prinzen Napoleon, dessen Zweck ist, in vündigster Weise zu erklären, daß der Prinz durchaus keinen Autheil nimmt an den Berathungen der Regierung.

Die Presse und die politischen Kreise ver- dammen so ziemlich einstimmig die von der Re gierung der Kammer gegenüber beobachtete Haltung und die Minister haben sich ihre Stellung sehr erschwert. Die Aufregung unter den Deputirten ist sehr groß. Die Linke hat in einer Sitzung den Beschluß gefaßt, einDeclarations⸗Manifest zu erlassen, worin in sehr energischer, aber ruhiger Weise die letzten Ertignisse und das Auftreten der Regierung besprochen werden sollen. Die ganze Linke, darunter Thiers, wohnten der Versammlung bei. Nur Bancel, der krank ist, und Raspail fehlten.

Großbritannien. London. In der Sitzung des Oberhauses wurden nach langer, leb⸗ hafter Debatte über die Einführung der Kirchen- bill die dazu gestellten Amendements mit 173 gegen 95 Stimmen aufrecht erhalten. Granville bean tragte die sofortige Vertagung des Hauses, um diese Entscheidung seinen Collegen vorlegen zu können.

DieMorning Post undDaily News sind der Ansicht, daß die Zurückziehung der Bill und die Wiedereinbringung derselben in der Herbst Session unausbleiblich sei.

DieTimes theilt mit, die Regierung welche einen Vergleich für möglich halte, habe beschlossen die Kirchenbill nicht zurückzuziehen und das Oberhaus zur Fortsetzung der Debatten über die Amendements aufzufordern.

Spanien. Madrid. Eine Verschwörung, welche den Zweck hatte, an einem bestimmten Tage Serrano, Prim und Rivero zu ermorden, ist ent deckt worden. Die Untersuchung darüber wird mit großer Energie geführt.

Die Versicherungen der Regierung, daß Spanien allen seinen Verpflichtungen nachkommen werde und daß die Verbesserang der Finanzlage des Landes sich rasch verwirtlichen werde, klingt gar nicht so unglaublich, wenn man liest, welche enorme Ersparnisse durch die Eutthronung der Königin der Staatskasse zu gut kommen. Die⸗ selben betragen, gering angeschlagen(abgischen von den Einkünften aus den Krongütern), 1/785,000,000 Franken jährlich. Die Königia

Isabella brauchte jährlich für sich 5 Millionen

der junge Prinz von Asturien(ein Knab

11 Jahren) 245,000 Thlr.; seine Schwester, die Infantin Isabella(vermählt mit dem Prinzen von Girgenti) erhielt 200,000 Thlr.; der König bezog(etwas knapp gehalten) nur 240,000 Thlr.; endlich erhielt die Herzogin von Montpensier, die

Schwester der Königin, 250,000 Thlr. Apanage.

Rußland. Warschau. Einem kaiserlichen

Ukas vom 13. Juni zufolge soll die Mehrzahl 0 der 452 Städte in Polen zu Dörfern degradirt

und die städtische mit ländlicher Verwaltung ver⸗ tauscht werden. gemäß namentlich jenen Städten zugedacht, welche

wenig Einwohner zählen, und deren Industrie und

Handel nicht sehr entwickelt ist.

Darmstadt. Die von verschiedenen Zeitungen ge⸗ Crachte Nachricht, daß die hiesige Bank für Handel und Industrie bei der letzten Nummerziehung des Braun⸗ schweiger Eisenbahn-Prämien-Anlehens den Hauptgewinn

Diese Umwandlung ist dem Erlaß

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Thaler; ihre Frau Mutter Christine an e un e von

von 80,000 Thlr. gemacht, bestätigt sich. Das Dirgetorium

des genannten Institutes hat mit anerkenneuswerther Liberalität den Beschluß gefaßt, den Gewinn unter die Beamten und Bediensteten nach Maßgabe Stellungen und Leistungen zu vertheilen. Heidelberg. Zum Juristentage hat man sich für

ihrer resp.

eine große breiterne Halle auf dem Museumsplatze ent⸗

schiecen. Man rechnet auf 1400-1600 Angemeldet sind bereits über 1200.

Vom Rhein. Daß die Blüthe des Weinstocks unter der rauhen Wiiterung des Juni empfindlich gestört worden und theilweise sogar gelitten hat, ist die übereinstimmende Ansicht unserer Weinbauern. Gleichwohl sind die Aus⸗ sichten auf, ein tresfliches Weinjahr noch nicht völlig zu Grabe getragen. Derselbe Durchfall der Blüthe war im Jahre 1859 zu vemerken, und dennoch hat der 1859er durch seine Auslesen fast alle seine großen Rivalen von 1857, 1858 und 1862 übertroffen. Die verschiedene Blüthe bedingt selbstverständlich eine verschiedene Reise der Trauben und wenn ein heißer August und heiterer September die Nachtheile der Sommermonate ausgleicht, so kann auch der 1869er noch ein vortrefflicher Jahrgang werden. Be⸗ züglich der Quantität wird der 1869er aber unter allen Umständen gegen 1859 zurückbleiben.

Aus Langenschwalbach meldet derRh. Koux. vom 21. d., daß in der dortigen Gemeindewaldung ein bedeutender Brand ausgebrochen, der immer größere Dimensionen annimmt. Das Feuer, dessen Entstehungs⸗ weise nicht bekannt, erstreckt sich bereits auf eine Fläche von 80 bis 100 Morgen Land. Durch Auswersen von Gräben sucht man das Umsichgreifen des Feuers zu ver⸗ hüten, die eutsetzliche Hitze verhindert aber jede Annäherung an die Brandstätte, und der Hände, die hülfereich beistehen, sind wenige; es sollte von Wiesbaden militärische Hülfe erbeten werden; wird dem verzehrenden Elemente aicht bald Einhalt gethan, so wird der Schaden ein unabsehbarer.

Köln. Bei der Exp'osion einer Pulvermühle bei Schladern an der Deutz⸗Gießener Bahn sollen außer dem Lagerhaus und dem darin befindlichen Material über 100 Mocgen Waldungen verbrannt sein; dagegen ist der Ver⸗ lust eines Menschenlebens nicht zu beklagen. Die Pulver⸗ fabrik gehört der Firma E. Schülgen in Köln.

Essen. Falsche Kassenscheine. In jüngster Zeit haben sich hier wiederholt falsche Zehnthaler-Scheine gezeigt, die so täuschend nachgemacht waren, daß das Falsificat von Sachkennern erst nach eingehender Unter⸗ suchung als solches erkzunt werden könnte. Es sind dies neuere preußische Zehnthaler-Scheine mit dem Unterdrucke Diamantenschrift. Um die Täuschung veollständig zu machen, sind die Scheine schon etwas defect gemacht worden, was den Auschein gibt, als ob sie schon lange courfirt hätten. 5

Bern. Am 16. d. hat sich im berner Oberlande ein Wolkenbruch entladen, welcher die dortige Gegend, nameni⸗ lich das Overhaslithal, schwer heimgesucht hat. Nähere Angaben fehlen zwar noch, doch muß die Noth groß sein, da der Bundesrath eine Sapeur-Compagnie als Hülfs⸗ mannschast dorthin beorderte. Gleichzeitig wird aus Neuenburg gemeldet, daß die dortige Gegend mit furchibarem Hagelwetter am genannten Tage heimgesucht worden ist. Es fielen Hagelköener von unglaublicher Größe. In den Weinbergen ist All 8 zerschlagen. Der mit heftigem Gewilterregen begleitete Hagel zerstörte eie

Theilnehmer.

Weinbergmauern und beschädigte theilweise auch die Eisen⸗

bahnlinie, welche daher unterbrochen ist. Obsternie zu erwarten.

In New Castle ist einem englischen Blatie zu⸗ solge in Mädchen am Aussatz gestorben, den sie durch ihren Chignon gefangen hatie. Dieser gefährliche Putz war vermuthlich aus Haaren gefertigt, welche zu diesem Zwecke von den Hospitälern und Kirchhösen des Orients importirt werden.

Aus Palermo wird folgender Gaunerstreich gemel⸗ det: Ein Sohn Aloion's, mit vortrefflechem, rothblondem

Es ist keine

Backenbact, tadellos gekleidet und behandschubt, tritt in

enen Jvwelierladen und drückt in sehr schlechtem Jalienisch

zu wollen, lesp. nach seinem Geschmack fassen zu lassen. Es werden ihm die mannichfaltigsten Sachen vorgelegt, die reinsten Edelsteine, edelste Perlen, aber Alles ist ihm nicht kostdar genug. Endlich, nach anderthalb Stunden tifst der Engländer seine Wahl. plaudernd seine Wagren wieder ordner, bemerkt ser, daß

Während der Juwelier

den Wunsch aus, einen Halsschmuck von Diamanten kaufen

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75 00 in dem K. seiger und nac, da fehlen, a dabselbe ei Zugleit Hedingung gehenden baoufs, au Wid

Fasel 70 Na II Uhr, gemeindes dad

empfiehlt Fleische weine, Art, Pu Räuchern Citronat Die Wasse und Selt. Nied extra- Nie Kaut in Fran alle Arte

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