gungen, so brauchen wir Aequivalente. Ich bemerke im Namen des Präsidii, daß eine Tarif- änderung ohne einen Zoll auf Petroleum dit Zustimmung desselben nicht erhalten würde. Nach- dem die Abgg. Wedemeyer noch für, Lasker gegen den Petroleumzoll gesprochen hatten, ward derselbe bei Namensaufruf in Schlußberathung mit 157 gegen 111 Stimmen abgelehnt. Die Zuckersteuer wurde in der Schlußberathung, nachdem Präsident Delbrück seine Zustimmung zu den Beschlüssen des Hauses erklärt, angenommen. Der Zusatz Lasker zur Zuckersteuer auf gleichzeitiges Inkrafttreten des Vereinszolltarifs mit dem Zuckersteuergesetze wurde verworfen. Die Petition des vorjährigen Han— delstages wegen Einführung einer Münzreform wurde angenommen nach einem Antrag der Com- mission, welcher den Wunsch ausspricht, die Re- gierung möge ein streng decimales Münzsystem schaffen mit möglichst vielen Garantieen für Er- weiterung zu einem Münzsystem aller civilisirten Nationen. 5
— Dem Zollparlament ist eine die Errichtung eines National-Denkmals für Alexander von Humboldt betreffende Petition von Prof. Virchow und Genossen zugegangen, welche die Bitte aus- spricht, das hohe Zollparlament wolle die im Bundesrathe vertretenen hohen Regierungen auf— fordern, gemeinsam zur Errichtung eines National— Denkmals für A. v. Humboldt entsprechende Mittel beizutragen. Hierauf bezüglich schlägt die Petitionscommission des Zollparlaments vor: Das Haus wolle beschließen, in Erwägung, daß die Errichtung eines Denkmals für Alexander von Humboldt nicht Sache der im Zollbundesrath vertretenen Regierungen, sondern des gesammten deutschen Volkes ist,— zur Tagesordnung über— zugeben.
— In der Abendsitzung des Reichstags am 21. d. beantwortete Namens des Kriegsministeriums General v. Podbielski die Interpellation Wede— meyer's(unentgeltliche Gestellung von Landwehr— pferden bei Mobilmachung) dahin: die Sache ließe sich augenblicklich nicht ändern. Es solle billige Rücksicht genommen werden, bis eine ander— weite Regelung durch ein Gesetz erfolge. Hierauf wurde der Etat für den Handelsgerichtshof in Leipzig und der Antrag Schulze(die Vereine betr.) genehmigt. Ueber den Antrag Blanken- burg's, es solle ein Gesetz vorgelegt werden, wo- durch das gesammte Verkehr- und Stempelsteuer- wesen, sowohl bewegliches als unbewegliches Vermögen betreffend, nach glichen Grundsätzen und Steuersätzen regulirt werden wird, wurde nach längerer Debatte Tagesordnung beschlossen. Graf Bismarck verlas sodann die Botschaft des Königs, welche den Schluß des Reichstags ankündigt.
— 22. Juni. Bei der Schlußfeierlichkeit der beiden Parlamente im Weißen Saale des könig⸗ lichen Schlosses waren etwa 100 Mitglieder beider Körper anwesend. Beim Eintritt des Königs brachte Vicepräsident Simson ein Hoch aus. Der König verlas die Rede, mit welcher das Zoll- parlament geschlossen wurde. Graf Bismarck ver- kündete darauf den Schluß desselben. Nach einem weiteren Hoch auf den König, ausgebracht durch den bayerischen Gesandten zum Zollbundesrath, traten die Mitglieder des Zollbundes rathes und des Zollparlaments in den Hintergrund des Saals. Graf Bismarck überreichte alsdann dem König die Reichstagsschlußrede. Bei Verlesung derselben durch den König applaudirte die Versammlung die Stellen, in welchen der Militär-Convention mit Baden und des königlichen Besuchs des Kriegshafens am Jahdebusen erwähnt wird. Graf Bismarck erklärte hierauf die Session des Reichstags für geschlossen. Zuletzt brachte noch der sächsische Bundescommissär Weinlig ein Hoch auf den König aus.
— Die an die Mitglieder des Zollparlaments gerichtete Schlußrede gedachte der angestrengten Thätigkeit, mit der es dem Zollparlamente gelun- gen sei, die Bergthung der von den verbündeten Regierungen gemachten Vorlagen in kurzer Zeit zu Ende zu führen. Besonders erwähnt werden die Handelsverträge mit der Schweiz und Japan, sowie die Zollvereinsgesetze u. s. w. Der Schluß
lautet: Die Aenderungen, welche Sie aus Rück⸗ sicht auf eine für die wirthschaftlichen Verhältnisse des Vereins in hohem Grade wichtige Industrie in dem Gesetze über die Besteuerung des Zuckers beschlossen haben, entfernen sich nicht von den Gesichtspunkten, welche die verbündeten Regierungen bei Vorlegung dieses Gesetzes im Auge hatten. Die Besteuerung des Zuckerverbrauchs im Ganzen wird eine Ermäßigung und die Einnahme des Vereins aus diesem Verbrauche wird eine Erhöhung erfahren, welche einen Theil der in den letzten Jahren durch zahlreiche Zollbefreiungen und Er— mäßigungen veranlaßten Einnahme-Ausfälle decken wird. Die Revision des Vereins-Zolltarifs ist zu meinem Bedauern nicht zum Abschluß gelangt. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß die Ver— schiedenheit der Meinungen über die finanziellen Aufgaben des Vereins, welche diesen Abschluß verhindert hat, mit der Zeit ihre Ausgleichung finden werde, und ich entlasse Sie, geehrte Herren, mit dem Wunsche und der Zuversicht, daß auch in diesem Jahre Ihre Vereinigung dazu beigetragen habe, das Band zu befesligen, welches die gemein⸗ samen Institutionen um alle deutschen Länder knüpfen.— Ueber die Schlußrede im Reichstage werden wir in naͤchster Nummer referiren.
— Bei der Subscription auf 8 Millionen Gulden der lombardischen Südbahnprioritäten ist hier mehr als der volle Betrag gezeichnet worden.
Köln. Die Dombau“Lotterie hat bis jetzt / Millionen Thaler aufgebracht, von welcher Summe noch 366,000 Thlr. disponibel sind. Im vorigen Jahre wurden 235,617 Thlr. für den Fortbau und in den fünf letzten Jahren für die Thürme, die allein noch zu vollenden sind, 550,080 Thlr. verwendet. Im August wird man mit Dampfkraft hoch oben— ca. 180 Fuß über dem Boden— auf den Thürmen arbeiten.
Aus Thüringen. Nach dem neuesten Jahresbericht des Centralvorstandes des Gustav⸗ Adolph⸗Vereins hat derselbe in dem ersten Viertel— jahrhundert seines Bestehens 1803 Gemeinden mit einer Gesammtsumme von 2,631,694 Thlr. unter- stützt. Davon kommen auf Deutschland ohne Preußen 387 Gemeinden mit 421,720 Thlr., auf Hreußen allein 656 Gemeinden mit 1,133,791 Thaler, auf Oesterreich 531 Gemeinden mit 768,435 Thlr. und auf die übrigen europäischen und außereuropäischen Länder 229 Gemeinden mit 307,746 Thlr. Unterstützung. Der Central⸗ vorstand gedenkt der Kirchen und Schulen, die der Verein bereits gegründet, und fordert zu reger Theilnahme auf, da in diesem Jahre wiederum 868 Gemeinden die Hülfe des Vereins angerufen.
Oesterreich. Wien. Die klerikalen Blätter bestätigen, daß man in Rom ernste Be- sorgnisse wegen einer bevorstehenden Schwenkung der Napoleonischen Politik in Bezug auf den Kirchenstaat hegt. In der letzten Zeit sollen auch unter den deutschen Söldnern in der päpstlichen Armee zahlreiche Desertionen vorkommen und zwar in Folge der Einwirkung garibaldischer Emisaͤre, welche sehr gut deutsch sprechen.
— Die Subscription auf die Südbahn⸗Priori⸗ täten schloß mit nahezu hundertfacher Ueberzeich ⸗ nung. Einzelne Subseribenten zeichneten den gesammten zur Zeichnung aufgelegten Betrag. Das Bankhaus Rothschild hat allein den vier fachen Betrag der aufgelegten Summe gezeichnet.
— Der Kaiser hat eine Verstärkung der Garnison von Wien und Umgebung angeordnet. Künftig soll dieselbe aus 12 Infanterie-Regimentern, 2 Jägerbataillonen, 2 Cavallerie- und 2 Artillerie- Regimentern bestehen. Im vorigen Jahre zählte der Effectivstand der Armee 237,000 Mann. Im Fall eines Krieges können jetzt 700,000 Mann ohne die Regimenter der Militärgränze augestellt werden. Die Landwehr ist noch nicht organisirt.
— Oiesterreichische Blätter bringen folgende Notiz: Die Erben des(1849 als Hochverräther hingerichteten) Grafen Casimir Batthyanyi wurden durch den ungarischen Justiz-Minister in Kenntniß gesetzt, daß in Folge ihres Ansuchens im Minister— rathe beschlossen wurde, sie für die confiseirte gräflich Casimir Batthyanyi'sche Herrschaft Kisber
schädigen. Gleichzeitig werden die betreffenden Erben ersucht, sich längstens bis 4. Juli erklären zu wollen, ob sie diesen Antrag annehmen oder nicht.— Der Graf ist seiner Zeit an den gehenkt worden,(I) ihn kann man freilich nicht wieder holen.— 9 — Der Wiener Gemeinderath hat beschlossen, das Budget für die städtischen Volksschulen um 52,000 fl. zu erhöhen, damit die vierklassigen Schulen in sechsklassige verwandelt werden können. Frankreich. Paris. Die Nachrichten, welche den offiziösen Blättern aus Saint-Etienne zugehen, lauten beruhigend. 25 Haftbefehle, welche die Gerichte gegen Einwohner von St. Etienne, Firming und Umgebungen erlassen hatten, konnten ohne Schwierigkeit und Einsprache ausgeführt werden. Der bisherige Chefredakteur des„Eclaireur“, Herr Critot, ist von dem Blatte zurückgetreten und hat St. Etienne verlassen. Die Unterhand⸗ lungen zwischen den Grubenbesitzern und Arbeitern sind wieder aufgenommen worden und man hofft, künftigen Montag die Arbeiten in einer gewissen Anzahl von Schachten in gewohntem Gange zu sehen. — Ueber einen Brief Napoleon's an den
schnur seiner Politik verkündigt, äußert ein Patiser Blatt, die„Opinion nationale“, wie folgt: Jede Initiative der Nation auf das Haupt eines Mannes von einundsechszig Jahren und in die Hände eines Ministers zu vereinigen, welcher, seit zwanzig Jahren an die Uebungen der Dictatur gewohnt, diejenigen der Freiheit nicht verstehen kann: das ist das letzte Wort des Systems, von welchem die Nation nichts mehr wissen will und in dem gleichwohl die Regierung zu verharren für weise bält. Die Zeit der Rathschläge ist vorüber. Die Ereignisse haben das Wort und an die kostspieligen Lehren der Erfahrung kommt jetzt die Reihe.
Nauheim, 23. Juni. Nachdem das Sängerfest vorüber ist, gestatten Sie uns, Ihnen ein kurzes Referat über dasselbe für die Spalten Ihres Blattes in Nachstehen⸗ dem zu geben.— Bereits am Samstag Abend kamen einige auswärtige Sänger hier an, welche vereint mit den Nauheimern und Friedbergern noch an demselben Abend eine Vorprobe hielten. Hatte der Himmel die Tage vorher uns nur sein finsterstes Gesicht gezeigt und die Hoffnungen auf einen günstigen Verlauf des Festes bedeutend berabge⸗ slimmt, so war nun am Sonnlag Morgen die Freude doppelt groß, als uns frühe die Sonne entgegenlachte. Im Laufe des Sonntagvormittags trafen alle Vereine theils per Eisenbahn, theils zu Fuß, theils zu Wagen hier ein und wurde um 11 Uhr die Hauptprobe zur Zufrieden⸗ heit der beiden Direktoren, der Herren Neumann und Neeb, abgehalten. Um 2 Uhr vereinigte der Festzug, aus⸗ gezeichnet durch die Menge und die geschmackvolle Kleidung der reizenden Festjungfrauen, die iheilweise sehr heiter ge⸗ stimmten Sänger in der unteren Parkstraße, von wo sich der Zug durch die sestlich geschmückten Straßen der Stadt nach dem Festplatze, der kaum praktischer gewählt hätte sein können, bewegte. Punkt vier Uhr begann das Concert und wurden sowohl die Orchesterpiöcen, wie auch die 4 Gesammtchöre mit Präcision vorgetragen. Besondere Er⸗ wähnung verdient die Ouverkure zur Euryanthe, sowie der Chor„Kriegerscene“. Die beiden Direkloren, Neeb und Neumann, wurden bei ihrem Auftreten mit lebhaften Zu⸗ rufen seitens der Sänger begrüßt. Nach dem Hauptconcert fanden die Einzelvorträge auf einem dazu erbauten Podium statt. Die Chöre wurden sämmtlich recht brav gesungen und zeugten von dem Fleiße der Sänger und ihrer Direk⸗ toren. Besonderes Lob verdienen die Vereine von Herborn, Marburg, Grünberg und Dillenburg. Abends 8 Uhr be⸗ gann der Ball in der in einen Tanzsaal umgewandelten Festhalle, deren geschmackvolle Decoration wir den Fleiße der Herren Blensdorf und Siesmayer verdanken, die mit Unterstützung der Festjungfrauen, sowie verschiedener Comits⸗ herren einen Feenpalast aus unserm alten Kurhause ge⸗ schaffen hatten. Montag früh fanden sich die Sänger auf unserm schönen Johannisberg zum Frühstücke ein, sowie auf dem reizend gelegenen Teichhause zur Berathung von Bundesangelegenheiten. Ueber Letztere kam uns keine zu⸗ verlässige Kunde zu, nur hörten wir, daß das nächste Fest in Grünberg abgehalten werden solle. Nachmittags be⸗ wegte sich der zwar schon zusammengeschmolzene aber immer noch stattliche Festzug abermals durch die Stadt nach dem Festplatz, wo Volksbelustigungen, Spiele, Musik und die eigene frohe Festesslimmung zum allgemeinen fröhlichen Verlaufe des Nachmittags das Ihrige beiteugen. Abends vereinigte wiederum ein Ball in der Festhalle, wobei noch die sehr gute Restauration des Herrn Kröll an beiden Abenden hervorgehoben zu werden verdient, die letzten Sänger. Das auf dem Johannisberg abgebrannte Feuer⸗ werk zeugte aufs Neue von dem Fleiße und der Kunst des Herrn Vidacovich aus Höchst. Besondern Dank verdient
mit dem Betrage von 1,700,000 fl. zu ent—
das freundliche Entgegenkommen, das den Sängern von
Abg. Mackau, worin er den Stillstand als Richt⸗
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