Erhöhung der Volksschullehrergehalte enthält. Dem Vernehmen nach beträgt diese Erhöhung ungefähr 25 Prozent im niedrigsten Satze und so verhält ⸗ nißmäßig in den steigenden Sätzen. Das zweite Dekret betrifft eine Novelle zum Vereinsgesetz von 1850.
— Das Centralhülfscomite im Plauen'schen Grunde zeigt an, daß die Gesammt⸗Einnahme der bis zum 9. November eingegangenen Unterstützungs⸗ gelder 409,465 Thlr. und 3015 fl. beträgt und bittet, um den Abschluß des Rechnungswerkes zu ermöglichen, etwa noch für seine Zwecke bestimmte Gelder bis zum 15 Dezember einzusenden.
Bayern. München. Unter dem Titel: „Erwägungen für die Bischöfe des Conciliums“ hat der größte kathelische Gelehrte der Gegenwart, Stiftsprobst v. Döllinger, eine zwei Bogen starke Schrift gegen die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes geschrieben. Die österreichischen Bischöfe stehen ebenfalls auf diesem Standpunkte.
— Die Wahlen im Allgäu sind zu Gunsten der Ultramontanen ausgefallen. Hiernach gestaltet sich das Gesammtergebniß der Wahlen der Art, daß fast mit zweifelloser Sicherheit auf eine ultra- montane Majorität in der Kammer zu rechnen ist.
Baden. Karlsruhe. In der zweiten Kammer wurde der Spezialdiskussion über den Gesetzentwurf, die Beurkundungen des bürgerlichen Standes und die Förmlichkeiten bei Schließung der Ehe, fortgesetzt, und schließlich der ganze Gesetzentwurf über die obligatorische Civilehe mit Prävention des Civilactes mit allen gegen sechs Stimmen angenommen. Die clericale Partei hatte als äußerstes Zugeständniß beantragt, man solle die Prävention freigeben, eventuell den Civilact dem kirchlichen Akte am gleichen Tage nachfolgen lassen.
Oesterreich. Wien. Die„Presse“ er- fährt, daß der Sultan wegen der unbefriedigenden Antwort des Vicekönigs von Aegypten eine Weisung an Ali Pascha erließ, dahin gehend, nach Schluß der Feierlichkeiten zur Eröffnung des Sutz⸗Canals einen Commissär der Pforte mit einem Ultimatum nach Cairo abzusenden. Das selbe soll den Vieckönig auffordern, die Bedingungen der Pforte ohne Vorbehalt anzunehmen, oder im Falle der Weigerung sich als abgesetzt zu betrachten.
— Die klerikale„Donauzeitung“ berichtet über eine Conferenz der Cardinals Schwarzenberg mit Probst Döllinger. Der Cardinal gab sich als entschiedener Gegner der Theorie der Unfehl⸗ barkeit des Papstes, und erklärte, er werde seine Aemter und Würden niederlegen, falls die Un— fehlbarkeit dogmatisirt werde.
— Bei Dragali haben blutige Gefechte statt— gefunden, welche einen theilweisen Erfolg hatten. Die bisherigen Verluste der Truppen betrugen an Todten und Verwundeten: einen Stabsofffzier, mehrere Oberoffiziere und einige 30 Mann. Die Insurgenten wurden durch das Kanonenfeuer sehr hart mitgenommen und theilweise über die Gränze gedrängt.
Frankreich. Paris. bevorstehenden Ministeränderungen mehreren Journalen widersprochen.
— In einem Hirtenbriefe erklärt der Bischof von Chalons seine vollständige Uebereinstinmung mit dem von dem Bischof Dupanloup in dessen Hirtenbriefe ausgedrückten Ansichten über die Un- fehlbarkeit des Papstes. Der Bischof von Marseille hat sich in ganz ähnlichem Sinne ausgesprochen.
— Die Blätter veröffentlichen folgendes Tele— gramm aus Ismaila vom 18. d. Nachmittags. Die Kaiserin wurde auf einem Spazierritt, den sie heute unternahm, von der Bevölkerung lebhaft begrüßt. Im See Timsah ankern jetzt 45 Schiffe.
Großbritannien. London. Daupfer⸗ Nachrichten ausg-Rio vom 27. Oct. melden, daß ein furchtbarer Orkan am 10. Oct. am La Plata— strom gewülhet, wobei 14 Schiffe gestrandet seien und ein bedeutender Schaden verursacht ward.— Lopez ließ in San Joaquin seine Mutter, seinen Bruder und andere Personen hinrichten.
— Die Times behauptet mit einer gewissen Autorität gegenüber den Madrider Regierungs⸗ journalen, der Herzog von Genua werde weder
Die Gerüchte von werden von
jetzt noch später die spanische Krone annehmen. Die Times sagt ferner, sie sei ermächtigt zu er- klären, daß die Verwandten des Herzogs von Genua nie für denselben agitirt hätten, sondern entschieden gegen die Kronannahme seien.
— Hrn. Peabody's neue testamentarische Schenkung von 150,000 Pfd. Sterl. an die „Armen Londons“ liefert einen ferneren Beweis dafür, daß dieser edle Amerikaner alle die Ver⸗ ehrung verdient, die seinem Andenken von allen Gesellschaftskreisen gezollt wird.— Es ist That⸗ sache, daß, außer Scharlache und Wechselsieber, nun auch der Hungertyphus in aller Form hier wüthet.
Spanien. Madrid. Die unionistischen Zeitungen vertheidigen sich lebhaft gegen die An⸗ klage einer Conspiration, um den Herzog von Montpensier auf den Thron zu erheben. Würde der Herzog von Genua zum Könige erwählt, so würden demselben mehr die Gesinnungslosigkeit als revolutionäre Versuche entgegenstehen. Die Errichtung einer neuen Dynastie müsse sich auf alle liberalen Kräfte eines Landes stützen.
Italien. Florenz. Am 18. d. wurde das Parlament mit einer durch den Justizminister verlesenen Thronrede eröffnet. Dieselbe verleiht den Gefühlen der Dankbarkeit für die Beweise der Zuneigung des Volkes während der Krankheit des Königs Ausdruck. Die Beziehungen zum Auslande werden als sehr befriedigend geschildert. Die Regierung habe geglaubt, die Erzbischöfe vom Besuch des ökumenischen Concils nicht abhalten zu sollen. Der König hofft, daß aus dieser Ver⸗ sammlung ein die Wissenschaft, die Religion und die Civilisation versöhnendes Wort ertönen werde. Auf alle Fälle könne die Nation versichert sein, daß der König ihre Würde und die Rechte des Staates wahren werde. Der König empfiehlt die Beschleunigung der Votirung des Budgets. Als- dann werde die Regierung Vorschläge zur Ver— besserung des gegenwärtigen Steuersystems vor— legen. Es wird weiter Vorlage verschiedener Entwürfe zur Reform der inneren Verwaltung, der Strafgesetzgebung und zur Entfaltung von Industrie und Creditwesen angekündigt.
— Ein Ministerrath hat den Beschluß gefaßt, dem Könige die Demission des Ministeriums an— zubieten.
Rußland. Petersburg. Ein Manifest über die gewöhnliche, im Januar 1870 stattfin— dende Rekrutenaushebung, setzt fürs ganze Kaiser— reich und Königreich Polen vier von Tausend fest.
Afrika. Aus Suez melden Daepeschen vom 20. d., daß der Kaiser von Oesterreich, die Kaiserin der Franzosen und der Kronprinz von Preußen am 10. die Fahrt auf dem Canal fort— gesetzt haben und in Suez eingetroffen sind. Eine zahlreiche Flottille ist von Ismaila zugleich hier angelangt.
Durch den„Wett. Boten“ erfahren die Urwäyler Friedbergs, daß deren Wahlmänner eine Adresse an den seitherigen Abgeordneten der Stadt, Herrn Landrichter Dr. Stockhausen in Groß⸗Umstadt, ge⸗ richtet haben. Der vollstäudige Abdruck dieser Adresse ist in der letzten Sonntagsnummer genannten Blattes zu finden.
Frankfurt. Der Export Franlfurts nach den Ver⸗ einigten Staaten erweist sich nach dem soeben veröffenf⸗ lichten Jahresberichte des hiesigen amerikanischen General— consuls) Hru. Wm. Prentiß Webster, als in erfreulicher Steigerung begriffen, indem sich derselbe während des Zeitraums vom 1, October 1808 bis 1. October 1869 auf 1,022,159 fl. 19 kr. gegen 909,181 fl. 29 kr. in der enisprechenden Periode des Jahres 1867/68 belaufen hat. Dies zeigt eine Zunahme der Ausfuhr zu Gunsten des letzwerflossenen Jahres von 112,977 fl. 50 kr., eine Zu⸗ nahme, welche hauptsächlich ducch die vermehrte Ausfuhr von Leber und Lederwgaren, Eisenwaaren, Wein, Phantasie⸗ Artikel, Leint u. s. w. verursacht ist, während sich eine verminderte Ausfuhr bei Arükeln wie Hasenhaaren, Leinen-, Wollen⸗, Baumwollen- und Seidenwaaren u. s. w. be⸗ merkbar gemacht hat. Im Ganzen genommen würde sich übrigens jedenfalls die Zunahme des Verkehrs bedeu lend hnärker erwiesen haben, wenn letzterem nicht der hohe amerikanische Zolltarif noch immer so sehr hemmend im Wege stünde und den Export gewisser Artikel fast geradezu unmögtich machte. Die Ausfuhr der hauptsächlichsten Artikel fiellt sich wie folgt heraus: Hasenhaare 423,129 fl., Leder und Häute 174,161 fl., Leinen-, Wollen⸗ und Baum⸗
* Friedberg.
wagren 45,217 fl., Phantasie-Artikel 30,539 fl., Leim 25,836 fl., Wein, Aepfelwein und Brandy 25,737 fl.,
Menschenhagre und Hagrarbeiten 17,430 fl., Seide und
wollenwaaren 78,484 fl., Lederwaaren 69,871 fl., Eisen⸗
Seidenwaaren 16,310 fl., Droguen und Chemitallen 11,778 fl., Glas- und Porzellanwaaren 10,610 fl., Frank⸗ jurter Schwarz 8,195, fl., Papeterie 7,977 fl., Besaß artikel 7,724 fl., Teppichschnüre 7,145 fl., Tuch 7/044 fl Zink 7.000 fl. Bijouterie 5,259 fl., Corsetten 4.840 fl..
Frankfurt. Um das reiche Beobach ungsmalerig über die slattgehabten Erdstöße, welches sicherlich an vielen Orten vorliegt, zu sammeln und basselbe zu einer exakten wissenschaftlichen Bearbeitung vorzubereiten, hat bie Senckenbergische naturforschende Gesellschaft, auf Anregung ihres Docenten für Geologie, Herrn Dr. v. Fritsch, aus führlich deiaillirte Fragebogen an viele hierzu geeignes er⸗ scheinende Persönlichkeiten in den vom Erdbeben betroffenen Gegenden versandt. Es wird durch diese Fragestellungen über die wichtigsten zur Beurtheilung der merkwürdigen Nalurbegebenheit dienlichen Momente Auskunft erbeten. Selbstverständlich werden auch alle zuverlässigen Mit theilungen von solchen Beobachtern, welche nicht um deren Einsendung angegangen werden konnten, erwünscht sein und mit Dank entgegen genommen werden.
Frankfurt. Der Jahresbericht des Vereins zum Schutze der Thiete documentirt eine gedeihliche Fortenl— wicklung desselben. Mit sämmtlichen Thierschutzvereigen Deusschlands(19) hat der Verein Verbindungen angekühpft; desgleichen mit drei französischen, zwei englischen, vie; schweizrrachen, zwei niederländischen, drei russischen, din amerikanischen, einem belgischen und einem afrikansschen Thierschutzbereine.— Thiermißhandlungen kamen im Nu des Jahres bier viele vor und wurden dieselben, sowen sie zur Anzeige gelangten, bestraft. Für die Mitwirkung der Schutzleute hierbei wurde denselben aus der Vereins⸗ kasse eine Gratiftcation.— Wegen langjähriger und kkeuer Dienste bei einer und derselben Herrschaft wurden 0 Kutscher und 17 Fuhrknechte prämiirt; darunter hatte einer 35, ein anderer 29, ein dritter 23 und zwei 20 Dienstjahre bei ein und derselben Familie. Von denselben wurden drei zum dritten Mase und sechs zum zweiten Male prämiirt.— Das Vermögen des Vereins besteht jetzt in 4874 fl. Die Zahl der Mitglieder beträgt 401.
Darmstadt. Der berüchtigte Gauner Konrad Müller von Ober-Ramstadt ist, wie aus Lindenfels berichtet wird, in Ellenbach in der Nacht vom Donnerstag von dorügen Bewohnern eingefangen und an die Gendarmerie abge⸗ liefert worden, welche ihn nach Reinheim hinter Schloß und Riegel brachte. Von dort ist derselbe in das Arrest⸗ haus dahier abgeliefert worden.
Darmstadt. Am 19. d. Abends 6 ¼ Uhr wurde hier abermals ein Erdstoß beobachlet. In Großgerau fanden mehrere Erderschütterungen statt, die sich an ge— nanntem Orte überhaupt fast jede Nacht wiederholen.
Darmstadt. Die„Hess. Volksbl.“ bringen folgende: Mittheilung: Aus dem Acchiv für hessische Geschichte und Alierthumskunde entnehmen wir, daß die Bewohner von Dietzenbach bei Langen vor beinahe 100 Jahren durch ein furchtbares Naturereigniß heimgesucht wurden. Es wat am 19. Juni 1774 Nachmittags zwischen 4 und 5 Ühe, als nach einem schwülen Tage am Himmel von Südosten her ein Gewitter mit ungewöbulichem Geiöse heranze und wie Feuer und Flamme aussah. Um 5 Uhr wurde es ganz finster und es erfolgten zwei Erdstöße. In kaum 5 Minulen waren fast alle Dächer beschädigt, viele Schorn steine eingestürzt und 35 Gebäude meist Scheunen in den: sogenannlen Borngasse zusammengefallen, andere aus ihren Fundamenten gerückt. Zur Exinuerung an diese surchk⸗ baren Naturscenen wurde vicle Jahre hindurch(vielleich. geschieht es noch jetzt) Sonntags um die gleiche Stunde, in welcher dieselben siatt gehabt, mit allen Glocken geläutet.
Großgerau. Vom 20. d. wird gemeldet: Gestern! Nacht 2 Uhr, 3½, 3½̃; Vormiltaps sodann halb!“ abermals Erostöße don etwa ein Viertel der Stärke der: neulichen Erschülterungen. Nachmittags 1 Uhr, 10. Mp. ein solcher von beinahe der Hälfte der damaligen Stärke um 4½ sodann endlich ein letzter, etwas geringerer Stoß. Dabei fortwährend mehr oder minder starkes Getöse.
Großßgerau. Die hiesige schöne neu hergestellte Kirche: hal in Folge der vor 14 Tagen stattgehabten starken Er⸗ schütterungen Schaden gelitten, jedoch ohne gefahrdrohends Gestaltung.
Berlin. leumlampe vor dem Einschlafen auszulöschen.
Ein Dienstmädchen vergaß es, seine Petre⸗ Am andert
gefunden. Ein betäubender Dampf erfüllte das Zimmek: und hatte den Exstickungstod zur Folge.
Berlin. Ein Diebstahl der verwegensten Art ist il der Nacht vom 5. auf den 6. d.. nachtzug, welcher zwischen Königsberg und Berlin fähr!, ausgeübt worden. Eine Frau Lutze benutzie diesen Zug auh ihrer Reise von Petersburg nach Berlin. Sie hatte ile Schmuckgegenstände, welche einen Werth von etwa 15000 Thaler haben sollen, und die sich in einem kleinen Koffer befanden, in das von ihr benutzte Coupe erster Klasse mi genommen. Frau Lutze besand sich in dem Coupe a ein und war glücklich bis zur Station Kreuz gelangt; sie wal in einen Halbschlummer gesunken, als der Courierzug on Kreuz sich in Bewegung setzte. Nach ihrer Aussage are löschte kurz nach Abgang des Zuges die Couvelampe, eil! Mann trat in das dunkle Coupe, ergriff den Handkoffer, welcher die Schmucgegenstände, sowie einen zweiten, welche die Toilettegegenstände enibielt; außerdem fielen ein Damen pelz von echtem Sammet mit breitem Chinchillabesatz un Feebauchfutter sowie 1100 Thaler baares Geld anweisungen dem Diebe in die Häyde, welcher sich sodaum schleunigst entfernte. Das Hülferufen, welches Frau Lutz auf der Fahrt bis zur nächsten Haltestation Landsberg, ausstieß, wurde durch das Geräusch des Zuges übertöl iet erst auf dieser Station befand dieselbe sich in di [Lage, den räuberischen Anfall zur Kenntniß der Bahn
Morgen wurde die Unglückliche als Leiche in ihrem Veil:
M. in dem Eisenbahn:
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