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beamten zu bringen. Die alsbald angestellten Nachforschungen der Polizei haben zur Entdeckung des Thäters, eines frü⸗ heren Eisenbahnbediensteten Namens Zielke, geführt. Der; selbe hatte seiner in Berlin wohnenden Schwägerin einige Ringe zum Geschenk gemacht. Diese hat, sobald sie von dem Naube Kunde erhalten, Verdacht geschöpft, Anzeige gemacht und die ihr geschenkten Gegenstände bei der Polizei deponirt; dort wurden sie von Frau Lutze als ihr Eigen⸗ thum erkannt. Zielke wurde in Frankfurt a. d. O. ver⸗ hafter, wobei man den-Rest des gestohlenen Gutes noch bei ihm vorfand, mit Ausnahme des baaren Geldes, im Bettag von 1100 Thaler. Der Werth der entwendet ge⸗ wesenen Gegenstände wird jetzt auf 27,000 Thlr. geschätzt.
Paris Der Unter⸗Chef der öffentlichen Sicherbeit, Soudras, welcher nach dem Elsaß gesandt wurde, um dort den Angaben Tropmann's gemäß neue Nachsuchungen anzustellen, um Johann Kinck aufzufinden, hat nach Paris gemeldet, daß diese ganz fruchtlos geblieben sind. Dieses Resultat wird den Gang des Processes wahrscheinlich be— schleunigen und die Anklagekammer wohl sofort Ausspruch thun. Obwohl Tropmann Berufung gegen denselben ein— legen will, so dürste die Sache doch in der ersten Hälfte des Monats December vor den Pariser Assisenhof kommen. Die Zahl der Zeugen in diesem Processe beträgt ungefähr 60.
London. Versteckter Meuscheuhandel. Man hat sich die Mühe genommen, nachzuzählen, wieviele neugeborene Kinder zu einer gewissen Zeit in dem weitverbreiteten englischen„Morgenblaute“ zur„Abopfion“ ausgeboten werden, und gefunden, daß die Zahl dieser kleinen Würmer wöchentlich durchschnittlich 43 beträgt.„Adoption“ heißt natürlich so viel als Ankauf. Manche suchen brünelte, Andere blonde Kinder, und in Folge dessen wird die lebendige Waare auch gleich mil Angabe der körperlichen Eigenschaften annoncirt und ausgeboten. So liest man: „Ein hübsches, dralles Mädchen von vier Monaten, mit blauen Augen und blondem Haar, von gesunden Eltern stammend, ist sofort zu adoptiren“;„ein neugeborenes, ungewöhnlich großes Kind, männlichen Geschlechis, von wohlgeformien Gliedern und angenehmen Gesichtszügen(!) kann sofort adoptirt werden. Die besten Referenzen be— treffs der Gesundheit der Eltern werden gegeben.“ Blau äugige Kinder sind sehr begehrt, besonders wenn sie brünett sind; es sollen für solche Exemplare bisweilen bis zu 500 Dollar gezahlt werden.
fortzufahren. Läßt er sich dessen beste Erzeugnisse, die ihm gleich im Anfang seines öffentlichen Auftretens die Herzen erwarben, zum Muster dienen, und fährt er fort, auch derartige Gegenstände, wie z. B.„Von der Heimath mehrerer Nähr- und Nutzpflanzen und Bäume“ in den Kreis seiner Besprechungen zu ziehen, so darf dem Unter—⸗ nehmen ein ehrenvelles 50jähriges Jubiläum in Aussicht gestellt werden.
Mittheilungen uus dem perein der Gustav-Adolf-Stiftung. 2
In dem katholischen Ermlande, Regierungsbezirk Königsberg, leben die Evangelischen so zerstreut, daß eine
Fürsorge für den evangelischen Schulunterricht großen⸗ theils nicht möglich ist. Es gibt Gemeinden, die bei 12 Quadratmeilen Größe und 60 eingepfarrten Ortschaften nur eine evangelische Schule haben. Die Eltern der Kinder haben darum große Sorge um den evangelischen Religionsunterricht ihrer Kinder. Verwaiste Kinder er- bhalien meist gar keinen. Für solche verwaiste arme evan⸗ gelische Kinder des Ermlandes sind vor 20 Jahren in der Stadt Wartenburg daselbst zwei Waisenhäuser, eines für Knaben, das andere für Mädchen, durch die Handreichung christlicher Liebe entstanden, jedoch mit so geringen Mitteln und daher so leicht gebaut, daß das Knabenhaus theilweise im Einsturz begriffen ist und dem Leben der Kinder Ge— fahr droht. Es hat ein neues Haus in diesem Jahr ge— baut werden müssen; dasselbe ist gegenwärtig bis zum Dach fertig und muß zum Herbst bezogen werden. Das ganze Gebäude kostet ungefähr 4000 Thaler; es fehlen zur Vollendung desselben noch 1500 Thaler. Die Zahl der Waisen, die in beiden Häusern Aufnahme gefunden haben, beläuft sich auf gegenwärtig nahezu 60. Auch Kleider, Hemden und Strümpfe, selbst getragene Kleider werden für die Waisen erbeten.
An diese Mittheilung knüpfen wir die Nachricht, daß 1868 bei dem Jahresfeste des Weiterauer Vereins der Gustav-Adolf-Stiftung für diese Anstalten die Festcollecte, und 1869 von dem Frauenverein der Gustav-Adolf-Stif⸗ tung für Friedberg und Umgegend eine Anzahl von Hem— den und Strümpfen für die Knaben und Mädchen daselbst bewilligt worden ist.
Literarisches.
O„Die Spinnstube“ feiert mit dem nunmehr erschienenen Jahrgang 1870 ihr 25 jähriges Bestehen. „Von Nichts komm Nichts“, sagt das Sprichwort. Auch die Spinnstube hätte es nicht zum 25. Jahrgang bringen, geschweige denn einen so zahlreichen Leserkreis auf weit und breit sich erwerben können, wenn sie nicht das wäre, was sie sein will, ein ächtes Volksbuch. Auch der neue Jahr- gang bringt aus dem altbekannten Grundton inniger Frömmigkeit ächt deutscher Biederkeit und warmer Vater⸗ landsliebe heraus Vieles, was an langen Winterabenden iim Familienkreise vorgelesen sich gar erquicklich anhört und Belehrung und Auregung zu weiterem Nachdenken über die das Volksleben zumeist berührenden Fragen in Fülle bietet. Außer dem beherzigenswerthen Eingangsgruß sei nur die die Kinderzucht behandelnde Erzählung:„Saat und Ernte“ erwähnt. Ein hübsches Titelkupfer und viele in den Dt eingedruckte Holzschuitte gereichen dem Büch— lein wie man's an der„Spinnstube“ gewöhnt ist, zur Zierde.— Der alte Spinnstubenschreiber, der berühmte Volksschriftsteller Horn, hat die Feder für immer nieder— gelegt. Sein Sohn hat sie für die„Spinnstube“ an seiner Stelle ergriffen. Er ist bestrebt, in seines Vaters Weise
Verloosungen.
Freiburg(Canton), 15. November.(10-Fr.⸗Loose von 1857.) Bei der heutigen Ziehung fielen auf folgende Nummern größere Gewinne: auf Nr. 40 der Serie 7389 40.000 Fr., auf Nr. 39 der Serie 5769 4000 Fr. und auf Nr. 7 der Serie 7346 1000 Fr. Die Zahlung er⸗ folgt am 1. Februar 1870.
Vom neuen Maaß und Gewicht.
Vom 1. Januar 1872 soll bekanntlich im ganzen Norddeulschen Bunde und auch in unserm Großherzogthum eine neue und übereinstimmende Maaß- und Gewichtsordnung zur Geltung kommen. Von dem genannten Zeitpunkte ab müssen die neuen Maaße und Gewichte im öffentlichen Verkehr überall gebraucht werden; aber schon vom 1. Jan. 1870 dürfen sie unter gegenseitigem Einverständ⸗ nisse der Betheiligten gebraucht und deßhalb schon vorher zur Aichung zugelassen werden. Die Aichungs-Commission hat demgemäß schon jetzt
die näheren Vorschriften über das Material, die Gestalt, die Bezeichnung und die sonstige Be- schaffenheit der künftig geltenden Maße und Ge— wichte an alle Aichungsstellen erlassen. Die be- treffende Anweisung wird(vorbehaltlich weiterer Veröffentlichung) schon jetzt bei den Aichunge⸗ Aemtern für Jeden, der es wünscht, zur Kenntniß ausliegen.
Den Längenmaaßen ist bekanntlich in Zukunft das Meter oder der Stab(etwas über 3 Fuß) zu Grunde gelegt. Der zehnte Theil des Meters heißt Decimeter, der hundertste Theil des Meters Centimeter oder Neu-Zoll. Zehn Meter heißen ein Dekameter oder Kette. Zur Aichung werden folgende Längenmaaße zugelassen werden: 1 Meter, 2,5 Meter, 10 Meter(Dekameter, Kette), 20 Meler,— ferner 5 Decimeter oder 50 Centimeter, 2 Decimeter oder 20 Centimeter, 1 Deeimeter oder 10. Centimeter.
Das Körpermaaß, mithin auch die Flüssig⸗ keite- und Hohlmaaße, werden künftig nach dem Cubikmeter(einem Meter im Würfel) berechnet. Die Einheit bildet der tausendste Theil des Cubik— meters; derselbe heißt das Liter oder die Kanne, das halbe Liter heißt ein Schoppen. Hundert Liter heißen ein Hektoliter oder ein Faß. Fünfzig Liter sind ein Scheffel. Zur Aichung und Stempelung sollen folgende Flüssigkeitsmaaße ge— langen: 1 Liter oder Kanne, 2, 5, 10, 20 Liter oder Kannen. Ferner ½ Liter oder ein Schoppen, ½, ½, ½6, ¼2 Liter oder Kannen. Als Hohl⸗ maaße für trockene Gegenstände werden zur Aichung und Stempelung zugelassen: 1, 2, 5, 10 und 20 Liter, ferner 1 Hektoliter oder 1 Faß, ½ ͤ Hektoliter oder 1 Scheffel, ½¼ Hektoliter oder 72 Scheffel, sowie J, /, ½ und ½86 Liter.
Die Einheit des Gewichtes bildet das Kilo— gramm(1000 Gramm), ½ Kilogramm ist ein Pfund. Zehn Gramme heißen ein Dekagramm oder Neuloth, 50 Kilogramm oder 100 Pfund heißen ein Centner, 1000 Kilogramm oder 2000 Pfd. eine Tonne, der zehnte Theil eines Gramms heißt Deeigramm, der hundertste Theil Centigramm, der tausendste Theil Milligramm. Zur Aichung und Stempelung sollen folgende Gewichte gelangen: 50 Kilogramm oder 1 Centner, 50 Pfund oder ½ Centner, 20, 10, 5, 2 und 1 Kilogramm, fernet 500 Gramm oder 1 Pfd., ½ Pfd., 200 Gramm, 100, 50, 20 Gramm, 10 Gramm oder 1 Dekagramm oder Neuloth, 5, 2, 1 Centigramm(hundertstel Gramm), 5, 2, 1 Milligramm(tausendstel Gramm).
In der erwähnten Anweisung ist genau an— gegeben, wie die zur Aichung gelangenden Maaße und Gewichte beschaffen sein müssen.
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3023 Dem unbekaant wo? in Australien abwesenden Georg Imbescheld von Butzbach wird auf diesem Wege bekannt gemacht, daß Lorenz Scheerer von Ober⸗ Mörlen durch den Großherzoglichen Hofgerichts⸗Advokaten Turtman eine Klage auf Zahlung einer Wechselschuld im Betrage ven zwei Hundert sechzig vier Gulden nebst (6% Zinsen vom 16. September 1856, sowie auf Ersatz der Proceßkosten gegen ihn hat anustellen lassen, inden primär die Fortsetzung des Executionsverfabrens auf (Brund eines nöthigenfalls im Original oder in be⸗ glaubigter Abschrift vorzulegenden Erkenntnisses des laustralischen Gerichtshofes county court zu Melbourne, ldessen Rechtskkaft anzuerkennen sei, beantragt eventuell zaus einem abschriftlich überreichten Wechsel d. d. Mel⸗ bourne 16. Juli 1856 geklagt wird.
Unter Gestattung der Acteneinficht auf dem Astuariat des unterzeichneten Gerichts ergeht daher an ven Be— ltlagten Georg Imbescheld die Aufforderung, sich auf die Klage sogewiß innerhalb drei Monaten von heute zu erklären, als er sonst des thatsächlichen Klagiuhalts igeständig erachtet, mit Elnreden ausgeschlossen und der [Klagbitte gemäß verurtheilt resp. weiter geeignet gegen ibn vorgeschritten werden wird.
Anstatt der Infinuatlon werden weiter zu erlassende Verfügungen an der Gerichtsthüre angeschlagen werden.
Butzbach den 24. October 1869.
Großherzogliches Landgericht Butzhach A. Bde. K i g ei, Landgerichts ⸗Assessor.
Logis zu vermiethen. 3092 Der 2. und 3. Stock meines Hauses ist zu ver⸗ miethen und im Februar zu beziehen.
Adam Menges.
— 7 Conecurrenz⸗Exröffnung. 3168 In dem Landeszuchthaus Marienschloß ist eine Aufseherstelle mit einem Gehalte von 300 Gulden zu besetzen. Der Anzunehmende muß ein kräftiger, un⸗ verheiratheter Ercapitulant, mit guten Zeugnissen seiner Militär- und Ortsbehörde versehen, im Rechnen und Schreiben bewandert und fähig sein, der Küfer⸗ oder Schlosserwerkstätte vorzustehen.
Marienschloß den 15. November 1869. Großherzogliche Landeszuchthaus-Directlon r
eee ee, eee 3180 Donnerstag den 25. d. M., Vormittags 11 Uhr, wird der Bedarf an Bettstroh für die hiesige Garnison pro 1869ũ70 unter den bei der Garnison-Verwaltung zur Einsicht offen liegenden Bedingungen auf dem Sou— missionswege in Lieferung vergeben. Friedberg den 18. November 1869. Großherzogliche Garnisonverwaltung Friedberg Ni schwrtz. ö
Ochsenfleisch⸗Lieferung für das Garnison⸗Lazareth Friedberg auf das Jahr 1870. 3205 Freitag den 26. d. M., Vormittags 10 Uhr, soll die obige Lieferung auf dem Lazareth-Büreau unter den daselbst zur Einsicht offen liegenden Bedingungen durch Soumission vergeben werden.
Friedberg den 20. November 1869. Großherzogliche Garntson Lazareth-Commission Stock. Dr. Steinhäuser.
Ein heizbares Mansardzimmer 3182 ist zu veimiethen. Näheres bei Herrn M. Mond ig ler in der Vorstadt.
Edictalladung.
3208 Nachdem wider den Reeruten Salomon Sund— heimer aus Münzenberg, Kreis Friedberg gebürtig, der Desertionsproceß eröffnet ist, wird derselbe hiermit aufgefordert, zu seinem Truppentheile zurückzukehren, spätestens aber in dem auf Donnerstag den 25. Februar 1870 Vormittags 9 Uhr,
vor dem unterzeichneten Gericht anberaumten Termin sich zu gestellen, widrigenfalls die wider ihn eingeleitete Untersuchung geschlossen, er in contumaciam für einen Deserteur erklärt und in eine Geldbuße von 30 bis 1000 Thaler verurtheilt werden wird.
Darmstadt den 21. November 1869.
Gtoßhenzoglichse en ssertet Lotheißben, Divisions Auditeur.
Mobiliar ⸗Versteigerung. 3209 Freitag den 26. Nohember d. J., Vormittags 9 Uhr, sollen in der Bebausung der Adam Kehr's Witwe dahier umzugshalbes verschiedene Mobilien, als:
Tische, Stühle, Schränke, Betistellen, Bettwerk, Weiß⸗ zeug, Glas, Porzellan, Küchengeräthschaften, sowie sonstige Haushaltungsgegenstände frelwillig meistbietend gegen Baarzahlung versteigert werden.
Friedberg den 22. November 1869.
Großherzogliches Ortsgericht Friedberg Foucar.
Herrenhragen 7.8
neben der Post in Friedberg.


