wurde von der gegen ihn erhobenen Anklage wegen Beleidigung des Geh. Staatsraths Frank freigesprochen. N
— Der Großherzog hat auch diesmal am Mathildentage verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten namhafte Schenkungen zugewiesen: Der Mathilden⸗ stiftung 900 fl., dem Mathilden-Landkrankenhause 300 fl., dem Diakonissenhause Elisabethenstift 150 fl., den barmherzigen Schwestern dahier 100 fl., der Kleinkinderschule dahier 100 fl., dem Rettungshause in Hähnlein 200 fl. und der Blindenanstalt zu Friedberg 100 fl.
— Das Ministerium hat zur Aufbesserung der Gehalte für die thatsächlich außerordentlich gering besoldeten Lehrer des Gymnasiums in Büdingen eine jährliche Verwilligung von 900 fl. nachgesucht. Auch für Verbesserung der Gehalte der Lehrer in Gießen wird die Gewährung eines weiteren Staatszuschusses von jährlich 1200 fl. beantragt.
Preußen. Berlin. Der Abg. Hagen hat folgenden Antrag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen, zu erklären: Die Verordnung des Bundes⸗Präsidiums vom 22. Dezember 1868, betreffend die Einführung der in Preußen gelten— den Vorschriften über die Heranziehung der Militärpersonen zu Communal-Auflagen im ganzen Bundesgebiet, ist durch den Art. 61 der Bundes— verfassung nicht gerechtfertigt, und ist dieselbe daher, insofern sie der verfassungsmäßigen Zustimmung des Bundesraths und des Reichstages entbehrt, als eine rechtsverbindliche Norm für die einzelnen Bundesstaaten nicht zu erachten.
— Der Reichstag beanstandet in Folge eines eingelaufenen Wahlprotestes aus Friedberg die Wahl Buff's und fordert den Bundeskanzler auf, eine Untersuchung einzuleiten. Der Antrag der betreffenden Abtheilung auf Ungültigkeit der Wahl wurde nicht angenommen. Ferner nahm der Reichstag folgende Amendements zum Wahlgesetze an: 1) Die Staatsbeamten dürfen nicht Mit— glieder der Wahlbureaus sein; 2) Wahlvereine und Wahlversammlungen sind gestattet. Der Rest des Gesetzes wurde genehmigt.
— Von Seiten des Bundeskanzlers sind ein- gegangen: Die Gesetzentwürfe, betreffend die Cautionen der Bundes beamten und die Einführung eines allgemeinen deutschen Wechselrechts und Handelsgesetzes als Bundesgesetze. Der Reichstag wird bis zum 6. April vertagt.
— Nach der dem Reichstage mitgetheilten Statistik der Postverwaltung des norddeutschen Bundes für das Jahr 1868 bestanden in dem— selben 4464 Postanstalten. Das Beamtenpersonal betrug 4582, das der Unterbeamten 20,121. Der Gesammt⸗Briefverkehr zählt 307,293,676 Briefe. An Zeitungen wurden 145,964,961 Stück befördert. Die Porto-Einnahme für die inner- halb des norddeutschen Postbezirks im Jahre 1868 aufgegebenen Briefe beläuft sich auf 6,565,980 Thlr Der Päckerei⸗ und Geldsendungsverkehr weist eine Stückzahl von 36,468,828, ein Gewicht von 203,054,382 Pfund und einen Werth von 2,054, 103,102 Thlr. nach. Diese Zahlen gelten jedoch nur für die Paket- und Geldsendungen innerhalb des norddeutschen Postbezirks; rechnet man jedoch die Sendungen nach und aus dem Auslande, den Transit ꝛc. hinzu, so beträgt die beförderte Stückzahl 39,472,752 mit einem Ge; wichte von 215,295,382 Pfund und einem Werthe von 2, 376,301,896 Thlrn. Durch Postanwei— sungen sind innerhalb des norddeutschen Postbezirks vermittelt worden 104,732,184 Thaler auf 8,373,777 Stück Postanweisungen. Die Gesammt-⸗ einnahme der Postverwaltung beträgt 20,516,435 Thlr., die Gesammtausgabe(vorbehaltlich defini— tiver Feststellung) 20,655,056 Thlr.
Bonn. Am Morgen des 17. d., wenige Minuten vor halb zehn, wurde in hiesiger Stadt und der näheren Umgegend eine ziemlich heftige Erderschütterung, verbunden mit starkem unter— irdischem Rollen wahrgenommen. Der Stoß schien aus N.-N.-W. zu kommen und sich nach S.⸗S.⸗O. fortzupflanzen. Das Erdbeben war vorzugsweise in den oberen Stockwerken der Häuser bemerklich und gab sich durch ein heftiges
Erzittern des Fußbodens, durch Klirren der Fenster, Schwingungen der Kronleuchter und Ver- schiebung von den auf den Tischen stehenden kleineren Gegenständen zu erkennen. Auch in dem benachbarten Siegburg wurde eine gleiche Wahr— nehmung gemacht.
Wiesbaden. Die Bevölkerung Wiesbadens ist jetzt auf 32,000 Seelen angewachsen. Die Miethen sind um 15— 20 Prozent gestiegen. In Folge des außerordentlichen Zuzugs von Hand werkern und Arbeitern aller Art, welche nunmehr ihre wirthschaftliche Freiheit erlangt haben, ist namentlich für die kleinen Leute ein Logismangel eingetreten.
Bayern. München. Der Finanzaus- schuß der Abgeordnetenkammer hat statt der ge— forderten 4,750,000 Gulden einen vorläufigen Credit von 1 Million Gulden für die Anschaffung von 15,000 Stück Hinterladungsgewehren, 4 Mill. Patronen, sowie die Einrichtung einer Gewehr⸗ fabrik und zweier Laboratorien beantragt.
— Bapyern hat mit Rußland einen Staats- vertrag über die Auslieferung von Verbrechern abgeschlossen, welchen der König am 20. d. M. ratifieirte.
Oesterreich. Wien. Das Abgeordnkten— haus beschloß über den Gesetzentwutf, betreffend die Organisation des Landsturmes, zur Tages— ordnung überzugehen. Minister Giskra hatte die Zurückweisung des Gesetzentwurfes an den Aus— schuß empfohlen.
— Der Cardinal Rauscher hat 300 Napo- leonsd'or und das Domkapitel von St. Stephan in Wien 1000 fl. als Peter pfennig nach Rom geschickt. Die St. Michaelsbrüder in Nieder österreich, deren Zahl auf 3742 gestiegen ist, haben bis jetzt für das Kriegsheer des h. Vaters Pius IX. nahe an 130,000 fl. zusammengebracht.
Prag. Der Cabinetsrath des früheren Kur— fürsten von Hessen, Schimmelpfennig, erbat auf erhaltene Nachricht von schwerer Erkrankung seines Vaters in Kassel vom Bundeskanzler Graf Bis— marck per Telegraph Erlaubniß, seinen Vater zu besuchen. Es wurden ihm zu dem Zwecke acht Tage bewilligt.
Triest. Der Kaiser von Oesterreich ist unter Kanonendonner, Glockengeläute und dem Zurufe des Volkes hier eingetroffen. Der Podesta gab in seiner Ansprache an den Kaiser den Gesinnungen der„allergetreuesten Stadt Triest“ Ausdruck. Der Kaiser erwiderte in italienischer Sprache. Unmittelbar nach dem Eintreffen in seinen Appar— tements empfing der Kaiser den Abgesandten des Königs von Italien, Generaladjulant della Rocca, welcher die Glückwünsche Victor Emanuel's dar- brachte.
Frankreich. Paris. Eine der berühm- tlesten Gemäldesammlungen in Paris kommt gegen— wärtig zur öffentlichen Versteigerung. Der erste Tag der Auction trug allein die Summe von 633,600 Frs. ein. Unter Anderem wurde die Madonna von Raphael mit 150,000 Frs. erstan⸗ den; ein Thierstück von Albert Cnip ging anf 92,000, ein Hobbema und ein Van der Heyden je auf 40,000 Frs. u. s. w.— Der zweite Tag der Versteigerung trug 755,530 Frs. ein. U A. wurde ein Teniers mit 159,000 und ein Peter von Hooghe mit 150,000 Frs. bezahlt.
— Im gesetzgebenden Körper nahm der Kriegsminister Niel das Wort über die neue Militärorganisation und sagte, dieselbe sei nahezu vollendet. Wenn plötzlich eine Gefahr drohen sollte, so würde Alles rasch bereit sein, aber man nähme sich Zeit, weil dem nichts entgegenstände. Niel sagte ferner: es sei jetzt nicht Zeit, zu ent— waffnen; weit größeres Unglück würde es sein, im Zustande der Entwaffnung eine Beleidigung hinnehmen zu müssen. Frankreich würde diejenige Regierung stürzen, welche das Land einer solchen Eventualität ausgesetzt hätte.
— Wie die„Gazette de France“ vernimmt, wären die Verhandlungen, welche über die auf Grundlage der italienischen Kirchengüter auszu⸗ führende Finanzoperation gepflogen würden, auf folgendes Hinderniß gestoßen: Die Banquiers hälten verlangt, daß ihnen das ganze Eigenthum
der Geistlichkeit mit Einschluß der Güter der Fabriken der Kirchen abgetreten würden. Dieser Anspruch nöthige den Minister, die Autorisation des Parlaments einzuholen, was wiederum von
Seiten der Opposition zu einer Debatte über die
ganze Operation, welche die Regierung vorerst vermeiden will, benützt werden könnte.(Siehe die neuere Nachricht aus Florenz.)
— Die„Patrie“ erwähnt eines Projektes, wonach der Kaiser und die kaiserliche Familie bei Gelegenheit des hundertjährigen Geburtstags Napoleons I. dessen Geburtsstätte Corte auf Cor⸗ sika besuchen würden.
— Eine furchtbare Explosion am Sorbonne⸗ Platze in Paris hat stattgefunden und zu Tage gebracht, daß die Regierung dort eine große An- zahl von Höllen-Maschinen für die Marine an⸗ fertigen ließ, und daß die Polizei, welche dieses wohl wußte, nicht einen Schritt gethan hat, um diese gefährlichen Dinge aus dem Herzen der Stadt zu entfernen.
Belgien. Brüssel Herr van der Stichelen kündige heute Hern. v. Lagueronnière die An- nahme des französischen Vorschlags von Seiten der französischen Regierung officiel an. Die Grundlagen dieses Vorschlags sind: Die Unter— suchung des ökonomischen Theils der Frage, die Prüfung der Eisenbahnverträge.
— Die„Independance belge“ bestätigt obige
Nachrichten über den Stand der französisch— belgischen Angelegenheit und erfährt, daß das
Cabinet der Tuilerien der belgischen Regierung seine Befriedigung über das Resultat der Ver- handlungen, welches den peinlichen Zwischenfall beseitige und die Beziehungen zwischen beiden Ländern wieder herstelle, in den herzlichsten und vertrauensvollsten Ausdrücken kundgegeben habe.
Spanien. Madrid. Der Minister des Innern las in der Cortessitzung offizielle Depeschen vor, welche constatiren, daß die Insurgenten von Kexes geschlagen wurden, allerdings mit großem Blutvergießen. 600 Gefangene sind gemacht. Die Insurgenten gehören großentheils andern Provinzen an. Die Ruhe ist sonst nirgends gestört.
Italien. Rom. Der Papst hat dem kaiserlichen Prinzen von Frankreich am 16. d. seinen Segen überschickt, wofür der Kaiser Na⸗ poleon ihm innig dankte. Der Papst wird am 10. April eine Amnestie ertheilen.
Florenz. Die Finanzoperation, betr. den Verkauf der geistlichen Güter, ist zum Betrag von 300 Millionen mit der Nationalbank, dem Credit mobilier und dem Consortium für die Tabaks obligationen abgeschlossen.
Amerika. Durch Erlaß des Gesetzes über die Bundesschuld, lautend:„Verfügt vom Senat und Repräsentantenhaus im Congreß versammelt, daß, um jeden Zweifel bezüglich der Absicht der Regierung, alle gerechten Verpflichtungen gegen die Staatsgläubiger zu erfüllen, zu entfernen und um widersprechende Fragen und Auslegungen der Gesetze, kraft welcher solche Schulbverpflichtungen eingegangen wurden, zu entscheiden, hierdurch be⸗ stimmt und erklärt, daß das Wort der Vereinigten Staaten heilig verpfändet ist für Zahlung aller Obligationen der Vereinigten Staaten in klingen⸗ der Münze(coin) oder deren Aequivalent außer in Fällen, wo das Gesetz, durch welches die Emission irgend einer solchen Obligation autorisirt wird, ausdrücklich vorschreibt, daß dieselbe bezahlt werden möge in gesetzlichem Gelde oder anderer Währung als Gold und Silber.“— hat der Congreß die Nation von dem Verdachte gereinigt, ihre Gläubiger kürzen zu wollen.
Offenbach. Nachdem die Beschickung der diesjährigen internationalen Ausstellung der Handwerker in London, in Folge der geringen Theinahme anderer Städte, schließ⸗ lich auch hier abgelehnt wurde, haben die Comités von Mainz, Darmstadt, Gießen und hier sich dahin geeinigt eine derartige Ausstellung in kleinerem Maßstabe im Herbst dieses Jahres in Darmstadt abzuhalten. Die Theilnahme der Ar- beiter unserer Stadt und Umgegend, an welche das hiesige Comité, welches aus Fabrikanten und Arbeitern besteht, einen Aufruf zur Betheiligung hat ergehen lassen, ist bis jetzt schon bedeutend. 5
Offenbach. Zu dem am 17. d. hier abgehaltenen Markt für Fett-, Zucht- und Milchvieh war eine bedeutende Anzahl schwerer und schöner Thiere angetrieben, und!?
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